
Mit welchen durchschlagenden Trends macht man richtig Kasse? Kelly blickt auf die Geschichte der Yu-Gi-Oh-Ökonomie zurück, zeigt dir, mit welchen Maßnahmen man Profit machen kann, und erklärt, worauf du achten musst.
Von Kelly Locke
Eines der besten Dinge, die man bei Yu-Gi-Oh erleben kann, sind die Früchte einer Investition – wenn also Karten oder Decks, die man vor Tagen, Wochen oder Monaten gekauft hat, deutlich an Wert gewonnen haben.
Kartenpreise unterliegen ständigen Schwankungen, und selbst bei den am weitesten verbreiteten Karten kann es zu Preissprüngen kommen. Der Konkurrenz immer einen Schritt voraus zu sein und Geld oder Trades klug zu investieren, ist für fast alle Spieler eine wichtige Fähigkeit. Je knapper dein Budget, desto strategischer solltest du beim Investieren vorgehen.
Natürlich sind nicht alle guten Investitionen geplant. Einige der besten Kapitalanlagen in der langen Geschichte von Yu-Gi-Oh sind Spielern und Sammlern gelungen, die wohl kaum ahnen konnten, wie sich der Markt zehn Jahre nach dem Aufbau ihrer Sammlung entwickeln würde. So etwas passiert häufiger, als du vielleicht denkst. Wir wollen uns einmal einige der bedeutendsten Yu-Gi-Oh-Investitionen ansehen, die Spieler, Sammler und Spekulanten im Verlauf der Geschichte des Sammelkartenspiels getätigt haben.
In Karten vergangener Seltenheiten investieren
2016 nahm Konami beginnend mit Breakers of Shadow umfassende Änderungen an der grundlegenden Seltenheitsstruktur der Booster vor. Rares, Ultimate Rares und Ghost Rares wurden aus den Core Boostern entfernt und durch eine größere Auswahl an Super Rare-, Ultra Rare- und Secret Rare-Karten ersetzt. Von dieser Änderung profitierten fast alle, die Yu-Gi-Oh-Karten auspacken, und sicherlich die meisten Spieler. Die berüchtigten Super Rare-Karten im Wert von 40 oder 50 $ waren dagegen für immer verschwunden, während im Schnitt mehr Packungen Ultra Rare- oder Secret Rare-Karten enthielten. Allerdings wurden diese Verbesserungen auf Kosten von Luxusraritäten erzielt, und es sollte in der Folge deutlich schwieriger werden, überhaupt an Ultimate Rares oder Ghost Rares heranzukommen.
Die langfristigen Auswirkungen der Änderungen bei den Seltenheiten zeigten sich nicht unmittelbar, aber als 2020 die Pandemie ausbrach, war der Wert der meisten Ultimate Rares und Ghost Rares bereits in schwindelerregende Höhen geschossen. Innerhalb eines einzigen Jahrzehnts sind die Preise für manche Ultimate- und Ghost-Karten von unter 25 $ auf mehrere hundert Dollar gestiegen. Im Jahr 2015 konnte man die Ultimate Rare von Effektverschleierin für etwa ein Fünftel ihres aktuellen Preises ergattern, aber man muss auch die zeitlichen Umstände bedenken: Niemand wusste seinerzeit, dass Ultimate Rares bald vergriffen und ausschließlich in OTS-Packs erhältlich sein würden.
Die Ghosts Rares verschwanden für mehr als vier Jahre komplett und kehrten erst auf die Bildfläche zurück, als Der geflügelte Drache von Ra in Legendary Duelists: Rage of Ra neu aufgelegt wurde. Bei Ghost Rare-Signer-Drachen wie Sternenstaubdrache und Schwarzer Rosendrache kam es zu erheblichen Preissprüngen, als Spieler und Sammler feststellten, dass die Ghost Rares aus dem Sammelkartenspiel verschwunden waren. Diese Nachfrage wurde durch den Wunsch angeheizt, eine Version dieser Karten zu sammeln, die es vielleicht nie wieder geben würde, aber auch durch die Seltenheit an sich.
Eine Seltenheit, die selbst „selten“ ist, ist wirklich ein besonderes Angebot, das es sich zu sammeln lohnt.Zehntausend-Drache ist ein sehr extremes Beispiel für dieses Phänomen, dessen Reiz in der außergewöhnlichen Einmaligkeit unter den über 10.000 Karten in Yu-Gi-Oh liegt. Es gibt auch bodenständigere Beispiele dafür, wie etwa Hobby Rares, Platinum Rares oder neuere Luxusraritäten wie Collector's Rares, Starlight Rares und die Quarter Century Secret Rare. Es ist wirklich ausgesprochen schwer, diese mit dem Erscheinungsbild von Ghost Rares oder dem originalen Design von Ultimate Rares zu vergleichen. Auch die Entscheidung von Konami, die Qualität von Ghost Rares und Ultimate Rares stark einzuschränken, hat dazu beigetragen, die Nachfrage nach älteren Karten aufrechtzuerhalten.
Wer hat also von Investitionen in Ultimate Rares und Ghost Rares profitiert? Überraschenderweise hatten die meisten Nutznießer dieses Trends eigentlich gar nicht mit diesem Ergebnis gerechnet. Natürlich hatten einige Verkäufer und Spieler den Weitblick, sich sofort die seltenen Ultimate und Ghost Rares zu sichern, als die Änderungen bei der Seltenheit angekündigt wurden – und sie haben damit richtig abgesahnt –, aber es gab auch viele Spieler, die rein zufällig eine Menge Ultimate-Karten in ihrer Sammlung hatten. Jahrelang war es ein Verlustgeschäft, die Seltenheit seiner Decks zu maximieren: Mit der Zeit verloren diese Karten unweigerlich an Wert. Das galt vor allem dann, wenn man ein metarelevantes Deck zusammenstellen wollte. Aber genau diese Spieler stellten nach der Pandemie fest, dass sie auf einem wahren Schatz an begehrten Ultimates saßen.
Dieser nicht vorhergesehene Zahltag lehrt uns zweierlei: Zum einen kann man durchaus von einer Umstellung bei den Seltenheiten profitieren, wenn man gut darauf vorbereitet ist, und zum anderen besitzen Spieler aus der Zeit von 2006 bis 2015 möglicherweise noch eine Vielzahl wertvoller Karten. Ich habe selbst etliche ehemalige Spieler kennengelernt, die immer noch eine absurd große Zahl seltener Karten besaßen, die sie einfach nie verkauft hatten. Ihre Sammlungen waren schon wertvoll, als sie aufhörten, aber heute sind sie oft zwei- oder dreimal so viel wert. Der aktuelle Wert von Ultimate Rares macht das Durchstöbern einer alten Sammlung sicherlich zu einem reizvollen Erlebnis.
In Structure-Decks investieren
Commons sind wahrscheinlich die am wenigsten seltenen Karten in Yu-Gi-Oh, aber das bedeutet nicht, dass man nicht in sie investieren sollte. Schließlich bezieht sich die Seltenheit nicht unbedingt auf eine zahlenmäßige Knappheit, und in Sachen Verfügbarkeit haben bestimmte Commons manche Secret Rares in den Schatten gestellt.
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Aschenblüte & Freudiger Frühling war bereits ein fantastischer Competitive-Klassiker, als die Karte in Structure Deck: Soulburner zum ersten Mal gedruckt wurde. Theoretisch hätte dies das Ende von Aschenblütes Herrschaft als eine der wertvollsten Handfallen im Spiel sein sollen. Leider reichte selbst die Neuauflage des weit verbreiteten Structure-Decks dafür nicht aus. Aschenblüte wurde innerhalb des nächsten Jahres noch drei weitere Male nachgedruckt, und trotzdem stieg ihr Wert bis zu den nächsten beiden regulären Auflagen 2022 und 2023 auf 25 $. Sogar danach und bis heute kosten die günstigsten Exemplare von Aschenblüte immer noch 2,50 $.
Aschenblüte ist nicht die einzige Karte, die im Laufe der Jahre eine enorme Nachfrage verzeichnet: Maxx „C“, Kauz & Schlossvogel und viel ältere Karten aus Structure-Decks wie Finstere Bestechung, Kartenkavallerist und Dimensionsgefängnis wurden deutlich wertvoller, als ihre jeweiligen Structure-Decks aus dem Umlauf genommen wurden. Selbst Karten, die keine Staples sind – z.B. Zwillingssoldat, Schrottrecycler und Antike Antriebsfestung –, waren so wertvoll wie die Produkte, in denen sie erschienen.
Mit den Structure-Decks sagt Konami: „Hier habt ihr einen Haufen toller Karten, aber bittet uns vorläufig nicht, sie neu aufzulegen.“ Diese Decks sind eine Gelegenheit, sich neben dem Kauf eines neuen oder wiederaufgelegten Themas auch wettbewerbsfähige Staples zu sichern. Es ist sehr schwierig, diese Karten in zukünftigen Veröffentlichungen zu finden, weshalb neue Karten – wie die neuen Fire King-Monster – möglicherweise für lange Zeit nicht neu aufgelegt werden. Es gibt keine jährlichen Tins, um diese Structure-Deck-Karten nachdrucken zu können – ein Merkmal, das Structure-Decks mit Battles of Legend-Sets bis Battles of Legend: Chapter 1 gemeinsam hatten.
Spieler, die in Exemplare von Handfallen, wettbewerbsfähige Staples und Spielesets mit günstigen Structure-Deck-Themen als Kern investierten, konnten sich über eine beachtliche Rendite freuen. Im Sinne dieses Artikels geht die Goldmedaille für die „beste Investition“ an diejenigen, die alles auf die Aschenblüte gesetzt haben. Aber davon abgesehen sind Structure-Decks auch heute noch eine der besten Geldanlagen, da ihr Inhalt garantiert und die Qualität der Karten wie auch die Themenauswahl beständig ist.
In Competitive-Karten investieren
Das Schwierigste beim Investieren in Yu-Gi-Oh ist es, bei einer bevorstehenden Veränderung im Metaspiel so frühzeitig wie möglich informiert zu sein. Vielleicht hast du dir Exemplare von Kunst des Beschwörers vor der Veröffentlichung von Qliphort-Kundschafter besorgt oder festgestellt, dass Bedeutungslosigkeit der Eitelkeit eigentlich ein phänomenales Einfallstor war. Es gibt unzählige Beispiele für Spieler, die in ein Kartendeck investieren und dann mit ansehen, wie sich der Wert ihrer Investition fast über Nacht verdoppelt oder verdreifacht, da der Rest der Spielerbasis auf einmal die Konkurrenzfähigkeit des Kartendecks erkennt.
Marktpreis: 19,92 $
Das OCG bietet jedem Spieler die Möglichkeit, einen Blick in die Zukunft des TCG zu werfen – zumindest in der Theorie. Das OCG-Format unterscheidet sich genug, um bestimmte Decks mehr oder weniger wettbewerbsfähig zu machen, aber eine gute Strategie führt in aller Regel zum Erfolg, egal wie ungleich die Formate sind. Es ist definitiv vorteilhaft, in diese wirklich großartigen Decks zu investieren, bevor andere TCG-Duellanten auf den Zug aufspringen. Erst im vergangenen Jahr war dies bei Purrely und Rettungs-ASS der Fall. Noch beeindruckender ist, dass es dem Horus-Deck gelang, den anfänglichen Pessimismus nach der Markteinführung ohne eine einzige neue Karte auszuräumen.Amset, Ehre des Horus hat seinen Wert seit der Veröffentlichung von Age of Overlord verdoppeln können.
Das vielleicht beste Beispiel für Spieler, die frühzeitig in ein Kartendeck investieren und dafür reich belohnt werden, war das Debüt von Brennender Abgrund 2014. Neue Themen wie Wandelsternritter und Schattenpuppen überschatteten die Weltpremiere des Themas Brennender Abgrund bei der Markteinführung, aber das änderte sich schnell, als die Spieler erkannten, wie mächtig die Interaktion zwischen Dante, Reisender des Brennenden Abgrunds und Cir, Grimmetatze des Brennenden Abgrunds war. Der Preis für Dante stieg fast auf das Dreifache, da die Spieler nach einer Möglichkeit suchten, Schattenpuppen zu besiegen, ohne auf die seinerzeit unterlegenen Wandelsternritter zurückgreifen zu müssen.
Es gibt zu viele Beispiele für Decks, deren Preise nach dem Erfolg von YCS in die Höhe schossen, als dass man sie hier alle aufzählen könnte. Natürlich war jeder Spieler, der in diese Decks investiert hatte, auf seine Weise ein Gewinner, aber den größten Reibach dürften Spieler gemacht haben, die in besonders seltene Versionen von Schlüsselkarten für Wettbewerbsstrategien investierten. Nehmen wir beispielsweise Schlangenauge Flambergendrache.Zachariah Butler hat im Oktober auf Flambergendrache hingewiesen, als die Secret Rare bei 3 $ und die Quarter Century Secret Rare gerade einmal bei 25 $ lag. Diese Preise waren natürlich zu gut, um lange wahr zu bleiben; trotzdem wurde nun vermehrt eine wichtige Frage gestellt: Welche Karten sind heute für ein Viertel ihres zukünftigen Preises zu haben?
In verbotene Karten investieren
Das Geheimnis ist zwar mittlerweile weitgehend gelüftet, aber früher waren Investitionen in verbotene Karten eine der besten Möglichkeiten, sein Geld anzulegen. Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach: Wenn eine Karte verboten wird, sinkt ihr Wert und die meisten Spieler versuchen, ihre Exemplare loszuwerden, um so viel wie möglich dafür zu bekommen. Für Käufer bot sich eine Gelegenheit, solange sie bereit waren, darauf zu setzen, dass die betreffende Karte irgendwann wieder ins Spiel zurückkehren würde, was eine umso stärkere Nachfrage auslösen würde.
Dieses Wagnis hat sich in der Vergangenheit schon einige Male ausgezahlt.Raigeki, Harpyien-Flederwisch, Kaiserlicher Befehl, Wiedergeburt, Schnappstahl, Schwarz Glänzender Soldat – Gesandter des Anfangs, Trishula, Drache der Eisbarriere, Überläufer, Rettungskatze und Superpolymerisation waren allesamt großartige Investitionen, die sich am Ende enorm bezahlt gemacht haben. Raigeki ist wahrscheinlich das beste Beispiel dafür, aber Maxx „C“ würde ihm in einer Zukunft, in der es von der Liste gestrichen wird, wahrscheinlich schnell den Rang ablaufen.
Im Laufe der Jahre hat Konami es immer besser verstanden, ehemals verbotene Karten neu aufzulegen, bevor es Duellanten darum bat, in ihren alten Sammlungen nach Überläufer oder Rettungskatze zu suchen. Die Ära der billigen verbotenen Karten ist weitestgehend vorbei, da historische Alternativformate den Wert von Karten in die Höhe treiben, die in jenen Zeiträumen spielbar waren. Das Goat- und das Edison-Format waren in der Vergangenheit gute Investitionsmöglichkeiten, aber das Explodieren der Beliebtheit von Edison war so eigentlich nicht vorhersehbar. Abgesehen davon könnten verbotene Karten kurzfristig ein gutes Ziel für deine Investition sein. Wie lange kann denn Kashtira Arise-Heart schon verboten bleiben?
Nicht mehr vorhandene Seltenheiten, völlig unerwartete Wettbewerbsstrategien, Commons aus Structure-Decks und verbotene Karten haben einige Yu-Gi-Oh-Investoren zu reichen Menschen gemacht – ob absichtlich oder nicht, sei dahingestellt. Hoffentlich können dir diese Storys und Tipps – zusammen mit etwas Glück – dabei helfen, das Beste aus deinem Budget zu machen. Aber unabhängig von den Finanzen sind meiner Meinung nach sowieso lebenslange Freundschaften der größte Gewinn, den man aus einer Investition in Yu-Gi-Oh ziehen kann.
Also dann bis zum nächsten Mal.
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