Brille versus Kontaktlinsen: Warum nicht beides im Wechsel?

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Brille versus Kontaktlinsen: Warum nicht beides im Wechsel?

Sie benötigen eine Sehhilfe?

Es gibt viele Menschen, die im Alltag eine Sehhilfe benötigen. Manche etwas früher, andere bemerken den Verlust an Sehkraft erst wenn Sie das 40. Lebensjahr überschritten haben. Spätestens dann wird es Zeit, sich mit dem Thema Sehhilfen auseinanderzusetzen. Da dieser Verlust an Sehkraft in den meisten Fällen keine krankhaften Ursachen hat, werden die Kosten wenn überhaupt nur sehr eingeschränkt von der Krankenkasse übernommen. Anders ist es bei Kindern, Jugendlichen und stark sehbehinderten Menschen.

In einigen Fällen wird das Tragen einer Sehhilfe durch den Gesetzgeber vorgeschrieben, wie zum Beispiel beim Führen von Kraftfahrzeugen oder Bedienen von Maschinen. Als Sehhilfen können sowohl Brillen als auch Kontaktlinsen verwendet werden. Welche Vor- und Nachteile die beiden Möglichkeiten bieten oder ob eine Kombination sinnvoller ist, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Erste Möglichkeit - eine Brille.

Vergrößernde Sehhilfen gab es bereits im Altertum. Direkt auf der Nase werden Brillen seit Ende des 13. Jahrhunderts getragen. Der erste Brillenträger kam aus Italien.

Das Tragen einer Brille erfordert eine gewisse Eingewöhnungszeit und der Sitz der Brille muss exakt an den Träger angepasst werden. Druckstellen auf der Nase oder im Bereich der Bügel können Kopfschmerzen und Schwindel verursachen. In einigen Fällen stellt sich die Verbesserung der Sehkraft erst mit der Gewöhnung an die Brille ein. Auch müssen die Gläser exakt im Brillengestell positioniert werden, damit der Hauptdurchblickspunkt der Gläser genau mit der Position der Pupillen übereinstimmt. Da eine Brille 1 bis 2 cm vor den Augen sitzt, verursacht sie mit zunehmender Korrekturstärke Abbildungsfehler, welche das Gesichtsfeld verzerren oder die Perspektive ändern. Bei einem Unfall entsteht durch das Tragen einer Brille ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Und natürlich kann eine Brille auch beschlagen, wenn man im Winter einen warmen Raum betritt.

Die verschiedenen Arten von Brillengläsern.

Neben Gläsern ohne Sehstärke, die für Sonnenbrillen und Modebrillen eingesetzt werden, gibt es noch die große Gruppe der Korrektionsgläser. Sie sollen einen Sehfehler korrigieren und verändern den Eintrittswinkel des Lichts in das Auge. So zentrieren Sie den Brennpunkt wieder auf der Netzhaut. Die Normen für alle Gläser und die dazugehörigen Brillen sind im „Normenausschuss Feinmechanik und Optik" (NAFuO) festgelegt.

Die Gruppe der Korrektionsgläser unterteilt sich dabei in Ein- und Mehrstärkengläser. Einstärkengläser sind auf eine bestimmte Distanz eingestellt und eignen sich daher besonders gut, wenn z.B. ein Bildschirm über einen längeren Zeitraum betrachtet wird. Mit Einstärkengläsern kann entweder der Nah- oder Fernbereich eingestellt werden.

Bei Mehrstärkengläsern ist am unteren Rand eine andere Lichtbrechung eingeschliffen. Dabei geht man davon aus, dass der Träger nach unten sieht, wenn er ein nahes Objekt betrachtet. So wird es ermöglicht, die Sehkraft für entfernte und nahe Objekte individuell einzustellen. Bei Gleitsichtgläsern ist dieser Übergang fließend eingearbeitet, sodass der Träger der Brille die Schärfe für jede Distanz durch heben oder senken seines Kopfes einstellen kann. Um diesen Effekt mit Einstärkengläsern zu erreichen, müsste der Träger zwischen mehreren Brillen wechseln.

Aus welchen Materialien werden Brillengläser gefertigt?

Mineralgläser sind bedingt durch die Härte des Materials sehr kratzfest, dafür aber auch bruchempfindlich und schwer. Weiter können Mineralgläser sehr dünn gefertigt werden, was bei hochgradiger Fehlsichtigkeit für den Träger der Brille ästhetische Vorteile mit sich bringt.

Kunststoffgläser dagegen sind leichter, müssen dafür aber dicker gefertigt werden und sind empfindlicher gegen Kratzer. Gläser aus dem Spezialkunststoff Polycarbonat bilden hier einen Mittelweg. Die Gläser können dünn produziert werden und brechen nicht. Das zeichnet sich dann natürlich im Kaufpreis ab.

Brillengläser können auf verschiedene Weise veredelt werden. Es können Schichten aufgetragen werden, die störende Reflexionen oder Verschmutzungen vermindern. Eine entspiegelte Brille ist besonders bei künstlicher Bürobeleuchtung zu empfehlen. Kunststoffgläser können an der Oberfläche gehärtet werden, um Kratzer zu minimieren. Auch Tönungen wie bei Sonnenbrillen können eingearbeitet werden. Bei Korrektionsgläsern werden meist selbsttönende Gläser eingesetzt, welche den Grad ihre Tönung in Abhängigkeit von der Sonneneinstrahlung selbst anpassen.

Und wie ist es mit Kontaktlinsen?

Auch in der Gruppe der Kontaktlinsen gibt es Linsen ohne Sehstärke. Diese sollen den Augen meist aus modischen Gründen eine andere Farbe geben oder sie ergänzen ein Kostüm an Halloween. Es gibt auch farbige Kontaktlinsen mit Sehstärke.

Neben dem offensichtlichen Vorteil, kein Brillengestell tragen zu müssen, verzerren Kontaktlinsen das Gesichtsfeld des Trägers nicht. Der Grund ist, dass Kontaktlinsen nicht wie eine Brille vor dem Auge, sondern direkt auf der Iris liegen und deshalb die Lichtbrechung in das Auge deutlich natürlicher ist.

Das offenbart auch gleich den größten Nachteil, denn man hat einen Fremdkörper im Auge. Die Eingewöhnung ist länger, die Handhabung ist umständlicher und die hygienischen Anforderungen an den Träger sind deutlich größer, denn meistens ist eine tägliche Reinigung der Kontaktlinsen erforderlich. Sind bestimmte Krankheiten wie Schwindelgefühl, Migräne, Nackenschmerzen oder Diabetes vorhanden, ist eine Verträglichkeit von Kontaktlinsen eher unwahrscheinlich.

Voraussetzungen für Kontaktlinsen.

Da der Abstand zum Auge bei der Berechnung der erforderlichen Sehstärke mit einbezogen wird, kann die Stärke einer Brille nicht in die gleiche Stärke bei Kontaktlinsen umgerechnet werden. Auch hat jedes Auge eine andere Form, Größe der Iris und die Zusammensetzung und Menge der Tränenflüssigkeit unterscheiden sich auch. Ein Patient, der eine Kontaktlinse bekommen soll, muss seine Augen daher immer von einem Augenarzt oder Optiker individuell vermessen lassen.

Aus welchem Material werden Kontaktlinsen hergestellt?

Grundsätzlich unterscheidet man harte und weiche Kontaktlinsen.

Die harten Kontaktlinsen werden dem Träger individuell angepasst. Dabei schwimmen sie auf dem Tränenfilm auf und können sich so auch über das Auge bewegen. Die Durchlässigkeit für Sauerstoff hat sich bei harten Kontaktlinsen zwischenzeitlich bei sehr guten Werten eingependelt. Die Eingewöhnungszeit beträgt mehrere Wochen. Aus diesem Grund kann nicht sofort beurteilt werden, ob harte Kontaktlinsen für den Träger geeignet sind. Da harte Linsen sehr lange halten, sollten sie nicht verwendet werden, wenn sich die Sehkraft schnell ändert.

Bei den weichen Kontaktlinsen unterscheidet man zwischen Hydrogellinsen und Sillikonhydrogellinsen. Letztere wurden im Jahr 1999 auf den Markt gebracht und lassen mehr Sauerstoff zum Auge durchdringen. Das ermöglicht eine längere ununterbrochene Tragezeit. Weiche Linsen werden auf Vorrat gekauft und sind ein Verbrauchsartikel. Die Eingewöhnungszeit ist deutlich geringer und die Linsen schmiegen sich besser an das Auge an. Der Sitz ist besser, da der Linsenrand bis unter das Augenlied reicht.

Wie lange können Kontaktlinsen getragen werden?

Weiche Kontaktlinsen können unterschiedlich lange getragen werden. Die Tragedauer ist meistens schon aus dem Produktnamen ersichtlich. So können Tageslinsen für eine Dauer von 12 Stunden genutzt werden. Danach müssen sie aus dem Auge entfernt und entsorgt werden. Monatslinsen können 4 Wochen lang genutzt werden. Das heißt aber nicht immer, dass die Linsen durchgehend über den ganzen Zeitraum im Auge verbleiben dürfen. Je nach Fabrikat müssen sie jeden Tag aus dem Auge genommen und gereinigt werden. Besonderes beachten sollten sie dabei, dass nicht alle Linsen über Nacht im Auge verbleiben dürfen. Bei einigen Fabrikaten kann das Augenreizungen oder Erkrankungen nach sich ziehen.

Harte Kontaktlinsen halten deutlich länger, da sie dem Träger individuell angepasst werden. Im Gegensatz zu den weichen Linsen sind Sie kein Verbrauchsartikel. Je nach Fabrikat kann man Sie über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahre täglich ca. acht Stunden tragen.

Unabhängig vom Typ sollten sie unbedingt die angegebene Nutzungsdauer von Kontaktlinsen beachten und sie keinesfalls überschreiten. Auch Kontaktlinsen unterliegen einem Verschleiß. Dadurch wird mit der Zeit der Sitz im Auge verschlechtert und die Materialeigenschaften der Linse können sich ändern. Das kann dann zu einer verschlechterten Versorgung des Auges mit Sauerstoff und anderen Nährstoffen führen oder das Auge mechanisch beschädigen.

Unterschied zwischen Bivokallinsen und Multivokallinsen.

Wie bei Brillengläsern auch, gibt es neben den normalen Kontaktlinsen zur Korrektur von Kurz- oder Weitsichtigkeit noch Linsen, mit denen mehrere Sehzonen realisiert werden können. Möglich wird das dadurch, dass die Kontaktlinse auf dem Auge schwimmt und sich bei der Blickrichtung nach oben und unten leicht verschieben kann. Dadurch kann der gleiche Effekt erzielt werden wie bei Brillengläsern mit mehreren Sehstärken.

Die Bivokallinse hat dabei wieder 2 Sehzonen, bei der Multivokalline ist der Übergang wie bei einer Gleitsichtbrille fließend.

Gebrauch von Kontaktlinsen beim Sport.

Ob Kontaktlinsen auch für Sport geeignet sind, lässt sich pauschal nicht beantworten, da dies von der Sportart selbst abhängt.

Beim Schwimmen beispielsweise können harte Kontaktlinsen schnell ausgespült werden und sollten, wenn überhaupt, nur in Kombination mit einer Schwimmbrille getragen werden. Weiche Linsen dagegen sitzen besser im Auge, da Ihre Ränder bis unter den Lidrand reichen. Und sollten Sie doch mal verloren gehen, ist der finanzielle Schaden nicht so hoch. Für Radfahren oder Joggen sind Kontaktlinsen sehr gut zu gebrauchen, da sie nicht auf der Nase wackeln wie ein normales Brillengestell. Gegen den Fahrtwind kann man dann zusätzlich noch eine günstige Sportbrille ohne Sehstärke tragen. Bei sehr schweißtreibenden Sportarten wie Bodybuilding sollten die Kontaktlinsen nach dem Training gut gereinigt werden, da sich mit der Zeit Proteinrückstände auf den Linsen ablagern können.

Da es darüber hinaus noch viele weitere Sportarten gibt, die an dieser Stelle nicht alle behandelt werden können, sollten sie im Zweifelsfall vorher Ihren Augenarzt oder Optiker hinzuziehen.

Was nun also, Brille oder Kontaktlinsen?

Wie sich also herausgestellt hat, haben beide Sehhilfen Einsatzgebiete, wo sie besonders gut geeignet sind. Die Frage kann also nicht so ohne weiteres beantwortet werden und ist stark von den medizinischen Bedürfnissen und dem geplanten Einsatzzweck beim Träger abhängig.

Benötigt man eine Sehhilfe nur zum Autofahren oder Lesen, ist eine Brille wohl zu bevorzugen, da sie kurzfristig leichter zu handhaben ist. Und obwohl eine Brille durchaus auch ein modisches Accessoire ist, will man sie vielleicht nicht im Abendkleid oder in der Sauna tragen. Vielleicht ist es ja doch am besten, beides zur Verfügung zu haben.

Bevor Sie erstmalig eine Sehhilfe kaufen, sollten Sie in jedem Fall Ihren Augenarzt oder Optiker aufsuchen.

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