Ein bisschen mehr als Für Elise: Das sind die populärsten klassischen Noten für Klavier

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Es gibt viele hervorragende klassische Kompositionen für das Klavier. Die meisten sind von ausgezeichneten Komponisten wie Beethoven, Mozart und Rachmaninow geschrieben worden und wurden schon zu deren Lebzeiten von Publikum und Kritikern hoch gelobt. Einige haben aber erst im Laufe der Jahrhunderte ihre wahre Berühmtheit entwickelt und gelten heutzutage als Meisterwerke der Klaviermusik. Das gilt nicht nur für Beethovens „Für Elise". Auch andere Stücke fürs Klavier sind wahrscheinlich wohlbekannte Melodien in Ihren Ohren. Im Folgenden finden Sie Erläuterungen, insbesondere zur Entstehungsgeschichte, einer kleinen Auswahl populärer Klavierkompositionen. Wenn Sie diese selbst auf dem Klavier einüben möchten, finden Sie entsprechende Noten und günstige Pianos in großer Auswahl.

"Für Elise" - "Klavierstück a-Moll WoO 59" - Ludwig van Beethoven

Der gebürtige Bonner Ludwig van Beethoven schuf in den 57 Jahren seines Lebens zwischen 1770 und 1827 zahlreiche meisterliche Kompositionen für Klavier. Eines seiner bekanntesten Werke ist das Stück „Für Elise". Dies vollendete Beethoven nach zweijähriger Arbeit, als er 40 Jahre alt war, unter dem Namen „Klavierstück a-Moll WoO 59". Eigenhändig soll er auf das Albumblatt „Für Elise am 27 April zur Erinnerung von L. v. Bthvn" geschrieben haben, was dazu führte, dass das Stück allgemein weltweit als „Für Elise" bekannt und berühmt wurde. Bis zum heutigen Tage wird das Werk aus dem Jahre 1810 gerne und oft in Filmen verwendet. So spielte Polanski es zum Beispiel in seinem Film „Rosemary's Baby", es gehörte zum Soundtrack von „James Bond - Lizenz zum Töten" und wurde von Regisseur Gus Van Sant in seinen Film „Elephant" eingebaut. Quentin Tarantino verwendete „Für Elise" gleich in zwei seiner Filme: „Inglourious Basterds" und „Django Unchained". Zudem wurde es nicht nur von zahlreichen klassischen Musikern eingespielt, sondern fand in abgewandelter Form auch Einzug in die Popmusik.

„Für Elise" ist ein relativ kurzes Werk. Im Jahre 1822, fünf Jahre vor seinem Tod, überarbeitete der zu diesem Zeitpunkt bereits unter starken gesundheitlichen Problemen leidende und fast taube Beethoven das Stück, das er zwölf Jahre zuvor geschrieben hatte. Dies wird von vielen als Anzeichen dafür gedeutet, dass die Klavierkomposition eine besondere Bedeutung für ihn hatte.

Wer war Elise?

Wer mit „Elise" gemeint ist, ist bis heute nicht bekannt. Verschiedene Wissenschaftler streiten sich um die Identität der Widmungsempfängerin. Einige halten Therese Malfatti, andere Juliane Katharine Elisabet Barensfeld für „Elise". Die meist vertretene Meinung sieht in ihr jedoch Maria Eva Elisabeth Röckel. Die 33 Jahre jüngere Opernsängerin lernte Beethoven wahrscheinlich zwischen 1806 und 1808 in Wien kennen und freundete sich mit ihm an. Ihr Bruder, der Tenor Joseph August Röckel, trat 1806 in Beethovens einziger Oper „Fidelio" auf, die dieser selbst am Wiener Theater inszenierte. Von einer Beziehung zwischen Beethoven und Elisabeth Röckel ist nichts bekannt. Es wird vermutet, dass Beethoven Elisabeth Röckel heiraten wollte. „Elise" heiratete jedoch stattdessen 1813 einen von Beethovens schärfsten beruflichen Konkurrenten, den Komponisten Johann Nepomuk Hummel.

Drei weitere Klaviersonaten aus der Feder von Beethoven können nicht ungenannt bleiben, wenn es um die populärsten Kompositionen für das Klavier geht: die unter den Namen „Appassionata", „Pathetique" und „Mondscheinsonate" weltweit bekannt gewordenen Meisterwerke. 

Appassionata

Einige Jahre vor der Vollendung von „Für Elise" schuf Beethoven während eines Aufenthaltes im Schloss des Grafen Franz von Brunswick im Jahre 1804 die "Klaviersonate Nr. 23 in f-Moll op. 57". Diese ist Ihnen wahrscheinlich besser unter ihrem Beinamen "Appassionata", die Leidenschaftliche, bekannt. Das Stück in drei Sätzen wurde von zahlreichen berühmten Pianisten unserer Zeit wie zum Beispiel Svjatoslav Richter und Arthur Rubinstein eingespielt.

Pathétique

Seine zwischen 1798 und 1799 entstandene "Klaviersonate Nr. 8 in c-Moll op. 13" nannte Beethoven selbst „Grande Sonate Pathétique". Die „Pathetique" gilt für viele als ein Meilenstein in Beethovens Schaffen, weil sie einen neuen Stil des musikalischen Ausdrucks bei ihm eingeleitet haben soll. Das Werk besteht aus drei Sätzen: "Grave/Allegro di molto e con brio in c-Moll", "Adagio cantabile in As-Dur" und "Rondo Allegro, alla breve". Gewidmet ist das Klavierstück Karl von Lichnowsky, einem Freund und Gönner Beethovens.

Mondscheinsonate

Im Jahre 1801 entstand die "Klaviersonate Nr. 14 op. 27 Nr. 2", deren ersten und dritten Satz Beethoven in cis-Moll und deren zweiten Satz er in Des-Dur schrieb. Er gab ihr den Namen „Sonata quasi una Fantasia", zu Deutsch: „Sonate gleichsam eine Fantasie". Sie erlangte schnell Berühmtheit, sodass Beethoven noch zu Lebzeiten große Erfolge mit ihr feiern konnte. Ihre Popularität unter dem Namen „Mondscheinsonate" erlebte der Komponist jedoch nicht mehr mit. Den Namen erhielt sie erst nach seinem Tode durch den Musikjournalisten Ludwig Rellstab. Die Mondscheinsonate wurde schließlich zu einem der bekanntesten Werke für Klavier aller Zeiten und gehört in jeden Klavierunterricht. Die Widmung des Werkes in drei Sätzen galt Beethovens junger, von ihm verehrter Schülerin Julie Guicciardi. Der deutsche Komponist Robert Volkmann und der Russe Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch verliehen ihrer Bewunderung für die Mondscheinsonate Ausdruck, indem sie Teile des Stücks in eigene Kompositionen einfließen ließen.

"2. Klavierkonzert op. 18 in c-Moll" - Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow

Besondere Popularität erlangte auch das "2. Klavierkonzert op. 18 in c-Moll" des russischen Komponisten und Pianisten Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow. In den ersten beiden Jahren des 20. Jahrhunderts komponierte Rachmaninow das Werk in drei Sätzen: Moderato, Adagio sostenuto und Allegro scherzando. Zuvor konnte der bereits zu seinen Zeiten geschätzte Träger der großen Goldmedaille des Moskauer Konservatoriums mit seiner Komposition der "1. Sinfonie in d-Moll" erstmals in seinem Leben keinen Erfolg feiern und musste schlechte Kritiken hinnehmen. Damit konnte der 24-Jährige nicht umgehen, es stürzte ihn in eine Depression und Schaffenskrise. Erst eine Therapie unter Anwendung von Hypnose durch den Neurologen Nikolai Dahl half Rachmaninow, diesen traumatischen Misserfolg zu überwinden. Die Leitung der erfolgreichen Uraufführung, die 1901 in Moskau stattfand, hatte Rachmaninows Cousin, der renommierte Pianist Alexander Siloti, während Rachmaninow selbst am Klavier saß.

Das "2. Klavierkonzert op. 18 in c-Moll" wurde eines seiner berühmtesten Werke. Daneben erlangten nur das 1909 komponierte "3. Klavierkonzert in d-Moll" sowie das acht Jahre zuvor entstandene "Präludium in cis-Moll, op. 3 no. 2", aus den Fantasiestücken ähnlich große Berühmtheit. Seinen besonderen Dank für diesen Erfolg zollte er dem Neurologen Dahl, indem er ihm das Werk widmete. Das 2. Klavierkonzert wurde unter anderem im Film „Das verflixte siebte Jahr" mit Marilyn Monroe sowie in „Menschen im Hotel" mit Greta Garbo und in dem neueren Film „Center Stage" verwendet. Wenn Sie das Stück selbst am Klavier nachspielen möchten, können Sie die entsprechende Notensammlung bei eBay kaufen.

"Clair de Lune" - "Suite Bergamasque" 3. Satz – Achille-Claude Debussy

Im Jahre 1890 schuf der impressionistische Musiker Achille-Claude Debussy im Alter von 28 Jahren die Klaviersuite „Suite bergamasque", deren dritter Satz in Des-Dur „Clair de Lune", zu Deutsch „Mondglanz", sich zu einem der weltweit berühmtesten Stücke für Klavier entwickelte. Den ersten Satz, das Präludium, schrieb Debussy in F-Dur, den zweiten Satz „Menuett" komponierte er in a-Moll und den vierten Satz „Passepied" in fis-Moll. Als Inspiration für die Schaffung der „Suite bergamesque" diente Debussy das 1869 entstandene Gedicht „Clair de Lune" von Paul Verlaine, dessen zweite Zeile von „masques et bergamasques" spricht. Die Popularität, die der Satz „Clair de Lune" heute noch erfährt, spiegelt sich auch in seiner Verwendung in Film und Fernsehen wieder. Neben den Filmen „Sieben Jahre in Tibet" und „Ocean's Eleven" mit Brad Pitt wurde das Stück auch in der Verfilmung der Twilight-Saga verwendet.

"Türkischer Marsch" - Klaviersonate Nr. 11 A-Dur KV 331 (300i) 3. Satz - Wolfgang Amadeus Mozart

Natürlich dürfen hier auch die Klavierkompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart nicht unerwähnt bleiben. Mozart schuf im Laufe seines Lebens zwischen 1756 und 1791 eine Reihe hervorragender Klaviersonaten. Neben der "Klaviersonate Nr. 16 C-Dur", der sogenannten „Sonate facile", KV 545, wurde unter anderem der „Türkische Marsch" weltberühmt. Diesen schrieb der österreichische Komponist der Wiener Klassik als dritten Satz seiner "Sonate Nr. 11 A-Dur" KV 331 (300i) für Klavier in den Jahren 1783 und 1784. Er nannte den Satz, der ein Allegretto in Rondoform ist, „Alla Turca". Er beginnt in a-Moll und endet in A-Dur. Der erste Satz ist mit „Tema. Andante grazioso" überschrieben und beinhaltet sechs Variationen. Den zweiten Satz komponierte Mozart als Menuett und Trio. Nicht nur unzählige Filme bedienen sich des Türkischen Marsches für ihre musikalische Untermalung. Eine moderne Band hat sogar eine Metal-Version herausgebracht und in diversen Computerspielen, wie zum Beispiel in dem Strategiespiel "Civilization", ertönt der Türkische Marsch.

"Liebesträume" – ein berühmtes Werk von Franz Liszt

Zu den weltweit schönsten und meist geübten Noten für Klavier gehören auch die drei „Liebesträume" von Franz Liszt aus dem Jahre 1850. Unter ihnen erlangte insbesondere der "Liebestraum Nr. 3" große Berühmtheit. Der österreichisch-ungarische Komponist Liszt, der mit seinen Sinfonischen Dichtungen für die Vertonung literarischer Vorlagen und der Schaffung von Programmmusik stand, schöpfte seine Inspiration unter anderem aus Gedichten der deutschen Poeten Ludwig Uhland und Ferdinand Freiligrath. Der "Liebestraum Nr. 3" lehnt sich zum Beispiel an Freiligraths Gedicht „O lieb, so lang du lieben kannst" aus dem Jahre 1829 an. Die drei Liebesträume sind Nocturnen, d.h. Charakterstücke für Klavier. Der "Liebestraum Nr. 3" ist in As-Dur komponiert und umfasst drei Teile, wobei der musikalische Höhepunkt im zweiten Teil liegt, der besonders laut und hoch gespielt wird. Liszt greift im Laufe des knapp fünf Minuten langen Stückes wiederholt die Anfangsmelodie auf. Moderne Starpianisten wie Lang Lang und Evgeny Kissin haben den "Liebestraum Nr. 3" eingespielt.

Neben oben exemplarisch genannten Meisterstücken existieren noch unzählige weitere Klaviernoten weltberühmter Komponisten, die zum Standardrepertoire eines jeden Klavierschülers gehören, wie zum Beispiel das „Zweite Klavierkonzert in B-Dur op. 83" von Johannes Brahms und das „Wohltemperierte Klavier, BWV 846-893" von Johann Sebastian Bach. 

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