Vorsicht mit Ironie!

Aufrufe 106 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Liebe Leser, neulich schrieben wir (eigentlich ironisch) einen Beitrag mit demTitel Manipulation ist etwas Gutes!, zu dem wir einige Anfragen bekamen.

Daher hier kurz einige Anmerkungen, die Ihnen helfen, Ironie in Ihren Texten wohldosiert zu verwenden.
Das ist doch nett von uns, oder?


Die Ironie (griechisch εἰρωνεία eironeía, wörtlich „Verstellung, Vortäuschung“) ist eine Äußerung, welche – meist unausgesprochene – Erwartungen aufdeckt, indem zum Schein das Gegenteil behauptet wird.


Ausdrucksmittel der Ironie

Die einfachste Form der Ironie besteht darin, das Gegenteil von dem zu sagen, was man meint. Wenn der Zuhörer das Gesagte als Ironie versteht, macht er sich sozusagen zum Komplizen des Sprechers, wodurch einer möglichen Kritik an dem unausgesprochen Gemeinten von vornherein der Boden entzogen wird. Wenn er die Äußerung nicht als ironisch versteht, setzt sich der Zuhörer dem Verdacht aus, nicht klug genug zu sein, den Widerspruch zwischen Aussage und Sachverhalt zu erkennen. Damit wird der Adressat einer ironischen Äußerung in eine ausweglose kommunikative Situation vergleichbar mit dem Double Bind gebracht.

Wer damit rechnet, dass Ironie nicht verstanden werden könnte, wird das, was er sagt, durch besondere Betonung, Gesichtsausdruck oder Gesten begleiten, damit der Zuhörer erkennt, dass das Gesagte ironisch gemeint ist.

Im Unterschied zum Humor ist Ironie eher kritisch und erwartet nicht immer, dass der Partner der eigenen Meinung beipflichtet.

Ironie ist nur aus dem Kontext heraus verständlich. Im alltäglichen Umgang ist Ironie weit verbreitet, meist in Gestalt der entgegengesetzten Äußerung. Beispiele

    * Ein Handwerker hat sich mit dem Hammer auf den Finger geschlagen und „jubelt“: „Ei, so liebe ich meine Arbeit!“
    * Ein Kollege hat einen Stapel Geschirr fallen lassen, dazu sagt ein Zuschauer: „Prima machst du das!“
    * Ein Familienvater will eine überflüssige Geldausgabe rügen und kommentiert: „Wir haben's ja.“

Für schriftliche Mitteilungen gilt besonders, dass Ironie nur verstanden wird, wenn der Empfänger kritisch mitdenkt und die Umstände (auch die Denkweise des Schreibenden) hinlänglich kennt. Hat ein Schreiber Zweifel, ob seine Leser Ironie erkennen können, so wird er vorsichtshalber ein ironisch gemeintes Wort mit Anführungszeichen kennzeichnen (Beispiel: oben das Wort „jubelt“). Mehr dazu unten im Abschnitt „Ironie in Printmedien“.


Ironie in der Literatur

Die Romantik mit Ludwig Tieck, besonders aber Friedrich Schlegel, prägte den Begriff der Romantischen Ironie; weitere Formen der Ironie bilden außerdem die

    * rhetorische Ironie (das Gegenteil des Gemeinten wird gesagt und kann auch verstanden werden), die
    * sokratische Ironie (man stellt sich fragend dumm und lockt den sich überlegen wähnenden Gesprächspartner in die Falle) sowie die
    * tragische Ironie (der Protagonist erscheint ahnungslos, selbst wenn die Katastrophe direkt und erkennbar bevorsteht).

In der Selbstironie spiegelt sich eine kritische, spielerische Haltung gegenüber dem eigenen Standpunkt wider.

Heinrich Heine soll die Einführung eines Ironiezeichens analog zum Ausrufezeichen gefordert haben, um Missverständnisse zu vermeiden. Im Französischen wurde ein solches Zeichen, der point d’ironie (siehe Ironiezeichen), von dem Schriftsteller Alcanter de Brahm erfunden, hat sich aber nicht stark verbreitet.

Thomas Mann hat Ironie als heitere Ambiguität verstanden. Am 13. Oktober 1953 notiert er im Tagebuch: «Heitere Ambiguität im Grunde mein Element». Mit ihr konnte er die Antinomien des Lebens aussöhnen, aus dem Entweder / Oder ein Sowohl als Auch machen. Damit folgt er Schopenhauer: «Die Ironie ist objektiv».


Ironie im Journalismus

Je breiter das Publikum, an das sich ein Journalist wendet, umso größer die Gefahr, dass Ironie an einem Teil der Adressaten vorbei geht. Daher der warnende Merksatz:

    Ironie
    Versteht der Leser nie.

In den Medien ist Ironie, von unfreiwilliger abgesehen, daher überwiegend nur in Reservaten anzutreffen. Glossen sind zumeist klar als solche gekennzeichnet; oft haben sie einen festen Stammplatz (Rubrik in der Zeitung, Sendeplatz im Rundfunk).


Ironie im Internet

Bei der Kommunikation im Internet (beispielsweise in Mitteilungsforen, E-Mails und Chats) pflegen die Partner einen eher lockeren Umgangston. Mit besonderen Zusätzen können sie Gedanken andeuten, die über das geschriebene Wort hinausgehen, zum Beispiel Gefühle und auch Ironie:

    * Emoticons als Ersatz für begleitende Mimik (z. B. ;-))
    * Inflektive (auch Erikativ genannt) und begrenzt Lautmalereien) als Gestik-Ersatz (z. B. *grins*, *zwinker*)
    * Versalschrift, Textdicke, -farbe, -größe (u. a. wie -laufweite) dienen zur Hervorhebung als Alternative zur Satzbetonung (z. B. NEIN, wie kommst du denn DARAUF?)
    * Gestik, Mimik und Betonung, die bei der schriftlichen Kommunikation nicht sichtbar sind, werden oft durch sichtbare Pseudo-HTML- oder BB-Codes ersetzt. Beispiele sind <ironie>Ja, natürlich!</ironie> oder [ironie]Nein, niemals![/ironie], wobei oft nur der schließende HTML-Tag geschrieben wird.

Mehr dazu siehe Netzjargon.


Ironie im Fernsehen

Im Fernsehen wird Ironie oftmals in Sitcoms oder anderen Comedy-Shows verwendet. Einige Sitcoms zeichnen sich durch Ironie aus (wie z. B. Die Simpsons).

Siehe auch

    * Antiphrasis
    * Litotes
    * Parodie
    * Sarkasmus
    * Satire
    * Spott
    * Zynismus
    * dramatische Ironie



Und nun, ganz ohne Ironie:

Viel Freude an der ungezieferfreien Kommunikation und ebenso viel Erfolg bei ebay wünscht: "die Textschmiede!"



Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden