Turntables – so unterscheiden sich Profi- von Amateurmodellen

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Turntables – so unterscheiden sich Profi- von Amateurmodellen

Auch wenn es vor zehn Jahren nur die Wenigsten für möglich gehalten haben: Der Plattenspieler erlebt eine neue Blüte. Dies ist unter anderem dem DJing geschuldet, das sich immer mehr zu einem Massenphänomen entwickelt hat. Dementsprechend sind heutzutage diverse Turntables für sämtliche Bedürfnisse auf dem Markt verfügbar. Worin unterschieden sich diese überhaupt? Und ist jeder Plattenspieler zum Auflegen geeignet? In diesem Ratgeber erfahren Sie Nützliches zu DJ-Plattenspielern für Amateure und Profis. Mit diesem Wissen sind Sie gut für den Kauf eines Turntables, der Ihren Vorstellungen entspricht, gewappnet.

Die grundlegenden Technologien eines DJ-Turntables

Obwohl das DJing seit den 1960er-Jahren zunehmend professioneller wurde, dauerte es einige Zeit, bis die Turntables all jene Funktionen innehatten, nach denen die DJs verlangten. Dazu zählten die beiden Abspielgeschwindigkeiten 33 1/3 und 45 RPM. Denn nach der Einführung der Maxi-Single wurde es notwendig, über beide Modi zu verfügen, da die Singles meist mit 45 RPM und Stücke von LPs mit 33 1/3 abgespielt wurden.

In einigen Clubs standen bereits Plattenspieler mit Tonhöhenreglern, auch pitch adjustment genannt. Mittels dieses Reglers lässt sich die Tonhöhe eines Tonträgers verändern, damit aber zwangsläufig auch die Abspielgeschwindigkeit. Dadurch waren die DJs imstande, die jeweiligen Musikstücke hinsichtlich ihrer Geschwindigkeit anzupassen, um die Lieder mixen zu können. Eigentlich war diese Funktion dafür gedacht, um Stücke der klassischen Musik in der richtigen Tonart abzuspielen. Je nach Gerät erfolgte das Abspielen etwas langsamer oder schneller, was mit einer Tonhöhenverschiebung einherging. Dies interessierte die DJs allerdings weniger als die Tatsache, Stücke durch das Angleichen der Geschwindigkeit mixbar zu machen.

Damit dies im wahrsten Sinne des Wortes reibungslos vonstattengehen konnte, wurden Filzplatten, so genannte „slipmats“, zwischen den Plattenteller und die Schallplatte gelegt. Dies verhinderte zum einen das Durchdrehen des Motors, da nur die Platte gestoppt wurde, während der Plattenteller weiterhin in Bewegung war. Des Weiteren konnte die angehaltene Platte genauer gestartet werden, weil der Motor nicht erst anlaufen musste.

Zu guter Letzt fehlten noch voneinander getrennte Motoren und Tonarme, um schnell wechseln zu können. Viele Heimplattenspieler werden noch heute per Knopfdruck gestartet und setzen den Tonarm automatisch auf Anfang. Es versteht sich von selbst, dass dies für einen DJ nicht ausreichend ist, da er schnell Platten wechseln und unterschiedliche Stellen einer Platte abhören muss.

Die genannten Funktionen lassen sich heutzutage in allen DJ-Turntables finden, egal ob Amateur- oder Profigerät. Die eigentlichen Unterschiede erfahren Sie im Folgenden.

Der Antrieb macht den Unterschied

Eines der grundlegendsten Unterscheidungsmerkmale zwischen Turntables für den Amateur- und Profigebrauch ist der Antrieb. Im Laufe seiner Geschichte hat die Plattenspielertechnologie zwei Varianten hervorgebracht: den Riemen- und den Direktantrieb.

Das klassische Modell - der Riemenantrieb

Dabei ist der Riemenantrieb die ältere der beiden Antriebsarten und gleichzeitig im Heimgebrauch die vorherrschende Technologie. Hierbei wird der Plattenteller indirekt angetrieben. Dieser ist über einen Gummiriemen mit dem Motor verbunden, welcher den Teller in Bewegung setzt. Folglich sind die Anlaufzeiten relativ hoch. Neuere Modelle wie der Reloop RP-1000 MK3 sind zwar im Vergleich zu herkömmlichen Plattenspielern im Anlauf deutlich schneller, allerdings erreichen sie nicht die Leistung von direkt angetriebenen Turntables.

Ein Quantensprung in der Technologie: der Quarz-Direkt-Antrieb

Einen wahren Quantensprung erlebte die Plattenspielertechnologie durch die Einführung des Technics SL1200 MK2 oder kurz „MK2“ im Jahr 1979. Dieser Turntable war mit dem von Technics patentierten Quarz-Direkt-Antrieb ausgestattet und sollte fortan für die DJ-Kultur bestimmend sein – und das trotz der Tatsache, dass der MK2 eigentlich nicht für den professionellen Gebrauch gedacht war. Bei einem Direktantrieb ist der Motor mit dem Plattenteller verbunden, der Antrieb erfolgt demnach auf direktem Weg.

Der Direktantrieb und seine Auswirkungen auf das DJing

Vor allem die zahlreichen Scratchtechniken des Hip-Hop sind auf den Direktantrieb zurückzuführen. Eine Technik wie das Backspinning, bei der die Schallplatte rasant rückwärts gedreht wird, ist mit einem Riemenantrieb nicht machbar. Neben der neuen Antriebstechnologie konnte der MK2 darüber hinaus mit seinem zur damaligen Zeit hohen Drehmoment überzeugen. Aufgrund des Drehmoments von 1,5 kg/cm konnte der MK2 schnell beschleunigen und bot sich für eine robustere Handhabung an. Beim Beatmatching stoppt, startet, beschleunigt und verlangsamt ein DJ binnen kürzester Zeit. Ein Motor mit geringem Drehmoment wie bei Einsteigermodellen à la Reloop RP-2000, Omnitronic BD1520 oder Numark TT200 hat oft zur Folge, dass die Schallplatte unbeabsichtigt gestoppt oder zu weit vor gedreht wird. Dementsprechend geht ein leistungsstarker Motor mit einem sauberen Mixen einher. Dabei erreichen Fabrikate wie der Stanton STR8-150 oder Reloop RP-6000 mittlerweile einen Drehmoment von bis zu 4,5 kg/cm.

Der Quarz-Antrieb des MK2 sorgte aber noch für eine weitere Verbesserung. Denn der quarzgesteuerte Motor hatte signifikant geringere Gleichlaufschwankungen. Dies ist für einen professionellen DJ von größter Wichtigkeit. Beim Mixen muss gewährleistet sein, dass die Turntables gleichmäßig laufen. Schwankungen erschweren das Mixen, und starke Schwankungen werden deutlich als Leiern wahrgenommen. Dementsprechend überzeugen professionelle Turntables wie der Vestax PDX 3000 Mix/MKII oder Stanton STR8-150 neben ihren leistungsstarken Motoren durch äußerst geringe Gleichlaufstörungen von <0,1% WRMS.

Gewicht und Verarbeitung: in allen Situationen ein guter Sound

Neben dem Antrieb gibt es im wahrsten Sinne des Wortes einen fühlbaren Unterschied zwischen Plattenspielern für den Amateur- und Profibereich. Ein professioneller Plattenspieler ist deutlich schwerer als ein Einsteigermodell und wiegt mindestens über 10 kg. Was auf den ersten Blick unkomfortabel klingen mag, hat ganz praktische Gründe. In einem Club ist ein Turntable zahlreichen Vibrationen ausgesetzt, sei es durch die Schallwellen, die Bewegung der Tänzer oder Erschütterungen auf dem DJ-Pult.
Ein weiterer unschöner Nebeneffekt bei leichten Plattenspielern sind Rückkopplungen. Es ist naheliegend, dass ein schwerer Plattenspieler besser vor Schwingungen gefeit ist, die wiederum Sprünge des Tonarms auslösen können.Dies ist aber nicht alles, denn die Verarbeitung trägt ebenfalls ihren Teil dazu bei, einerseits durch das Gewicht und die Art des verarbeiteten Materials, andererseits durch zusätzliche Schutzmaßnahmen. Profiturntables wie der Stanton ST-150 oder Reloop RP-6000 haben ein Gehäuse aus hartem Kunststoff oder Metal, um den Schall zu absorbieren. Gleiches gilt für die Füße eines Turntables, die bei Profivarianten ebenfalls absorptionsfähiger sind.

Neue DJ-Turntables zeichnen sich des Weiteren außerdem noch dadurch aus, dass sie keine Erdung benötigen und über einen Line- und Phono-Ausgang verfügen. Das Erdungskabel wie beim MK2 kann häufig eine Schwachstelle sein, da durch das regelmäßige An- und Abschrauben die Technik leidet. Das Kabel ist recht dünn und kann schnell abreißen. Im laufenden Clubbetrieb ist eine abgerissene Erdung ein kleines worst case scenario, da der Klang brummt, die Behebung allerdings etwas Zeit beansprucht.

Tonarme und Systeme: Es darf ein bisschen teurer sein

Für einen guten Klang beim Auflegen zeichnen darüber hinaus die Tonarme und die dazugehörigen Systeme verantwortlich. Grundsätzlich werden Tonarme in die Kategorien Radial- und Tangentialtonarm unterteilt. Allerdings finden bei DJ-Turntables ausschließlich Radialtonarme Verwendung.

Tangentialtonarme und Radialtonarmen im Vergleich

Tangentialtonarme benötigen eine Aufhängung, an welcher der Schlitten mit dem Tonabnehmer befestigt ist. Dementsprechend schwer ist es, bei solch einem Gerät die Platte zu manipulieren. Unter den Radialtonarmen existieren wiederum unterschiedliche Ausfertigungen wie der gerade, der S- oder der J-Tonarm. Über die jeweiligen Vorzüge streiten sich die Experten. Allerdings verrät schon ein Blick auf unterschiedliche Plattenspielermodelle diverser Hersteller, dass diese in vielen Fällen alle Tonarmtypen verbauen und anbieten. Wichtig ist an dieser Stelle, dass der Spurfehlwinkel weniger als 0,15 Grad beträgt, da es ansonsten zu Verzerrungen kommen kann.

Wichtiger als der eigentliche Tonarm sind die Systeme

Die meisten Turntables verfügen über eine SME-Bajonettbefestigung, an die die Systeme einfach aufgesteckt und festgeschraubt werden. Für einen guten Klang empfiehlt es sich daher, mehr Geld für gute Systeme beispielsweise von Ortofon auszugeben. Des Weiteren sollte es sich um Systeme mit sphärisch geschliffener Nadel handeln. Elliptische Nadeln klingen zwar etwas besser, dafür sind sie aber nur zum reinen Abspielen gedacht. Ein Backspin oder Scratch mit einer elliptisch geschliffenen Nadel zerstört die Spur der Schallplatte und macht sie schnell unbrauchbar. Allerdings sei angemerkt, dass gute Systeme ebenfalls ihren Preis haben. Zum Teil kosten qualitativ hochwertige Systeme genauso viel wie ein Einsteigerplattenspieler. Wenn Sie gerade erst mit dem Auflegen begonnen haben, dann greifen Sie erst einmal auf billigere Varianten zurück. Wenn Sie aber professionell arbeiten wollen, dann führt kein Weg an guten Systemen vorbei.

Zusätzliche Features

Auch wenn der Technics MK2 die grundlegenden Funktionen eingeführt hat, auf denen heutzutage alle Plattenspieler aufbauen, wurden diese mittlerweile um zusätzliche Features erweitert, die den jeweiligen DJ-Bedürfnissen Rechnung tragen.

Während Amateurmodelle weitestgehend die gleichen Funktionen wie ein MK2 aufweisen, bestechen diverse Turntables durch Extras für den Profi. So verfügen Plattenspieler wie beispielsweise der Stanton STR8-150 oder der Reloop RP-5000 M3D und der RP-6000 MK über drei Abspielgeschwindigkeiten und einen größeren Pitchbereich. Teilweise lassen sich manche Player um /- 50% beschleunigen. Zum Vergleich: Der Technics SL-1200 MK2 verfügt über einen pitchbaren Bereich von /- 8%. Oftmals kann das Drehmoment eingestellt werden. So können professionelle DJs die Stärke individuell nach ihren Bedürfnissen fixieren. Denn ein Club-DJ, der hauptsächlich Beatmatching betreibt, benötigt in der Regel weniger Drehmoment als ein Hip-Hop-DJ, der durch das Scratchen viel mehr Kraft auf den Plattenteller ausübt. Dies muss durch ein hohes Drehmoment ausgeglichen werden. Die Turntables von Stanton wiederum besitzen zwei Start-/Stopptasten, damit sie auch quer aufgestellt werden können, um mehr Armfreiheit beim Scratchen zu erhalten.

Hochwertige moderne Plattenspieler überzeugen darüber hinaus noch mit diversen Anschlüssen. Neben den fast schon obligatorischen umschaltbaren Phono-/Line-Ausgängen bietet beispielsweise die Firma Vestax bei ihren Modellen PDX 3000 Mix und PDX 3000 MK2 einen MIDI-in-Schnittstelle. Auf diese Weise können MIDI-Signale in den Turntable geschickt werden, die dann live vom DJ in seinen Mix eingebaut werden.

Aber auch für geringes Geld können Sie bereits Plattenspieler mit Extras erhalten wie einen USB-Anschluss. Dies trifft zum Beispiel auf den Numark TTUSB zu.

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