erkennungfalschungen

Die Geschichten, die alle paar Tage in überregionalen Medien zu lesen sind, sind zu schön, um wahr zu sein: eine Zwei-Euro-Münze, die 20.000 € kosten soll. Raritäten aus dem Wechselgeld, die im Handumdrehen zu finden sind. Münzen mit kleinen Auffälligkeiten, die eine große Nachfrage auf dem Sammlermarkt nach sich ziehen – das Thema „Fehlprägungen“ ist in aller Munde und sorgt für Lust, aber auch Frust in der Numismatik. Was steckt hinter dem Hype?

Auf den ersten Blick ist die Suche nach dem Besonderen im Geldbeutel absolut nachvollziehbar. Sammler sind leidenschaftliche Zeitgenossen mit einem Blick für Details und möchten Dinge besitzen, die sonst niemand hat. Fehlprägungen sind daher ein naheliegendes Ziel für Münzenfreunde. Immerhin sind Fehler bei der Produktion von Münzen nicht an der Tagesordnung. Die maschinelle Produktion von großen Mengen an Münzen in kürzester Zeit ist hochpräzise, und fehlerhafte Exemplare werden normalerweise direkt in der Prägestätte aussortiert.

Fehlprägungen: Ein anerkanntes Teilgebiet der Numismatik

Dazu kommt: Das Thema Fehlprägungen ist ein anerkanntes Teilgebiet der Numismatik seit langer Zeit. Es gibt kaum einen Auktionskatalog der großen Auktionshäuser, der nicht wenigstens eine Fehlprägung enthält. Und ein Blick in die Auktionskataloge macht deutlich: Fehlprägungen können durchaus teuer sein; dreistellige oder gar vierstellige Beträge sind nicht selten. Spezialisierte Sammler interessieren sich für Fehlprägungen, weil sie dadurch etwas über den Prägeprozess lernen. Sie untersuchen die Fehlprägungen mit geradezu detektivischem Interesse, um der Ursache für die Abweichung auf den Grund zu gehen.

Ein Medienhype ohne Grundlage

Allerdings hat sich die Suche nach Raritäten im Wechselgeld in den letzten Jahren verselbstständigt. Dafür verantwortlich sind einerseits Zeitgenossen, die für vermeintliche Fehlprägungen im Internet wahnwitzige Summen verlangen. Andererseits befeuern auch Medien den Hype, indem sie über diese angeblichen Raritäten berichten. Doch langjährige eBay-Nutzer wissen: Nicht alles, was bei eBay zum Sofortkauf angeboten wird, wird auch verkauft. Der geforderte Preis muss realistisch sein, ansonsten bleibt das Angebot für immer auf dem Dachboden liegen.

Euromünzen ohne Seltenheitswert

Zu den wichtigsten Irrtümern rund um Fehlprägungen gehören die vielen Euro-Münzen, die aufgrund ihrer exotischen Gestaltung als Besonderheit missverstanden werden: Die Frau auf dem Stier und das Strichmännchen sind die unangefochtenen Superstars in einem Kuriositätenkabinett, das viele Münzenhändler und auch Sammler inzwischen nur noch verärgert. Denn dabei handelt es sich nicht um moderne Schätze, sondern um massenhaft geprägte Münzen. Während die Frau auf dem Stier seit 2002 in hoher Millionenauflage als Umlaufmünze von Griechenland ausgegeben wird, wurde das Strichmännchen im Jahr 2009 auf eine Zwei-Euro-Münze mit Gedenkcharakter geprägt. Diese Münze haben damals alle Euro-Länder ausgegeben – zwar in unterschiedlich hoher Auflage, doch die Gesamtmenge der produzierten Strichmännchen geht ebenfalls in den zweistelligen Millionenbereich.

Realistischer Wert von modernen Fehlprägungen?

Kleine Abweichungen von der Prägenorm rechtfertigen in keinem Fall die Preise, die für Fehlprägungen aufgerufen werden. Sammler sollten sich immer vor Augen halten: Fehlprägungen sind ein kleines, aber feines Nebengebiet der Numismatik. Die meisten Sammler belächeln diese Disziplin und widmen sich lieber anerkannten Sammelgebieten wie dem Deutschen Kaiserreich, Goldmünzen aus dem 19. Jahrhundert oder Talern aus dem Mittelalter. Sie werden für ein Strichmännchen, das durch den täglichen Einsatz im Geldverkehr gezeichnet ist, nicht mehr als den Nennwert bezahlen – also genau zwei Euro.

Es gibt aber durchaus Fehlprägungen, die einen höheren Preis rechtfertigen. Im Bereich der Euro-Münzen ist beispielsweise das sogenannte Spiegelei bei Sammlern begehrt. Hierbei ist beim Prägevorgang der Innenteil der Zwei-Euro-Münze, die sogenannte Pille, deformiert. Die Münze erhält somit die Optik eines Spiegeleis. Noch wertvoller sind Euro-Münzen aus Deutschland mit den drehenden Sternen. Hierbei handelt es sich um die ersten Euro-Münzen, die mehrere Jahre vor der eigentlichen Euro-Einführung geprägt wurden. Kurz nach Beginn des Produktionsprozesses wurde der Gestaltungsfehler entdeckt, und die Sterne wurden an die europäischen Richtlinien angepasst.

Allerdings gleicht die Suche nach einer solchen Rarität im Wechselgeld der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen – seit der Einführung des Euro sind nur vereinzelt Fälle bekannt geworden, in denen die drehenden Sterne tatsächlich aus dem Geldverkehr gefischt wurden.

Die Inhalte dieses Beitrags werden mit großtmöglicher Sorgfalt recherchiert. Dennoch ist das Auftreten etwaiger Fehler nicht immer auszuschließen. Eine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität kann daher trotz eingehender Prüfung nicht übernommen werden.

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