Welche Vorteile bringen sauerstofffreie Kupferkabel?

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Welche Vorteile bringen sauerstofffreie Kupferkabel?

Die Frage, ob die Qualität eines Audiokabels den Klang einer Stereoanlage beeinflussen kann, teilt die Hi-Fi-Gemeinschaft in zwei Lager. Während die einen behaupten, dass man mit sauerstofffreien Kupferkabeln sogar eine Stereoanlage vom Discounter zu einem Klangwunder machen kann, sagen die anderen, dass es eben nicht auf das Kabel, sondern vielmehr auf die Komponenten der Anlage ankomme. Hochwertiger Klang sei also nur mit einem guten Verstärker und ausgezeichneten Boxen zu erzeugen, unabhängig davon, welche Audiokabel verwendet werden.

Es ist aber durchaus interessant, sich mit der Geschichte und den Eigenschaften von sauerstofffreiem Kupferkabel zu beschäftigen. Sie werden in der Regel mit goldenen Cinch-Steckern verlötet und haben, weil sie von Hand hergestellt werden, einen relativ hohen Preis.

Aufgaben von Audiokabeln

Die eigentliche Aufgabe der Audiokabel besteht darin, Klanginformationen von einem Verstärker an die Lautsprecher weiterzuleiten. Dazu werden in der Regel Kupferkabel verwendet. Wie bei jedem elektrischen Bauteil müssen hier auf dem Übertragungsweg Leistungsverluste hingenommen werden. Für einen optimalen Klang sollten diese Verluste so gering wie möglich sein.

Im Inneren des Kabels stellt sich dem Elektronenfluss ein Innenwiderstand entgegen. Dieser ist abhängig von

  • dem Material, aus dem das Kabel besteht,
  • dem Kabeldurchmesser,
  • der Kabeltemperatur.

Es ist also tatsächlich so, dass zweiadrige Kabel den übertragenen Klang beeinflussen können. Je größer der Innenwiderstand im Kabel ist, umso höher fällt auch der Leistungsverlust aus.

Folgt man dem Beispiel, dass hohe Innenwiderstände zu einem Verlust an Übertragungsleistung und damit zu einem schlechteren Klangerlebnis führen, muss man davon ausgehen, dass kurze und möglichst dicke Audiokabel hier klar von Vorteil sind. Hier kommen die sauerstofffreien Kupferkabel ins Spiel.

Kupferkabel für geringeren Leistungsverlust

Sauerstofffreien Kupferkabel setzen aufgrund ihrer besonderen Verarbeitungsweise sehr wenig Innenwiderstände frei. Bei einem sauerstofffreien Kupferkabel werden in Handarbeit alle ausgewählten Adern mit Baumwollfäden umwickelt. Diese Kabelstränge bekommen dann keinen Kunststoffmantel, wie es bei den normalen Audiokabeln der Fall ist, sondern werden mit Seite umhüllt. An beiden Enden sind sauerstofffreie Kupferkabel dann in der Regel mit goldenen Cinchsteckern fest verlötet. Preise von weit über 1.000 Euro pro Meter sind hier keine Seltenheit.

Inzwischen ist aber auch Meterware von sauerstofffreiem Kupferkabel mit einer Kunststoffummantelung erhältlich. Sie ist günstiger als die handgefertigten Kabel. Achten Sie beim Kauf auf die technische Spezifikation, für welche Ausgangswattleistung diese Kabel geeignet sind. Hier gibt es gelegentlich Begrenzungen bei etwa 150 Watt für die Lautsprecherboxen.

Skin-Effekt verringern

Als Argument für sauerstofffreie Kupferkabel führen Hi-Fi-Enthusiasten hier gerne den Skin-Effekt in normalen Audiokabeln an. Darunter versteht man, dass die Elektronen bei hohen Frequenzen nicht den gesamten Leitungsquerschnitt nutzen, sondern sich weitgehend an der Oberfläche des Kabels bewegen. Das sorgt in der Theorie für einen schlechteren Klang, weil sich der Innenwiderstand im Kabel extrem erhöht.

Berücksichtigen muss man allerdings, dass dieser Skin-Effekt bei nahezu jedem Leiter auftritt, unabhängig davon, aus welchem Material er hergestellt wurde. Ob sich dieser Effekt bei sauerstofffreien Kupferkabeln tatsächlich so verringert, dass er den Klang nicht beeinflussen kann, ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Es handelt sich dabei meist um die subjektive Wahrnehmung. Aufgrund der hohen Preise ist es aber eher nicht empfehlenswert, diese Kabel bei preiswerten Stereoanlagen einzusetzen. Wer für seine Hi-Fi-Anlage aber schon tief in die Tasche gegriffen hat, kann mithilfe der sauerstofffreien Kupferkabel die Übertragungsqualität unter Umständen positiv beeinflussen.

Niederfrequenzkabel

Neben den normalen Standardaudiokabeln sind Silberkabel, sauerstofffreie Kupferkabel und sogenannten Niederfrequenzkabel ein Begriff. Unbestreitbar nützlich sind auf jeden Fall die Niederfrequenzkabel. Sie sind mit einer oder zwei Abschirmungen zusätzlich isoliert. Wenn über das Kabel Signale zum Verstärker geschickt werden sollen, macht ein sogenanntes NF-Kabel viel Sinn. Während man normalerweise störende Frequenzen kaum heraushört, äußern sie sich über den Verstärker häufig als Brummen oder Rauschen.

Länge und Dicke von Audiokabeln

Nicht nur beim Material, auch bei den Angaben zu Länge und Dicke von Audiokabeln gibt es Vertreter unterschiedlicher Meinungen. Geht man wissenschaftlich vor, können Widerstände bei hausüblichen Kabellängen, aber auch die Induktivität und die Kapazität im Grunde vernachlässigt werden. Die übertragene Leistung bei einer Stereoanlage ist in der Regel nicht besonders hoch und Klangverluste durch die Kabel sind kaum wahrnehmbar. Bei einer normalen Stereoanlage, bei der Musik in Zimmerlautstärke aus den Lautsprechern kommen soll, genügt ein Kabel mit einem Durchmesser von 0,75 Quadratmillimetern auf einer Länge von etwa zehn Metern.
Richtig ist allerdings, dass sich die Übertragungsverluste abhängig von der Kabellänge immer deutlicher bemerkbar machen können. Wer über eine hochleistungsfähige Hi-Fi-Anlage verfügt, ist also gut beraten, wenn er mit kürzeren und dickeren Kabeln arbeitet. Sollen, wie es bei High-End-Systemen häufig der Fall ist, mehrere Hundert Watt bereitgestellt werden, sollte der Kabeldurchmesser bereits bei etwa sechs Quadratmillimetern liegen. Hier würde sich auch der Einsatz der teureren sauerstofffreien Kupferkabel lohnen, denn im High-End-Bereich spielen die zusätzlichen Kosten in der Regel nur eine untergeordnete Rolle.

Sauerstofffreie Kupferkabel mit goldenen Cinchsteckern verwenden

Eine Grundvoraussetzung für den perfekten Musikklang ist natürlich, dass hochwertige Boxen und ein erstklassiger Verstärker verwendet werden. Hier kommen dann die Steckverbindungen ins Spiel. Günstige Kabelklemmen haben oft den Nachteil, zu hohe Übergangswiderstände zu haben. Sie machen damit den Vorteil eines gut abgeschirmten und hochwertigen Audiokabels schnell wieder zunichte.

Vergoldete Cinchstecker sind hier eine sehr gute Wahl. An sauerstofffreien Kupferkabeln werden sie ohnehin ausschließlich verwendet. Die Schicht aus Gold auf den Steckern sorgt dafür, dass keine Korrosion entstehen kann. Außerdem stellt sie einen optimalen Kontakt zu den Boxen und zum Verstärker her.

Achtung: Die Goldschicht ist häufig nur wenige Mikrometer dick. Wenn Sie häufig den Standort der Anlage und der dazugehörenden Boxen verändern, nutzt sich diese hauchdünne Goldschicht durch das Ein- und Ausstöpseln der Stecker ab und verliert ihre Wirkung. Dadurch verschlechtert sich die Klangqualität mit der Zeit.

Tipp: Wenn Sie sauerstofffreie Kupferkabel mit goldenen Cinchsteckern verwenden möchten, sorgen Sie dafür, dass die Steckverbindungen möglichst nicht wieder gelöst werden müssen. Planen Sie also die Standorte von Anlage und Lautsprechern optimal voraus.

Achtung: Kombinieren Sie auf gar keinen Fall goldene Cinchstecker mit den üblichen vernickelten Kabelklemmen. Dadurch können sogenannte Kontaktkorrosionen entstehen, die immer dann auftreten, wenn ein unedles auf ein edles Metall triff.

Bezeichnung OFC

Wenn ein Kabel die Bezeichnung OFC trägt, bedeutet das, es ist weitestgehend vom Sauerstoff befreit worden. Während reines Kupfer einen Kupferanteil von etwa 99 Prozent hat, liegt der Reinheitsgehalt von sauerstofffreiem Kupfer bei 99,99 Prozent. Wenn Kabel mechanisch hoch beansprucht werden, ist sauerstofffreies Kupfer das geeignete Material. Das ist zum Beispiel in der Bühnentechnik der Fall, weil hier damit gerechnet werden muss, dass immer mal wieder jemand auf die Kabel tritt.

Vorteile sauerstoffhaltiger Kupferkabel

Warum es so wichtig sein kann, dass das Kupfer keinen Sauerstoff enthält, liegt auf der Hand. Sauerstoff sorgt dafür, dass die Kupferdrähte oxidieren können. Daraus entsteht Kupferoxid. Aus Kupferoxid werden zum Beispiel Halbleiter hergestellt, die unter anderem Wechselstrom in Gleichstrom umwandeln. Besteht ein Audiokabel aus sauerstoffhaltigem Kupfer, können sich mit der Zeit automatisch solche Halbleiter bilden, die einen negativen Einfluss auf die Übertragungsqualität haben können.

Ein weiterer großer Vorteil sauerstofffreier Kupferkabel ist die Tatsache, dass sie deutlich höher belastbar sind als Kupfer mit Sauerstoffanteilen. Wenn die Audiokabel frei verlegt sind und mechanischen Belastungen ausgesetzt werden, sind OFC-Kabel eine gute Alternative. Außerdem sind sie auch deutlich länger haltbar, sodass sich besonders bei teuren Anlagen die Investition durchaus lohnen kann.

Hochwertige Kopfhörer mit sauerstofffreien Kupferkabeln

Ganz besonders die In-Ear-Kopfhörer von MP3-Playern oder Handys lassen hinsichtlich der Klangqualität häufig zu wünschen übrig. Viele Besitzer solcher Geräte überlegen deshalb, ob sie hochwertigere Kopfhörer anschaffen sollten.

Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Herstellern, die auch bei den Kopfhörerkabeln auf sauerstofffreie Kupferkabel setzen. Besonders hochwertige Modelle verfügen darüber hinaus über vergoldete Cinchstecker, die eine bessere Verbindung zwischen Abspielgerät und Kopfhörer gewährleisten sollen.

Da sauerstofffreie Kupferkabel eine wesentlich höhere mechanische Belastbarkeit aufweisen, erscheint es sehr sinnvoll, beim Kopfhörerkauf darauf zu achten, dass dieses Material verwendet wurde. Erfreulich ist, dass solche Kopfhörer nicht wesentlich teurer sind, als die herkömmlichen, bei denen auf die OFC-Qualität verzichtet wurde.

Vorteile bei der Klangqualität

Die Meinungen darüber, ob sauerstofffreie Kupferkabel tatsächlich messbare Vorteile bei der Klangqualität haben, gehen sehr deutlich auseinander. Es gibt allerdings Vorteile, die unbestreitbar sind:

  • Sauerstofffreie Kupferkabel haben eine höhere mechanische Belastbarkeit.
  • Sauerstofffreie Kupferkabel halten länger als Kabel, die aus Kupfer mit Sauerstoffanteil hergestellt worden sind.

Für die reine Klangqualität scheinen andere Kriterien wesentlich wichtiger zu sein als das verwendete Material. Hier kommt es zum Beispiel auf den Querschnitt des verwendeten Kabels an. Ein kleines Beispiel soll das verdeutlichen:

  • Von einer Audio-Endstufe mit 1.000 Watt, die mit einem 20 Meter langen Lausprecherkabel und einem Querschnitt von 0,85 Quadratmillimetern an eine 8-Ohm-Box angeschlossen wird, kommen nur noch 895 Watt Leistung bei der Box an.
  • Vergrößert man den Leitungsquerschnitt auf vier Quadratmillimeter, beträgt der Leistungsverlust nur noch 20 Watt. 980 von 1.000 Watt werden über die Boxen herausgegeben.

Was Sie sonst noch für einen guten Klang beachten sollen

Ob Sie sich für oder gegen sauerstofffreie Kupferkabel entscheiden, sollten Sie auch von der Qualität und dem Einsatz Ihrer Anlage abhängig machen. Weniger leistungsfähige Boxen erhalten nämlich keinen besseren Klang, wenn man die oft teureren sauerstofffreien Kupferkabel verwendet. Wenn Sie allerdings über ein High-End-System verfügen oder sogar über eine bühnentechnische Anlage, kann die Verwendung von sauerstofffreien Kupferkabeln sich durchaus als vorteilhaft erweisen.

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