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Vom Kleiderschrank zur Gründerin

Lisa Samhammer erkannte früh das Potenzial nachhaltiger Mode. Aus ersten Verkäufen entwickelte sie schnell ein erfolgreiches Online-Business  – und die Mission, andere Frauen zu ermutigen, ebenfalls im E-Commerce durchzustarten. 

Als Lisa Samhammer vor rund 10 Jahren nach einem Auslandsaufenthalt aus Vietnam zurückkam, passierte etwas, das ihr Leben verändern sollte. „Ich wurde plötzlich von meinem eigenen Kleiderschrank erschlagen“, erzählt sie. Sechs Monate hatte sie dort aus einem einzigen Koffer gelebt – zurück in Deutschland wurde ihr bewusst, wie viel ungenutzte Kleidung sich angesammelt hatte.

Sie begann, erste Teile online zu verkaufen – zunächst ganz privat. „Ich habe gemerkt, dass es wirklich gut funktioniert, wenn man gute Fotos macht und eine ordentliche Beschreibung aufsetzt.“ Der Spaß daran, Kleidungsstücke weiterzugeben, ließ sie nicht mehr los. Aus dem Ausmisten wurde ein kleines Nebenprojekt, dann ein größeres – und schließlich die Idee für ein eigenes Unternehmen.

2016 gründete Lisa Second Life Fashion, damals gerade einmal 22 Jahre alt. „Alle sagen ja immer, man soll etwas tun, bei dem man gar nicht merkt, wie die Zeit vergeht – und das war bei mir genau so.“ Ihre Freundinnen gaben ihr erste Teile, ihr Vater unterstützte sie bei den unternehmerischen Basics. Doch den Mut, wirklich zu gründen, fasste sie selbst: als sie die ersten Verkäufe über eBay sah. „Die erste Bestellung war mein schönster Moment – da wusste ich: Das funktioniert wirklich.“

eBay wurde schnell zum wichtigsten Wachstumstreiber. „eBay war für mich der perfekte Startpunkt: unkompliziert, ohne große Investitionen und mit einer riesigen Reichweite.“ Heute macht die Plattform rund 40 Prozent ihres Umsatzes aus. Sie verkauft international, nutzt viele der eBay-Tools – besonders gerne die Funktion “Preisvorschläge” – und arbeitet mit einer eigenen technischen Lösung, die ihr Bruder programmiert hat. „Ohne die gute API-Dokumentation von eBay hätten wir unser Warenwirtschaftssystem gar nicht so nahtlos anbinden können.“

Lisa Samhammer bei der Arbeit

Doch der Weg war nicht immer leicht. „Die ersten vier Jahre waren wirklich heftig“, sagt Lisa offen. „Man verbrennt Geld, arbeitet ohne Ende – und fragt sich, ob sich das lohnt.“ Gerade Frauen seien dabei oft besonders streng mit sich. „Wir überlegen zu viel, bevor wir einfach loslegen.“

Heute hat Lisa zwei Vollzeitkräfte, eine treue Community und Kundinnen, die ihr handgeschriebene Dankesbriefe schicken. Sie lacht: „Ich sehe morgens meinen Partner, wie er sich zur Arbeit quält – und ich stehe jeden Tag mit einem Lächeln auf. Das ist mein Traumjob.“

Lisa Samhammer am Schreibtisch

Für andere Frauen hat sie deshalb eine klare Botschaft: „Einfach anfangen! Man kann Probleme lösen, wenn sie auf dem Tisch liegen – nicht vorher.“ eBay sei dafür der ideale Partner: „Man kann ohne Risiko testen, ob die Idee trägt. Und man wächst Schritt für Schritt hinein.“ Für Lisa ist die eBay-Community zudem ein echter Mehrwert: ein unterstützendes Netzwerk, in dem Händlerinnen sich gegenseitig stärken und voneinander lernen. “Diese Gemeinschaft ist wirklich etwas Besonderes”. 

Ihr Appell an Gründerinnen: „Traut euch mehr zu. Behaltet eure Zahlen im Blick. Und automatisiert, was ihr könnt – aber verliert nie das Herz im Business.“

 

Der Beitrag ist am 20. November 2025 im Online Magazin TextilWirtschaft erschienen. Fotos: Simone Reger