(K)eine Vertrauenssache-Orientteppiche bei e-bay

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Kleiner Ratgeber zum Kauf "echter" Orientteppiche bei e-bay;

 

Schwieriger Markt, Wenige Kunden, Fallende Preise.
Der Orientteppich, eine schlechte Investition?

 


Inzwischen exisiteren auf Ebay mehrere Ratgeber zum Thema Orientteppiche. Einige enthalten durchaus brauchbares (z.B. jener über Korkwolle), andere sind nicht viel mehr als mehr oder minder schlecht getarntes Eigenlob und/oder Verkaufsanzeigen selbsternannter Experten und gewiefter Händler. Wie häufig bei vorgeblich oder wirklich wertvollen Dingen braucht es auch hier ein Minimum an Vorwissen, um nicht zum leichtgläubigen Opfer haltloser Versprechungen und falscher bzw. vollkommen überhöhter Wertangaben zu werden. 

Die Sache mit dem Wert...

"Aber meine Oma hat den Teppich ihr ganzes Leben lang gehütet und sie hat einmal sehr viel Geld dafür bezahlt!"
"Der Verkäufer sagte mir vor zwanzig Jahren, ich hätte eine echte Wertanlage mit hohem Steigerungspotential erworben!"
"Der Teppich sieht sooo toll aus, er muss einfach etwas wert sein..."
"Aber der Teppich ist schon seit über 50 Jahren in Familienbesitz...er ist sicher unglaublich wertvoll."
Solche und ähnliche Aussagen über angeblich oder tatsächlich wertvolle Orientteppiche finden sich, nicht nur auf e-bay, zu hunderten. Leider sagen die meisten davon nur sehr wenig über einen realistischen und vor allem aktuellen Wert eines Teppichs aus!

Der Tod des "klassischen" Orientteppichs...

Aufgrund einer sich seit den 1990er Jahren radikal veränderten Marktlage und einem starken Nachfrageeinbruch für "klassische", d.h. stark farbige und stark gemusterte Orientteppiche ist mit teils erheblichen Wertverlusten zu rechnen!
Die Gründe für diese Entwicklung liegen vor allem in einer Veränderung des Einrichtungsstils und der Lebensweise.
Waren früher große, reichgemusterte Teppiche gefragt, sind heute eher kleinere, farblich stark reduzierte bis einfarbige Teppiche mit geometrischen Mustern, welche sich problemlos den Erfordernissen eines von häufigen Ortswechseln und dem Leben in vergleichsweise kleinen Mietswohnungen und Appartments geprägten Lebensstils anpassen, gesucht.
Zusammengenommen führten diese Veränderungen in den letzten 20 bis 30 Jahren zu einem drastischen Nachfragerückgang und teils erheblichen Preisverfall von Orienttepichen. >Eine Entwicklung, welche durch zahlreiche "Not- und Ausverkäufe" von Teppichhandlungen und das allmähliche "Wegsterben" der ehemaligen "Sammlergenerationen" und das dadurch entstehende "Überangebot" in den letzten Jahren noch deutlich gesteigert wurde.

Preissteigernde Faktoren in den Herkunftsländern kommen bisher kaum zum tragen...

Da - wenn überhaupt - auf dem Markt v.a. alte Stücke gefragt sind und von diesen nach wie vor erhebliche "Lagerbestände" vorhanden sind, kommen aktuelle preissteigernde Entwicklungen, wie der teils starke Rückgang der Produktion handgefertigter Orientteppiche aufgrund der zunehmenden Industrialisierung, alternativer Verdienstmöglichkeiten, Rückgang der Viehhaltung, Sesshaftwerdung (viele Teppicharten wurden bisher von Nomaden gefertigt) und steigender Löhne in deren Herkunftsregionen bisher kaum zum tragen. Eher ist es aktuell so, dass der stark angestiegene Einkaufs- (und damit auch) Verkaufspreis neuer Stücke mögliche Kunden zusätzlich abschreckt und die Nachfrage nach handgeknüpften Orientteppichen weiter absenkt, da er für "Normalverdiener" kaum noch erschwinglich ist.

Nur schlichte Nomaden und wirklich exquisite alte Stücke gesucht!...

Eine nennenswerte "Nachfrage" besteht daher aktuell eigentlich nur noch nach 2 sehr unterschiedlichen Gruppen von Teppichen:

Zum einen handelt es sich dabei um eine äußest kleine, und im Besitz von "Laien" normalerweise kaum zu findende Gruppe wirklich

exquisiter Teppiche von allerhöchster Qualität, hohem Alter (i.a.R. über 100 Jahre!), seltener Musterung und absolut PERFEKTEM Erhaltungszustand.

Diese sind inzwischen vor allem in den Herkunftsländern gesucht und erzielen dort teils erstaunliche Preise. Voraussetzung hierfür sind jedoch fast aussnahmslos professionelle Gutachten internationaler Experten und/oder der Verkauf durch international agierende Auktionshäuser. Für Laien hat dieses Marktsegment daher kaum eine wirkliche Bedeutung.
Eine weitere, für den Laien etwas interessantere Gruppe bilden deutlich preisgünstigere

Teppiche vorwiegend nomadischer Herkunft

mit einer eher reduzierten, stark geometrischem und zurückhaltendem Dessign und Farbigkeit. Die Problematik liegt hier darin, dass diese bis weit in die 1970er in Europa kaum nachgefragt wurden, und ältere und gut erhaltene - und damit die gefragtesten Stücke - hier nur in vergleichsweise geringer Stückzahl anzutreffen sind. Doch "lohnt" sich hier auch der Einkauf eines wirklich guten "neueren" Stückes, da für diese Gruppe nach wie vor eine gewisse Nachfrage besteht und gerade die Zahl nomadischer Teppiche aufgrund der bereits beschriebenenen, sich stark verändernden Erwerbsumstände in den Herkunftsländern in Zukunft deutlich abnehmen wird.

Qualität, Herkunft und Erhaltung sind alles...

Auch wenn es für Laien häufig schwer nachvollziehbar ist...Qualität und Herkunft sind bei Orientteppich alles!
Grundsätzlich gilt dabei: Je dichter, widerstandsfähiger und seltener ein Teppich und sein Motiv sind, je wertvoller ist er. Das Alter und die Nutzung von Naturfarben können, müssen dabei aber nicht immer weitere Entscheidende Faktoren sein. 
Ein weiterer, für den Wert eines Teppichs entscheidender, vom Laien i.a.R. aber ohne erhebliches Vorwissen kaum zu beurteilender Umstand ist die HERKUNFT eines Teppichs.
Diese ist nicht nur eine Frage regionaler Muster, sondern ganz entscheidend auch eine Frage der Qualität der in bestimmten Regionen verwendeten Techniken, Färbemethoden und Rohmaterialien.
War diese Einteilung bis vor 50 oder 60 Jahren noch vergleichsweise einfach, so wurde sie danach durch "Musterverschleppungen" und die zunhemend um sich greifende Verwendung chemisch gefärbter Wolle bzw. Chemiefasern und/oder deutlich minderwertigeren Rohmaterialien bzw. "vereinfachter" Herstellungsmethoden deutlich erschwert, so dass heute die regionale Herkunft eines Teppiches nicht mehr unbedingt mit einer Aussage über dessen Qualität verbunden sein muss...Auch gab und gibt es in der gleichen Region schon immer Knüpfer und vor allem Knüpferinnen, die ihr Handwerk besser beherrschten als andere, so das Herkunft zwar ein wichtiges, aber kein alleiniges Kriterium bei der Beurteilung des Wertes eines Teppichs ist.
Tendentiell kann - wenn auch mit erheblichen Aussnahmen - dennoch gesagt werden, dass ältere und/oder v.a. persische, (west-)anatolische und in Teilen auch zentralasiatische Teppiche bezüglich ihrer Qualität und der verwendeten Rohmaterialien meist besser sind als (häufig als täuschend gleich aussehende, aber qualitativ meist schlechtere "Nachknüpfungen" persischer Muster angebotene) Teppiche aus Indien oder Nepal, dem Kaukasus oder Nordafrika und Teppiche neuerer Produktion. Dies kann einen Wertunterschied machen, muss es aber nicht...

 

Am wichtigsten: Die perfekte ERHALTUNG!

Selbst kleinste Schäden, abgetretene Stellen oder ein paar abgenutzte Fransen mindern den Wert eines Teppichs drastisch. D.H. von sehr, sehr wenigen wirklich "alten" Stücken abgesehen, besitzen nur absolut perfekt erhaltene Stücke ohne Gebrauchsspuren einen nennenswerten "Marktwert".

 

...dennoch ein unberechenbarer Markt

Trotz dieser groben Tendenzen funktioniert der Markt - gerade für hochpreisige Orientteppiche - seit über 30 Jahren sehr irrational und von wird - zumindest im hochpreisigen Segment - von vergleichsweise wenigen Sammlern dominiert.
Erhebliche Preisschwankungen und eine im Vergleich zu anderen Antiquitäten sehr geringe Nachfrage sind eher die Regel als die Ausnahme.
Ernsthaft gesucht sind nur noch absolut makellose, alte und sehr seltene Stücke, alles andere ist beinahe wertlos geworden, bzw. lässt sich auf dem "normalen" Markt kaum mehr absetzen.


Ebay nur ein "Entsorgungsort" wertloser Altbestände?!

Ganz anders sieht die Situation hingegen auf e-bay aus:
Die weit überwiegende Anzahl der hier angebotenenen Teppiche sind - sofern es sich überhaupt um handgefertigte Stücke handelt - für den Markt eher uninteressantere neuere Stücke (nach 1900)  und/oder extrem schlecht erhalten - Zahlreiche Exemplare weisen deutliche Nutzungs- und Trittspuren, Flecken und sogar Mottenschäden auf und/oder sind von extrem schlechter Qualität und/oder besitzen wenig originäre/typische/authentische oder außergewöhndliche Muster.
Hier hilft nur solides Fachwissen um sich gegen teure und äußerst ärgerliche "Fehlkäufe" einigermaßen abzusichern.
Ohnehin sollte man einen Teppich zunächst in der Hand gehalten, intensiv am Stück geprüft und wo immer möglich für mehrere Tage und bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen an dem für ihn bestimmten Ort ausgelegt haben bevor man sich für seinen Kauf entscheidet...alles andere ist und bleibt ein Roulettespiel mit sehr vielen Unbekannten!


Knoten,Wolle,Muster...

Woran erkenne ich nun einen "echten" und v.a. "wertvollen" Teppich?
Die Frage, woran man einen "echten" Orientteppich erkennt, mag für viele zunächst trivial scheinen:
Daran, dass er aus dem Orient kommt natürlich!
Ganz so selbstverständlich und einfach, wie sie klingt ist diese Antwort jedoch nicht.
Zunächst stellt sich hierbei die Frage, was man als "Orient" bezeichnen will. Der Begriff "Orient" bzw. "Orientteppich" ist keinesfalls auf Länder und Regionen wie den Iran (Persien) die Türkei (v.a. Anatolien) oder Zentralasien (v.a. Afghanistan, Turkmenistan, Usbekistan u.ä.) beschränkt, sondern umfasst - zumindest im "Reich der Teppiche" traditionell ein wesentlich größeres Gebiet, welches sich - grob gesagt - von China bis ins südliche Russland, auf den Balkan und nach Marokko erstreckt.
Auch genügt das Kriterium der Herkunft allein nicht um etwas über den Wert eines Teppichs auszusagen. So sind - anders als ihre modernen Nachfolger - gerade alte Indische Teppiche der Moghul-Zeit oder chinesische bzw. ostturkestanische Originale (Khotan) aus dem 18. und 19. Jhdt. i.a.R. weitaus wertvoller als ihre persischen Zeitgenossen, da wesentlich seltener.
Auf e-bay wird man diesen "Stars" unter den Teppichen allerdings nur mit extrem viel Glück begegnen. Die Regel sind moderne indische und pakistanische Nachknüpfungen persischer Vorbilder. Diese sind meist von schlechterer Qualität und überdies billiger, da die Arbeitslöhne in diesen Ländern noch niedriger als im Iran oder der Türkei sind. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen, wie z.B. sehr hochqualitative neue Kashmir-Teppiche, die einem Hereke (West-Türkei) durchschnittlicher Qualität kaum nachstehen.
Erschwert wird die "Suche" nach dem Echten Orientteppich (auch und gerade im Fachhandel) durch zahlreiche, teils sehr phantasievolle "Herkunftsbeschreibungen" die häufig für ein und diesselbe Herkunft eines Teppichs sehr unterschiedliche Angaben und Namen aufweisen, oder - anders herum - sehr große Gebiete mit durchaus unterschiedlichen Teppichen in einer verkaufsträchtigen "Herkunftsbezeichnung" zusammenfassen.
Und um es nun endgültig verwirrend zu machen....Auch die "Originalität" der orientalischen Herkunft allein genügt nicht als "Wertmaßstab". Gerade ältere Nachknüpfungen, ja selbst ältere industriell gefertigte "Nachwebungen" (Webteppiche) orientalischer Muster aus Europa können auf Auktionen teils sehr hohe Preise erzielen, da sie seltener sind, als die Originale selbst.
Da bei e-bay vielfach Laien und leider auch zunehmend Händler qualitativ nicht immer ganz optimaler Ware handeln, die weder Herkunft noch Qualität noch das Alter oder den Erhaltungszustand und/oder die Seltenheit eines Teppichs sicher bestimmen können (und dies häufig auch garnicht so genau wollen...), ist hier Herkunftsbezeichnungen, Altersangaben oder gar Wertangaben ohnehin grundsätzlich zu mistrauen.

 

Kurz gesagt:

Der Markt für Orientteppiche ist ein sehr komplizierter und in den letzten Jahren nicht geradeeben einfacher geworden.
Herkunft und Alter allein sind genausowenig ein alleinseligmachendes Kriterium für den Marktwert eines Teppichs wie dessen Farbigkeit oder die Qualität der Knüpfung, auch wenn dies manche Händler gerne hätten...
Um Sie nun nicht ganz ohne Anhaltspunkte stehen zu lassen und ihnen wenigstens ein paar Kriterien für den Kauf eines qualitativ hochwertigen Teppichs an die Hand zu geben, hier einige

 

Grundlegende Kriterien für die Beurteilung der Qualität eines Orientteppiches:

Kette, Schuss und Knoten, dazu noch Shirazi, Kelim und Fransen...Alles eine Frage der Stabilität...

Jeder Teppich besteht aus Knoten, Kett- und Schussfäden, dazu kommen in aller Regel noch Randeinfassungen (Shirazi) und meist ein oder zwei mehr oder minder ausgeprägte Webstreifen an den beiden Seitenenden (Kelim). Die Fransen sind dabei (von sehr wenigen und sehr außergewöhnlichen Teppichen mit "eingeknüpften" Fransen einmal abgesehen) nichts anderes als die (teils verknoteten, teils geflochtenen, teils aber auch offenen Enden der Kettfäden). Grob gesagt gilt hierbei: je mehr, gleichmäßiger, dichter und fester, je besser...wobei bretthart so toll nun auch wieder nicht ist, da Teppiche je nach Temperatur und Feuchtigkeit "wachsen" oder "schrumpfen", sprich einen gewissen "Bewegungsspielraum" besitzen. Fehlt dieser, kann es leicht dazu kommen, dass sie sich wellen oder sogar reißen, ist der Spielraum zwischen den Bestandteilen hingegen zu groß oder treten Unregelmäßigkeiten auf, mangelt es einem Teppich sehr schnell an "innerem Zusammenhalt" und er zerlegt sich schneller in seine Einzelteile als einem lieb sein kann...Und ja, auch hier hängt vieles von der Erfahrung des Knüpfers/der Knüpferin, dem "Feingefühl" des Händlers und der ursprünglich angedachten und später vom Kunden gewünschten "Nutzungsabsicht" ab (gerade hier passieren aus Unkenntnis oft kuriose und mitunter auch recht kostspielige "Fehlverwendungen" ;-))...eine Satteltasche ist eben kein Kissen, ein Kissen kein Teppich und ein Teppich keine (Sattel-)Decke, und nein, auch wenn man ihn irgendwo billig bekommen hat: Ein guter Seidenteppich ist niemals ein Fußabstreifer, dafür gibt es sehr viel besseres!

 

Sehr fein, fein, grob...

Allgemeine Aussagen sind auch in diesem Punkt eher schwierig. Zwar gibt es mehr oder minder offizielle Einteilungen, wann ein Teppich als grob, mittelfein, fein und sehr fein zu gelten hat, allerdings halten sich die meisten e-bay Händler (und oft genug auch Fachhändler) ohnehin nicht daran, oder zählen zu ihren eigenen Gunsten sehr großzügig. Daher erübrigen sich in der Praxis leider die meisten Angaben von allein, und im Zweifelsfall hilft auch hier nur: selbst am Stück nachzählen!

 

Die Sache mit dem Schuss...

Im Allgemeinen (aber eben nicht immer und nicht bei jedem Teppichtyp) sollten qualitativ hochwertige Teppiche nach jeder Knotenreihe einen (bei manchen Provinienzen auch zwei oder mehr) Schussfa/äden besitzen. Werden mehrere Knotenreihen übersprungen (z.B. nur ein Schuss alle 3-4 Knotenreihen) so leidet darunter die Stabilität eines Teppichs erheblich, da die Knoten bei Benutzung so leichter verrutschen können.

Doppel-, Einfach -, Türkisch, Ghiordes oder doch Senneh...Die Sache mit den Knoten...

Teppiche mit symetrischem Doppelknoten (auch türkischer, Girdes- oder Ghiordesknoten genannt) sind normalerweise stabiler und aufwändiger herzustellen als solche mit Juftiknoten (dieser geht über vier Kettfäden) oder assymetrischen, persischen bzw. Senneh-Knoten. Sowohl durch die Verwendung des Jufti und Sennehknotens als auch durch den Verzicht auf Schussfäden bzw. den Einsatz dickerer Baumwoll- anstatt feinerer Seidenschuss- und kettfäden lässt sich bei der Herstellung eines Teppichs erheblich Zeit- und damit Personalkosten einspaaren (teils über die Häfte). Für den ebay Kauf problematisch ist die Tatsache, dass eine Überprüfung der Knotendichte ohne den Teppich selbst in Händen zu halten nahezu unmöglich ist. Ohnehin kann ein vergleichsweise grob gearbeiteter Nomadenteppich aus dem 19. Jhdt.(teilw. auch jüngere Exemplare) mit seltenem Muster, einer ungewöhnlichen Knotenart, oder Kombination oder Materialzusammenstellung wesentlich wertvoller sein als ein noch so feiner neuerer Seidenhereke oder ein jüngerer Täbriz, Ghom oder Nain. Für den nicht einschlägig vorgebildeten Laien ist es fast unmöglich diese Merkmale zu beurteilen, schon garnicht "online" ohne das Stück in Händen zu halten. Für den Fachmann und einschlägig gebildeten Laien ist v.a. bei älteren Exemplaren ist die Kombination unterschiedlicher Knotentypen mit weiteren Knüpf- und Webtechiken >>> Kelim bei der Wertbestimmung überaus wichtig. 

Und wie stelle ich das alles fest...

Wer daheim oder beim Kauf bei einem Teppich Knotenart und Schussfädendichte feststellen will, dem sei geraten, den Teppich in Richtung der Breit-und Längsseiten (im 90°Winkel zum Rand) vorsichtig zu knicken bis die Fäden voneinander lösen und die darunterliegenden Knoten sichtbar werden. Bei feineren Stücken schadet eine Lupe für diese Arbeit nicht, bei gröberen geht es sehr gut auch mit bloßem Auge.

Sieht man dabei am Fadenende kleine "Knospen" bzw. "Schlingen die links und rechts um je einen Kettfaden laufen und aus deren mitte zwei kleine Fadenenden entspringen, handelt es sich um einen Ghiordes-bzw. türkischen Knoten, entspringt ein Faden aus der "Knospe" einer aber seitlich daneben dann handelt es sich um einen Senneh- bzw. persischen Knoten. Läuft die Schlaufe über mehr als zwei Kettfäden so ist es ein Jufti-Knoten (dieser kann symmetisch oder assymetrisch sein) oder eine andere Knotenart (diese sind aber relativ selten und kommen nur bei chinesischen und tibetischen Teppichen vor, die eine völlig andere Herstellungsart besitzen). Beim Knicken in Breit-v.a. aber in Längsrichtung kann man überdies sehen, ob nach jeder Knotenreihe auch ein Schussfaden eingezogen wurde (zwischen den Knotenreihen). Diese Fäden können sehr unterschiedliche Farben haben (meist weiß, blau, braun, oder rot...) Auch diese Farbe ist ein wichtiges Zeichen für die Echtheit eines Teppichs bzw. dessen Herkunft!
Hat man nun Knotenart und Schussfädendichte bestimmt, kann man mit etwas Erfahrung die Dichte der Knoten auch auf der Rückseite zählen. Dabei gilt es zu beachten, dass der "türkische" Knoten aus zwei senkrecht und dicht nebeneinanderliegenden Fäden besteht, der Sennehknoten hingegen von hinten gesehen eher wie ein kleiner waagrechter Balken aussieht. Alle anderen Knotenarten sind etwas schwieriger zu zählen, dafür aber auch bedeutend seltener...

Scheuen sie sich nicht, diesen Test auch im Teppichgeschäft durchzuführen oder ihn sich vorführen zu lassen. Ein seriöser Teppichhändler hat damit keinerlei Problem, selbst bei älteren Stücken nicht...Ein Teppich der es nicht verträgt kurz geknickt zu werden, dabei einreißt oder dessen Knoten sich bei dieser Prozedur verschieben, ist ohnehin ein "Problemfall" und kein Kaufobjekt!
Ist der Händler wirklich seriös wird er Ihnen bei ernsthaftem Interesse an einem Stück meist von ganz allein diese einfache Technik zur Qualitätskontrolle demonstieren und meist auch gleich noch eine Lupe mit Raster zum Zählen der Knotendichte pro cm² reichen...( wirkliche Sammler haben selbstredend ihre eigene, nur um ganz sicher zu gehen...).

Muster und Farben:

Wer denkt, nur feine und möglichst "orientalische" Muster hätten einen hohen Wert, der irrt. Für Sammler kann die "Ursprünglichkeit" eines sehr einfachen und eher groben Musters wesentlich interessanter sein, als ein überbordendes und noch so "verschlungenes" Muster eines Esfahan oder Keshans...Die Regel: Je feiner je wertvoller, bzw. je bunter je besser ist bei Orientteppichen keinesfalls ungefragt anwendbar. Oft sind es eher die einfachen Muster mit relativ wenigen, aber dafür harmonischen Farben, die hohe Werte erzielen. Ein Teppich sollte v.a. "typisch" für seine Herkunftsregion sein. Bei neueren Stücken (nach 1900/1920) ist dies durch Musterverschleppunen und -"verbesserungen" kaum mehr gegeben. Auch das Kriterium der "Naturfarben" ist nur ein scheinbares. Kaum ein Teppich nach 1920 ist vollständig mit Naturfarben gefärbt und es stimmt schlichtweg nicht, dass Teppiche, die mit chemischen Farben gefärbt sind automatisch weniger wert sind (auch wenn das manchen Puristen sehr recht wäre). Gerade ältere chemisch gefärbte Teppiche (z.B. aus Anatolien) erzielen erstaunlich hohe Preise, da sie vergleichsweise selten sind...

Wolle

Jede Teppich-Provinz und Teppich-Typ hat ihre ganz spezifische Art und Qualität der Wolle und der Wollzusammenstellung (neben Schafwolle werden z.B. häufig auch Ziegen- und weniger häufig Kameelwolle und Seide verwendet, bei Schuss- und Kefffäden kommt überdies häufig (aber nicht immer) Baumwolle zum Einsatz. Bei älteren Stücken ist es daher teilweise möglich allein anhand der typischen Materialzusammenstellung auf die Herkunft eines Teppichs zu schließen (wichtiges Kriterium ob ein Teppich echt ist, oder nur eine "Nachknüpfung"). Bei neueren verschwimmen diese Unterschiede zunehmend, da häufig Materialen nicht-lokaler Herkunft bzw. chemisch bearbeitete Stoffe (z.B. Merzerisierte Baumwolle, die im Aussehen Seide bzw. hochqualitativer Schafwolle täuschend ähnlich sieht, aber enen anderen Griff hat) verarbeitet werden. Das dem Wort "Korkwolle" zu misstrauen ist, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Genauso achtsam sollte man bei Seide oder Wild- bzw. Naturseide u.ä. sein... Nicht selten verbirgt sich dahinter billige Synthetik oder mindere Seidenqualität. Ohnehin muss ein Teppich nur weil er aus Seide ist noch lange nicht besonders wertvoll sein. Neben Feinheit und Material sind Muster, Alter, Herkunft und Erhaltung sowie "Typik" mindestens genauso wichtig...ohne einen Teppich in der Hand zu haben sind all diese Kriterien kaum zu überprüfen. Schon garnicht für den nicht einschlägig vorgebildeten Laien oder anhand von verwackelten Bildern oder oft zweifelhaften Verkäuferangaben...

Maschinen- oder handgewebt?

Selbst viele der unter der Rubrik "Kunst und Antiquitäten" angebotenen Teppiche sind maschinengewebte Exemplare. Für den Laien sind diese meist nur anhand der wulstartigen Abschlüsse, der vergleichweise "glanzlosen" Wolle, den ziemlich schematischen bzw. "atypischen" Musterzusammenstellungen, und sehr gleichmäßigen Rückseiten zu erkennen. Betrachten sie sich bevor sie einen angeblich handgeknüpften Teppich Kaufen zunächst die Rubrik Webteppiche und achten Sie dabei auf die genannten Merkmale. Das bewahrt zumindest vor den schlimmsten Fehlkäufen. Aber auch hier sagt allein die "Handknüpfung" wenig aus. Ein schlampig von Hand geknüpfter Teppich geringen Alters, unharmonischer Farbzusammenstellung oder in mittlerem bis schlechtem Erhaltungszustand kann sehr viel weniger wert sein als ein gut erhaltenes maschinengewebtes Exemplar aus Chemiefasern aus den 1920ern oder 1930ern. Auch hierfür gibt es Sammler! Kurz: auch hier entscheidet eine ganze Reihe von Faktoren über den Wert eines Teppichs.

Flecken, Schäden, Abnutzungen 

Jeder Fleck, lose Faden, jeder abgetretene Fransen und jede noch so kleine abgenutzte Stelle mindern den Wert eines Teppichs. Oft genügen schon kleinste Schäden um einen Teppich beinahe vollständig wertlos zu machen. Motten und die von ihnen verursachten Schäden sind ein absolutes "no go" nicht nur, weil sie unschön aussehen, viel schwerer wiegt die Gefahr, sich die gefräßigen Schädlinge mit einem "mottenzerfressenen" Teppich gleich mit einzuhandeln (hierzu braucht es keine lebenden Insekten oder Maden, schon einige winzige, mit dem bloßen Auge kaum sichtbare Eier genügen um die Textilien eines ganzen Haushaltes in ernsthafte Gefahr zu bringen!).

Motten! Alptraum und "worst case" für jeden Teppichfreund!

Motten sind der Alptraum eines jeden Orientteppichliebhabers. Sie können binnen kürzester Zeit verheerende Schäden anrichten und greifen sehr schnell von befallenen Stücken auf andere Teppiche, Kleidung kurz alles was nicht aus synthetischen Fasern besteht über. Daher sollte jeder neu erworbene Teppich zuallererst gründlichst gereinigt werden, gegen Schädlinge behandelt (die Motte ist nicht der einzige Schädling den man sich einschleppen kann, Wanzen, Flöhe und Pelzkäfer sind mindestens genauso schlimm...) und bis dies geschehen ist von anderen Textilien ferngehalten werden. Es wäre nicht die erste kostbare Teppichsammlung, die durch eine "kleine Unachtsamkeit" Opfer der Motten wurde...

Erhaltung:

Wie bereits oben gesagt:
Das A und O ist die Erhaltung eines Teppiches. Trittspuren, ausgerissene Ränder oder Fransen, Flecken, Mottenschäden oder jedwede andere sichtbaren wie unsichtbaren "Gebrauchsspuren" (auch eine noch so fachmännische Reperatur senkt den Wert eines Teppiches erheblich und muss daher vom seriösen Händler stets angegeben werden!) sind für Sammler ein absolutes "No go". Nur bei sehr seltenen und sehr, sehr alten Stücken spielt die Erhaltung eine untergeordnete Rolle. Selbst sehr alte Fragmente oder schlecht erhaltene Teppiche besitzen daher kaum einen Wiederverkaufswert. Dieser Trend hat sich gerade in den letzten Jahren deutlich verstärkt!

Reparaturen und Restaurierungen:

Eng mit der Frage der Erhaltung und des Wertes eines Teppichs verbunden sind mögliche Reparaturen und Restaurierungsmaßnahmen. Damit sie den Wert ihres Teppichs nicht für immer ruinieren, sollten diese in keinem Fall durch Laien sondern stets von speziell ausgebildeten Teppichretauratoren durchgeführt werden! Lassen sie sich im Zweifelsfall ein Probestück zeigen oder noch besser: sehen sie dem Restaurator vor der Auftragsvergabe bei seiner Arbeit über die Schulter, so trennen sich selbsternannte Scharlatane ganz schnell von echten Könnern! 

Wichtig zu wissen:

Reperaturen von Orientteppichen sind immer eine heikle, äußerst zeit- und arbeitsaufwändige und relativ teure Angelegenheit, die sehr viel Können, Wissen und Erfahrung erfordert. Gerade bei antiken Stücken ist es alles andere als einfach die für eine fachgerechte Restaurierung notwendigen, dem Original möglichst nahe kommenden  Materialien. Eine gute Restaurierung ist daher ein recht teures Vergnügen und lohnt nur bei wirklich alten und wertvollen Stücken.Meist lohnt es sich daher nicht "kaputte" Stücke zu kaufen um sie restaurieren zu lassen.

Die Qual der Wahl...oder: wie finde ich den Restaurator meines Vertrauens

Erkundigen sie sich, fragen sie unbedingt bei Experten, Museen, Auktionshäusern und vereidigten Sachverständigen nach und machen sie sich schlau bevor sie ihren wertvollen Teppich "irgendjemandem" anvertrauen und bitte bitte bitte:

Versuchen sie es niemals selbst...außer sie sind ausgebildeter Teppichrestaurator!

Für weniger wertvolle Teppiche sind die von gut eingeführten Teppich-Häusern (Vorsicht bei noch nicht persönlich bekannten Anbietern!) angebotenen Restaurationen zumeist in ausreichend, allerdings sollte man hier keine Wunder erwarten: Große Fehlstellen, Risse und Verfärbungen kann - wenn überhaupt - auch der beste Restaurator nur mit sehr viel Aufwand und zu sehr hohen Kosten beseitigen. Auch wird es nie gelingen eine einmal verlorene oder zerstörte Stelle absolut genau so nachzubilden wie sie einmal war...
Eine Restaurierung, so gut sie auch immer sein mag, bleibt immer "Flickwerk". Besser man lässt es also gar nicht erst soweit kommen...

Bei antiken und/oder kostbareren Teppichen und Stücken mit hohem ideelen und/oder emotionalem Wert sollten in jedem Fall geprüfte Textil-Restauratoren mit langjähriger Erfahrung in der Restauration von Teppichen herangezogen werden.
Auch hier gilt: Teppich ist nicht gleich Teppich. Ein seriöser Händler und/oder Restaurator wird nie ohne ausführliche Beratung, detaillierten Informationen zu den auf sie zukommenden Kosten einen Restaurierungsauftrag annehmen und es ihnen auch nicht nachtragen, wenn sie aufgrund der Kosten lieber darauf verzichten!

Die schwarzen Schafe...

Eine unüberlegte und schlechte Restaurierung kann hingegen sehr viel mehr zerstören als sie nutzt. Fragen sie bei anderen Teppichbesitzern, alteingesessenen Teppichhandlungen, Museen, Auktionshäusern oder Sammlern lieber einmal zuviel nach und scheuen sie sich auch nicht, den Restaurator zu fragen, ob sie ihm bei der Arbeit einmal über die Schulter blicken dürfen bevor sie ihm ihre kostbaren Teppiche anvertrauen! Seriöse Anbieter haben damit keinerlei Probleme, ganz im Gegenteil, sie freuen sich, wenn sich jemand für ihre Arbeit interessiert, denn nur diese Personen wissen dann auch, wie viel Arbeit in einem Teppich wirklich steckt! Leider gibt es auch hier schwarze Schafe und so manche Restaurierung von ungeübter oder falscher Hand entpuppte sich im Nachhinein als absolute Katastrophe. Auch wird mir immer wieder darüber berichtet, dass an der Haustür oder bei unbekannten Anbietern zur Restaurierung oder Reinigung abgegebene kostbare Stücke, die oft schon seit Generationen in Familienbesitz waren auf nimmerwiedersehen "verschwunden" sind. Geben sie Ihren Teppich also nur in Hände, denen Sie auch vertrauen können! 

Nach dem Kauf: 

Reinigung und Pflege
oder: so wenig wie möglich und so wachsam wie nötig...

Auch wenn es jetzt etwas seltsam klingt, aber:
Die beste Reinigung für ihren handgeknüpften Orientteppich ist, ihn gar nicht erst dreckig werden zu lassen!
Je weniger Sie einen Teppich reinigen müssen, je weniger Arbeit haben sie damit und je länger hält er. 
Voraussetzung dafür ist jedoch, dass er an einem einigermaßen "sauberen" und trockenen Ort liegt, vor Schädlingen (insbesondere Motten!) geschützt wird und vor allem sicher vor Tierurin und anderen "organischen" und "mineralischen" Verschmutzungen bleibt (Rotwein, Rotkohlblätter, Erde, Rost, Diesel, Teer, Zigaretten etc...bleibt...
Sie glauben gar nicht wie oft irgendwelche Besitzer ihren kostbaren Perser als Schuhabstreifer, Zigarettenfänger, Rotweinschlürfer und anderes benutzten. Und nein, sie würden es auch nicht glauben wie oft irgendwelche Hunde und Katzen mit der stillschweigenden Billigung ihrer Besitzer auf teuerste Seidenteppiche urinieren (und k...) und sie damit für immer ruinieren...
Vorsorge und ständige Wachsamkeit sind hier die besten Mittel...denn: Ist das Malheur mit Hasso erstmal passiert oder sind einmal Schädlinge im Haus, ist es ausgesprochen schwierig bis unmöglich sie wieder loszuwerden.
Handelsübliche Reinigungsmittel oder Mottenkugeln und -Papiere nutzen meist nur wenig.  Bei Schädlingen kann bei kleineren Stücken ein mehrwöchiger Aufenthalt in der Gefriertruhe nützlich sein, ist aber nicht 100% zuverlässig. Bei Größeren ist in jedem Fall eine Spezialreinigung nötig. In jedem Fall sollte nicht nur de Teppich, sondern MINDESTENS auch die ganze Umgebung des Raumes gründlich von Schädlingen befreit werden (>>> Kammerjäger!). Und was die hübschen gelben oder braunen Flecken angeht...vergessen Sie's...die bekommt in aller Regel selbst die versierteste Teppichreinigung nie wieder vollständig raus...daher: keine Hunde, Katzen oder - so leid mir's tut - auch "undichte" Kleinkinder und sturzbesoffene Freunde mit allerlei bunten Spirituosen und/oder Zigaretten in der Nähe (m)eines Orientteppichs!...Nehmen sie stattdessen bitte ein Schafsfell oder irgendein günstiges Maschinenprodukt...das tut's für diese Zwecke allemal auch!

Mein Orientteppich das empfindsame Wesen...

oder: wie oft und mit was traktiere ich meinen Teppich artgerecht...

Staubsauger, Besen und Teppichklopfer sollten nur dann zum Einsatz kommen, wenn es wirklich nötig ist. Der Teppich verliert bei jeder Reinigung ein Stück seiner Fasern und damit zwangsweise an "Substanz".
Je öfter und intensiver man einen Teppich reinigt, je schneller wird er sich abnutzen!
Verwenden Sie, wenn irgend möglich zur Reinigung weiche Haarbürsten und eine möglichst niedrige Staubsaugersaugstufe. Nicht allzu starkes Essigwasser und Teppichschaum sind maximal "Notfalllösungen" und auch Salz gegen Flecken ist keine wirklich gute Idee (Kochsalz ist in Verbindung mit Luftfeuchtigkeit eine sehr agressive Mischung, die auf Dauer die Fasern angreift- außerdem bleiben immer ein paar Salzkristalle übrig, die dann an den Fasern "reiben" und im schlimmsten Fall zur Abnutzung ganzer Bereiche führen können...daher besser lassen...

Eine vergleichsweise schonende und trotzdem recht gründliche Möglichkeit Schmutz und abgetretene Fasern aus ihrem Teppich zu entfernen stellt die Reinigung des Teppichs mit frisch gefallenem Pulverschnee dar. Hierzu muss der Teppich jedoch zunächst über Nacht im Freien  auf eine Teppichstange gehängt "durchfrieren" damit er bei der Prozedur kein Wasser zieht, erst dann sollte man ihn mit dem Flor nach Unten auf die Schneedecke legen, langsam über ihn laufen und ihn dann auch auf der Rückseite mit Schnee bedecken und ca. 1/2 Stunde liegen lassen. Meist genügt es danach den Teppich gründlich Auszuschütteln um Schmutz, leichtere Flecken und abgetretene Fasern loszuwerden.
Von eigenen Experimenten mit Schrubber, Wasser und Seife rate ich hingegen dringend ab! Ohne adäquate Trocknungsmöglichkeit (ein Heizungsraum oder ein Wäschetrockner sind hierfür nur sehr bedingt geeignet) ist die Gefahr des Schimmelns des Teppichs sehr hoch. Auch sind nicht alle Teppiche bzw. ihre Farben "wasserfest" !

Tabus...

Echte handgefertigte Teppiche (ob nun aus dem Orient oder aus einer anderen Weltgegend) brauchen die Aufmerksamkeit ihres Besitzers. Sie sind keine Wegwerfware und verdienen es - nicht zuletzt aufgrund ihrer aufwändigen Herstellung - mit Bedacht und einem Minimum an Achtung und Sorgfalt behandelt und gepflegt zu werden. Wer das nicht kann oder möchte sollte von ihrem Erwerb absehen und sich stattdessen lieber einen maschinengewebten Synthetik-Teppich kaufen!
Teeblätter, Fleckenentferner, Bleiche, Chlor, Spüli, Backpulver, Soda, Nanospray oder andere angebliche "Wunderwaffen" sind beim Umgang mit einem echten, handgeknüpften Orientteppich absolut tabu! Sie schädigen die Wollfaser und können im schlimmsten Fall zum Brechen der Kett- und Schussfäden (reiße) und zum Verfärben und Ausbleichen des Teppichs führen.
Sollten sie wirklich einmal Ärger "schwierige" Flecken, die nicht mit etwas Wasser (Vorsicht bei nicht ganz farbechten Exemplaren, immer vorher mit einem feuchten Taschentuch "vortesten"!) oder frischem Schnee herausgehen haben, fragen sie bei einer renomierten Teppichreinigung nach, vielleicht haben sie Glück und man kann ihnen dort helfen!
Dabei gilt auch hier:
Vertrauen sie ihre Schätze keinem Unbekannten an...fragen sie bei anderen nach, welche Reinigung sie ihnen empfehlen können, lassen sie sich ganz genau erklären, was mit ihrem Teppich gemacht wird, und fragen sie ruhig auch nach, welche "Gefahren" eine Reinigung mit sich bringen kann...Für einen Teppich gibt es kaum etwas schlimmeres als eine "missglückte" Reinigung...
und wenn wir schon bei Tabus sind...
Einen echten handgeknüpften Orientteppich mit dreckigen Straßenschuhen zu betreten kommt daher einem unverzeihlichen Sakrileg bedenklich nahe!
Nicht nur, dass Sie damit die Haltbarkeit ihres wertvollen Teppichs beeinträchtigen, indem Sie oder Ihre "Gäste" damit einen Teppich bewusst verschmutzen. Nein, viel schlimmer, sie verhalten sich aus Gedankenlosigkeit auch mehr als respektlos gegenüber denjenigen, die diesen Teppich für Sie mit viel Mühe und unter oft schwierigen Bedingungen in monate- oder gar jahrelanger Arbeit angefertigt haben - Von der vielen Käufern bedauerlicherweise oft völlig unbekannten religiösen, ideelen und kulturellen Bedeutung der "bunten" Muster, die sie unbedacht "mit Straßenschmutz beflecken" einmal ganz zu schweigen...
Tun sie ihrem Teppich,  sich selbst und anderen daher einen Gefallen und bitten sie - falls irgend möglich - ihre Schuhe auszuziehen, bevor sie einen handgeknüpften Orientteppich betreten. Nicht nur die Schöpfer ihres Teppichs, auch ihre Füße werden es ihnen danken, denn was gibt es Schöneres, als an einem kalten Wintertag einmal ganz bewusst und ohne Schuhe über den weichen Flor eines Teppichs zu schreiten...

Zusammenfassung:

Orientteppiche sind keine ganz einfachen "Mitbewohner". Sie haben Ansprüche und wollen mit Respekt und Wissen behandelt werden. Lässt man sich darauf ein, hat man lebenslang Freude an einem Gegenstand, der weit mehr ist, als ein einfacher "Bodenbelag".
Genauso ist es auch bei der Frage nach ihrem "Wert"...
Ein Merkmal allein genügt selten um den Wert eines Teppichs festzustellen. Erst die Kombination aus Alter,  Material, Knotendichte und Knotenart, Erhaltung, Muster und Herkunft, Seltenheit und Nachfrage bestimmen den Preis eines Stückes...Der Einfluss und die "aktuell gefragte" Kombination dieser sehr unterschiedlichen Kriterien sind für jeden Teppichtyp anders und schwanken überdies je nach Alter und aktueller Marktlage sehr stark. Allgemeingültige Aussagen sind daher überaus schwierig. Vor allem das Kriterium "Typik" lässt sich ohne sehr viel Übung und zahlreiche Vergleichsstücke kaum einschätzen. Kurz gesagt: Ein Stück, dass vor 20 oder 30 Jahren noch Spitzenpreise erzielte muss dies heute nicht mehr unbedingt tun und umgekehrt kann genauso gut ein Stück das vor 30 Jahren kaum einen Käufer gefunden hätte heute heißbegehrt sein.

Für den nicht einschlägig vorgebildeten Laien ist es daher überaus schwierig sich ein eigenes Bild zu schaffen. Selbst alte Literatur bzw. Auktionskataloge oder "Gutachten" helfen bei der Preisbestimmung nur noch wenig, da sich der Teppichmarkt inzwischen radikal verändert hat und sehr viel unberechenbar geworden ist.
Eine wirkliche Beurteilung eines Stückes auf e-bay ist überdies nahezu unmöglich, da vieles, wie z.B. der Griff oder das genaue Material bzw. die Knotenart und Dichte und der exakte Erhaltungszustand nur am Stück selbst überprüfbar sind. Keinesfalls sollte man sich von phantasiepholl-euphorischen Beschreibungen, angeblichen "Wertgutachten" oder oft mehr als fraglichen "Qualitätsmerkmale" von Verkäuferseite blenden lassen. Diese stimmen zumeist nur bedingt mit der Realität überein und sind bei den zahlreichen Laienverkäufern auf e-bay, die von Teppichen meist nur sehr wenig Ahnung haben, überdies häufig falsch. Auch sogenannte "Garantien" oder "Zertifikate" sind mit Vorsicht zu genießen, selbst wenn sie angeblich echt und aus dem Fachhandel stammen (man kann sich diese "Zettel" auch mühelos beschaffen und fälschen! selbst auf e-bay werden sie immer wieder in großen Mengen angeboten!).
Ohnehin...
Die Frage nach dem wirklichen "Wert" eines Teppichs ist nicht nur eine Frage nach seinem Preis, sondern eine, die auch sehr viel mit seiner Geschichte, Nutzung und Nutzern zu tun hat...

Orientteppiche von e-bay...wann's Sinn macht, und wann eher nicht...

Wer sich ein wenig mit der Materie beschäftigt hat bevor er kauft, wer lediglich ein dekoratives Stück für seine eigenen 4 Wände sucht und wem es nicht auf den Wert eines Teppichs ankommt, wer weiß wie Mottenfraß aussieht und bei Teppichen nichts gutes bedeutet, wer sich keine ausgefransten, durchgelatschen oder zerissenen Teppiche in der Hoffnung auf den "großen wertvollen Fund" andrehen lässt, und wer bedenkt, dass auch Verkäufer nichts für umsonst hergeben, wer einen Teppich auch mal selbst abholen kann und sich dann auch noch vorstellen kann, wie ein bestimmtes Muster oder eine bestimmte Farbe an einem bestimmten Ort und bei bestimmten Lichtverhältnissen wirkt, kurz, wer weiß, welcher Orientteppich zu ihm passt und welcher nicht, der ist der ist auf e-bay durchaus richtig, und kann hier durchaus auch mal günstig fündig werden.
Wer allerdings außergewöhnliche und wertvolle Stücke sucht, sollte sich besser an anerkannte und seriöse Auktionshäuser, Museen und staatlich geprüfte Sachverständige wenden. Ob der sogenannte "Teppichfachhandel" immer die beste Adresse dafür ist, darf angesichts der leider immer mehr um sich greifenden "Ausverkaufsmentalität" unter Händlern wie Kunden indess gelegentlich auch bezweifelt werden... auch hier ist viel Ware in Umlauf, deren Wert zumindest bezweifelt werden darf...Gerade teurere Stücke sollten von Anfängern daher nie ohne den Rat eines geprüften Fachmanns eingekauft werden...
Und schon garnicht sollte man erwarten teure Teppiche an der Haustür oder bei irgendwelchen "Sonderverkäufen" als "Schnäppchen" angeboten zu bekommen...Leider soll es immer noch leichtgläubige (oder gierige?) Menschen geben, die 20.000 Euro für einen Plastikteppich bezahlen, der allenfals 20 wert ist, oder - fast noch absurder - den wertvollen und über Generationen gehüteten Orientteppich im Austausch gegen einen "neuen" Plastikteppich an irgendwelche Reisende Händler verscherbeln...
Wie bei allen Antiquitäten oder angeblichen Schnäppchen gilt auch hier: Nur der gut informierte hat die Chance auf ein günstiges Geschäft. Der Rest zahlt normalerweise erstmal sehr viel Lehrgeld...

...und noch eine kleine Bitte zum Schluss

Wer an seinem neu erworbenen handgeknüpften Orientteppich wirklich Gefallen finden will, der oder die sollte sich auch die Mühe machen, ein bisschen mehr von seiner Geschichte, Herstellung und kulturellen Bedeutung zu erfahren.
Gehen Sie in die Bibliothek und lesen Sie! Besuchen Sie ein Museum in dem alte Teppiche ausgestellt sind (es gibt mehr als Sie vielleicht denken!) und suchen Sie das Gespräch mit Sammlern, seriösen Händlern, Restauratoren und Experten. Sie werden sehen, hinter jedem noch so unscheinbaren handgefertigten Stück verbirgt sich eine faszinierende, unbekannte Welt! und genau das ist es dann auch, was ihren handgeknüpften "Mitbewohner" von seinen (synthetischen) Maschinengeschwistern unterscheidet...

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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