Ratgeber Vinylplatten: Spezialformate im Überblick

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Ratgeber Vinylplatten: Spezialformate im Überblick

Wenn man sich vom Stress des Alltags erholen und etwas abschalten möchte, gehört zu den besten Mitteln der Entspannung das Hören von Musik. Inzwischen ist leicht, sich in jeder Lebenslage von musikalischen Klängen umschmeicheln zu lassen. Schließlich braucht man nur eine CD in den CD-Player zu stecken oder den MP3-Player zur Hand zu nehmen, um die Lieblingslieder so oft und so lange man will abzuspielen. Doch obwohl der Musikgenuss heutzutage so leicht von der Hand geht wie nie zuvor, bauen noch immer sehr viele Menschen auf eigentlich inzwischen veraltete Tonträger. Die Leidenschaft geht soweit, dass diese Tonträger trotz des Zeitalters der CD wieder vermehrt produziert werden, weil die Nachfrage stetig steigt. So mancher Künstler setzt daher wieder auf eigentlich gestrige Medien, um die eigenen Werke zu veröffentlichen und eine breitere Zielgruppe zu erreichen. Dieser Ratgeber wird Ihnen die Schallplatte näher bringen und Ihnen einen Überblick über ihre Spezialformate verschaffen.

Vinylplatten sind bis heute der erfolgreichste und meistverkaufte Tonträger

Die Geschichte der Vinylplatten reicht weit zurück. Denn der Tonträger Schallplatte war mehr als ein Jahrhundert das bedeutendste und am weitesten verbreitete Medium für die Veröffentlichung von Musik und Hörspielen aller Art. Die Verkaufszahlen dieses Produkts sind exorbitant und können selbst von der CD wohl in naher Zukunft nicht überboten werden. Ihren Anfang nahm die Schallplatte bereits im 19. Jahrhundert. Ungefähr zu der Zeit, als Carl Benz offiziell das Automobil erfand, entwickelte der amerikanische Erfinder Thomas Alva Edison mit dem Phonographen ein Gerät, mit dem man Klänge aller Art aufzeichnen und wiedergeben konnte, so wie man es heute von Kassettenrekordern kennt. Er ließ es vom Schweizer Feinmechaniker John Kruesi im Jahr 1877 bauen und im selben Jahr patentieren. Doch der Phonograph nutzte zur Aufzeichnung und Wiedergabe Wachswalzen, die sich relativ schnell abnutzten.

Die Schellackplatte ist das Spezialformat, das der heutigen Vinylplatte als Vorläufer diente

Zehn Jahre nach der Erfindung Edisons entwarf der Deutsch-Amerikaner Emil Berliner die Schallplatte und gleichzeitig mit dem Grammophon ein Gerät, welches die Schallplatte abspielen konnte. Der Unterschied zu Edisons Phonographen war, dass man mit dem Grammophon den Tonträger nur wiedergeben konnte. Dafür war die Schallplatte um einiges fortschrittlicher als die Wachswalzen des Phonographen, obwohl die ersten Schallplatten ebenfalls mit Wachs funktionierten. Es handelte sich um eine Scheibe aus Zink, die mit Wachs überzogen war. Nachdem mithilfe der Rillen ein Abbild der Musik in das Wachs und das darunter liegende Zink gekratzt wurde, konnte man das Wachs entfernen, wobei die Rillen in der Schallplatte erhalten blieben. Berliner entwickelte die Schallplatte rasch weiter. Zunächst aus Hartgummi bestehend wurde im Jahr 1896 letztendlich die Schallplatte aus Schellack entworfen.

Wissenswertes über die Schelleckplatte

Schellack ist eine harzige Substanz aus Gummilack, die für die Herstellung und Nutzung der Schallplatte wesentlich besser geeignet war. Vom Zeitpunkt ihrer Entwicklung an war die Schellackplatte die Revolution im Bereich der Musik. Denn nun war es möglich, Musik in Massen an private Menschen zu vertreiben. Man musste zum Hören von Musik nicht mehr ins Theater gehen oder selbst musizieren. Man konnte sie nun im eigenen Wohnzimmer genießen, so oft man wollte. 
Die Größe einer Schellackplatte liegt bei 10" oder 12". Sie ist auf eine Abspielgeschwindigkeit von 78 Umdrehungen pro Minute ausgelegt und bietet je nach Größe eine Spielzeit von drei bis vier Minuten pro Seite. Möchten Sie dieses Spezialformat mit einem herkömmlichen elektrischen Plattenspieler abspielen, benötigt er die entsprechende Abspielgeschwindigkeit. Zudem brauchen Sie eine Spezialnadel für die Seitenschrift der Schellack-Rillen.

Die Schallplatte aus Vinyl ist seit ihrer Entwicklung ein Riesenerfolg

In den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die Schallplatte aus Vinyl veröffentlicht. Im Gegensatz zu den Schellackplatten wiesen die Vinylplatten einige Vorteile auf. Sie waren leichter, einfacher in der Handhabung und hatten eine bessere Klangqualität. Einer der größten Vorteile war jedoch, dass man die Schallplatten nun mit einem fortschrittlicheren Gerät abspielen konnte, dessen Nadel sich nicht so schnell abnutzte, wie es bei den Grammophonnadeln der Fall war. Denn die Schellackplatten besaßen eine sehr breite Rille, in der die Stahlnadel des Grammophons hin und her bewegt wurde, um die Töne, die als Abbild der Musik in die Rille gepresst wurden, über den Hebel an die Membran weiterzugeben und die Musik dadurch hörbar zu machen. Aufgrund dieser extremen Nadelbewegungen und der Tatsache, dass der Hebel, dessen Gewicht auf der Stahlnadel lastete, sehr schwer war, nutzten sich die Nadeln in den meisten Fällen bereits nach dem einmaligen Spielen von nur einer Seite einer Schallplatte dergestalt ab, dass sie direkt ausgewechselt werden mussten. Daher wurden Grammophonnadeln seinerzeit in großen Stückzahlen verkauft.

Vorteile der Vinylplatte

Die Schallplatte aus Vinyl hatte dieses Problem nicht. Sie besaß eine schmale Rille, durch welche die Nadel einfach durchläuft, ohne massiv bewegt werden zu müssen. Der Arm des Plattenspielers ist dabei nicht so schwer wie der Hebel des Grammophons. Zusätzlich ist die Nadel gefedert und gepolstert, sodass sie eine lange Lebensdauer bietet. Der Nachteil des Vinyls ist seine Anfälligkeit gegenüber Staub, Verschmutzungen, Kratzern und Brüchen. Wenn Sie jedoch ausreichend vorsorgen und Ihre Schallplatten mit Plattenreiniger pflegen, werden Sie lange Freude an ihnen haben.

Vinyl ist beliebt - gestern wie heute

Trotz dieser Anfälligkeiten ist die Schallplatte aus Vinyl bis heute sehr beliebt. Ihr Klang wird als sehr warm empfunden und ihre charakteristischen Merkmale beim Abspielen der Musik rufen bei vielen Menschen ein Wohlgefühl hervor. Diese Eigenschaften erzielen bei den meisten Hörern heute noch dieselben Empfindungen. Bis zum Ende der Achtzigerjahre war die Schallplatte aus Vinyl das marktbeherrschende Medium zur Wiedergabe von Musik. Schließlich wurde sie von der digitalisierten CD abgelöst. Obwohl die CD seither den Markt deutlich dominiert, ist es ihr nicht gelungen, die Schallplatte endgültig zu verdrängen.

Im Gegenteil, inzwischen erlebt die Platte eine Art Revival, denn sie wird immer begehrter und kommt sozusagen erneut in Mode. Viele Künstler setzen wieder auf die Vinylplatte oder haben sich von ihr nie wirklich losgesagt. Die Dire Straits veröffentlichten zum Beispiel erst im Jahr 2010 ihr Album "Love Over Gold" auf Schallplatte. Weitere große Musiker wie Peter Gabriel oder Depeche Mode tun es ihnen gleich. Das gängigste Format der Schallplatte ist die Langspielplatte. Auf ihr veröffentlichen die Künstler damals wie heute ihre Alben. Gleichzeitig wird die Langspielplatte als Tonträger für Hörspiele oder Hörbücher genutzt. 

Die Single 7" ist das Spezialformat, mit dem die Hits produziert wurden

Die Charts werden schon seit jeher immer von einzelnen Liedern dominiert. Für komplette Alben gibt es seit geraumer Zeit die Album-Charts. Damit ein Lied zum Hit werden konnte, musste es zu Zeiten des Vinyls, sofern es bereits ein Album des Künstlers oder der Band gab, vom Album ausgekoppelt und einzeln verkauft werden. Dies ermöglichte das Vinylplatten-Spezialformat der Single 7". Möglichkeiten wie die Verkäufe von MP3-Dateien über das Internet oder das Verbuchen von Erfolgen durch Internet-Portale gab es damals noch nicht.

Klein aber oho - die Vinyl 7

Das Vinyl 7" ist ein recht kleines Spezialformat des Vinyls, wie man bereits an der Zoll-Angabe erkennen kann. Im Vergleich zur Langspielplatte, die einen Durchmesser von 12" hat, misst eine Single beinahe nur die halbe Größe. Auf ihr finden maximal zwei Lieder Platz. Eines auf der primären A-Seite und eine Art musikalische Zugabe auf der B-Seite. Bei der Zugabe handelt es sich meist ebenfalls um ein Lied, das aus dem entsprechenden Album des Künstlers stammt. Es kann aber ebenso ein Lied sein, das nur und speziell als Zugabe auf der Single enthalten ist. Dies steigert oft den Wert des einzelnen Stückes und des Tonträgers. Für Single-Sammlungen sind solche Exemplare oftmals besonders begehrt.

Kam zur Blütezeit der Schallplatte ein Song in die Charts, beruhte dieser Erfolg auf den Verkaufszahlen der jeweiligen Single 7". Sie war also das Spezialformat der Schallplatte aus Vinyl, das sozusagen für die Produktion von Hits verantwortlich war. In der Zeit von den Fünfzigerjahren bis in die Siebzigerjahre gab es vereinzelt Singles, auf denen zwei Lieder pro Seite veröffentlicht wurden. Dies waren dann für gewöhnlich sehr kurze Stücke, da die Single aufgrund ihrer geringen Größe und der schnellen Abspielgeschwindigkeit von 45 Umdrehungen pro Minute nur eine kurze Laufzeit bietet. Im Vergleich dazu nutzt eine Langspielplatte bei 12" eine Abspielgeschwindigkeit von circa 33 Umdrehungen pro Minute, wodurch eine Laufzeit von etwa 30 Minuten pro Seite erreicht wird.

Die Maxi-Single ist das Spezialformat der Vinyls mit Remixen und Sonderveröffentlichungen

Ein weiteres Spezialformat der Vinyls ist die 12" Maxi-Single. Diese Schallplatte hat mit 12" Durchmesser exakt dieselbe Größe wie eine handelsübliche Langspielplatte. Allerdings wird die Maxi-Single mit einer Geschwindigkeit von 45 Umdrehungen pro Minute abgespielt. Dies erklärt den Zusatz "Single" in der Bezeichnung Maxi-Single. Denn es handelt sich bei den Veröffentlichungen auf diesem Format in der Regel um vom Künstler überarbeitete, veränderte und ausgedehnte Varianten der auf den Singles veröffentlichten Auskopplungen aus dem Album. Dieses Format wurde vor allem in den Achtzigerjahren populär, als das Remixen und Ausdehnen von Liedern begann und immer beliebter wurde.

Maxi-Single optimal für den Remix

Dieser Trend hält bis heute an. Mit der Maxi-Single wurde ein Spezialformat geschaffen, das den Anforderungen dieser neuen musikalischen Mode perfekt gerecht werden konnte. Die Maxi 12" war nicht so klein wie eine Single, bot also Platz für etwa fünf Songs, von denen insbesondere der erste Song der A-Seite oft Überlänge besaß oder sogar die komplette A-Seite ausfüllte. Auf der B-Seite finden Sie meist weitere Zugaben und manchmal eine zusätzliche Auskopplung aus dem Album. Selbst dabei handelt es sich nicht selten um einen Remix des entsprechenden Songs. Maxi-Singles galten in den Achtzigerjahren vor allem bei Hits als Zugabe schon zum guten Ton.

Die besonderen visuellen Spezialformate der Vinylplatten sind die Picture Discs

Die Achtzigerjahre waren die Zeit der flippigen Mode und der schrillen Farben. Dies wirkte sich sogar auf die Schallplatten aus. Denn Vinyl muss nicht immer Schwarz sein. Mit dem Aufkommen der Maxi-Singles wurden den Musikfreunden immer mehr Platten in farbigen und bunten Vinyls angeboten. Von roten und durchsichtigen Schallplatten über abstrakte bunt gestaltete Vinyls bis hin zu kompletten Fotos wurde dem passionierten Sammler so ziemlich alles geboten, was das Hören der Musik zusätzlich zu einem visuellen Erlebnis machen konnte. Derartige Picture-Discs erkennen Sie oft daran, dass die Cover transparent sind und einen direkten Blick auf das farbige Vinyl zulassen.

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