Was ist beim Erwerb einer Parabolantenne zu beachten?

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Was ist beim Erwerb einer Parabolantenne zu beachten?

Eine Parabolantenne, im Volksmund auch oft Satellitenschüssel genannt, dient dem Empfang von über Satellit ausgestrahlten Rundfunkprogrammen (TV und Audio). Sie kann auch zur Nutzung anderer satellitengestützter Services dienen, etwa dem Internetzugang über Satellit. In der Regel wird sie zum Empfang von Free-TV-Sendern genutzt, aber mit geeigneten Receivern und bei Abschluss entsprechender Verträge ist auch der Empfang kostenpflichtiger Kanäle (Pay-TV) möglich.

Das Angebot an Kanälen ist durchaus vielfältig, deshalb ist das Satellitenfernsehen eine beliebte Alternative zum kostenpflichtigen Angebot des Kabelfernsehens, denn nach den Anschaffungskosten für die Satellitenanlage fallen keine weiteren Kosten mehr an.

Was man bei der Außenanbringung berücksichtigen sollte

Für Hauseigentümer ist die Entscheidung oft einfach: Solange sie nicht durch Denkmalschutzauflagen reglementiert sind, steht es ihnen frei, eine Parabolantenne an ihrer Fassade oder auf dem Dach zu installieren. Mieter sind dagegen auf die Erlaubnis ihres Vermieters angewiesen, wenn sie eine Satellitenantenne anbringen wollen. Ausnahmen bestehen nur für Personen, die nachweislich ein besonderes Interesse an zusätzlichen Sendern haben, die auch über die Verwendung zusätzlicher Angebote wie Pay-TV nicht empfangen werden können. Zutreffen kann diese Regelung auf Journalisten oder Ausländer.

Auch Wohnungseigentümer haben oft nicht die Freiheit, über die Anbringung einer Parabolantenne zu entscheiden. Bei Mehrparteienhäusern ist die Eigentümergemeinschaft oft an einem einheitlichen äußeren Erscheinungsbild der Wohnanlage interessiert, was die Anbringung individueller Satellitenantennen ausschließt. Deswegen muss man aber trotzdem nicht auf Satellitenfernsehen verzichten, vorausgesetzt, die Eigentümer können sich auf die gemeinsame Installation und Nutzung einer leistungsfähigen Mehrparteienlösung einigen. So benötigt man nur eine Satellitenantenne und kann alle Parteien mit Satellitenempfang ausstatten.

Funktionsweise der Parabolantenne

Rundfunksatelliten wie ASTRA oder EUTELSAT strahlen ihre Programme über Frequenzen im Mikrowellenbereich aus. Wenn man die Ausleuchtungszone der Satelliten auf der Erdoberfläche betrachtet, also den Bereich, in dem die Satellitenprogramme empfangbar sind, wird schnell klar, dass das vom Satelliten ausgestrahlte Signal am Erdboden nur noch sehr schwach sein kann. Man spricht auch von einer geringen Signalleistungsdichte. Um trotzdem einen Empfang zu ermöglichen, muss das Signal wieder gebündelt werden.

Parabolspiegel

Um die Mikrowellenstrahlung der Satelliten von dem Hintergrundrauschen trennen zu können, wird das Signal durch den schüsselförmigen Parabolspiegel gebündelt und im Brennpunkt gesammelt. Dort wird das gebündelte Signal vom LNB (Low Noise Block Converter) aufgefangen. Um einen guten Empfang zu ermöglichen, muss sich das Signal deutlich vom thermischen Grundrauschen der kosmischen Hintergrundstrahlung abheben. Bei einer ungenau ausgerichteten Antenne ist das nicht der Fall. Ebenso kann Regen oder Schneefall den Empfang beeinträchtigen.

Gebräuchliche Antennen-Größen für den Privatgebrauch liegen zwischen 60 und 120 cm Spiegeldurchmesser. Die Fläche und damit auch die Empfangsleistung wächst quadratisch zum Durchmesser der Antenne. So hat eine Antenne mit 85 cm Durchmesser schon etwa die doppelte Oberfläche einer 60-cm-Antenne. Eine größere Antenne bietet jedoch auch eine größere Angriffsfläche für die Witterung. Dementsprechend stabil sollte die Antenne und auch deren Befestigung sein, damit sie nicht Opfer des ersten Herbststurms wird.

Sehr hilfreich beim Ausrichten der Antenne sind sogenannte Sat-Finder. Sie können an den LNB angeschlossen werden und zeigen die augenblickliche Signalstärke an. Hat man die Ausrichtung mit der größten Signalstärke gefunden, kann die Antenne fixiert werden. So lässt sich die Antenne auch problemlos allein installieren.

Offset-Antennen

Bei den meisten heute verwendeten Satellitenantennen handelt es sich um Offset-Antennen. Sie sind, im Gegensatz zu herkömmlichen Parabolantennen, nicht direkt auf den Satelliten gerichtet, sondern etwas im Winkel versetzt. Das Satellitensignal trifft den Spiegel also nicht frontal, sondern schräg von oben. Der Arm mit dem LNB muss um den gleichen Winkel in die entgegengesetzte Richtung geneigt sein, um den LNB trotzdem im Brennpunkt des Parabol-Spiegels zu positionieren. Die Form des Spiegels ist auch nicht kreisrund, sondern eher oval. Die Offset-Antenne hat mehrere Vorteile. Zum einen befindet sich der LNB nicht mehr im Sichtfeld des Parabol-Spiegels. Bei symmetrischen Antennen befindet sich der LNB in einer zentralen Position und verdeckt einen Teil des Signals, er schwächt das System also selbst. Das ist bei der Offset-Konstruktion nicht mehr so. Andererseits ist die Schüssel in einer vertikalen Position, wodurch sich nicht mehr so viel Schmutz oder Schnee in ihr sammelt, was den Empfang beeinträchtigen könnte. Durch die aufrechte Position wird im Übrigen auch die Wandmontage erleichtert.

Material von Parabolantennen

Parabolantennen bestehen meist aus beschichtetem bzw. lackiertem Stahl oder Aluminium. Die Lackierung kann in jeder beliebigen Farbe erfolgen, sie hat keinen Einfluss auf die Empfangsqualität. Sie sollte allerdings matt sein, da sich sonst das Sonnenlicht genau im LNB bündelt, wenn die Sonne hinter dem Satelliten steht. Klebefolien und Kunstharzlacke sollten vermieden werden, da sie eine zusätzliche Dämpfung des Signals bedeuten.

Antennen aus Kunststoff sind etwas kostspieliger. Sie enthalten ein Metallgitter, durch das die Satellitensignale reflektiert werden. Auch der Kunststoff kann jede Farbe haben oder gar durchsichtig sein.

Drahtgitterantennen bieten dem Wind durch ihre Konstruktionsweise nur sehr geringen Widerstand. Bei Lackschäden sind diese Antennen allerdings recht anfällig gegen Rost.

Eine Antenne, mehrere Satelliten

Viele Menschen glauben, sie müssten sich bei der Installation für einen Satelliten entscheiden wie für eine Religion. Im deutschen Normalhaushalt wird wohl am häufigsten ASTRA anvisiert, in türkischen Familien ist es stattdessen vielleicht EUTELSAT. Und es gibt nicht nur diese zwei Satelliten. Und sie lassen sich alle mit nur einer Antenne anvisieren.

Mit einem Multifeedhalter lassen sich problemlos zwei, drei oder noch mehr LNBs an einer Parabolantenne montieren. Die LNBs sitzen dabei nebeneinander auf einer Schiene wie Vögel auf dem Telegrafenmast, denn die verschiedenen geostationären Satelliten reihen sich am Himmelsäquator wie an einer Schnur gespannt aneinander. Sind die LNBs im richtigen Winkel angebracht, ist mit allen ein guter Empfang möglich. Im Menü des Satellitenreceivers lässt sich dann auswählen, welcher der verfügbaren Satelliten genutzt werden soll.

Statt eines Multifeedhalters kann man auch eine drehbare Antenne installieren. Der Antennenmast wird mit einem Motor und einer Polarmount-Halterung versehen. So ausgerüstet, kann die Antenne den Himmelsäquator abfahren und auf den gewünschten Satelliten eingestellt werden. In Mitteleuropa lassen sich mit einer drehbaren Antenne etwa 30 Satelliten abrufen. Theoretisch wäre damit der Empfang von ca. 6000 Programmen zu realisieren. Diese Variante ist natürlich nur für eine Einparteien-Situation praktikabel, da natürlich der Empfang abbrechen würde, wenn die jeweils andere Partei die Antenne anders ausrichtet.

Die Steueranweisungen sowohl für Multifeed als auch für Drehantennen werden über DiSEqC-Befehle übermittelt.

Eine Parabolantenne, mehrere Nutzer

Als das Satellitenfernsehen noch in den Kinderschuhen steckte, waren Single-LNBs noch vollkommen normal. Eine Satellitenschüssel, ein LNB, ein Receiver - damit war es aber beispielsweise nicht möglich, gleichzeitig TV zu sehen und eine andere Sendung auf Video aufzuzeichnen, denn dafür benötigte man zwei Receiver.

Heutzutage werden Single-LNBs kaum noch verkauft. Das Minimum sind Twin-LNBs, an die man zwei Receiver anschließen kann. Damit ließe sich die eben beschriebene Situation bereinigen. Noch sinnvoller wäre aber ein Quattro-LNB: hier lassen sich 4 Receiver anschließen, für die durchschnittliche Familie wäre das wahrscheinlich ausreichend.

Klassisch wird ein Satellitensystem sternförmig angelegt: vom Quattro-LNB führen vier Koaxial-Kabel zu den einzelnen Receivern. Mit einem Multischalter lässt sich das System noch aufpeppen. Die vier Kabel vom LNB und eventuell andere Antennensignale (DVB-T, UKW) werden in den Multischalter eingespeist, und je nach Modell können bis zu acht Receiver an den Multischalter angeschlossen werden. Auch hier erfolgt der Aufbau wieder sternförmig, wobei der Multischalter das Zentrum ist.

Eine Alternative bietet das Unicable-System. Hier erfolgt die Verteilung nicht sternförmig, sondern alle Receiver können an eine Leitung angeschlossen werden. Die Antennendosen werden in Reihe geschaltet (Durchgangsdosen). Mit speziellen Weichen lassen sich auch Abzweigungen legen. Maximal können bis zu acht Receiver an die Unicable-Leitung angeschlossen werden. Dieses System eignet sich besonders für Umsteiger vom Kabelfernsehen, da die Verkabelung oft ohne große Änderungen weitergenutzt werden kann. Allerdings können nur für das Unicable taugliche Receiver das Signal verarbeiten. Aktuelle TV-Geräte haben oft einen kompatiblen Receiver verbaut, bei älteren Geräten ist das meist nicht der Fall.

Unsichtbare Parabolantennen

Satellitenschüsseln sind vielen Menschen ein Dorn im Auge. Parabolantennen müssen aber nicht zwangsläufig ein Gebäude oder Grundstück "verschandeln". Es gibt auch dezente Möglichkeiten, eine Satellitenantenne zu installieren bzw. zu verstecken. Normale Parabolantennen lassen sich beispielsweise unter einem Plastiktisch auf dem Balkon oder gar in einer leeren Regentonne im Garten verstecken. Der Kunststoff lässt die Mikrowellen passieren und ermöglicht einen uneingeschränkten Programmempfang. Es gibt auch Sonderbauformen wie z. B. einen Stuhl, dessen Rückenlehne eine Satellitenantenne ist. Flachantennen sind eine weitere dezente Variante von Satellitenantennen.

So finden Sie eine Parabolantenne

Achten Sie darauf, dass der Parabolspiegel groß genug für Ihre Zwecke ist. Eine 60-cm-Antenne mag sehr preiswert erscheinen, erreicht aber auch schnell ihre Grenzen. Besonders beim Einsatz von Multifeed-Haltern sollte die Antenne eine Nummer größer sein.

Viele Satellitenschüsseln sind ab Werk mit einem billigen LNB ausgestattet - in der Regel ein einfacher Single- oder Twin-LNB. Sollte dieser für Ihre Zwecke reichen, ist alles gut, aber meistens empfiehlt sich der zusätzliche Kauf eines leistungsfähigeren LNB.

Fazit

Wem DVB-T nicht genug Auswahl bietet und Kabelfernsehen (DVB-C) zu teuer ist, für den ist Satellitenfernsehen (DVB-S) wahrscheinlich genau das Richtige. Preiswert in der Anschaffung und keine Folgekosten, die Parabolantenne bietet viel Fernsehen für wenig Geld. Für ausländische Mitbürger ist Satellitenprogramm außerdem eine bequeme Methode, Programme aus der Heimat verfolgen zu können. Die Auswahl an Satelliten ist groß, da findet sich für jeden Geschmack das richtige Programm.

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