Alles für Ihr Karate-Training: Anzüge, Gürtel und Schutzbekleidung

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Alles für Ihr Karate-Training: Anzüge, Gürtel und Schutzbekleidung

Karate ist in Deutschland eine der am weitesten verbreiteten asiatischen Kampfsportarten. Und das nicht nur in Deutschland, auch weltweit genießt der Sport ein hohes Ansehen. Karate wird heute als Sport von allen Altersklassen – vom Kind bis zu Senioren – betrieben. Der Begriff kommt aus dem Japanischen und bedeutet „Leere Hand". Als Kampfkunst zeichnet sich Karate besonders dadurch aus, dass keine Waffen verwendet werden. Stattdessen werden vor allen Dingen Schlag, Stoß-, Tritt- und Blocktechniken trainiert.

Wichtig beim Karate ist die körperliche Kondition. Mit ihrer Hilfe lassen sich Beweglichkeit, Schnelligkeit, Kraft und Belastbarkeit des eigenen Körpers optimal einüben. Weiterhin wird – heute seltener - ein Schwerpunkt auch auf die Abhärtung der Gliedmaßen gelegt, die für die sogenannten Bruchtests – das Zerschlagen von Brettern oder Ziegeln – unerlässlich ist. Modernes Karate heute ist dabei sportlich ausgerichtet. Wettkämpfe und Spiele nach Punkten werden hierbei in den Vordergrund gerückt.

Für das Training der Selbstverteidungstechniken des Karate gibt es eine ganze Reihe an verschiedenen unerlässlichen Gegenständen. Allen vorweg ist ein Anzug für das Training von großer Bedeutung. Welche Ausstattung für Karate notwendig und welche möglich sind, möchte Ihnen dieser Ratgeber vermitteln. In diesem Sinne soll es zunächst kurz um Geschichte und die sportliche Seite des Karate gehen. Anschließend werden die wichtigsten Ausstattungen für den Kampfsport erläutert und mit praktischen Tipps versehen.

Ein kurzer Rückblick: Woher kommt Karate?

Karate hat – wie sehr viele Kampfkunstarten – mutmaßlich seine Ursprünge in China. Es hängt, so sagt jedenfalls die Legende, eng mit der Erfindung des Kung-Fu zusammen, das wiederum als Ursprung weiterer Kampfkunstarten gilt. Kung-Fu wurde dabei im sechsten Jahrhundert durch buddhistische Mönche des Klosters Shaolin entwickelt. Das Karate in seiner heutigen Form trat jedoch erstmals auf den japanischen Inseln auf, genauer gesagt auf der Hauptinsel Okinawa. Hier gab es einen regen wirtschaftlichen und kulturellen Austausch mit dem chinesischen Festland, sodass auch Kampftechniken von dort übernommen und mit den eigenen japanischen Techniken vermischt wurden.

Zur Geschichte des Herkunftslands Japan

Die bewegte Geschichte Japans war in dieser und in der Folgezeit von Feden und Konflikten geprägt. Die von den Obrigkeiten ausgesprochenen Waffenverbote förderten dabei die Entwicklung von Kampftechniken, die ausschließlich den eigenen Körper und die eigenen Gliedmaßen nutzten. Dabei entstanden verschiedenste Techniken, die von unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen gepflegt und weiterentwickelt wurden, eine davon war beispielsweise das sogenannte Okinawa-Te. Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurden diese frühen Formen des Karate im Geheimen ausgeübt.

Mit der „Öffnung" Japans gegen Ende des Jahrhunderts traten auch die Kampfkünste aus ihrer Jahrhunderte langen Isolation wieder an das Tageslicht. Karate diente in der Folgezeit nicht mehr länger nur als Selbstverteidigungstechnik. Auch in die Schulen nahm es Einzug und wurde zu einer Art Leibesertüchtigung – der Grundstein der späteren sportlichen Variante. Durch japanische Einwanderer kam das Karate zunächst in die USA, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es auch in Europa immer bekannter.

Internationale Karateverbände

Die zunehmende Internationalisierung der Kampfkunst als Sport bedingte die Gründung internationaler Karateverbände. Damit einhergehend war wiederum auch die Aufspaltung in verschiedene Stilrichtungen. In Deutschland entstand 1961 der erste Karate-Dachverband. Die am meisten verbreitete Stilrichtung des Karate in Deutschland ist heute das sogenannte Shotokan gefolgt von Goju-Ryu. Es gibt jedoch immer mehr Schulen, die auch verschiedene andere Stile praktizieren.

Bekleidung und Equipment

Für das Training des Karate sind verschiedene Bekleidungsstücke notwendig sowie, je nach Stil und Ausprägung, weitere Ausstattungsgegenstände, die entweder zum eigenen Körperschutz oder zu Trainingszwecken genutzt werden können. Im Folgenden sollen die wichtigsten Bekleidungsstücke und Gegenstände vorgestellt werden.

Welche Bekleidung ist die Richtige?

Vergleicht man weitere Kampfsportarten miteinander, ähnelt der Karateanzug auf dem ersten Blick dem Anzug für Judo. Im Detail betrachtet sind wesentlich Unterschiede wahrnehmbar. Das betrifft vor allen Dingen den Stoff. Der Karateanzug ist dünner als der Judoanzug. Das hängt damit zusammen, dass die Belastungen, die der Anzug während des Kampfes ausgesetzt ist, wesentlich geringer sind, als diejenigen beim Judo. Der erste Bestandteil des Karateanzugs ist die Hose. Diese besitzt Schnür- oder Elastikbünde. Am Oberkörper werden eine Jacke und ein Gürtel getragen. Diese sind in den meisten Fällen traditionell aus einem weißen Baumwollgewebe gefertigt. Das Gewicht der Anzüge wird (international) in Unzen angegeben, d. h.: Gewicht pro Quadratmeter.

Kata-Anzug

Es gibt insgesamt drei verschiedene Typen von Karateanzügen. Hier sind zu allererst die Karateanzüge für Kata zu nennen. Kata ist ein Bestandteil des Karate-Unterrichts. „Kata" kamen dabei als Formenlauf bezeichnen. Die in der Grundschule erlernten Schlag-, Stoss- und Blocktechniken werden hierbei gegen imaginäre Gegner erprobt. Die Anzüge für Kata sind extra für diesen Formenlauf entworfen worden. Die Arme und Beine sind extra kurz, dabei aber auch sehr weite geschnitten. Der Teil der Jacke, die sich unterhalb des Gürtels befindet (der Rock) ist sehr lang. Das Gewicht des Stoffes ist zwischen 12 und 16 Unzen angesiedelt und damit nicht gerade leicht. Das Gewicht bedingt, dass der Anzug bei den schnell ausgeführten Bewegungen des Kata „knallt". Das Wesen dieser Technik wird durch den Klang des Anzugs noch einmal unterstrichen.

Kumite-Anzug

Die zweite Anzugsart ist für den Kumite-Bereich vorgesehen. „Kumite" ist der freie Kampf zwischen zwei oder mehreren Kampfpartnern. Hier werden die in der Grundschule erlernten Kenntnisse angewendet und die Techniken realistisch zur Anwendung gebracht. Diese müssen jedoch mindest 1 cm vor dem Ziel gestoppt werden, um Verletzungen auszuschließen. Es gibt zwei Varianten des Kumiteanzugs. Bei Semikontaktanzzügen werden in aller Regel leichtere Stoffe bevorzugt. Nicht selten wird hierzu ein luftiges Mischgewebe mit einer Cordstruktur verwendet. Lange Beine und Arme sowie eine kürzere Jacke sind dem Semikontaktanzug zu eigen. Bei Vollkontaktanzügen sind die Stoffe naturgemäß dicker und schwerer. Die Arme sind kurz geschnitten.

Europäischer Schnitt 

Der letzte Typ eines Karateanzugs ist der Anzug mit europäischem Schnitt. Dieser wird zumeist beim normalen Training eingesetzt. Er besitzt lange Arme und Beine und der untere Jackenbereich ist meistens kürzer.

Die Verwendung der einzelnen Anzüge ist im Trainingsbereich nicht strikt geregelt. Meistens ist es möglich, mit einem Kataanzug auch an einem Kumitetraining teilzunehmen. Bei Turnieren bzw. Wettbewerben kann dies jedoch schon wieder anders aussehen. In jedem Fall sollte man sich vorher erkundigen, ob die entsprechenden Wettkampfregeln dies zulassen.

Die Gürtel und ihre Farben

Von nicht geringer Bedeutung, gerade für Anfänger, ist die Farbe des Gürtels. Die verschiedenen Farben der Gürtel zeigen die momentane Graduierung des Kämpfers an. Diese hat sich höchstwahrscheinlich aus dem Judo entwickelt bzw. wurde daher übernommen. Es wurde im 19. Jahrhundert zum ersten Mal verwendet. Hier werden unterschiedliche Gruppen von Graden unterschieden.

Zum einen gibt es die Schülergrade, auch Kyu genannt. Dies sind die ersten neun Gürtel. Ihre Farbgebung ist wie folgt: weiß, gelb, orange, grün, 2 x blau bzw. violett, 3 x braun. Hat man diese Grade absolviert, folgen die Meisterschüler- bzw. Meisterschülergrade, die sogenannten „Dan". Es gibt insgesamt 10 Dan-Grade, die durch die Gürtelfarbe schwarz repräsentiert werden. Nur der zehnte und letzte Meistergrad wird von einem weiß-roten Gürtel angezeigt.

Die Farbgebung der Gürtel ist jedoch eine Erfindung des modernen Budo. Sie besitzen auf der einen Seite den Zweck, die Mitglieder eines Vereins zu motivieren, höhere Grade zu erreichen. Daneben bzw. dadurch ist aber auch ein finanzielles Interesse der Verbände sichtbar. Um einen neuen Grad zu erreichen, ist die Absolvierung einer Prüfung notwendig, für die eine Gebühr erhoben wird. Bei den Prüfungen, die von Verband zu Verband, von Schule zu Schule unterschiedlich ausfallen können, wird auf Willen, Konzentration, Kampfgeist, Aufmerksamkeit, Haltung und Technikausführung Wert gelegt. Der Gesamteindruck ist hier sehr entscheidend.

Weitere Ausrüstungen und Equipment

Für das Karatetraining ist eine große Palette von verschiedenen Ausrüstungsgegenständen verfügbar. Hier sollten zunächst die verschiedenen Schutzbekleidungen Erwähnungen finden.

Brust- und Rippenschutz

Der Brust- bzw. Rippenschutz für Frauen macht hier den Anfang. Mit einem solchen Schutz wird das Verletzungsrisiko an Brust Rippen und Brustbein minimiert. Der Brustschutz besteht dabei in den meisten Fällen aus einem Polyethylengewebe. Dieser Stoff besitzt den Vorteil, besonders leicht und flexibel und gleichzeitig fest zu sein. Der Schutz wird dabei mit elastischen Bändern in der richtigen Position am Oberkörper gehalten. Er ist in allen Größen verfügbar. Wer besonderen Schutz für die Füße benötigt, greift auf besondere Fuß- und Spanschützer aus PU zurück. Diese besitzen eine spezielle Polsterung, die für die benötigte Dämpfung am Boden sorgt. Die Schuhe werden mit (Gummi)bändern (oft mit Klettverschluss) am Knöchel befestigt. Ein oder zwei elastische Gummibänder an den Zehen sorgen für zusätzlichen Halt.

Schienbeinschoner und Schutz für den Genitalbereich

Wer schon mal einen unbeabsichtigten Tritt gegen das Schienbein bekommen hat, weiß, welche Schmerzen damit verbunden sind. Schienbeinschoner sind in verschiedenen Varianten erhältlich, mal einzeln, mal auch in Kombination mit Fußschützern. Oft wird Schaumstoff mit Kunstlederüberzug als Material verwendet. Das hat den Vorteil, das sich der Schutz den anatomischen Eigenheiten Ihres Schienbeins anpassen kann. Tiefschutze für den Genitalbereich sind für Männer wie Frauen verfügbar. Hier kommen zumeist speziell geformte Hartplastikschalen zum Einsatz. Diese werden mit breiten Stretchbändern am Körper fixiert. Trotz der anatomisch vorgeformten Becher ist eine größtmögliche Bewegungsfreiheit gegeben.

Beinspreizer und Pratze

Besondere Trainingsgeräte für Karate sind beispielsweise der Beinspreizer und natürlich die Pratze. Mithilfe von Handpratzen lassen sich Tritte und Fauststöße sowie Ellenbogenschläge optimal trainieren. Beinspreizer sind für Dehnübungen gemacht. Sie sind aus stabilem Metall gefertigt, sind gepolstert und lassen sich je nach individueller Anforderung einstellen. Mithilfe eines Beinspreizers lässt sich ein normales Dehnprogramm absolvieren. Die Beinmuskulatur und die Sehnen werden dadurch entlastet und das Training kann wesentlich effektiver gestaltet werden.

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