Warum funktionieren eigentlich Verleumdungen so gut?

Aufrufe 4 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Treibt man ein Tier in die Enge, beißt es in seiner Not wild um sich.
Menschen verhalten sich - das weiß man seit Darwin und Freud - in solchen Situationen wie Tiere.

Was macht man, wenn man sich in seinen Lügen verfangen hat und das Ganze auffliegt?

Klar: man streut Gerüchte!

Die wirken immer.
So haben Christen - schon im Mittelalter - das Märchen von den Juden erfunden, die die Brunnen vergiften. Oder die Verleumdung, dass Juden Kinder schlachten würden und das Blut in Mazzen backen würden. Was sogar trotz seiner Absurdität (Blut zu essen ist streng verboten für Juden) geglaubt wurde.

Das Prinzip wird auch heute noch gern angewandt, bevorzugt von "Christen".
Und der Verleumdete hat keine Chance, sich dagegen zu wehren.


Aber warum funktioniert das so perfekt?

Gerüchte liebt man ( sofern man nicht das Opfer ist),
  • weil sie neben der (völlig unautorisiert, also "verbotenen") verbreiteten Nachricht die Neugierde ansprechen...  

  • und somit einen hohen Unterhaltungswert besitzen (siehe "yellow press"!)...  

  • und weil ihnen ein höherer Wert zugemessen wird als anderen Informationen (Nachrichten, Börsenkurse, Liebeserklärungen)...

sonst würde man sich nicht mit ihnen beschäftigen. Ohne Gerüchte wäre unser Leben - seien wir ehrlich - ärmer. Sie begleiten unseren Alltag und werden als Klatsch und Tratsch auch lustvoll weitererzählt... - und (fast) jeder macht sich gern zum Mittäter.



Das "Drama-Dreieck"

Auslöser / Initiator:
  • Der Urheber bleibt in der Regel anonym, hat aber ein persönliches Interesse daran, eine bestimmte Information öffentlich zu machen = der TÄTER

Publikum:

  • Greift das Gerücht auf und erzählt es "verschwörerisch", oft lustvoll, weiter = der Mit-TÄTER

Betroffener:

  • Wird in der Regel davon überrascht, reagiert oft verärgert und ungehalten und bringt sich hierdurch noch stärker in die Bredouille und in Erklärungsnot = das OPFER

Also... - wenn es uns selbst betrifft: was tun wir dann?


Gerüchte - wie geht man damit um?

Vorweg schon mal ein ganz dringender Rat:

Niemals (im Sinne von NIEMALS, also wirklich "nie"!!!) darf man den Fehler machen, ein Gerücht zu dementieren.

Denn wenn man das tut, hat man immer schon verloren.
Denn ein Dementi ist keine "Nachricht".
Wer sich verteidigt, klagt sich an.

(Bitte ausschneiden und übers Bett, über den Spiegel oder über den Monitor hängen!!!)

"Ein Dementi ist keine zugkräftige Nachricht.

Darauf hatte man schon gewartet"

Jean-Noel Kapferer  in "Gerüchte. Das älteste Massenmedium der Welt" (1996, S. 286)

Von dem Maler A. Paul Weber gibt es das bekannte Bild "Das Gerücht". Hier ist künstlerisch umgesetzt, wie Gerede, Geraune, Geflüster ein Eigenleben bekommt, das nicht mehr zu kontrollieren ist.



A. Paul Weber, Das Gerücht (lizenzfrei, WIKIPEDIA)

Auch philosophisch und in den religiösen Traditionen hat man sich immer auch mit diesem Phänomen beschäftigt, so heißt es ja nicht umsonst in der jüdischen Torah, den "Fünf Büchern Mose" bekanntlich: "Du sollst kein falsches Zeugnis reden gegen Deinen Nächsten!" Christen dürfte das bekannt sein, da sie den Dekalog übernommen und auch für sich verbindlich gemacht haben.

Aber wenn man trotzdem Falsches über jemanden verbreiten will, bietet sich natürlich allerbestens die rhetorische Technik des Damokles-Schwert an. Das ist das Ding, das an einem seidenen Faden über jemandem hängt und jeden Augenblick herunterfallen kann oder könnte oder wird.

Rhetorisch geht das so (in einer Gesprächs- oder Diskussionsrunde): "Herr Mueller-Lüdenscheid, ich habe niemals behauptet, daß Sie ein Idiot sind, das wäre mir niemals in den Sinn gekommen, Sie als schwachsinnig zu bezeichnen, nur weil Sie so fragwürdige Ansichten hier verbreiten..."  - usw. usf.

Beim Zuhörer bleibt hängen: "Müller-Lüdenscheid", "Idiot", "schwachsinnig", "fragwürdig"...  -

Daher: kein Dementi!


Viel lustiger ist es, paradox (unerwartet) zu reagieren. Zum Beispiel dadurch, daß man das Gerücht ständig thematisiert und scheinbar bestätigt. Ich hatte mal einige Zeit öfters berufliche Projekte mit einem Kollegen abzuwickeln, mit dem ich mich ganz gut verstand; bald kursierte das Gerücht, wir beide seien schwul. Okay, wir traten immer im Doppelpack auf und waren ganz offensichtlich sehr harmonisch. - Aber schwul? - Sorry, falsche Baustelle. Ich habe mit der sexuellen Orientierung anderer Menschen grundsätzlich kein Problem, wenn ich diesen Bereich ohnehin nicht mit ihnen teile. Außer natürlich, sie wären im strafrechtlich relevanten Bereich. Aber, tut mir leid, ich bin tatsächlich nicht schwul. - Mein Kollege und ich haben damals den Stier bei den Hörnern gepackt und das Thema überall so oft und so lange auf den Tisch gepackt, bis es keiner mehr hören konnte. So eine Art Immunisierung also. Hat bestens funktioniert. Das Gerücht war bald vom Tisch. Es wäre jedem peinlich gewesen, damit anzufangen, weil WIR das Thema beherrscht haben.

Fazit: den Opfer-Status aufgeben!

"Paradoxe Intervention" heßt das Stichwort!


Hierzu ein altes Samurai-Sprichwort: "Wenn Du sie nicht überzeugen kannst, verwirr sie".
Spielt in der japanischen Management-Lehre heute noch eine gewaltige Rolle.

Außerdem immer dran denken: der schlimmste Feind des Gerüchts ist die Zeit! Irgendwann läuft es sich nämlich tot, und der, der es am Leben erhalten will, macht sich nur noch lächerlich damit.



Mit der Zeit verflacht das Interesse am Gerücht...


Warum kein Dementi?

Warum nicht "erklären" oder gar "rechtfertigen"?

Warum bleiben sprachliche Informationen "hängen", auch wenn sie verneint (dementiert) werden?
Das ist ein hirnphysiologisches und psychisches Phänomen.

Unser Gehirn kann nur positive Begriffe verarbeiten und positive Bilder erzeugen.
Wenn man zu jemandem sagt:

"Stell Dir bitte einmal  N I C H T  vor, wie gerade ein grünes Krokodil aus dem Wasser klettert!!!"


stellt sich derjenige ein grünes Krokodil vor, obwohl er es doch nicht sollte.


Also: immer dran denken:

wenn man Opfer eines Gerüchts wird oder eines Mobbers, der einen mit Gerüchten kleinkriegen will:
  • Dementi wird als Bestätigung verstanden!

  • Verwirr sie, wenn Du sie nicht überzeugen kannst!

  • Paradox reagieren ( = in einer Weise, die  N I C H T  erwartet wird)!



Wie immer aus Tirol allen  NORMALEN  Lesern noch einen schönen Tag!

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber