Was ist das Besondere an Jagdschmuck?

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Was ist das Besondere an Jagdschmuck?

Jagdschmuck als uraltes Brauchtum

Schon vor mehr als 40000 Jahren stellten die Menschen und deren Verwandte, die Neandertaler, Schmuck her. Sie verwendeten für die Anhänger, Ringe und Spangen Elfenbein und die Zähne der Jagdbeute. Die Zähne wurden dabei an der Wurzel durchbohrt oder eingeritzt und am Körper oder an der Kleidung befestigt. Auch Jagdtrophäen werden seit ewigen Zeiten bestaunt. Alle Körperteile der Tiere außer dem Fleisch werden dabei verarbeitet, zum Beispiel Geweihe, Hörner, Federn, Fell, Krallen, Zähne und Pfoten. Heute versteht man unter Jagdschmuck nichts anderes als zu dieser Zeit, er besteht nämlich noch immer hauptsächlich aus Zähnen, Fellbüscheln und Federn. Auch sollte etwas von der Kraft und dem Geist des Tieres auf den Jäger übergehen. Während früher die Jagd ein Privileg des Adels war und Wildbret und Fell dem Lebensunterhalt dienten, sind diese Faktoren heutzutage nicht mehr wichtig.

Tradition, die überdauert hat

Allerdings hat sich an den Traditionen seit dieser Zeit wenig verändert, so zum Beispiel der Brauch, sich mit Körperteilen des erlegten Wildes als Zeichen des Sieges zu schmücken. So finden Sie nach wie vor die traditionellen Charivari-Ketten für die Lederhose und Rockstecker für das Dirndl. Der Jagdschmuck und die Trophäen gelten nach wie vor als Statussymbole, wobei es allerdings üblich ist, dass ein Jäger nur Trophäen von selbst erlegtem Wild aufbewahrt. Eine Trophäe, die nicht selbst geschossen worden ist, gilt unter Jägern als beschämend und wertlos. Sogar ein Sprichwort weist darauf hin, nämlich "Schmücke Dich nicht mit fremden Federn!".

Die Materialien des Jagdschmucks

Traditionellerweise wird der Jagdschmuck aus Silber oder silberfarbenen Metallen hergestellt, Sie finden aber auch einige goldene oder emaillierte Schmuckstücke darunter. Eines der auffälligsten Materialien des Jagdschmucks sind die Grandln.

Schmuck, der Zähne zeigt

Als Grandl wird der Eckzahn von Wiederkäuern bezeichnet, wobei die meisten Wiederkäuer allerdings, statt der Schneidezähne und des Eckzahns, eine Dentalplatte aufweisen. Der Rothirsch hingegen, neben einigen anderen Hirscharten, besitzt Grandln. Schon seit dem Paläolithikum werden die Eckzähne als Schmuck verwendet. Ebenfalls eine sehr lange Verwendung als Jagdtrophäe weisen die Eckzähne des Fuchses auf. Dabei soll die sprichwörtliche Schläue des Fuchses auf den Träger übergehen. Des Weiteren werden die Gebisse von marderartigen Tieren zu Schmuck verarbeitet oder auch die starken, länglichen Nagezähne des Murmeltieres. Dabei zählen die Mankeizähne, wie sie von Einheimischen genannt werden, als Jagdtrophäe. Natürlich werden die Murmeltiere nicht ausschließlich wegen dieser begehrten Trophäe gejagt, es gibt zudem einige hervorragende Kochrezepte, um sie köstlich zuzubereiten.

Beim Jagdschmuck werden auch die Hauer von Wildschweinen verarbeitet. Besonders beliebt sind dabei die unteren Eckzähne der männlichen Tiere, die eine Länge von bis zu 30 Zentimetern erreichen können. Die oberen Eckzähne des Keilers werden in der Jägersprache als Haderer bezeichnet, die unteren als Hauer und die weniger gekrümmten Eckzähne der Bache als Haken. Falls man von allen Eckzähnen zusammen spricht, verwendet man den Begriff Gewaff.

Krallen, Federn und Fell zur Zierde

Als Gewaff werden in der Jägersprache allerdings ebenso die Krallen von Greifvögeln bezeichnet, die in Silber gefasst als Schmuck getragen werden, zum Beispiel die Krallen des Auerhahns. Auch die Federn werden oft zu Anhängern oder Ansteckern verarbeitet und können in einer großen Auswahl entdeckt werden. Zudem finden Sie Fellstücke der verschiedensten Tiere oder ganze Körperteile, wie zum Beispiel Hasenpfoten, als Schmuck. Ein weiteres Material des Jagdschmucks, das gerne verwendet wird, sind die Geweihe und Hörner der Tiere, so zum Beispiel das Krickerl (Geweih) des Rehbocks. Dabei werden die Rehkrickerl oder Gamskrickerl (Gämsengehörn) am offenen Ende mit Silber eingefasst und mit einer Öse versehen. Des Weiteren werden sogenannte Kümmerer – d.h. verkümmerte Reh- oder Hirschgeweihe – zu Schmuck verarbeitet.

Der Gamsbart und anderer Hutschmuck

Eine Besonderheit beim Jagdschmuck stellt der Gamsbart dar. Dieses Pinsel-ähnliche Gebilde gehört zur Tracht und wird in Teilen Österreichs und Altbayerns am Hut getragen. Ein Gamsbart wird aus den Rückenhaaren von geschlechtsreifen Gamsböcken gefertigt. Er wird fächerartig oder büschelförmig gebunden und stammt überwiegend von Tieren, die im Spätherbst erlegt wurden. Bei echtem Gamshaar sind die hellen Spitzen, der sogenannte Reif, nur wenige Millimeter lang. Da das Binden der Gamsbärte eine komplizierte Angelegenheit ist, sind diese auch dementsprechend kostspielig. Neben den Haaren der Gams werden zudem die Haare von anderen Tieren, beispielsweise vom Hirsch, verarbeitet. Bei den Hirschhaaren kann der Reif bis zu zwei Zentimeter lang sein. Ein Hirschbart ist zwar seltener als ein Gamsbart, aber trotzdem ist er günstiger. In anderen Regionen können auch die Haare von Dachsen oder Wildsauen verarbeitet werden. Obwohl es professionelle Gamsbartbinder gibt, betreiben diese Kunst auch einige Jäger. Für einen Gamsbart werden dabei die Haare von bis zu zehn Gämsen verarbeitet und es werden zudem jährliche Vergleichswettbewerbe zwischen den Wildbartbindern ausgetragen.

Ein echter Trachtenhut kann mit in Silber gefassten Trophäen oder mit getrockneten oder geschnitzten Edelweißblüten geschmückt werden. Zudem werden auch die Flaumfedern von Greifvögeln verwendet, wobei diese in kunstvoll verzierten Halterungen stecken. Mancherorts sieht man die Ständer von Bussarden oder Habichten, die oftmals einen Stein in den Krallen tragen.

Charivariketten und Rockstecker

Das Charivari (gesprochen "Schariwari") ist eine Schmuckkette, an der allerlei mehr oder weniger kleine Anhänger angebracht sind. Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "Durcheinander" oder "Verrücktheit". Die Kette ist zumeist aus massivem Silber und wird in Süddeutschland, in der Schweiz und in Österreich zur Tracht getragen. Dabei wird das Charivari am Hosentürl (Latz) der Trachtenlederhose befestigt. Es diente früher als Schmuck, Zurschaustellung des Wohlstandes oder Talisman für die Jagd. An einem Charivari kann man zudem den gesellschaftlichen Stand des Trägers ablesen. Besonders wenn viele Silbermünzen am Charivari hängen, ließ sich früher auf den Wohlstand des Bauern oder des "Stoderer" (Stadtmenschen) schließen, denn die Silbermünzen dienten als Geldreserve für schlechte Zeiten. Falls der Platz am Charivari nicht für das Sammelsurium an Anhängern und Glücksbringern ausreichte, wurde eine zweite oder dritte Kette getragen. Man kann die Anhänger aber auch bündelweise befestigen, um so Platz zu sparen. Ein Charivari für Männer ist ungefähr 35 cm lang und hat mindestens fünf Anhänger, aber auf jeden Fall eine ungerade Anzahl, denn eine gerade Anzahl von Anhängern bringt Unglück.

Was ist eigentlich eine Chateleine?

Charivaris werden auch von Frauen zur Tracht getragen, wobei die Ketten filigraner ausfallen als bei den Männern. Oft werden auch nur Rockstecker verwendet, die an der Schürze befestigt werden. Frauen schmücken zudem das Dirndlmieder mit Münzanhängern. Wenn es sich um einen einzelnen Anhänger handelt, spricht man auch von einer Chatelaine. Eine Chatelaine war im 16. Jahrhundert ein Gürtel, an dem Frauen ihren Geldbeutel, Schlüssel und andere wichtige Gegenstände befestigten. Im 18. Jahrhundert war die Chatelaine nicht mehr ein Gürtel, sondern ein Anhänger, der am Bund befestigt wurde. An dieser Kette konnte man mittels Karabinerhaken allerlei Gegenstände befestigen. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich daraus ein Anhänger für Taschenuhren, aber die Herren befestigten daran auch andere Gegenstände, wie den Uhrenschlüssel – zum Aufziehen einer mechanischen Uhr – oder eine Petschaft – ein Stempel für Siegelringe. Heute können Sie alle Dinge, die Ihnen am Herzen liegen und eine persönliche Bedeutung haben, an einem Charivari befestigen, denn sie dient nicht mehr ausschließlich zum Protzen und zur Aufbewahrung von Notgroschen. Ein netter Brauch ist es, als Firmpate zur Firmung eine leere Charivarikette zu schenken und von den Gästen der Feier die Anhänger dazu schenken zu lassen. 

Die Symbolik des Jagdschmucks

Da die Tradition des Jagdschmucks auf sehr viele Jahre zurückgeht, hat sich ein bestimmter Symbolgehalt für die einzelnen Gegenstände und Schmuckstücke etabliert. Vor dem 19. Jahrhundert war das Tragen von Jagdschmuck ein Privileg von Jägern. Da aber im 19. Jahrhundert der Dresscode gelockert wurde, kam es zur Entstehung von regionalen Trachten und Schmuckstücken. Weil man sich vor Krankheiten und Unglücksfällen nicht anders zu schützen wusste, als durch die Verwendung von Glücksbringern, religiösen und magischen Symbolen, kam mit dem Wohlstand die Sitte auf, die Glücksbringer an dem Charivari oder an anderen Schmuckstücken zu tragen. Dabei wurden gerne verschiedene Symbole und unterschiedliche Materialien kombiniert, frei nach dem Motto "viel hilft viel".

Edelsteine zum Schutz

Edelsteine sollten gegen die böse Fantasie helfen, zur Diagnose der Epilepsie beitragen sowie Betrug und Zauberei abwehren. Auch sollten Edelsteine wie der Bernstein beim Zahnen der Kinder helfen, für einen klaren Geist sorgen (Bergkristall) oder bei der Partnersuche helfen (Granat). Gegen die Furcht hilft der Karneol, der Chalzedon soll die Schwermut vertreiben, während der Rubin das Selbstbewusstsein stärken soll. Alle Steine mit einem natürlich entstandenen Loch, auch Drudenstein genannt, schützen, indem sich die Drude darin verfängt.

Trophäen & Co

Auch Trophäen werden gerne als Jagdschmuck verwendet. Trophäen eines Dachses sollten wegen des starken Geruchs die Pest und andere Seuchen abhalten, während Teile vom Fuchs oder Nachbildungen die List des Fuchses übertragen sollen. Die Gams hingegen soll Jagdglück bringen und ein fossiler Haizahn Gift in Nahrungsmitteln anzeigen können. Ein Sauzahn soll ebenso jagdliches Glück verheißen. Hirschgrandl sollen die Stärke und den Mut des Tieres auf den Träger übertragen, während die Hirschklaue vor Epilepsie schützen soll. Da man als Jäger ein besonders scharfes Auge haben muss, um einen Kümmerer – ein fehlerhaftes Geweih oder Horn – zu entdecken, soll auch dieser Jagdglück bringen. Neben den Trophäen werden darüber hinaus Bilder von Schutzheiligen und Namenspatronen getragen, so zum Beispiel ein Bild vom Jagdpatron Hubertus. Die Neidfeige schützt vor dem bösen Blick und wenn sie als Geschenk angenommen wird, kann der Schenker das Fensterln riskieren.

Vorsicht vor Wilderern

Jagdschmuck gibt es aber nicht nur aus dem alpenländischen Raum, sondern ist auf der ganzen Welt verbreitet.  Falls Sie sich dazu entscheiden, Jagdschmuck aus Knochen, Geweihen, Zähnen oder sonstigen tierischen Bestandteilen zu kaufen, sollten Sie darauf achten, dass die CITES-Bescheinigung vorhanden ist und mitgesendet wird. Mit dieser Bescheinigung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens wird sichergestellt, dass Sie nicht versehentlich verbotene Schmuckstücke von geschützten Wildtieren erwerben.

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