Entwicklung der Schuhmodelle - Mode damals und heute

Aufrufe 10 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Der Ursprung aller Schuhmodelle liegt in der Sandale, die bereits in der Antike einen Formenreichtum aufwies, der den heutigen Sandalenmodellen in nichts nachsteht. Allen Sandalen der zahlreichen Kulturen ist jedoch der Grundaufbau gemeinsam: eine feste Sohle ohne Absatz, die durch einen Riemen über dem Fußrücken oder zwischen den Zehen am Fuß gehalten wird. Bei den alten Ägyptern waren Sandalen mit Sohlen aus geflochtenem Papyrus und Lederriemen besonders verbreitet, die Slawen nutzten dagegen Sandalen aus Filz. Die römischen Kaiserinnen kleideten ihre Füße in Sandalen aus Gold und Edelsteinen, die afrikanischen Modelle waren dagegen besonders farbenfroh, da sie aus verziertem Leder hergestellt wurden. Eine Alternative zu Lederriemen entwickelten die Perser und Inder, die ihre Sandalen mittels Zehenpflöcken an den Füßen behielten.

Mit dem Ende der Antike kamen schließlich insbesondere im byzantinischen Einflussbereich geschlossene Schuhe und Pantoffeln in Mode. Ganz neu war diese Schuhform jedoch nicht, denn es existieren heute zahlreiche Hinweise, dass bereits die Menschen der Steinzeit funktionale Schuhe aus Leder nutzten, die teilweise einen recht komplizierten Aufbau aufwiesen. Inwieweit die Byzantiner von diesen Vorformen ihrer eigenen Schuhe wussten, sei dahingestellt.

Mit dem Beginn des Mittelalters, der grob um das Jahr 500 n.Chr. herum angesiedelt werden kann, feiert der Bundschuh seine ersten Erfolge. Der Bundschuh ist ein einfacher Lederschuh, der seinen Namen aufgrund des langen Riemens, mit dem er gebunden wird, erhalten hat. In seinen zahlreichen Variationen bleibt er das ganze Mittelalter über die bevorzugte Schuhform insbesondere der unteren Stände und wird im 16. Jahrhundert schließlich das Symbol einer bäuerlichen Bewegung, der sogenannten Bundschuh-Bewegung, in der die Wurzeln der deutschen Bauernkriege liegen. Bei den höheren Schichten des Mittelalters waren Wendeschuhe weit verbreitet, die schließlich im Hochmittelalter starken modischen Einflüssen unterworfen waren, was sich unter anderem in den immer länger werdenden Schuhspitzen zeigte. In starkem Gegensatz zu dieser Materialverschwendung steht die Fußbekleidung der armen Bevölkerungsschichten, die sich sommers wie winters mit einfachen Holzsandalen oder Holzschuhen begnügen mussten – sofern sie sich diese überhaupt leisten konnten und nicht gezwungen waren, barfuß ihren Tätigkeiten nachzugehen.
Ein weiteres Schuh-Phänomen des Mittelalters stellen die sogenannten Trippen dar, die im 13. Jahrhundert aufkamen und heute als einer der Vorläufer des modernen Absatzes gelten. Trippen waren Schuhe mit sehr hohen Sohlen, die meist aus Holz gefertigt waren und ihre Träger wohl vor dem Schmutz der Straße schützen sollten. Der eigentliche Ursprung der Absätze liegt allerdings noch im Dunkeln. Als gesichert gilt, dass bereits ägyptische Fleischer Absätze trugen, um ihre Füße vor dem Blut der geschlachteten Tiere zu schützen. Absätze konnten auch bei den mongolischen Reitervölkern nachgewiesen werden, die sich damit besser in den Steigbügeln halten konnten. In Europa sollten Absätze jedoch erst im 17. Jahrhundert zu voller Blüte gelangen.

Zunächst feierten die Chopinen große Erfolge in der Welt der Mode. Diese Schuhform besitzt erste Vorläufer im Spanien des 15. Jahrhunderts und wurde von den Venezianerinnen des 16. Jahrhunderts zu vollkommener Vollendung gebracht. Die Damen der Gesellschaft trugen Schuhe, die wie Sockel wirkten und teilweise Höhen von 75 cm erreichten. Selbstständiges Gehen war damit nicht mehr möglich, modebewusste Damen mussten von zwei Dienerinnen gestützt werden, was wiederum Ausdruck ihres Reichtums und Standesbewusstseins war. Dieser modische Trend schwappte in der Folgezeit auch nach Frankreich und sogar England über, konnte sich aber nicht über das 17. Jahrhundert hinaus halten.

Die weitaus bequemere Alternative stellten Slipper dar, die im 16. Jahrhundert sowohl von Frauen als auch von Männern getragen wurden. Aufwändig verarbeitet und mit Gold und Edelsteinen geschmückt, stellten sie in erster Linie ein Statussymbol dar. Slipper aus Seidenbrokat oder Samt haben ihren Ursprung einerseits in der traditionellen Fußbekleidung der christlichen Bischöfe, waren aber auch schon in der Antike bekannt. Römische Frauen trugen diese praktischen Schuhe, in die man nur hineinzuschlüpfen brauchte und die dennoch den Fuß bedeckten, jedoch nur zuhause.

Als Vorreiterin des Absatzes als modisches Attribut kann Katharina von Medici, die spätere Königin von Frankreich, gelten. Zu ihrer Hochzeit im Jahr 1533 trug Katharina Schuhe mit hohen Absätzen, um ihre kleine Körpergröße auszugleichen. Am französischen Hof fanden sich bald zahlreiche Nachahmerinnen dieser neuen Schuhmode. Weit verbreitet war der Absatzschuh jedoch erst im 17. Jahrhundert, als er schwindelerregende Höhen von 12 cm erreichte und daher auch nur von wohlhabenden Frauen getragen werden konnte.

Als sehr junge Schuhform, für die bislang keine Vorbilder in der Antike bekannt sind, gilt der Pumps. Im 16. Jahrhundert war er Bestandteil der männlichen Lakaienuniform, bevor er schließlich in der Mitte des 18. Jahrhunderts von den Damen der Gesellschaft als praktische Alternative zu den empfindlichen Slippern entdeckt wurde. Ende des Jahrhunderts feierten Pumps schließlich bei Damen und Herren gleichermaßen insbesondere als Tanzschuh große Erfolge.

Bei all den prächtigen und modischen Schuhformen sollten jedoch auch die soliden und praktischen Schuhmodelle nicht in Vergessenheit geraten, die es über all die Jahrhunderte insbesondere beim arbeitenden Teil der Bevölkerung selbstverständlich gegeben hat. Seien es die Hirschledermokassins der Indianer oder die robusten Arbeitsschuhe der europäischen Frauen, sie alle erfüllten die gleichen Funktionen, die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts dazu führten, dass auch die Damen der Oberschicht praktische Schuhe für sich entdeckten. Dieser Wandel in der Schuhmode ging mit einem neuartigen Frauenbild einher. Frauen wurden selbstbestimmter, gingen aus dem Haus, um in den Fabriken und Büros zu arbeiten, und ließen sich nicht mehr durch hauchdünne Slipper oder unbequeme Knöpfstiefeletten ans Haus fesseln. Um den schmalen Grad zwischen modischem Aussehen und Funktionalität zu wahren, wurden Schnürschuhe, Schnürpumps und Turnschuhe, die eigentlich traditionelle Männerschuhe der oberen Klassen waren, nun dem Frauenfuß angepasst. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfreuten sich insbesondere Wanderschuhe und Turnschuhe einer wachsenden Beliebtheit bei den nun auch sportlich aktiven Frauen und wurden eigens für sie hergestellt. Ende der 1920er Jahre waren Männerschuhe wie der Oxford-Halbschuh für Frauen weit verbreitet.

Ein ähnliches Schicksal wie das solide Schuhwerk ereilte über viele Jahrhunderte hinweg auch den Stiefel. Aufgrund von Höhlenmalereien gilt es heute als gesichert, dass Männer und Frauen in prähistorischer Zeit Stiefel trugen. In geschichtlicher Zeit tauchen Stiefel bei römischen Soldaten und Europäern ab dem 13. Jahrhundert wieder auf, sie blieben jedoch immer Männern vorbehalten. So verwundert es nicht, dass einer der Anklagepunkte gegen Jeanne d’Arc, der sogenannten Jungfrau von Orléans, darin bestand, dass sie Männerstiefel trug. Erst ab 1830 wurden Stiefel bei Frauen der Oberschicht beliebt, davor zierten sie allenfalls in Form von Reitstiefeln das Frauenbein.

Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts schließlich haben Frauen die Qual der Wahl zwischen den unterschiedlichsten Schuhmodellen, Farben und Formen und so gut wie keine gesellschaftlichen Vorgaben beschränken sie in der Auswahl ihrer Fußbekleidung. Doch bis es soweit war, mussten Schuhe zahlreiche Entwicklungen durchlaufen, sie gerieten in Vergessenheit oder wurden verboten, zu neuem Leben erweckt und neu erfunden. Doch selbst die für uns heute so bizarr wirkenden Chopinen besitzen eine moderne Entsprechung – die Plateausohlen.
Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden