Zustandsbeschreibungen bei Orientteppichen

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Mal was zum Thema Zustandsbeschreibung bei Orientteppichen.

Mir selber ist es leider auch schon passiert, daß ich einen Teppich ersteigerte, der nicht der Artikelbeschreibung entsprach. Die Bilder waren schlecht geschossen, die Beschreibung dürftig, ich habe mich auf mein Urteil verlassen und bin reingefallen. Mottenschaden!

Nun muss man unterscheiden, ob ein Händler oder Privatanbieter einen Teppich anbietet.

Der Privatmann weiss zuallererst wenig über die Ware, die er anbietet. Meist ist es eine Überlassung der Eltern oder Grosseltern, der Teppich war noch kurz zuvor im Gebrauch oder lag zusammengerollt unter dem Dach.

Mir fällt immer wieder auf, daß wenn der Teppich noch im Hause auslag, der Anbieter mit der Zeit "Betriebsblind" wurde und Schäden wie Abnutzung bis auf die Kette, grobe Verschmutzung oder kleinere Schäden nicht als Beeinträchtigung erkennt, weil er sich mit der Zeit daran gewöhnt hat. Somit stellt er den Teppich "in gutem Zustand" ein. Sicherlich fehlt ihm auch der Vergleich zu anderen Gebrauchsteppichen und deren Zustand. Für ihn ist ein alter Teppich halt immer abgenutzt. Ich stelle in diesem Fall, sollte ich einen Schaden auf den Fotos nicht erkennen, immer die Frage, ob der Teppich durchgehend seinen hohen Flor hat. Auch stelle ich die Frage, ob der Teppich unter einem grossen Möbel liegt und wenn ja, ob dort brüchige Stellen sind, wichtiger noch, sich Motten eingenistet haben. Fragen sie nach den kleinen Kokons, die die Raupen bilden, untrüglichstes Zeichen für "Hände weg davon". Fragen sie auch nach der Seiteneinfassung, sollte dort durchgehend ein Schaden sein, ich wette, daß die meisten Anbieter das galant übersehen, und zuhause haben sie als Käufer dann die grösste Mühe, diesen Schaden beheben zu lassen, ein offener Teppich löst sich schnell auf. Verfleckte Teppiche, wenn nicht gerade durchgehend verschmutzt, lassen sich Zuhause mit Fleckenmittel, ich nehme für kleine Stellen immer Glasreiniger, gut behandeln. Fragen sie nach Ausblutungen der Farben, soetwas kann kein Teppichfachmann im Nachhinein beheben.

Wenn ein Händler einen Teppich anbietet, ist die Beschreibung schon kompletter. Sollte es ein älterer Teppich sein, den man als Gebrauchsobjekt, im Gegensatz zu einem Sammlerobjekt, nutzen möchte, sollten sie dieses beachten:

Beschreibt er den Flor eines etwa 70 Jahre alten Teppichs als gleichmässig mit niedrigen Stellen, kann die niedrigste Stelle bis auf die Kette abgelaufen sein, so daß  nur noch die Knotenköpfe zu sehen sind.

Beschreibt er diesen Teppich mit "starker Abnutzung" ist die schlechteste Stelle wohl ohne Wolle, man sieht nur noch das Grundmaterial.

"Seiten offen" heisst immer: wenn sie diesen Teppich nochmal auslegen wollen, wird eine Reparatur eines Fachmanns nötig sein, kostet pro laufenden Meter etwa 30,- Euro, Fransenseiten festonieren auch 50-70,- Euro den Meter. Bei Sammlerteppichen ist solcher Verschleiss nicht sehr bedeutend, wenn es sich um antike Ware handelt. Aber ich schreibe diesen Artikel nicht für Sammler, die meisten kennen sich natürlich sehr gut aus!

"Seiten neu eingefasst" oder "nachträglich festoniert" bedeutet meist auch die Reduktion von Knotenreihen. Fragen sie ruhig, ob der Teppich in seinen Gesamt-Knüpfmaßen noch original ist.

"Gereinigt" bedeutet nicht immer Fachgerecht gewaschen. Wer auf so etwas Wert legt sollte besser nachfragen, ob eine Wäsche getätigt wurde.

Löcher, Risse oder grössere Reparaturen wird ein Händler sicher immer erwähnen. Besser trotzdem fragen.

Bei Teppichen, die privat angeboten werden: verlassen sie sich so gut wie nie auf die Angabe von Knüpfdichte und Woll- oder Seidenqualität, auch nicht auf den Hinweis "Perserteppich". Der Anbieter nimmt seine Informationen immer von dem Etikett, das auf dem Teppich klebt. Ist es ein Maschinenteppich, steht dann oft "Iran" oder "Täbriz" oder ähnliches drauf. Was nicht die Herkunft, eher die Marke betrifft. Auch Hinweise wie "Points p.Qm" oder "Noppen" deuten auf maschinell erzeugte Ware hin. Wenn ein Teppich wie Seide glänzt und nur aus Chemiefasern besteht, wie soll der Anbieter das unterscheiden können, sichern sie sich vor dem Kauf immer mit Fragen ab. Fragen sie nach Hintergrund-Infos, woher er seine Informationen nimmt. Die beste Möglichkeit, einen echten von einem Maschinenteppich unterscheiden zu können ist, sich die Fransen anzuschauen. Die Fransen bei einem Maschinenteppich sind immer nachträglich eingefasst, sie gehen nicht aus dem Teppich heraus, sondern sind am Rand um den Teppich gewickelt.

 

 

 

 

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