Vom einfachen Eingabegerät zum Multifunktionstool – die Geschichte der Computermaus

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Vom einfachen Eingabegerät zum Multifunktionstool – die Geschichte der Computermaus

Kurze Geschichte der Maus

Vielen ist bekannt, dass die Computermaus ihren Namen in Anlehnung an das Nagetier trägt. Folgende Erklärung ist weitgehend akzeptiert: Das Kabel als Schwanz, die beiden Tasten als symbolische Ohren, dazu noch die Farbe - fertig ist die graue Maus. Klicken, Scrollen und Spielen - das Eingabegerät überzeugt im alltäglichen Gebrauch durch unprätentiöses und zielführendes Design. Die aus dem alltäglichen Leben bekannte Hand-Augen-Koordination auf die digitale Ebene zu transferieren, scheint simpel. Doch woher kommt diese praktische Erfindung eigentlich?
Das Jahr 1968 war gesellschaftspolitisch gesehen eine Zeit des Umbruchs. Auch in der recht jungen Digitalbranche gab es bahnbrechende Neuerungen - zum ersten Mal wurde ein Gerät vorgestellt, das der heutigen Computermaus in den Grundzügen ähnelt. Die Idee dabei: Systeme sollen unbedingt nutzerfreundlicher werden. Wenn man den Patentnamen aus dem Jahr 1970 für die erste Computermaus überhaupt liest, erschließt sich zunächst folgendes: Die erste Maus war ein "X-Y Positions Indikator für Display Systeme", also eine zweidimensionale Anzeige "Ihrer" Position auf einem Computerbildschirm. Lesen Sie hier, wie Douglas Engelbart eine Revolution in der Computerentwicklung auslöste, welche verschiedenen Computermäuse es heute gibt und warum die Maus sogar "Rollkugel" heißen könnte.

Douglas Engelbart und die Maus - Telefunken und die Rollkugel

Die klassische Kombination aus Maus und Tastatur ist nicht seit den ersten Tagen des Computers miteinander verbandelt. Ausschlaggebend für die Entwicklung waren zum einen der amerikanische Wissenschaftler und Technik-Genie Douglas Engelbart, zum anderen das Unternehmen Telefunken. Der deutsche Technikkonzern Telefunken entwickelte als Erster eine Bedienungsmöglichkeit für die Hand und stattete das Gerät mit einer Kugel aus, der sogenannten "Rollkugel". Das war gleichzeitig der Name der Erfindung. Rollkugler - wenn auch nicht von Telefunken - waren bis weit in die Neunziger-Jahre taktgebend. Gleichzeitig arbeitete Douglas Engelbart an einer ähnlichen Lösung - mit dem bereits erwähnten Gang zum Patentamt gehört die Erfindung rechtlich gesehen dem Amerikaner. Gemeinhin wird der kürzlich verstorbene Engelbart als Vater der Maus in seinen Nachrufen geehrt. Die Bezeichnung "Maus" passt bei modernen Handschmeichlern übrigens weniger gut: Wenn überhaupt, verlässt das USB-Kabel an der Vorderseite das Gerät - viele Mäuse sind mittlerweile aber komplett kabellos - oder um in der Analogie zu bleiben, ohne "Schwanz" gestaltet.

Die Computermaus - eine Voraussetzung für eine funktionierende grafische Benutzeroberfläche

Für Systeme mit einer grafischen Benutzeroberfläche haben sich Mäuse als besonders sinnvoll erwiesen. Mitte der 1980er folgte deswegen ein großer Aufschwung für die Maus - vor allem durch Windows-, Atari- und Amiga-Computer. Wenig überraschend sind die innovativ-kreativ arbeitenden Entwickler von Apple im vielschichtigen Entwicklungsprozess der Computermaus beteiligt. Diese wurde von den Kaliforniern zum echten Massenprodukt gemacht - eine Notwendigkeit für die grafische Oberfläche von Apple. Bahnbrechend war hier die Entwicklung des Macintosh im Jahr 1984. Dass selbst zu Beginn der 1990er noch nicht alle technischen Finessen der Einhand-Bedienung ausgeklügelt waren, zeigt folgende Anekdote: Die Drag- and Drop-Methode, zu deutsch Ziehen und Abliegen, war im damals modernen Windows 3.0 für viele Benutzer noch völlig unbekannt. Der Pausenfüller Solitär, das jetzt weltbekannte Kartenspiel, wurde hauptsächlich integriert, um die neue Bedienungsmethode Drag and Drop spielerisch zu vermitteln. Die wachsende Auslastung mit zusätzlichen Funktionen zeigt, dass die Maus sich als Bedienelement immer weiter durchsetzte.

Das Aus für die Kugelmaus - optisches Abtasten für noch präzisere Eingaben

Auch die Tage der "Rollkugel" waren irgendwann gezählt. Der Tracking-Ball in der Maus rollte die Maus auf ihrem Pad hin und her und war gleichzeitig für die Übermittlung der Daten zuständig. Die immer seltener eingesetzte Funktionsweise heißt im Fachjargon optomechanisch. Der Maustreiber bestimmt dabei über Lichtschranken die Position der Kugel und setzt diese dann mit dem Mauszeiger für den Nutzer sichtbar um. Wenn Sie selbst eine Kugelmaus benutzt haben, werden Sie das unschöne Verdrecken der Kugel kennen. Da hilft nur eines: Sie müssen den Verschluss abdrehen und den verklumpten und verklebten Dreck entfernen, der über die Wochen vom Schreibtisch und Mousepad aufgenommen worden ist. Abhilfe schuf hier die Abkehr von der mechanischen Arbeitsweise. Die Zeit der optischen Maus begann.

Diese Mäuse gliedern sich bei der Art der Beleuchtung hauptsächlich in zwei Untergruppen: Entweder wird das Mauspad per LED oder einer Laserdiode illuminiert.

Die intelligente Maus

Einen Vorreiter-Status im Bereich der Mäuse, die sich ab den späten Neunzigern bei den Massen durchsetzen konnten, stellt Microsofts IntelliMouse dar. Die "intelligente Maus" machte die noch junge LED-Technologie als optisches System der Bewegungssteuerung salonfähig - auch wenn sie diese nicht erfand. Ein meist roter Lichtstrahl wird auf den Untergrund geworfen und tastet den Boden ab - die bereits bestehenden Mikrostrukturen der Auflagefläche dienen dabei als Anhaltspunkt in der relativen Orientation. Der Vorteil für Sie als Nutzer: Der Mauszeiger bewegt sich ruckelfrei und präzise an die anvisierte Stelle auf dem Bildschirm - und das alles ohne Kugel.

Die Revolution der Computer-Nutzung

In den 1990er Jahren setzte sich zudem das Internet durch - die Entwicklung des Heimcomputers, dem Personal Computer (PC), war nicht mehr aufzuhalten. "Surfen" war jetzt mehr als der Wassersport - der Begriff wird seit den 1990ern umgangssprachlich verwendet, das speziellere Verb "googeln" schaffte es 2004 sogar in den Duden. Erste Breitbandanschlüsse, die ISDN und Modem nach und nach ablösten, machten den Internetbesuch deutlich angenehmer, vor allem aber schneller. Durch den flotten Seitenaufbau ist das Internetsurfen beliebt geworden. Zwei Maustasten, so befand Microsoft, reichten nicht mehr aus. Mit zwei weiteren seitlich angebrachten Buttons ließen sich erstmals Vor- und Zurückfunktion des Internetbrowsers wirklich bequem nutzen. Beim Lesen der Webseiten, aber auch beim Bearbeiten von Text- und Tabellendokumenten ist das Durchblättern der einzelnen Seiten sehr mühselig gewesen. Eine Innovation von Microsoft schuf Abhilfe und ist auch bei der modernen Computermaus fast immer mit dabei: das Scrollrad. Ihre Hand muss die Maus also nicht mehr auf den Abwärtspfeil bewegen, um den Bildschirmausschnitt nach unten oder oben zu befördern. Schnell erkannten die Entwickler von Computerspielen, dass diese Funktion sich ideal in ein modernes Game einfügen würde.

Gaming & Co. - absolute Highend-Geräte, die Spielerherzen höher schlagen lassen

Computerspiele können selbstverständlich viel mehr, als relativ einfache Bedienungselemente über ein simples Kartenspiel zu illustrieren. Besonders Ego-Shooter, bei denen der Spieler aus Sicht des Protagonisten (zumeist) die Welt retten muss, werden mit der Maus gesteuert. Ego-Shooter setzen die Kombinationsmöglichkeit aus Maus und Tastatur in Szene: Mit der Tastatur steuert der Spieler seinen Charakter vor- und rückwärts sowie nach links und rechts. Die Maus hingegen gibt die Blickrichtung des Helden an und ermöglicht genaues Zielen. Ein leichter Druck mit dem rechten Zeigefinger betätigt die linke Maustaste und löst gleichzeitig den Schuss aus. Gerade in dieser Situation entscheidet eine zittrige Hand oder eine ungenau arbeitende Maus zwischen Sieg und Niederlage.

Gaming Maus

Für gehobene Ansprüche hilft nur eine Gaming Maus. Ein beliebter Anbieter in dieser Kategorie ist vor allem Logitech. Das Modell G400 ist ein passendes Beispiel dafür, welchen Anforderungen diese Gaming Mäuse gerecht werden müssen. Immer schnellere Spiele fordern vor allem höchste Präzision bei jeder Aktion. Besonders wichtig dafür sind die sogenannten DPI - die Dots per Inch. Letztlich bestimmt dieser Wert, wie klein die Bewegung mit dem Handgelenk ist, die die Maus an den Rechner übermitteln kann. Je höher die Zahl, desto mehr Feinheiten werden erkannt. Die Mäuse der Anfangszeit kamen mit 300 oder 400 DPI aus - die Logitech G400 bietet einen Wert von 4000. Weiterhin gilt: Viele Tasten helfen bei der größtmöglichen Anpassung. Bei der G400 lassen sich acht einzelne Knöpfe konfigurieren. Als "Hotkeys" helfen diese dabei, Ihre bevorzugten Kommandos in Bruchteilen von Sekunden umzusetzen - ein kleiner Vorteil, der bei ausgeglichener Spielstärke den feinen Unterschied ausmacht.

Die Maus am Arbeitsplatz: Vorsicht vor Fehlstellungen

In der heutigen Arbeitswelt gehören Maus und Tastatur zur Grundausstattung in jedem Büro. Die computergestützte Arbeitsweise ist in den letzten Jahrzehnten so effizient geworden, dass kaum eine Branche ohne die technischen Hilfsmittel gewinnbringend arbeiten kann. Wer knapp vierzig Stunden in der Woche mit einer Maus arbeitet, sollte unbedingt darauf bestehen, dass diese auf gesundheitliche Bedürfnisse hin optimiert ist.

Ergonomische Maus

Längst ist der Begriff und das Konzept "Ergonomischer Arbeitsplatz" in das allgemeine Bewusstsein verankert worden. Mäuse der gesunden Art gehören zu den jüngsten Entwicklungen der Computerperipherie und sind als "Ergonomische Maus" oder "Vertikale Maus" bekannt. Die Wahrscheinlichkeit eine Sehnenscheidenentzündung zu bekommen, ist für Vielklicker und Dauerscroller groß. Solche Mäuse helfen dabei, Fehlstellungen der Hand und des Armes zu korrigieren. Die vertikalen Mäuse beschreiten, wie der Name schon andeutet, einen vollkommen neuen Weg: Die Maus wird senkrecht benutzt und bietet Ihrem Daumen eine bequeme Ablagefläche. Die einzelnen, frei programmierbaren Buttons sind besonders leicht zu erreichen. Übrigens: Am Laptop ist das dauerhafte Verwenden des Touchpads gesundheitlich nicht ideal - die ungewöhnliche Handstellung kann auf Dauer Schmerzen verursachen. Deswegen bewähren sich bei längeren Arbeitseinsätzen Laptop-Mäuse. Diese Unterart berücksichtigt das begrenzte Platzangebot am mobilen Arbeitsplatz und fällt deswegen häufig deutlich kleiner aus. Durch die noch geringere Größe lässt sich die Laptop-Maus besonders gut transportieren.

Fazit

In der Entwicklung zum Multifunktionsgerät hat sich viel verändert. Nur in der Grundfunktion - der grafischen Verortung des Zusammenspiels von X- und Y-Achse auf dem Monitor - sind Ähnlichkeiten zwischen heutigen Mäusen und den frühen Prototypen feststellbar. Die Optik und die Übertragungsmechanismen haben sich stark gewandelt. Vor allem die wachsende Diversität ist interessant zu beobachten: Verschiedene Hersteller versuchen Nischen für einen bestimmten Einsatzzweck zu bestimmen, um dann die Chance auf dem freien Markt zu nutzen. Deswegen wird sich das Eingabegerät auch weiterhin verändern.

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