Worauf man beim Felgenkauf achten muss

Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Worauf man beim Felgenkauf achten muss

Eine Felge ist der auf dem Radflansch sitzende äußere Ring eines Rades, der den Reifen mit dem Fahrwerk eines Fahrzeuges verbindet. In der Umgangssprache bezeichnen die Felgen die reifenlosen Räder. Aufgabe der Felgen ist es, für einen festen Halt der Reifen zu sorgen und ein Entweichen von Luft zu verhindern. Im Gegensatz zu den mit Flachbettfelgen ausgestatteten Lastkraftwagen und Bussen verfügen Personenkraftwagen über Tiefbettfelgen, deren Mittelteil zwischen den erhöhten Felgenschultern abgesenkt ist.

Die Maße einer Felge

Vor jedem Felgenkauf muss zunächst die passende Felgengröße festgestellt werden, die sich aus dem Fahrzeugschein ergibt. So weist zum Beispiel die Bezeichnung 205/55R16 91H auf eine Reifenbreite von 205 Millimetern, ein Höhe-/Breitenverhältnis des Reifenquerschnitts von 55 %, eine radiale Reifenbauart („R“) und einen Felgendurchmesser von 16 Zoll hin. Die vorletzte Ziffer (im Beispiel: „91“) stellt die sogenannte Tragfähigkeitskennziffer dar, die eine Aussage über die Belastungsfähigkeit der Reifen trifft. Der Schlussbuchstabe (vorliegend: „H“) gibt einen Hinweis auf die für den Reifen zugelassene Höchstgeschwindigkeit.

Die technischen Daten von Felgen sind in einer anderen Ziffern- und Buchstabenreihenfolge gekennzeichnet. Bei einer Kennzeichnung „8 x 18 ET 35 LK 6/110“ verfügt die Felge z. B. über eine Breite von 8 Zoll („Felgenmaul“), einen Felgendurchmesser von 18 Zoll, eine sog. Einpresstiefe von 35 Millimetern und 6 Befestigungsschrauben, die auf einem Lochkreis mit 110 Millimetern Durchmesser montiert sind. Der Lochkreis bezeichnet den Bohrkreis der Befestigungsschrauben, der einen herstellerabhängigen Durchmesser und eine individuelle Zahl an Bohrungen aufweist.

Die Einpresstiefe als Kriterium für einen eventuellen Fahrzeugumbau

Die Einpresstiefe ist der Abstand zwischen der Stelle, an der die Felge auf der Radnabe aufliegt, und der Radmitte. Die Einpresstiefe gibt Auskunft darüber, ob ein Rad in die vom Kotflügel begrenzte Karosserieaussparung passt. Ist die Felge zu breit, muss der Kotflügel entsprechend verbreitert werden.

Kriterien bei der Felgenauswahl

Neben Funktionalität und Sicherheitskriterien bestimmt vor allem auch das optische Erscheinungsbild die Entscheidung für den Kauf einer bestimmten Felge. Felgen bestehen entweder aus Walzstahl, aus geschmiedetem oder gegossenem Leichtmetall oder aus Faserverbundstoffen. Leichtere Felgen wirken sich positiv auf das Fahrverhalten aus.

Stahlfelgen

Zumeist gehören Stahlfelgen zur Fahrzeuggrundausstattung. Sie bestehen gewöhnlich als Scheibenrad aus Felge und Radscheibe (Radschüssel), während Speichenräder über ein sogenanntes Felgenband verfügen. Auf der Innenseite sind Felge und Radscheibe nicht lückenlos, sondern nur partiell miteinander verschweißt, da sich ansonsten das gesamte Bauteil verziehen könnte. Nutzfahrzeuge weisen häufig Stahlgussfelgen auf.

Aus Stahl hergestellte Felgen sind preisgünstiger und lassen sich leichter als Leichtmetallfelgen instand setzen. Allerdings wirken die gewöhnlich schwarz lackierten Stahlfelgen oft optisch weniger ansprechend als Aluminiumfelgen und werden daher häufig mit Radkappen abgedeckt, die zuweilen eine Ähnlichkeit mit Leitchtmetallfelgen aufweisen.

Die ungefederte Masse eines Fahrzeugs, die aus Fahrzeugachsen und Rädern besteht, kann bei Stahlfelgen größer als bei Aluminiumfelgen ausfallen, so dass ein schlechteres Federungsverhalten möglich ist. Da jedoch Stahlfelgen aufgrund verbesserter Materialfestigkeit mit immer geringeren Wanddicken hergestellt werden können, sind sie heute teilweise sogar leichter als Aluminiumfelgen, zumal die Mächtigkeit verwendeter Aluminiumfelgen tendenziell zunimmt.

Leichtmetallfelgen

Abgesehen von Premiummarken und einzelnen Fahrzeugtypen aus preisgünstigeren Sonderserien gehören Leichtmetallfelgen zur Sonderausstattung und sind dementsprechend mit einem Aufpreis versehen.

Leichtmetallfelgen bewirken in der Regel keinen verbesserten Fahrkomfort, eine gesteigerte Fahrleistung oder größere Sicherheit. Zahlreiche Leichtmetallfelgen in unterschiedlichstem Design dienen vielmehr dem Zweck, die äußere Erscheinung des Fahrzeugs aufzuwerten.

Einzelne großformatige Aluminiumfelgen verbessern aufgrund ihrer speziellen Gestaltung mittels erhöhter Luftdurchlässigkeit die Kühlung der Bremsen. Daher sehen manche Fahrzeughersteller den Einsatz von Leichtmetallfelgen jedenfalls für Sommerreifen und in seltenen Fällen auch bei der Winterbereifung vor. Erfordert eine Bremsanlage (z. B. bei einigen Sportwagenmodellen) einen Felgendurchmesser von 18 oder mehr Zoll, werden auch bei der Winterbereifung nur Leichtmetallfelgen verwendet.

Aluminiumfelgen

Leichtmetallfelgen, deren Durchmesser 18 bis 23 Zoll erreichen kann, bestehen meistens aus Aluminiumlegierungen. Bei gleichem Volumen weist Aluminium nur etwa ein Drittel des Stahlgewichts auf. Das Leichtmetall zeigt ein optisch ansprechendes, starkes Reflexionsvermögen und eine hohe Elastizität.

Meistens erfolgt die Herstellung von Aluminiumfelgen im Gussverfahren. Werden Aluminiumfelgen dagegen geschmiedet, lassen sich aufgrund der höheren Werkstofffestigkeit, die sich aus der durch das Schmieden bewirkten Materialverdichtung ergibt, noch leichtere Aluminiumfelgen herstellen.

Die Aluminiumgussteile erhalten bei ihrer Produktion zunächst eine matt-silbrige Lackgrundierung, bevor sie – gewöhnlich im Pulverbeschichtungsverfahren – mit Klarlack oder z. B. mit der Fahrzeugfarbe überzogen werden.

Magnesiumfelgen bei Sportfahrzeugen

Bei Sport- und Rennfahrzeugen kommen auch hochwertige Magnesiumlegierungen zum Einsatz, die mit einer Dichte von 1,75 g/cm3 ein gegenüber den 2,75 g/cm3 schweren Aluminiumlegierungen deutlich leichter sind. Mit der Verwendung von Magnesiumfelgen wird durch die weiter reduzierte ungefederte Masse eine Verbesserung des Fahrverhaltens bewirkt.

Chrom-Alufelgen

Anstelle einer Lackierung erhalten sogenannte Chrom-Alufelgen mittels Galvanisierung eine glänzende Oberfläche. Die im Sonnenlicht strahlenden und edel aussehenden Chromfelgen sind allerdings gegenüber winterlichen Witterungseinflüssen besonders empfindlich und werden daher vorzugsweise nur in den Sommermonaten eingesetzt.

Chromfelgen benötigen eine regelmäßige Pflege z. B. mit Chrompasten, um ihr Aussehen dauerhaft zu bewahren. Bei zu starkem Polieren verlieren Chromfelgen jedoch ihren Glanz und ihr einheitlich schönes Aussehen. Zudem können sie durch äußere Krafteinwirkungen leicht beschädigt werden.

Wegen des hohen Wertes der diebstahlgefährdeten Chromfelgen sollten sie stets mit Felgenschlössern gesichert werden.

Ein- und mehrteilige Leichtmetallfelgen

Zu unterscheiden sind einteilige und mehrteilige Leichtmetallfelgen. Während einteilige Felgen aus einem einzelnen Metallstück bestehen, setzen sich zwei- oder dreiteilige Felgen aus einem Felgenstern sowie aus einem vorderen und einem hinteren Schüsselhorn (Felgenaußenteil bzw. Felgeninnenteil) zusammen, die miteinander im Schraub- oder Schweißverfahren verbunden sind.

Korrosionsgefahren

Besonders einige der preiswerteren Leichtmetallfelgen weisen eine verringerte Korrosionsbeständigkeit auf. Bei kalten Witterungsverhältnissen eingesetzte Streumittel wie Splitt, Sand oder Salz beschädigen schnell die auf den Leichtmetallfelgen befindliche Lackschicht und können so Korrosionsschäden auslösen. Aus diesem Grund wurden sogenannte „Winter-Alufelgen“ entwickelt, deren Lackierung eine verbesserte Kratz-, Schlag- und Stoßresistenz aufweist und damit die Korrosionsgefahr mindert. Dennoch werden für Winterbereifungen aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Witterungseinflüsse überwiegend Stahlfelgen eingesetzt.

Die Reparatur von Leichtmetallfelgen

Einteilige Leichtmetallfelgen lassen sich nur durch Aufpolieren ihrer Oberfläche reparieren. Bei schwereren Beschädigungen wie z. B. größeren Rissen ist eine Reparatur einteiliger Felgen nicht möglich, sodass ein Felgenaustausch vorgenommen werden muss. Zur Beurteilung des Ausmaßes von Felgenschäden werden bei der Instandsetzung häufig Röntgengeräte verwendet.

Schäden an mehrteiligen Felgen können durch Auswechslung des Außen- oder Innenbettes der Felge wieder instandgesetzt werden. Für den Fall einer Reparatur mehrteiliger Felgen ist auch eine Erneuerung der Felgenschrauben vorgeschrieben, damit ihre Funktionsfähigkeit als Dehnschrauben gewährleistet bleibt. Dehnschrauben sind elastische Schrauben, die Temperaturschwankungen ausgleichen und schnelle Veränderungen der Geschwindigkeit auffangen können.

Motorradfelgen

Motorradfelgen werden zum Teil aus Faserverbundwerkstoffen hergestellt, die über bessere Eigenschaften als die Werkstoffkomponenten verfügen, aus denen die Verbundstoffe zusammengesetzt sind. Häufig eingesetzte Verbundstoffe sind die Aramidfaser und CFK (Carbonfaserverstärkter Kunststoff).

Die Aramidfaser ist ein Kunststoff, der wegen seiner besonderen Festigkeit z. B. auch im Flugzeugbau oder in Sicherheitstextilien verwendet wird. CFK besteht aus einer durch Kohlenstofffasern meist mehrschichtig verstärkten Kunststoff-Matrix.

Preisdifferenzen zwischen Leichtmetall- und Stahlfelgen

Die früher noch sehr großen Preisunterschiede zwischen einteiligen Aluminium- und Stahlfelgen haben sich reduziert. Höhere Preise weisen allerdings die vor allem in der Tuningszene verwendeten mehrteiligen Leichtmetallfelgen auf.

Nicht zu empfehlen ist es, Felgen nur wegen eines günstig erscheinenden Preises zu erwerben. Im Vordergrund der Kaufüberlegungen sollten neben dem optischen Eindruck einer Felge immer ihre Sicherheit und Funktionsfähigkeit stehen.

Der Käufer sollte ferner besonderen Wert auf den Erwerb von Originalprodukten legen, die einen bestimmten Qualitätsstandard repräsentieren. Die Felgen, auf denen dauerhaft das gesamte Gewicht eines Fahrzeugs lastet, müssen über eine unzweifelhafte Stabilität verfügen.

Kauf gebrauchter oder neuer Aluminiumfelgen

Gebrauchte Felgen locken mit Preisvorteilen – doch lohnt sich das auch? Was Sie bedenken solten:

Preisvorteile

Beim Kauf gebrauchter Felgen ergeben sich erhebliche Preisvorteile gegenüber neuen Modellen. Besonders günstig können Leichtmetallfelgen während der Wintermonate und bei privaten Händlern erworben werden. Bei neuen Felgen lassen sich Preisersparnisse auch dadurch erreichen, dass nicht nur die neuesten und damit womöglich teuersten Felgenmodelle in die Auswahl einbezogen werden.

Die Qualität von Gebrauchtfelgen

Beim Kauf gebrauchter Felgen ist in besonderer Weise auf Qualität und Passgenauigkeit zu achten. Waren gebrauchte Felgen in einen Unfall verwickelt, ist besondere Vorsicht geboten, da sich Felgen bei einem Unfallgeschehen leicht verziehen. Sich abzeichnende deutliche Einkerbungen können einen Hinweis auf einen möglichen Felgenschaden geben, der beim Brechen der Felge während der Fahrt unvermeidlich zu einem Unfall führen würde. Bei Zweifeln an der Felgenqualität sollte sicherheitshalber ein Sachverständiger mit der Begutachtung beauftragt oder vom Erwerb der gebrauchten Felgen Abstand genommen werden.

Kleinere Kratzspuren, die möglicherweise bei einem Einparkmanöver oder während einer Autowäsche verursacht wurden, lassen sich normalerweise problemlos mit Spezialpolituren beseitigen, sodass die Felge anschließend einen neuwertigen Eindruck macht. Felgenrisse, die z. B. durch Berührung mit einer Bordsteinkante verursacht wurden, können lediglich bei mehrteiligen Felgen durch Teileaustausch behoben werden.

Ein Erwerb gebrauchter Leichtmetallfelgen sollte nur erfolgen, wenn ihre oberflächliche Lackschicht keine Verletzungen aufweist und auch keine sonstigen schwerwiegenden Beschädigungen vorliegen, da sich das genaue Ausmaß der Schäden und die gegebenenfalls zu ihrer Beseitigung erforderlichen, häufig erheblichen Instandsetzungskosten kaum beurteilen lassen.

Gewährleistungsrechte

Felgen können über Reifenhändler oder Werkstätten zwar regelmäßig nur etwas teurer als von privaten Händlern erworben werden, doch stehen den Käufern gegenüber gewerblichen Verkäufern nicht abdingbare Gewährleistungsrechte für einen Zeitraum von zwei Jahren zu, die bei gebrauchten Gegenständen durch eine vertragliche Vereinbarung allerdings auf ein Jahr begrenzt werden können. Handelt es sich um einen privaten Verkäufer, kann die Gewährleistungsfrist bei neuen Gegenständen auf ein Jahr reduziert und bei Gebrauchtwaren ganz ausgeschlossen werden.

Dieselben Gewährleistungsrechte werden auch bei Online-Käufen gewährt. Eine hohe Anzahl der von einem Verkäufer über eBay getätigten Geschäfte ist ein Indiz für eine gewerbliche Tätigkeit, die zu einer längeren Gewährleistungsfrist führt.

Betriebserlaubnis für Felgen

Wird durch den Radhersteller die Eintragungsfreiheit bestätigt, dürfen Räder oder Felgen ohne TÜV- oder Dekra-Prüfung montiert werden. Den Fahrzeugpapieren ist die Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) beizufügen.

Besteht für Räder/Felgen nur ein Teilegutachten oder enthält die ABE den Hinweis auf die Pflicht zur Eintragung in Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief, hat eine TÜV-Prüfung zu erfolgen. Dies gilt selbst dann, wenn in den Fahrzeugpapieren bereits die korrekte Felgengröße aufgeführt ist. Die Betriebserlaubnis für Felgen wird erteilt und in die Fahrzeugpapiere eingetragen, wenn die Sicherheit im Straßenverkehr durch die neuen Bauteile nicht beeinträchtigt wird.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden