
Liebe Münzensammler, wir müssen reden. Manche von euch behandeln Münzen, als wären sie Haustiere - sie brauchen Pflege, Liebe und gelegentlich ein Bad. Das ist verständlich, denn die Münzen in unserer Sammlung sind Unikate, nach denen wir oft sehr lange gesucht oder viel Geld ausgegeben haben. Jeder will nur das Beste für die Dinge, die einem lieb und teuer sind. Aber Achtung: Nicht jede Münze mag Seife, Bürsten oder unseren Enthusiasmus. Falsche Pflege kann den Wert einer Münze mit nur einem Handgriff zerstören. Deshalb kommen hier ein paar ehrliche Tipps und Tricks und um die Pflege von Sammlermünzen.
Münzen sind keine Autos
Falls Sie den Drang verspüren, jede Münze auf Hochglanz zu polieren – tun Sie etwas dagegen! Münzsammler bevorzugen die natürliche Patina – das feine, meist matte und manchmal regenbogenfarbige Alterungsfinish, das eine Münze erst wirklich edel macht. Wer die Patina wegpoliert, tötet den historischen Charme und den Sammlerwert. Eine Münze mit Patina kann ein Vielfaches eines vergleichbaren Exemplars ohne Alterungserscheinungen erreichen.
Finger weg von Hausmitteln
Zitronensaft, Zahnpasta oder Cola gehören ins Badezimmer oder ins Glas – nicht auf Ihre Münzen. Diese aggressiven Substanzen greifen die Oberfläche an und hinterlassen mikroskopische Schäden, die unter jedem Makroobjektiv eines Münzhändlers oder Auktionshauses schonungslos zum Vorschein kommen. US-amerikanische Grading-Dienstleister bestrafen beriebene Münzen mit einem so genannten „Details“-Grading – das ist sozusagen der Zonk unter den Münz-Bewertungen, oder mit anderen Worten: Eine Niete.
Handschuhe sind sexy – auch für Münzen
Bevor Sie Ihre Sammlung anfassen, ziehen Sie Baumwollhandschuhe an. Fettige Fingerabdrücke sind wie die Mona Lisa mit Schnurrbart – sie ruinieren das Bild. Ihre Haut enthält Öle und Säuren, die den Wert der Münze mindern können. Die Frage, ob man seine Sammlermünzen mit oder ohne Handschuhe anfassen soll, ist in der Numismatik leidenschaftlich umstritten. Wenn Sie zu der Fraktion gehören, die es gern gefühlsecht mögen und auf jeglichen Schutz verzichten, fassen Sie die Münzen bitte ausschließlich mit den Fingerspitzen am Rand an.
Wasser marsch – aber lauwarm und ohne Tricks
Wenn Ihre Münze wirklich eine Reinigung benötigt, ist lauwarmes, destilliertes Wasser Ihr bester Freund. Ein einfaches Bad ohne Chemikalien kann Staub und leichten Schmutz entfernen. Aber nochmal, bitte widerstehen Sie dem Impuls, mit der Zahnbürste nachzuhelfen. Eine milde Seifenlösung ist okay, aber bitte nicht auf wertvolle Sammlerstücke. Wenn Sie es ausprobieren, spülen Sie die Münze danach gründlich ab und trocknen Sie sie vorsichtig mit einem fusselfreien Tuch. Und denken Sie immer daran: Keine Experimente. Die Versuchung, eine angelaufene Silbermünze mit einem chemischen Reinigungsmittel zu behandeln, ist groß. Aber Vorsicht: Viele dieser Produkte entfernen zwar die Verfärbung, hinterlassen jedoch eine glänzende, künstlich wirkende Oberfläche – ein Albtraum für jeden Numismatiker.
Zahnstocher – für Münzensammler einfach uncool!
Nur mal kurz den Dreck aus der Rille kratzen – das klingt harmlos, endet aber oft mit Kratzern, die aussehen, als hätte die Münze eine Begegnung mit Freddy Krueger gehabt. Lassen Sie Dreck da, wo er ist, wenn Sie unsicher sind.
Lupe statt Laser
Bevor Sie zur Reinigung schreiten, schauen Sie sich Ihre Münzen genau an. Manchmal ist der vermeintliche Schmutz gar kein Schmutz, sondern ein einzigartiges Detail auf dem Münzmotiv (beispielsweise können einzelne Haare auf einem Tierbildnis durchaus als Kratzer durchgehen). Mit einer Lupe erkennen Sie, ob es wirklich Handlungsbedarf gibt.
Nie rubbeln, immer tupfen.
Nach einer sanften Reinigung sollten Sie Ihre Münzen nicht wie Ihren Hund mit einem Handtuch trocken rubbeln. Tupfen Sie sie stattdessen vorsichtig ab, um Kratzer zu vermeiden. Geduld ist auch hier eine Tugend – einzelne punktuelle Drückbewegungen mit einem Mikrofasertuch oder Zellstoff aus dem Babypopo-Bedarf reichen aus.
Lassen Sie alte Münzen in Frieden ruhen!
Besonders bei antiken Münzen gilt: Weniger ist mehr. Oft ist der Schmutz Teil der Geschichte. Überlassen Sie die Reinigung im Zweifelsfall einem Experten – oder lassen Sie es ganz bleiben. Besonders dramatisch ist die Reinigung beispielsweise bei Kupfermünzen, die eine historische Patina angesetzt haben – aus einem schokoladigen Teint wird nach einem Reinigungsbad ein künstliches Schweinchen-Rosa.
Weniger ist mehr – das ist als die goldene Regel bei der Pflege von Münzen. Münzen sind kleine Zeitzeugen, und jede Macke erzählt eine Geschichte. Ihre Aufgabe als Sammler ist es, diese Geschichten zu bewahren, nicht sie auszuradieren. Seien Sie vorsichtig, geduldig und schätzen Sie Ihre Münzen so, wie sie sind – mit all ihren Ecken, Kanten und Geheimnissen.
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