Zum Abheben: Motorflugzeuge von RC-Modellbau

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Zum Abheben: Motorflugzeuge von RC-Modellbau

Über den Wolken

Das Kind im Manne wird niemals alt. Eine seiner Lieblingsbeschäftigungen ist das Bauen und Fliegen von RC-Modellflugzeugen (RC: Radio Controlled). Der Pilot steht am Boden und lenkt per Funk sein Modell. Eine ausgeklügelte Elektronik steuert die Drehzahl. Die „Muskeln” des Flugzeuges sind Mini-Motoren, sogenannte Servos. Sie bewegen Landeklappen sowie Höhen- und Seitenruder. Aus sicherer Entfernung kann der Pilot so den Flieger steuern, mit dem er vorher viele Stunden im Hobby-Keller zugebracht hat. Ehrgeizige Modellbauer erweitern die Grenzen dieses Sports. Sie bauen nicht einfach Bausätze zusammen, sondern sie haben den Ehrgeiz, einen bestimmten Flugzeugtyp als Erster und so detailgetreu wie möglich nachzubauen. Das Ergebnis kann durchaus mehrere Meter lang sein. Gespannt sieht die eingeschworene Modellbauer-Gemeinde zu, wie das gute Stück zum Start seines Jungfernfluges rollt. Letzte Vorbereitungen werden getroffen, die Helfer treten beiseite. Nun gibt es kein Zurück mehr, die Motoren heulen auf und das Modell beschleunigt. Es fliegt. Anerkennender Applaus brandet auf. Nun zieht der Pilot Runde um Runde und testet die Flugeigenschaften seiner Kreation. Die entscheidende Prüfung steht noch bevor – die Landung. Wenn auch die geglückt ist, gibt es freundliches Schulterklopfen von den Kollegen, und das Fachsimpeln kann losgehen. Das war es auch schon. Die Faszination dahinter kann man nicht erklären – man muss sie spüren. Dabei muss der Ehrgeiz nicht unbedingt in der absoluten Detailtreue liegen. Andere Zweige des Flugmodellbaus legen besonderen Wert auf die Flugeigenschaften.

Die Möglichkeiten sind grenzenlos

Mit Kameras ausgerüstet, können manche Modelle ihren Flug dokumentieren oder die virtuelle Sicht des Piloten per Funk direkt zum Boden übertragen. Die fortgeschrittene Modellbautechnik erlaubt heute Möglichkeiten und Funktionen, die an eine Aufklärungsdrohne heranreichen. Und schließlich gibt es noch jene, die scheinbar völlig abwegige Spaßflugzeuge bauen. Unter dem Motto „Fliegt nicht gibt's nicht" bringen sie selbst Stühlen oder Rasenmähern das Fliegen bei. Lassen Sie das innere Kind heraus – informieren Sie sich bei eBay über das riesige Sortiment an Motoren, Fernsteuerungen und Zubehör für diesen einzigartigen Sport. Voraussetzung ist eine gesunde Portion Wagemut und Kreativität. Außerdem sollten Sie viel Zeit und etwas Geld mitbringen.

Elektromotoren

Elektromotoren haben den Vorteil, dass sie preiswert, leise und zuverlässig sind. Ihre Drehzahl lässt sich problemlos steuern. Sie können während des Fluges ausgeschaltet werden, wenn das Modell eine gewisse Höhe erreicht hat und nun als Segler seine Runden ziehen soll. Absolut zuverlässig springt der Motor wieder an, wenn es darum geht, erneut Höhe zu gewinnen. Die Achillesferse dieser Technik ist der Akku, der schwer ist und mit seinem Gewicht die Leistung und die Reichweite des Modells verringert. Obwohl die Technik auf diesem Gebiet in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat, bleibt ein Manko bestehen: Der Akku speichert Energie nicht annähernd so effizient wie flüssiger Brennstoff und ist relativ schnell entladen. Damit Sie nun nicht den Flugtag abbrechen müssen, empfiehlt es sich, Reserve-Akkus dabei zu haben, die eingesetzt werden, während die entladenen mittels Autobatterie aufgefrischt werden. Akkus sind in vielen Formen und Größen erhältlich, sodass Sie garantiert das Richtige für Ihr Flugmodell finden.

Verbrennungsmotoren

Das Dröhnen der Motoren, der Geruch verbrannten Kerosins – das sind nicht die Hauptgründe für den Einsatz von Verbrennungsmotoren im Flugmodellbau – aber sicher wichtige Kriterien, die die Illusion erst so richtig perfekt machen. Bei einigen Puristen unter den Modellbauern geht die Detailtreue so weit, dass sogar die Einzelheiten des Motors stimmen. In langwieriger und hochqualifizierter Handarbeit werden solche Einzelstücke hergestellt, die von der Form bis zur Anzahl der Kolben ihrem historischen Vorbild entsprechen. Je nach benötigter Zugkraft gibt es die Mini-Verbrenner in Größen von ca. 1,5 ccm bis ca. 50 ccm. Dort lässt sich dann bereits die Kraft eines Mopeds erkennen. Entsprechend schwer darf das von diesem Motor angetriebene Modellflugzeug sein.

Handhabung von Verbrennungsmotoren

Verbrennungsmotoren für den Modellbau sind meist Zweitakter, die mit einem Gemisch aus Benzin und Öl oder mit Alkohol angetrieben werden. Für den Start gibt es ein spezielles Ignition-Set, das den Motor auf Touren bringt. Anlasser wären im Flugmodellbau ein unvertretbarer Luxus, da extra zu diesem Zweck ein separater Elektromotor samt Akku mitgeführt werden müsste. Dies bedeutet, die Motoren müssen am Boden gestartet werden. Falls der Motor während des Fluges ausfällt, hat der Pilot nur eine Chance: Er muss versuchen, sein Modell im Gleitflug zu landen. Ein Neustart des Verbrennungsmotors ist nicht vorgesehen. Diese Eigenschaft verbietet auch den Einsatz von Verbrennungsmotoren für Motorsegler. Ein wichtiges Argument stellt auch der gegenüber Elektromotoren ungleich höhere Kaufpreis dar. Für diesen Preis bekommt man allerdings ein kleines technisches Wunder, das in jedem Detail bis hin zur Zündkerze genau so funktioniert wie sein großes Vorbild. Mit erstaunlichen Drehmomenten bis in den PS-Bereich leisten die kleinen Kraftpakete die nötige Arbeit, um auch größere und entsprechend schwere Modelle in die Luft zu bringen und lange dort zu halten. Abhängig vom Fassungsvermögen des Brennstofftanks sind so Flugzeiten von mehreren Stunden möglich. Damit wird das große Plus des Verbrennungsmotors deutlich: ein Verhältnis zwischen Gewicht und Leistung, von dem man bei Elektromotoren gegenwärtig nur träumen kann.

Jet-Antriebe

Das Modell eines düsengetriebenen Fliegers sollte natürlich ebenfalls über einen echten Düsenantrieb verfügen. Hier ist nicht nur das Aussehen wichtig. Neben der hohen Leistung spielt auch der unnachahmliche Sound eine wesentliche Rolle. Es ist schon etwas ganz Besonderes, wenn ein Jet-getriebenes Modell startet, denn es sieht nicht nur so aus wie sein Vorbild, sondern es klingt auch so. Allerdings ist im Bereich dieser Modelle nichts selbstverständlich. Die Erfindung und Entwicklung von Jet-Triebwerken leitete eine völlig neue Ära im Flugwesen ein, und sie war von vielen Fehlschlägen begleitet. Bei den meisten Düsentriebwerken wird die Expansion des explodierenden Gasgemisches direkt für den Vortrieb genutzt. Diese Explosion kontrollierbar und dosierbar werden zu lassen, stellt eine große technologische Herausforderung dar. Diese Herausforderung wird nicht wesentlich kleiner, nur weil das Triebwerk bei Modellen kleiner ist. Die Frage der Schubsteuerung ist nach wie vor Pionierarbeit. Triebwerksausfälle sind nicht völlig auszuschließen.

Handhabung beim Jet-Antrieb

Im „echten” Leben wie im Modellbau bedeutet ein Ausfall des Triebwerkes oft den Verlust der ganzen Maschine. Die Gleit-Eigenschaften sind bei Jagdflugzeugmodellen durch deren Form bedingt sehr schlecht. So besteht für den Piloten kaum eine Chance, sein Modell ohne Antrieb unbeschädigt zu landen. Umso höher ist es einzuschätzen, wenn es trotz all dieser Schwierigkeiten unbeirrbare und leidenschaftliche Bastler gibt, die mit hohem Kosten- und Zeitaufwand strahlgetriebene Flugmodelle bauen. Schließlich bedeutet der Jet-Antrieb ebenso wie bei seiner Einführung in den Flugzeugbau auch im Flugmodellbau eine neue Ära.

FPV (First Person View)

„First Person View” – diese etwas verklausulierte Bezeichnung soll wohl klarstellen, worum es hier in erster Linie geht: etwas zu sehen, was nie ein Mensch zuvor gesehen hat – zum Beispiel Nachbars Garten. Ein Luftbild vom eigenen Haus – vor zwei Jahrzehnten noch musste man so etwas mit viel Geld bezahlen, weil ein echter Pilot mit einem echten Flugzeug das Haus von oben fotografieren musste. Mit einem FPV-Modell ist es heute für jedermann möglich, hoch aufgelöste Fotos oder auch Videos aus der Vogelperspektive aufzunehmen. Diese Modelle werden normalerweise nicht auf Sicht gesteuert, da ihre Reichweite oft größer ist, als es der Sichtflug zulässt. Moderne Systeme übertragen in Echtzeit ein Bild vom Modell zum Piloten. Der Pilot sieht also die Welt aus der Perspektive seines Fliegers und kann diesen in der Weise steuern, als säße er selbst in ihm. Mittels Bildschirm oder Videobrille kann er das Gefühl, selbst zu fliegen, so nahezu direkt erleben – so wie es für Modellbauer zuvor noch nie möglich war.

Modellbau nach authentischen Vorbildern (Scale-Modelle)

Seien es Kampfflugzeuge aus dem ersten oder zweiten Weltkrieg oder moderne Jagdflugzeuge, Verkehrsflugzeuge wie die berühmte „Tante Ju” oder ein Jumbo-Jet – der Nachbau nach konkreten Vorbildern stellt den Modellbauer vor besondere Herausforderungen. Wichtig ist dabei die Wahl des richtigen Maßstabes: Aus diesem ergibt sich bereits, wie lang das zukünftige Modell sein soll und welche Spannweite es haben wird. Je größer der Maßstab, umso beeindruckender sieht das Modell bereits am Boden aus. Die Flugeigenschaften nähern sich mit zunehmender Größe immer mehr dem Original an. So liegen Modelle, die in einem Maßstab von ca. 1:5 gebaut werden, so ruhig in der Luft, dass sie im Film kaum vom Original zu unterscheiden sind. Auch der Sound von Strahltriebwerken gleicht ab einem bestimmten Maßstab so sehr dem Original, dass man sich schon sehr gut auskennen muss, um den Unterschied wahrnehmen zu können. Auch der Reiz, ein derart großes Modell zu steuern, ist immens, denn der Unterschied zu Größe, Masse und Geschwindigkeit des Originals ist nicht sonderlich groß. Wenn also Geld und logistische Probleme beim Transport für Sie keine Rolle spielen, folgen Sie der Maxime „Bigger is better”. Für die meisten Modellbauer sind dies allerdings durchaus bedenkenswerte Größen: Wie viel kann und möchten Sie für dieses Hobby ausgeben? Finden Sie eine Möglichkeit, das Modell im Auto zu verstauen?

Warum ein Scale-Modell

Letztlich sind für die Wirkung eines Scale-Modells durchaus auch andere Dinge als Geld wichtig – nämlich die Liebe zum Detail, ausgiebige Recherche, eine engelsgleiche Geduld und handwerkliches Geschick. Wenn Sie diese Anforderungen erfüllen, dann benötigen Sie nur noch das nötige technische Grundverständnis und ein gutes Händchen beim Steuern.

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