Die Italjet Formula 50 – der schlichte und schnörkellose Roller aus Italien

In den Siebziger oder Sechzigerjahren war das Angebot an Motorrollern noch absolut überschaubar. Damals meinte man, wenn man Motorroller sagte, üblicherweise eine Vespa oder mindestens eines der anderen Modelle des Herstellers Piaggio. Daneben gab es nur vereinzelte Exoten, etwa von Innocenti oder Malaguti, oder Nachbauten, etwa von Peugeot. Oder man fuhr einen fast schon antiken Oldtimer von Heinkel oder NSU. Mehr war nicht zu sehen.

Heute ist der Markt förmlich überschwemmt von Modellen aus Japan, China, Korea, Taiwan oder Indien. Sich als Europäer zu behaupten, wenn man nicht Piaggio heißt, ist daher als Kunststück zu betrachten. Der innovative Hersteller Italjet aus Bologna in Italien versuchte dies aber dennoch, mit ungewöhnlichen Modellen, wie dem zusammenfaltbaren Pack II, oder radikalen Designs wie beim Modell Dragster. Doch auch die Formula 50, die mit allerlei Innovationen für den Markt der jugendlichen Rollerfreunde aufwartete, konnte nicht verhindern, dass Italjet im Jahr 2002 Konkurs anmelden musste, und 2006 dann komplett übernommen wurde.

Was war an der Italjet Formula 50 so besonders?

Italjet hatte aus der Vergangenheit, als das Unternehmen spezielle Kindermotorräder herstellte, reichlich Erfahrungen bei der Miniaturisierung gesammelt, die in der Folge in die Rollermodelle einflossen. So konnte viel Technik in den kleinen Motorraum unter der Sitzbank gepackt werden. Die Italjet Formula 50 hatte einen besonders laufruhigen Zweitaktmotor mit Wasserkühlung und ein stufenloses Automatikgetriebe. All dies konnte wirklich zeitlos schön in einer Karosserie verpackt werden, die schlicht und elegant daherkam – ganz anders als die verschnörkelten und kantigen Modelle aus Asien.

Was hatte es denn mit der Vorderradaufhängung auf sich?

Die Italjet Formula hatte schon mit dem 50-Kubik-Motor ordentliche Fahrleistungen, noch viel mehr die 125er. Bei Motorrollern, mit den bekannt kleinen Rädern, entstehen bei hohen Geschwindigkeiten oft Schwierigkeiten beim Geradeauslauf und beim Handling. Italjet begegnete dem mit einer Vorderradaufhängung, die keine Telegabel war, wie bei normalen Krafträdern, und keine Einarmschwinge, wie bei der Vespa, sondern eine Achsschenkellenkung. Damit konnte stabiles und spurtreues Fahrverhalten erreicht werden. Die Aufhängung des Vorderrades verhinderte zudem das sogenannte Eintauchen beim Bremsen, was der Formula 50 seinerzeit zu enormer Popularität verhalf, trotz eines überdurchschnittlich hohen Einstandspreises.

Wo bekomme ich eine Formula 50 her?

Die Italjet Formula 50 war ein in Deutschland überaus beliebtes Modell. Geschätzt wurde neben den Fahrleistungen und dem schnittigen Design die sehr ordentliche Verarbeitung. Daher gibt es auch heutzutage noch reichlich Fahrzeuge, die in Betrieb sind, und die über Anzeigenmagazine oder im Internet angeboten werden.