Das geplante Königreich Polen - mit Münzen eine geschichtliche Epoche erkunden

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Das geplante Königreich Polen - mit Münzen eine geschichtliche Epoche erkunden

Die Geschichte Polens im Verlauf des Ersten Weltkriegs

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahre 1914 existierte weder ein eigenständiger Staat Polen, noch gab es eine unabhängige Währung. Die Gebiete Polens gehörten zu Teilen dem Deutschen Reich, Russland sowie Österreich-Ungarn an. Nach Beginn des Krieges war es der Plan des deutschen Kaisers Wilhelm II., einen eigenständigen polnischen Staat zu erschaffen. Dieser sollte nach der Eroberung des Gebiets um die Weichsel, dem sogenannten Kongresspolen, entstehen. Jener Teil war dem russischen Reich angegliedert und der Kaiser plante, nach einem etwaigen Friedensschluss mit Russland die Rückgabe dieser Gebiete mit einem unabhängigen Polen zu verhindern. Dieser neue Staat sollte eng an Preußen gebunden sein, aber dennoch unter polnischer Verwaltung stehen.

Zum Ende des Sommers 1915 war der größte Teil der polnischen Gebiete unter deutscher und österreich-ungarischer Kontrolle. Die beiden Länder verständigten sich im Laufe des Jahres 1916 darauf, dass so schnell wie möglich ein unabhängiger polnischer Staat entstehen sollte, auch mit dem Hintergedanken, einen weiteren Verbündeten an der Ostfront zu haben.

Die Entstehung des Königreiches Polen und seiner Währung

Bis zum Beginn des Winters 1916 standen die polnischen Gebiete unter deutscher Verwaltung und gehörten währungstechnisch zu den sogenannten Nebengebieten. Am 5. November erfolgte im Königsschloss zu Warschau die Proklamation des polnischen Königreiches durch Vertreter des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarn. Interessant ist, dass dabei weder exakte Grenzen festgelegt wurden, noch ein König proklamiert wurde. Bereits zum 1. Dezember nahm in Warschau eine provisorische Regierung, bestehend aus 25 Mitgliedern, den Betrieb auf und bemühte sich um die Organisation und den Aufbau einer Staatsverwaltung. Die polnische Notenbank, die sich um die Einführung einer nationalen Währung kümmern sollte, wurde am 9. Dezember 1916 gegründet. Getauft wurde sie auf den Namenauf den Namen Polska Krajowa Kasa Pożyczkowa, zu Deutsch polnische Landeskreditanstalt, getauft.

Bis zu diesem Zeitpunkt waren in den unterschiedlichen Landesteilen Polens vier verschiedene Währungen im Umlauf. Im Nordwesten war dies die Reichsmark, im Südwesten die Krone aus Österreich-Ungarn sowie im Osten des Landes der russische Rubel. Eine Sonderstellung bildete der Ostrubel, welcher Anfang des Jahres 1916 in den östlichen Gebieten Polens von der deutschen Militärverwaltung eingeführt wurde. Diese Währung blieb in den zwischen Russland, Litauen und Polen umstrittenen Gebieten bis in das Jahr 1922 im Umlauf, spielte aber nach der Einführung der polnischen Mark im Königreich Polen selbst keine Rolle mehr.

1917 – die Polnische Mark wird eingeführt

Zum Beginn des Jahres 1917 wurde dann die neue Währung im Königreich Polen eingeführt: die Polnische Mark. Diese orientierte sich von der Aufteilung und dem Namen her an der deutschen Reichsmark. Eine Polnische Mark bestand aus 100 Fenigow. Neben Banknoten wurden im selben Jahr auch verschiedene Münzen geprägt und in den Zahlungsverkehr eingebracht. Eine dieser Prägungen war die 10-Fenigow-Münze. Weitere Nominale wurden zu 1-, 5- und 20-Fenigow ausgegeben.

Prägemotive und Nominalen

Der Avers aller Fenigow-Münzen wird von einem Adler geziert, der auf dem Kopf eine Krone trägt. Der Adler ist das Wappentier Polens und die Krone symbolisiert den König beziehungsweise die Monarchie. Auf dem Revers der Münzen finden Sie unterhalb der Wertprägung die Jahresangabe der Prägung. Fenigow-Münzen wurden ausschließlich in den Jahren 1917 und 1918 geprägt. Außen kreisrund um die Wertangabe findet sich der Text „Krolestwo Polskie“, was übersetzt „Königreich Polen“ bedeutet. Die Münzen wurden aus Eisen gefertigt.
Die Häufigste der Münzen aus dem geplanten Königreich Polen war die 1-Fenig-Münze. Diese wurde über 51 Millionen Mal gefertigt, und zwar ebenfalls in Stuttgart. Ihr Durchmesser betrug nur 15 Millimeter bei einem Gewicht von 1,97 Gramm. Diese Münze sowie die Ausgaben zu Fünf- und Zehn-Fenigow finden Sie bei eBay noch relativ häufig. Seltener sind hingegen die 20-Fenigow-Münzen. Diese sind mit einem Durchmesser von 23 Millimetern die größten der vier Nominale und stammen wie die anderen Münzen aus der Prägestätte in Stuttgart. Das Gewicht lag bei 3,89 Gramm. 20-Fenigow-Münzen wurden in den Jahren 1917 und 1918 geprägt, im ersten Jahr wurden 1,9 Millionen Exemplare gefertigt, im zweiten Jahr weitere 19,26 Millionen.

Die Fenigow wurden übrigens in Deutschland geprägt, was Sie auch anhand des Prägezeichens erkennen. Die 10-Fenigow-Münzen aus dem Jahre 1917 stammen so aus Stuttgart und besitzen als Zeichen zwei kleine F unterhalb des Adlers. In Stuttgart wurden alleine von den 10-Fenigow-Münzen 48 Millionen Prägungen gefertigt. Das Gewicht dieser Münze lag bei 3,56 Gramm und der Durchmesser beträgt 21 Millimeter. Die 5-Fenigow-Münze aus 1918 stammt ebenfalls aus der gleichen Prägeanstalt, ist jedoch mit 2,53 Gramm Gewicht deutlich leichter. Auch der Durchmesser beträgt nur 18 Millimeter. Von den 5-Fenigow-Münzen wurden rund 41,4 Millionen Exemplare gefertigt.

Die Polnische Mark nach dem Ende des Ersten Weltkriegs

Nachdem im Jahre 1918 die Mittelmächte den Ersten Weltkrieg verloren hatten und Russland in einen Bürgerkrieg verwickelt war, kam es zu Verhandlungen über die Zukunft des polnischen Staates. Deutschland und Österreich-Ungarn verlangten eine Garantie für die Unabhängigkeit und Souveränität des bestehenden Königreiches. In Polen selbst war das Königreich, das eng an das Deutsche Reich gebunden und unter dessen Führung entstanden war, unbeliebt und so kam es am 7. Oktober 1918 zur Erklärung der Unabhängigkeit Polens durch den Regentschaftsrat. 1919 garantierte der Versailler Vertrag die Internationale Anerkennung der neuen Republik und somit war die Geschichte der vierten polnischen Monarchie besiegt.

Die neue Regierung übernahm auch die Leitung über die Landesbank und fasste den Plan, die Polnische Mark als Währung beizubehalten. 1919 begann man, die Banknoten der Polnischen Mark auszutauschen, und versah diese mit neuen Motiven und Texten. Die Münzen hingegen blieben trotz ihres Aufdrucks „Königreich Polen" unverändert im Umlauf, jedoch nahm die Verwendung im Alltag aufgrund der ständig steigenden Inflationsraten deutlich ab.

Inflation und Ablösung der Polnischen Mark

Bereits im Jahre 1920 setzte eine Inflation ein, die nicht mehr aufzuhalten war und sich rasant steigerte. Die Zentralbank Polens versuchte, mit der Herausgabe von neuen Banknoten die Auswirkungen der Währungsverschlechterung auf die Wirtschaft zu verringern, erreichte damit aber eher das Gegenteil. So bekam man 1919 für 90 polnische Mark einen US-Dollar, im November 1923 waren es zwei Millionen Mark und Anfang 1924 war der Umtauschkurs auf 9,3 Millionen gestiegen. Diese galoppierende Inflation und das damit verbundene Geldchaos machten die Ablösung der Polnischen Mark unausweichlich. So kam es bereits früh im Jahre 1924 zur Gründung einer neuen polnischen Zentralbank, die den Zloty einführte. Diese Währung basierte auf einem Goldstandard ähnlich der britischen Währung. So fand die Polnische Mark im Frühjahr 1924 ihr unrühmliches Ende und verschwand innerhalb kürzester Zeit aus dem Umlauf.

Die freie Stadt Danzig und ihre Währung

Danzig nahm in dieser Epoche der Geschichte eine Sonderstellung ein, die sich auch in der Entwicklung der Währung widerspiegelt. Seit 1816 gehörte die Stadt zu Preußen, besaß aber eine polnische Vergangenheit. Dies zeigte auch die Zweisprachigkeit der Stadt, welche zum Beginn des 20. Jahrhunderts noch vorhanden war. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs war Danzig dem Deutschen Reich zugehörig und folglich galt in der Stadt auch die Reichsmark als Währung. Mit dem Ende des Krieges und dem Versailler Vertrag wurde das Umland dem neuen Staat Polen zugesprochen. Danzig jedoch hatte sich bereit im Jahre 1918, als es nach der Niederlage der Mittelmächte de facto unter polnische Verwaltung kam, vom Staat Polen losgesagt und eine Unterstützung des Krieges gegen die Sowjetunion verweigert. Dies geschah unter dem Hintergrund der drohenden Niederlage der Polen gegen die Sowjets, was für Danzig den vollständigen Verlust der Selbstständigkeit und eine Verwaltung durch die Sowjetunion bedeutet hätte. Das Resultat war die Proklamation der Freien Stadt Danzig, die aus der Stadt selbst und einigen umliegenden Gemeinden bestand. Die Polnische Mark wurde als Währung nicht wie in den umliegenden Gebieten, die nun zu Polen gehörten, eingeführt, sondern es wurde bis 1923 die Reichsmark beibehalten. Diese wurde dann vom Danziger Gulden abgelöst, einer Währung, die nur innerhalb der Stadt galt und bis 1939 im Umlauf blieb.

Seltene Münzen aus der kurzen Geschichte der Polnischen Mark

Generell sind nicht viele Münzen aus der Zeit des polnischen Königreiches überliefert. Die Gründe dafür liegen einerseits in der kurzen Zeit ihres Bestehens, andererseits in der extremen Inflation. Die Inflation machte die Kleinmünzen obsolet und verhinderte auch die Prägung weiterer Exemplare. Im Jahre 1923 kam es in der Spitzenphase dieser Inflation dennoch zu einer Prägung von Münzen. Die Einführung von Münzen zu 50 Polnischen Mark war geplant, jedoch gelangten diese Münzen niemals in den Umlauf. Diese wurden aus Silber geprägt und heutzutage ist nur noch ein vorhandenes Exemplar aus dieser Prägung bekannt.

Sollten Sie in Besitz von Fenigow-Münzen zu 5 und 10 Fenig sein, können Sie mithilfe eines Magneten überprüfen, ob die Prägungen magnetisch sind. Ein Großteil der Münzen wird am Magneten haften bleiben, da sie aus Eisen gefertigt wurden. Sollte dies nicht passieren, nennen Sie eine der seltenen Prägungen aus Zink Ihr Eigen. Bei diesen handelt es sich um Fehlprägungen, die deutlich wertvoller sind als die Eisen-Fenigow.

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