Wie kann ich Daten auf Kassetten, CDs oder anderen Speichermedien in ein MD-Format umwandeln?

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Wie kann ich Daten auf Kassetten, CDs oder anderen Speichermedien in ein MD-Format umwandeln?

1991 stellte die japanische Firma Sony ihre Neuentwicklung, die Minidisc, vor. Die Minidisc (MD) ist ein Zwitter zwischen zwei Medien, die sich bis dahin bereits auf breiter Front durchgesetzt hatten: der Floppy Disc und der Compact Disc (CD). Dabei ähnelt die MD in ihrer Größe eher der Floppy Disc und hat mit ihr auch das feste Gehäuse gemein, das das eigentliche Speichermedium umschließt. Das wesentlich größere Daten-Fassungsvermögen macht sie jedoch für Zwecke geeignet, die eine Floppy Disc, in Deutschland meist einfach Diskette genannt, nicht erfüllen kann.

Sony konzipierte die MD als ein Medium, mit dem man sowohl Audiofiles als auch Daten aller Art speichern kann. Es sollte sowohl als Trägermedium für kommerziell verbreitete Musik dienen wie auch als Laufwerk- und vielseitiges Speichermedium. Dafür prädestinierte die MD ein bis dato neues Verfahren der Datenspeicherung.

Eine Schicht des Trägermediums funktioniert dabei ganz ähnlich wie eine CD: Mikroskopisch kleine „Pits" und „Lands" beeinflussen einen Laserstrahl, mit dem die Scheibe abgetastet wird. An den Pits ist die Strecke des Laserstrahls um die Hälfte seiner Wellenlänge weiter als an den Lands, bevor dieser reflektiert wird. Eine Reflexion auf diese Weise bewirkt eine Phasenauslöschung. Die schnelle Folge dieser Phasenauslöschungen ist es nun, die beim Lesen erkannt wird und so zur Signalübermittlung genutzt werden kann. Diese Form der Datenspeicherung wird bei fertig bespielten Musik-MDs genutzt, die – ähnlich wie CDs – auch in Deutschland für einige Zeit angeboten wurden.

Wiederbeschreibbare MDs enthalten eine Führungsspur für das Schreiben der Daten, den sogenannten Pregroove. Das Auslesen der Magnetschicht geschieht wiederum mittels Laserstrahl, jedoch auf eine etwas andere Weise als das Lesen der optischen Spur. Beim Durchdringen magnetisierter Sektoren wird hier der Laserstrahl nicht phasenverschoben, sondern polarisiert. Es ist also in diesem Fall die schnelle Folge von Polariststationszuständen, die beim Lesen erkannt und in ein Signal umgewandelt wird. Dabei ist es gleichgültig, ob es sich bei den Signalen um Audiofiles handelt oder beliebige andere digitale Daten.

Das MD-Format wird nicht kontinuierlich beschrieben wie eine Schallplatte oder CD, sondern in Sektoren aufgeteilt, wie man es auch von Festplatten oder der Floppy Disc kennt. Die Minidisc wird dadurch zu einem Alleskönner, der dem Benutzer eine Vielfalt von Einsatzmöglichkeiten bietet.

Das MD-Audioformat

Für Audioaufnahmen verwendete Sony bei der MD ein Komprimierungsformat, das ähnlich funktioniert wie das allseits bekannte Mp3. Es beruht auf psychoakustischen Mechanismen, die es erlauben, die Originaldatei auf einen Bruchteil ihrer Größe zu komprimieren. Dabei werden auf geschickte Weise die menschlichen Eigenheiten beim Aufnehmen von Geräuschen ausgenutzt: Bestimmte Frequenzanteile eines Audiosignals können zwar vom Ohr aufgenommen werden, das Gehirn ist allerdings nicht in der Lage, sie zu identifizieren, weil sie von anderen, lauteren Signalen überdeckt werden, die zur gleichen Zeit erklingen. Der Algorithmus, der beim Komprimieren der Audiodaten verwendet wird, filtert nun diese nicht wahrnehmbaren Anteile heraus und extrahiert sie aus der Audiodatei. Durch diese Einsparung beim Datenvolumen konnte Sony zunächst einen Komprimierungsgrad von ca. 1/4 realisieren. Die kontinuierliche Entwicklung des Algorithmus erlaubte jedoch bei späteren Versionen Einsparungen im Datenvolumen von ca. 90 %. Damit war das Sony-eigene Komprimierungsformat ebenso leistungsfähig wie das MP3-Format.

Die firmeneigene Entwicklung war ein proprietäres Format, das heißt, es konnte zunächst nur mit Sony-Geräten verwendet werden. Die Lizenzbedingungen schreckten viele andere Hersteller ab, das Format ebenfalls zu verwenden. Die geringe Verbreitung wiederum sorgte dafür, dass es nicht sonderlich populär war. Damit schloss sich ein Kreis, den Sony später zu durchbrechen suchte. Die Lockerung der Lizenzbedingungen und die Öffnung gegenüber anderen Formaten kam allerdings zu spät. Die weite Verbreitung des populären – und lizenzfreien – MP3-Formats war nicht aufzuhalten, zumal sie mit einer weiteren technischen Entwicklung einher ging: der Speicherung von Musik und Daten auf Flash-Speichern. Diese kommen vollständig ohne mechanisch bewegte Teile aus. Damit waren Speicherkarten und Mp3-Player schon zu einem recht frühen Zeitpunkt wesentlich billiger als MDs und die dazu gehörigen Abspielgeräte.

All diese Faktoren gemeinsam bewirkten, dass das MD-Format zu einem Nischendasein bestimmt war. Allein in Japan, dem Mutterland dieser Technologie, erlangte die MD für einige Zeit eine ähnlich weite Verbreitung wie die CD.

Vorteile der Minidisc

Eine MD ist nahezu unendlich oft wiederbeschreibbar. Die Zahl der möglichen Schreibvorgänge wird mit 100.000 angegeben, was wohl in der Praxis kaum ausgeschöpft wird. Die Haltbarkeit der gespeicherten Daten ist höher als bei einer selbst gebrannten CD und wird auf 30 Jahre beziffert. Die Form der Speicherung in Sektoren erlaubt viele nützliche Funktionen. So ist es beispielsweise möglich, Musiktitel direkt im Rekorder zu schneiden oder zusammenzufügen, was mit einem Mp3-Player nicht möglich ist. Der MD-Recorder legt nach dem Aufnehmen automatisch ein Inhaltsverzeichnis an, das ermöglicht, auf sehr komfortable Weise zu navigieren bzw. bestimmte Titel aufzufinden. Das Abspielen kann sehr gezielt erfolgen und auch mit einer Fernsteuerung gestartet werden. Eine Textfunktion erlaubt das nachträgliche Editieren von Songtiteln und Zusatzinformationen.

Weiterhin ist das direkte Aufnehmen von Musik möglich. Ein eingebautes Mikrofon ermöglicht die Nutzung des MD-Rekorders als hochwertiges Diktiergerät. In einem speziellen Laufwerk verwendet, kann die MD auch wie eine externe Festplatte – wenn auch mit relativ geringem Fassungsvermögen – am Computer verwendet werden. Viele dieser Funktionen waren für einige Zeit unitär und qualifizierten das Format damit als wichtiges Werkzeug auch für die professionelle Nutzung durch Musiker und in der Radiobranche.

Nachteile der Minidisc

Das proprietäre ATRAC-Format lässt sich nur schwer und wiederum nur mithilfe einer Sony-eigenen Software in andere Soundformate umwandeln. Der Weg in die andere Richtung, die Umwandlung von Soundfiles in ATRAC-Daten, ist ebenfalls kompliziert und verlustbehaftet. Besonders die Konvertierung bereits komprimierter Soundfiles bringt dabei Qualitätsverluste mit sich, die von den Nutzern nicht akzeptiert wurden.

Ein weiteres Defizit der MD ist die relativ geringe Speicherkapazität. Mit durchschnittlich 140 MB war sie zwar erheblich größer als die einer Floppy Disc, eine ähnlich dramatische Erweiterung der Kapazität wie etwa bei Flash-Speichern ist jedoch systembedingt nicht möglich. Zur Zeit der Markteinführung war eine Spieldauer von 90 Minuten in einer CD-ähnlichen Qualität noch ein beachtliches Leistungsmerkmal. Der Vergleich fiel jedoch mit jedem Jahr deutlicher zu Ungunsten der MD aus. Mit einem Fassungsvermögen von 1 GB, das gegen Ende der Entwicklung erreicht wurde, waren die Grenzen dieser Technik ausgereizt. Mit einem guten Mp3-PLayer sind heute die meisten der Funktionen möglich, die das MD-Format bietet, allerdings zu einem wesentlich geringeren Preis, mit kleineren, handlichen Geräten und bei wesentlich höherem Speichervermögen.

Sicherung von Musikaufnahmen auf MD

Wenn Sie unwiederbringliche Musikaufnahmen beispielsweise von alten Audiokassetten für die Zukunft speichern möchten, dann ist die MD durch die lange Haltbarkeit eine gute Wahl. Was Sie dazu brauchen, ist einerseits ein MD-Player mit Aufnahmefunktion. Weiterhin benötigen Sie ein Abspielgerät für das Medium, auf dem sich die Originale befinden. Nicht in jedem Haushalt findet sich heute noch ein Kassettenspieler guter Qualität. Es gibt jedoch Traditionalisten, die alte Technik lieben und aufbewahren. Falls Sie also kein Kassettengerät mehr besitzen, findet sich sicher jemand in Ihrem Bekanntenkreis, der Ihnen ein solches Gerät leihen kann, oder Sie werden bei eBay fündig.

Da der aufnehmende MD-Player das Audiosignal automatisch in das spezifische ATRAC-Format umwandelt, müssen Sie nichts weiter tun, als beide Geräte mit einem Kabel zu verbinden. Höherwertige Kassettengeräte haben Cinch-Ausgänge für das Weiterleiten des Audiosignals an ein externes Gerät. Der MD-Recorder hat typischerweise eine Buchse für einen 3,5-mm-Klinkenstecker, mit dem das Signal eingespeist werden kann. Sie benötigen also ein Adapterkabel, das auf einer Seite einen Stereo-Klinkenstecker und auf der anderen Seite zwei Cinch-Stecker besitzt. Ähnlich kann das Aufnehmen von Musik von anderen Datenträgern wie DAT-Kassette oder CD vonstattengehen. Allerdings sind beide digitalen Formate auf hochwertige Audioaufnahmen ausgelegt. Das Überspielen von Musik von DAT-Kassette bzw. CD bringt Ihnen also vermutlich einen Gewinn an Haltbarkeit, andererseits müssen Sie mit einem gewissen Verlust bei der Audioqualität rechnen.

Sicherung von Daten auf MD

Für die Sicherung von Daten nützt Ihnen ein herkömmlicher MD-Rekorder leider nichts. In diesem Fall benötigen Sie ein MD-Laufwerk, das an den Computer angeschlossen wird. Diese Laufwerke fanden in Europa nie eine nennenswerte Verbreitung, da vergleichbare Systeme wie Zip-Laufwerke preiswerter zu bekommen waren und zudem ein größeres Fassungsvermögen haben. Mit der Kapazität von 140 MB bis maximal 1 GB mutet die Speicherkapazität der Minidisc heute sehr bescheiden an. Dennoch könnte es sinnvoll sein, ältere Daten, beispielsweise von einer Floppy Disc, auf MD zu überspielen, um ihnen eine längere Lebensdauer zu verleihen. Die MD-Data genannte Version, mit welcher Daten auf MD gespeichert werden können, unterscheidet sich von der Audio-MD durch ihre Farbe. Sowohl das Trägermedium selbst wie auch die entsprechenden Laufwerke dürften heute relativ schwer zu bekommen sein. Stöbern Sie in den entsprechenden eBay-Kategorien, um Angebote für diese – heute schon fast historischen – Medien zu finden.

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