Wie entsteht eine Perle?

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Vielfach herrscht zur Perlenproduktion folgende Meinung vor: Muschel auf - Implantat bzw. Kern rein - Muschel zu - lange warten - Perle ernten!
Doch weit gefehlt! So einfach, wie der Laie sich das denkt, geht es bei weitem nicht. Daher möchte ich Ihnen mit diesem Ratgeber heute die Entstehung der Perlen ein wenig näher bringen. Zugegebenermaßen auch dies im Zeitrafferprinzip, denn hier auf jedes kleine Detail einzugehen, würde den Rahmen dieser Abhandlung bei weitem sprengen. Zumal sich auch die Produktion von Salz- und Süßwasser-Perlen in wesentlichen Punkten unterscheidet.
Nehmen wir uns daher heute der Produktion von Süßwasser-Perlen an:
Die zur Operation selektierten Muscheln werden 10 bis 18 Stunden vor dem Eingriff an geschützte Stellen in Ufernähe gebracht und extrem dicht beieinander gehalten. Somit wird die Nahrungsaufnahme unterbunden und wenn man sie an Land holt, öffnen sie sich als Folge des Nahrngsentzuges.  In diesen Spalt wird sofort ein Holzkeil eingesetzt, damit sie zur Operation geöffnet bleiben. Die Operationsarbeiten werden in Japan immer von Frauen durchgeführt, die hierzu eine einjährige Ausbildung benötigen. Es wird ausschließlich die Mise-Nishikawa-Methode angewendet, bei dem ein Perlmuttkern und ein winziges Stückchen Mantelgewebe eingepflanzt werden. Zur Vorbereitung der Gewebeteilchen sucht die Operateurin eine sogenannte Gebermuschel aus. Sie sollte gesund und kräftig sein. Sie öffnet diese durch Aufschneiden des Schließmuskels und schneidet mit der Schere aus der Mitte des Mantelgewebes einen Streifen heraus. Die ungeeigneten Stellen werden entfernt und der so gereinigte Streifen wird mit dem Skalpell in kleine Stückchen von 4x4 mm zerteilt. Etwa jede fünfte Muschel wird als Gebermuschel verwendet. Während der Operation werden die Muscheln betäubt und erhalten die Gabe eines Anatibiotikums. Durch das vorherige Aushungern überstehen die Muscheln den Operationsschock leichter. Der Eingriff dauert weniger als eine Minute. Die Operateurin macht schnell einen Einschnitt in der Gonade (ein Organ, das in der Laichperiode Keimzellen produziert). Mit der Pinzette nimmt sie eines der Gewebeteilchen auf, welches noch in einer rote Desinfektionslösung getaucht wird und setzt es in die Schnittstelle. Dabei wird darauf geachtet, dass das Gewebe aus dem hinteren Teil des Mantels in den vorderen Teil der Gonaden eingepflanzt wird und umgekehrt. Danach wird genau im rechten Winkel von oben der Kern mit dem Kernlifter so platziert, dass der Kern mit den äußeren Epithelzellen des Gewebes in Berührung kommt. Von dem Gewebestückchen überlebt lediglich die äußere Epithelzellenschicht (Ectoderm) die Operation. Die innere Schicht (Endoderm) und das Bindegewebe lösen sich auf. Wenn ein Stück Mantelgewebe getrennt vom Rest des Mantels in ein fremdes Bindegewebe eingesetzt wird oder wenn es mit einem Fremdkörper - hier dem Perlmuttkern - in Berührung kommt, zersetzt sich die äußere Schicht besonders schnell. Die Zellen stossen sich ab und werden durch neue, längliche Epithelzellen ersetzt. Diese sind elastisch und sie ordnen sich parallel zueinander an rund um den Kern zu einem Sack. Die runden Epithelzellen wachsen durch Zellteilung wieder nach und ersetzen die länglichen Zellen und es erscheinen wieder die einzelligen Drüsen, die für die Ausscheidung der Perlsubstanz sind. Die Bildung des Perlsacks dauert je nach Wassertemperatur zwischen 7 und 14 Tagen. Schon während seiner Bildung beginnt die Ausscheidung von Perlsubstanz. Sie vergrößert sich ständig durch Zellteilung und umkleidet die wachsende Perle. Bei der Ernte ist sie von einer schleimigen Haut umgeben. Dies ist nichts anderes als der Perlsack.

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