Schuten – alte Damenhüte als neuer Mode-Kult

Bei Schuten, die man teilweise als Kapotten bezeichnet, handelt es sich um authentische Biedermeier-Damen-Häubchen. Typisch für diese Damenhüte, die vom Ende des 18. Jahrhunderts an als modische Kopfbedeckungen die Welt eroberten, ist ihre nahezu trichterförmige Haube, die den Kopf umschließt. Die vordere Krempe ragt ein Stückchen über das Gesicht hinaus und verdeckt am Hinterkopf die Frisur, die zur damaligen Zeit überwiegend mit einem Haarknoten versehen war. Diese Grundform diente bis in die 50er-Jahre des 19. Jahrhunderts hinein als Vorbild für unzählige modische Varianten, bei denen man die Haube mit attraktiven Accessoires, wie beispielsweise mit Schleifen, Bordüren, geklöppelter Spitze oder Seidenblumen, schmückte. Die Schute blieb nicht ausschließlich den vornehmen Ständen vorbehalten. In sämtlichen Bevölkerungsschichten gehörte das Tragen dieser Haube für die Damenwelt zum guten Ton, wobei zahlreiche Varianten weniger prächtig ausfielen als die Hüte des Adels und anderer gehobener Stände.

Warum sind Schuten erneut populär?

Ein subkultureller Trend namens Steampunk brachte die Schute zurück. Heute schmückt sie ebenso außerhalb der Hochsaison für sonstige Faschings- und Theaterkostüme manchen Damenkopf, wie beispielsweise bei Motto-Partys und bei Events für die eingefleischten Fans dieses Genres. Bei dieser Subkultur geht es darum, den Zeitgeschmack des viktorianischen Zeitalters mit den Fertigkeiten von heute zu verbinden oder die Herstellungsverfahren der heutigen Zeit mit den Mitteln und Materialien der damaligen Zeit nachzuahmen. 1999 brachte der US-amerikanische Film „Wild Wild West“ die Vereinigung der Science-Fiction mit dem Dampfmaschinen-Zeitalter einem größeren Publikum näher. Als tatsächlichen Ursprung dieser Bewegung betrachten die meisten Anhänger aber eher die Welten, die Jules Verne und H. G. Wells erschufen. Wer sich heute gern im Stil des Steampunks verkleidet, findet in der Schute einen Kopfschmuck mit einem hohen Wiedererkennungswert. Gleichzeitig ist es kein Zufall, dass die weiblichen Anhänger des Gothic-Kults auf der Suche nach den passenden Damenhüten und Damenmützen die Schute in Betracht ziehen. Gothic Novels, wie beispielsweise Mary Shelley's „Frankenstein“, entstammen ursprünglich ebenfalls dieser Epoche. Für die weiblichen Hauptfiguren der Verfilmungen von im 19. Jahrhundert spielenden Gruselromanen und Schauergeschichten stellt die Schute nahezu die Standard-Kopfbedeckung dar.

Was ist bei einer stilechten Schute zu beachten?

Die Originale aus dem 19. Jahrhundert befinden sich heute als gut behütete Schätze überwiegend in Museen oder im Fundus von Theaterbühnen und Filmrequisiteuren. Demzufolge handelt es sich bei vielen der bei eBay angebotenen Modelle um neuzeitliche Reproduktionen, die sich stilecht an der Mode der damaligen Zeit orientieren. Bei der Auswahl der Farben dominieren Schwarz und andere dunkle, gedeckte Farbtöne, weil sich hierdurch die Verbindung zum viktorianischen Ambiente der Gothic Novels besser herstellen lässt.