Wie man einen Gebrauchtmotor einbaut

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Wie man einen Gebrauchtmotor einbaut

Motorschaden! Ein unter Autofahrern nicht zu Unrecht gefürchtetes Schlagwort. Den besonderen Schrecken erlangen Motorschäden nicht zuletzt dadurch, dass sie prinzipiell jedes Fahrzeug, unabhängig von Marke und Alter, treffen können. Ob das altgediente Familiengefährt oder der verhältnismäßig neuwertige Sportwagen: Reißt nur einmal der Zahnriemen bei erhöhter Geschwindigkeit, ohne dass der Wagen zeitnah zum Stehen gebracht werden kann, ist der Motor möglicherweise bereits erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden. Dabei macht es die Schwere des Schadens häufig sogar unabdingbar, den Motor komplett auszuwechseln. In einem solchen Fall gibt es grundsätzlich immer drei Möglichkeiten:
1. Der alte Motor wird aufpoliert bzw. in die Hände eines erfahrenen Mechanikers abgegeben und einer aufwändigen Rundumerneuerung unterzogen.
2. Der alte Motor wird gegen einen werksneuen Ersatz ausgetauscht.
3. Wie 2., doch für den Austausch wird kein neuer, sondern ein gebrauchter Motor verwendet.

Wann der Kauf eines Gebrauchtmotors sinnvoll sein kann

Liegt beispielsweise ein Kolbenfresser vor oder sind die Kolben stark beschädigt, wird ein starker Ölverlust inklusive Rauchentwicklung festgestellt oder ist ein starker Verschleiß des Motors insgesamt zu beklagen, muss die Devise lauten: Raus mit dem alten, rein mit dem neuen.

Grundsätzlich ist der Wechsel des Motors stets nur dann angebracht, wenn keine anderen gravierenden Schäden am Pkw vorliegen und auch die Karosserie in einem annehmbaren Zustand ist. Andernfalls wird sich der Halter zumeist aufgrund von zu hohen Reparaturkosten gleich ganz von seinem Wagen trennen wollen oder müssen.
Gebrauchtmotoren sind dabei um einiges preiswerter als neu gefertigte Teile. Letztere liegen preislich häufig sogar über dem Restwert des Fahrzeugs, sodass die Anschaffung eigentlich nur bei wirklich neuwertigen Wagen lohnt.

Was beim Kauf von Gebrauchtmotoren unbedingt zu beachten ist

Eine Eigenschaft, der für die Suche nach einem Gebrauchtmotor große Bedeutung zukommt, ist Geduld. Das Auffinden eines passenden Geräts kann gerade wegen des breit gefächerten Angebots an gebrauchten Motoren durchaus zeitintensiv sein. Der Modelltyp spielt hier eine entscheidende Rolle: Anfertigungen von populären Herstellern lassen sich erheblich leichter ausfindig machen als vergleichsweise ungewöhnliche Stücke von weniger bekannten Marken.

Welches Modell?

Zuallererst muss dabei geklärt werden, welcher Motor überhaupt benötigt wird. Je nach Typus des jeweiligen Autos können Motoren nämlich in Größe und Form durchaus unterschiedlich ausfallen. Es bietet sich deshalb an, den Wagen zu einem Kfz-Mechaniker zu bringen oder sich direkt an den Hersteller des Pkw zu wenden, um grundlegende und auch weiterführende Informationen über den entsprechenden Motor in Erfahrung zu bringen. Idealerweise wird bereits im Vorfeld eine Liste mit den wichtigsten Fragen erstellt. Diese können etwa sein: „Um welches Modell handelt es sich?“, „In welchem Jahr wurde der Motor gebaut?“ oder „Sind Besonderheiten in punkto Eigenschaften und Einbau zu beachten?“ All diese Punkte müssen abgeklärt werden, um sicherzugehen, dass der neue Motor später auch tatsächlich passen und zufriedenstellend funktionieren wird.

Was ist inklusive?

Es empfiehlt sich, bei jedem Angebot stets genau zu erfragen, welche Bestandteile von der jeweiligen Offerte mit umfasst sind. Sofern der Kaufinteressent eventuelle Zusatzteile tatsächlich benötigt, ist das natürlich unproblematisch. Sollte jedoch gerade nur Bedarf am Motor selbst bestehen, stellen die zusätzlichen Teile für den Käufer nicht nur unnötigen Ballast, sondern auch zusätzliche Kosten dar: Das ungewollte Stück muss vor dem Einbau schließlich erst noch fachmännisch entfernt werden. Dementsprechend ist es ratsam, bei der Motorsuche gar nicht erst von vermeintlichen Selbstverständlichkeiten ("Das gehört doch zur Grundausstattung.") auszugehen. Vielmehr sollte es zur Routine werden, sich von jedem Anbieter eine detaillierte Auflistung aller Bestandteile geben zu lassen und so möglichen Überraschungen vorzubeugen.

Wie viele Kilometer hat der Gebrauchtmotor?

Auch der Kilometerstand des gegenwärtigen Motors ist wichtig und sollte deshalb notiert werden. Bei der Suche nach einem passenden Ersatz sollte stets darauf geachtet werden, dass der Neuerwerb deutlich weniger Kilometer zurückgelegt hat als sein Vorgänger.

Welche Vergangenheit hat der gebrauchte Motor?

Beim Hersteller sollte die internationale Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN, englisch: Vehicle Identification Number) in Erfahrung gebracht werden. Bei der FIN handelt es sich um eine Seriennummer mit 17 Ziffern, anhand derer ein Auto eindeutig zu identifizieren ist. Wenn der Kaufinteressent diese Nummer hat, kann er sie online mithilfe eines entsprechenden Anbieters oder direkt beim Hersteller hinsichtlich der Unfallhistorie überprüfen. Besonders sollte hierbei auf Vorfälle geachtet werden, welche den Motor beschädigt haben könnten wie etwa Feuer oder Überflutung. Sinnvoll kann es auch sein, den Schätzwert der zurückgelegten Kilometer mit den Angaben seitens des Anbieters abzugleichen.

Der Einbau des Gebrauchtmotors

Grundsätzliches

Was den Selbsteinbau eines gebrauchten Motors attraktiv macht, ist offensichtlich: Der Motorentausch wird besonders preisgünstig. Im Vorfeld sollte sich der ambitionierte Hobbymechaniker jedoch zweierlei vergegenwärtigen: Zum einen geben Werkstätten häufig beim Einbau Garantie auf den Motor. Zum anderen sollten auch tatsächlich hinreichende Kenntnisse und Erfahrung vorhanden sein, um einen derartigen Eingriff vorzunehmen. Schlechte oder auch nur unzureichende Kfz-Kenntnisse können schnell dazu führen, dass sich die ursprünglich angepeilte Kostenersparnis ins Gegenteil verkehrt und der Autobesitzer wider Willen mehr bezahlt als eigentlich geplant.

Werkzeuge

Motorheber, Wagenheber, Stemmeisen, Schraubenschlüssel, Schmierring und -fett: Dies ist im Wesentlichen die Grundausstattung, welche zum Aus- und Einbau eines Motors benötigt wird.

Der Ausbau des alten Motors:

Schritt 1 – Vorbereitung des Arbeitsplatzes und Abnahme der Motorhaube

Um ein sachgerechtes und möglichst unkompliziertes Arbeiten zu gewährleisten, sollten der Arbeitsplatz gut ausgeleuchtet und das Fahrzeug sinnvoll positioniert werden, d. h. in passender Nähe zum Werkstattkran bzw. Motorheber. Gerade um im weiteren Verlauf der Arbeiten die Übersicht nicht zu verlieren, kann es darüber hinaus hilfreich sein, einige Fotos vom vollständigen Motorraum anzufertigen.
Mittels des Schraubenschlüssels werden dann zunächst die Bolzen aus den Innenscharnieren der Motorhaube entfernt und diese schließlich abgenommen. Es empfiehlt sich hierbei, die Haube mit mehreren Personen anzuheben, da sie vergleichsweise schwer ist. Idealerweise markiert man die Angeln jeweils deutlich mit einem wischfesten Stift, sodass sie später leichter aufzufinden sind. Ebenso sollte darauf geachtet werden, die Haube umsichtig anzuheben und zu bewegen, um sie nicht zu zerkratzen. Danach sollte das Erdungskabel aus der Batterie gezogen werden.

Schritt 2 – Ausbau des Kühlers

Im nächsten Schritt wird die Kühlerflüssigkeit in den bereitgestellten Eimer gefüllt . Dann werden die Schläuche entfernt. Notfalls können diese dabei auch durchgetrennt bzw. abgeschnitten werden, da ein Ersatz des Kunststoffs – im Gegensatz zu den Metallverbindungen – verhältnismäßig unkompliziert ist.
Nachdem dann der Lüfter entfernt wurde, müssen der Kühler ausgebaut und die Lenkhelfpumpe gelöst werden.

Schritt 3

Sämtliche Elektrokabel werden nun vom Motor gekappt, während die Zündkerzenkabel vorerst angeschlossen bleiben. Der Auslasskrümmer wird gelöst und die Bolzen an der Stelle, an der der Motor mit dem Getriebe verbunden ist, mithilfe des Schraubenschlüssels herausgedreht.

Schritt 4 – Wagen anheben

Dann kommt der Wagenheber zum Einsatz: Das Fahrzeug wird angehoben und mit Unterstützböcken abgesichert. Der Mechaniker muss sich nun unter den Wagen begeben und dort den Anlasser und die Verbindungen des Auspuffs abziehen. Des Weiteren müssen auch die Getriebeverbindungen am Querträger entfernt werden.

Schritt 5 – Motor komplett freisetzen

Nun werden mit dem Schraubenschlüssel erst die Bolzen aus den Getriebeanschlüssen des Motors herausgelöst, dann die Bolzen der Motoraufhängung herausgedreht. Die Stützbalken werden entfernt und der Wagen wird herabgelassen.

Schritt 6 – Herausheben des Motors

Als letzten Schritt, um den Motor zu entfernen, muss eine ausreichend schwere Kette mit den größten Bolzen auf beiden Seiten des Motors angebracht werden. Mit dem Werkstattkran kann der Motor nun langsam und bedacht herausgehoben werden. Dabei ist stets darauf zu achten, dass die Vorderseite des Motors höher als seine Rückseite ist. Nach seiner vollständigen Entfernung aus dem Fahrzeug sollte der Motor zeitnah an einem sicheren Ort zur Zwischenlagerung abgestellt werden. Auch wenn der Motorheber möglicherweise nicht gleich benötigt wird, weil sich die Installation des neuen Motors etwas verzögert, ist in jedem Fall davon abzuraten, den Altmotor über einen längeren Zeitraum am Heber hängen zu lassen.

Der Einbau des neuen Motors:

Schritt 1 - Anheben des Motors

Der neue Motor wird mithilfe des Motorhebers bzw. des Werkstattkrans etwa soweit angehoben, dass er sich in deutlichem Abstand (ca. 1 Meter) zum Motorraum befindet.
Dann muss abermals der hydraulische Wagenheber eingesetzt werden, um die Getriebevorderseite abzustützen. Spätestens hierbei muss alles aus dem Motorraum entfernt werden, was beim folgenden Einbau hinderlich sein könnte.

Schritt 2 - Vorbereiten des Nachfolgemotors

Der neue Motor wird nun mithilfe des Schwungrades positioniert. Die Ablassschraube wird hierbei durch den Drehmomentwandler nach unten ausgerichtet. Im Anschluss sollte ein wenig Öl auf dem Führungslager verteilt werden. Sofern das Auto über ein Handschaltgetriebe verfügt, muss zusätzlich noch etwas Schmierfett auf die Kerbverzahnung gerieben werden.

Schritt 3 - Einsenken des Motors

Nun muss der Motor möglichst langsam und passgenau herabgesenkt werden. Insbesondere muss hierbei darauf geachtet werden, dass sich die Mittelachse der Kurbelwelle und die des Getriebes in einer sauberen Linie befinden. Des Weiteren sollte spätestens jetzt ausreichend Bewegungsfreiheit im Motorraum geschaffen worden sein, um effizient arbeiten zu können.

Schritt 4 – Einlagerung in das Getriebe

Die Zylinder werden nun in einer Reihe mit den Löchern der Getriebeglocke angeordnet, bevor der Motor schließlich gegen das Getriebe geschoben wird. Durch das Stemmeisen wird dann mehrmals geprüft, ob der Motor auch im sauberen Winkel eingesetzt worden ist.

Schritt 5 – Bolzen anbringen

Im nächsten Schritt wird die Stellung des Motors abgesichert, indem mithilfe des Schraubenschlüssels die Bolzen zwischen Motor und Getriebe auf jeder Seite angebracht werden. An diesem Punkt der Installation wird jedoch noch davon abgesehen, die Bolzen ganz festzuschrauben.

Schritt 6 – Prüfung der Unterseite

Der Heimwerker muss sich nun unter das Fahrzeug begeben, um sich zu vergewissern, dass der Drehmomentwandler auch wirklich auf einer Linie mit den Schraublöchern der Kupplung liegt.

Schritt 7 - Versiegelung

Schließlich werden alle Schrauben und Bolzen festgezogen, die übrigen Gerätschaften entfernt und der Motor mit dem o-förmigen Ring versiegelt. Der neue „alte“ Motor ist einsatzfähig. Dennoch sollte der Wagen nicht gestartet werden, bevor nicht mehrmals sämtliche Anschlüsse auf ihre Richtigkeit hin geprüft worden sind. Für die ersten paar Fahrtstunden sollte darauf geachtet werden, dass die Drehzahl unter 2000 rpm bleibt. Nach den ersten fünfhundert Kilometern empfiehlt sich außerdem ein Ölwechsel.

Fazit

Wie oben bereits angesprochen, muss sich die Suche nach einem gebrauchten Motor nicht unbedingt langwierig gestalten. Eine gute Möglichkeit, sich bereits vorab zu informieren, bieten ortsansässige Werkstätten ebenso wie Schrotthändler. Aber eben auch das Internet hält diverse Anlaufstellen beriet, um sich einen Überblick hinsichtlich der Verfügbarkeit von Gebrauchtmotoren zu verschaffen.

eBay hat dabei mehrere Vorzüge: Zunächst wird ein besonderer Käuferschutz garantiert. Darüber hinaus verfügt eBay über eine umfangreiche Suchfunktion und nimmt ausschließlich Inserate autorisierter Verkäufer in ihr Angebot auf. Der Versand ist darüber hinaus regelmäßig kostenlos oder entfällt ganz, wenn die Ware direkt vor Ort abgeholt wird. Letztere Vorgehensweise ist übrigens auch deshalb empfehlenswert, weil der Motor dann vor dem Kauf noch einmal eingehend in Augenschein genommen werden kann.

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