Thurn und Taxis: Wer baut den effektivsten Postkutschenbetrieb auf?

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Thurn und Taxis: Wer baut den effektivsten Postkutschenbetrieb auf?

Zeitreise zurück zu den Anfängen des Postwesens

Begeben Sie sich auf eine Zeitreise ins 17. Jahrhundert, in eine Zeit, in der Nachrichten noch in Form von handschriftlich verfassten Briefen per Post über mehrere Tage hinweg versendet wurden. Erst mit der Einführung von billigem Papier im 15. Jahrhundert begann der Schriftverkehr in den darauffolgenden Jahrhunderten zu wachsen. Von einer elektronischen Vernetzung der gesamten Welt, wie es das heutige Internet möglich macht, war man noch weit entfernt. In dieser auf ihre Weise aufregenden Zeit startete jedoch eine andere Art der Vernetzung. Innerhalb von wenigen Jahren entstanden in allen größeren Handelsstätten Poststationen, welche über ein ausgeklügeltes System eines straff organisierten Postwesens miteinander in Verbindung standen. 166 Kilometer Postweg war damals die Distanz, die ein Reiter mit einem Brief am Tag maximal zurücklegen konnte. Für größere Postrouten waren also mehrere Poststationen erforderlich. Es wurden damals nicht nur Briefe und Pakete versendet, auch Personen reisten mittels Postkutsche von Poststation zu Poststation, an welchen sich jeweils auch Gaststätten ansiedelten.

Poststationen aufbauen und vernetzen

Mit der Geschichte des Postwesens bringt man heute vor allem den Namen Thurn und Taxis in Verbindung. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort erreichten sie mit viel Fleiß den Aufstieg in den Hochadel und einen enormen Reichtum als Postunternehmen. Begeben Sie sich in diese aufregende, mit viel Nostalgie behaftete Zeit, in der die ersten europaweiten Kommunikations- und Reisenetzwerke ganz ohne Strom und Benzin entstanden. Fahren Sie mit der Postkutsche von Augsburg über Ingolstadt nach Nürnberg. Ein kurzer Abstecher von Stuttgart nach Salzburg war damals noch mit einer mehrtägigen Reise mit Zwischenstopps in Ulm, Augsburg und München verbunden. Doch um diese Reise zu ermöglichen, gilt es die notwendigen Poststationen aufzubauen und miteinander zu einem Netzwerk zu verknüpfen.

Der historische Hintergrund: die Postmeisterdynastie Thurn und Taxis

Thurn und Taxis erreichten ihren gesellschaftlichen Aufstieg weder durch kriegerische Konflikte, noch durch Heiratspolitik wie es in der damaligen Zeit üblich war, auch nicht durch Spekulation und Bankgeschäfte, sondern durch Dienstleistung für die damaligen Bürger. Franz von Taxis begann 1490 mit der Einrichtung einer Postlinie zwischen Brüssel und Innsbruck, welche dann im Laufe des 17. Jahrhunderts zur Postmeisterdynastie Thurn und Taxis heranwuchs. Die revolutionäre Idee, die Franz von Taxis zu Beginn hatte, war die Schaffung zahlreicher Wechselstationen, an denen Reiter und Pferd ausgewechselt wurden, um damit die Zeiten im Brieftransport erheblich zu verkürzen. Innerhalb eines Jahrhunderts wurde so ein Postnetz über ganz Westeuropa aufgebaut und ein Gebiet von über 200.000 Quadratkilometern mit 13 Millionen Einwohnern versorgt. Unter Bismarck endete dann im 19. Jahrhundert die Ära der Thurn und Taxis Post und sie wurde im Jahre 1871 zum Staatsbetrieb des Deutschen Reiches.

Thurn und Taxis – ein Aufbaustrategiespiel als Brettspiel für nostalgische Stunden

Thurn und Taxis zählt zu den Klassikern der Brettspiele, welches in seinem Erscheinungsjahr auch als Spiel des Jahres 2006 ausgezeichnet wurde. Es wurde neben vielen anderen Brettspiel-Klassikern im Hans im Glück Verlag entwickelt und wird von Schmidt Spiele vertrieben. Das Strategiespiel richtet sich an Personen, die sich gerne im Spiel auf Zeitreise in die Vergangenheit begeben und Spaß daran haben, etwas aufzubauen. Es ist hierbei von seinen Regeln sehr einfach gehalten, sodass man schon nach einer kurzen Einführung damit starten kann, sein Postnetz aufzubauen. Die Spieldauer wird mit rund einer Stunde angegeben. Auch wenn es sich um ein Taktikspiel handelt, so ist der Spielerfolg, wie so oft im Leben auch, vom Glück abhängig.

Darum geht's

In diesem Brettspiel stehen zwei bis vier Personen vor der Aufgabe, auf einer anfänglich noch leeren Landkarte zwischen verschiedenen Städten eine Postkutschenstrecke aufzubauen. Ziel dabei ist es, möglichst lange Strecken aufzubauen. Dazu ist es erforderlich, viele Streckenposten in den Städten auf dem Spielplan einzusetzen und damit wertvolle Kutschen und Bonusplättchen zu erhalten. Am Ende gewinnt der Spieler mit den meisten Siegpunkten. Das Spiel besticht hierbei vor allem durch seine liebevoll gestaltete Karte der frühen Neuzeit, mit sämtlichen wichtigen Handelsstätten des damaligen Heiligen Römischen Reichs, und der Einfachheit des Spielprinzips. Dennoch ist es ein Spiel für Taktiker. Das Mindestalter ist mit zehn Jahren angegeben. Das Spielmaterial besteht aus einem großen Spielplan, 80 Häusern, 20 Kutschenkarten, 66 Stadtkarten, einer Farbkarte für jeden Spieler und 30 Bonusmarken. Am Spielplan findet man auch sehr viele historische Gebäude. So findet man in Salzburg die Festung Hohensalzburg, in München die bekannte Frauenkirche, die Nürnberger Burg oder in Pilsen die Alte Brauerei und in Regensburg den berühmten Dom auf dem Spielplan. Mit dem Spiel lässt sich Geschichte gemeinsam mit Freunden oder innerhalb der Familie hautnah erleben.

Thurn und Taxis – das Spiel für den Taktiker ohne komplexes Regelwerk

Thurn und Taxis ist ein Spiel, an welchem vor allem Taktiker, die einfache Spiele ohne komplexes Regelwerk mögen, Gefallen finden werden. Zu einem gewissen Anteil ist es auch ein Glücksspiel, das nicht nur Strategen eine Chance bietet zu gewinnen. Es ist als Familienspiel ab zirka zehn Jahren geeignet oder dient der Unterhaltung mit Freunden. Da das Spiel in einer interessanten geschichtlichen Epoche spielt, punktet es auch mit Nostalgie und gewissem historischen Charme. Eine durchschnittliche Partie dauert ca. 45 Minuten, wodurch sich an einem Abend durchaus mehr als eine Partie ausgeht. Man muss sich dabei nicht immer auf eine einzige Strategie konzentrieren, sondern kann im Spiel mehrmals flexibel entscheiden, welches Ziel man nun als nächstes verwirklichen möchte. Hingegen werden fanatische Strategen mit Thurn und Taxis nicht ganz zufrieden sein. Hier bieten andere Brettspiel-Serien dieses Genres mit ihren Erweiterungspaketen wie „Die Siedler von Catan" oder "Caracconne" mehr Möglichkeiten. Wer in einem Spiel Spaß mit historischem Hintergrund sucht, sollte bei diesem Spiel zugreifen: Es hat sich das Prädikat Spiel des Jahres 2006 durchaus verdient.

Thurn und Taxis – Spiel des Jahres 2006

Seit 1979 wird jährlich für Brett- und Gesellschaftsspiele der weltweit bedeutende Kritikerpreis "Spiel des Jahres" vergeben. Zu den wohl bekanntesten ausgezeichneten Spielen gehören "Die Siedler von Catan" und "Carcassonne". In beiden dieser Spiele geht es darum, etwas aufzubauen, sei es Siedlungen und Städte, wie in "Siedler von Catan", oder eine mittelalterliche Landschaft mit Städten und Klöstern sowie Straßen und Wiesen in "Carcassonne". Generell zeigt sich, wenn man sich die Liste der Gewinner des Spiel des Jahres Preises der letzen Jahre ansieht, dass Aufbaustrategiespiele wie "Kingdom Builder", "Dominion", "Zooloretto", "Thurn und Taxis", "Alhambra" und "Carcassonne" besonders oft ausgezeichnet wurden. Während es in den meisten Spielen darum geht, Städte und Siedlungen aufzubauen, widmet sich "Thurn und Taxis" dem Thema der frühen neuzeitlichen Poststrecken-Netzwerke. Im Spiel des Jahrs 2006 geht es darum, ein flächendeckendes Postnetz aufzubauen. Dabei gilt es 22 europäische Städte miteinander zu verbinden. Thurn und Taxis setze sich 2006 gegen die ebenfalls nominierten Spiele "Seeräuber", "Aqua Romana", "Just 4 Fun" und "Blue Moon City" durch.

Thurn und Taxis – die Erweiterungssets

Zu jedem guten Brettspiel werden für die jeweilige Fangemeinde meist auch noch in den darauffolgenden Jahren diverse Erweiterungssets angeboten. So wurde auch "Thurn und Taxis" in den Folgejahren erweitert und es stehen die beiden Erweiterungssets „Glanz und Gloria" sowie „Alle Wege führen nach Rom" im Angebot.

"Thurn und Taxis - Glanz und Gloria"

Bei "Thurn und Taxis - Glanz und Gloria" hat sich am Spielprinzip nichts geändert und es geht wiederum mit der Postkutsche durch das Land. Das Land ist jedoch größer geworden. Diesmal geht es mit einem ganz neuen Spielplan ab in den Norden, von Lübeck bis Würzburg und von Rotterdam bis Dresden. Inhaltlich stellt die Erweiterung zwar ein eigenständiges Spiel dar, allerdings fehlen die Posthäuser, welche vom Hauptspiel genommen werden müssen. Die wesentliche Änderung gegenüber dem Hauptspiel ist eine etwas anspruchsvollere Spielzugplanung sowie ein neuer Kartensatz. Wieder müssen in den einzelnen Ländern Posthäuser platziert werden, nur ist es diesmal möglich, durch taktische Varianten mehrere Pferde vor eine Kutsche zu spannen, auf diese Weise längere Strecken zu fahren und so wiederum mehr Karten zu ziehen. Vom Spielprinzip hat sich nicht viel geändert, wer also das Grundspiel hat und dieses häufig spielt, wird auch dessen Erweiterung mögen. Zu den bisherigen Aktionskarten gibt es in der Erweiterung dann noch zusätzlich die Aktionen: der Postmeister, der Amtman und der Postillion.

"Thurn und Taxis: Alle Wege führen nach Rom"

Das zweite offizielle Erweiterungsset, "Thurn und Taxis: Alle Wege führen nach Rom", ist im Jahr 2008 erschienen. Auch dieses ist wiederum nur zusammen mit dem Hauptspiel "Thurn und Taxis" spielbar. Es enthält diesmal gleich zwei neue Varianten. In der Variante „Alle Wege führen nach Rom" werden ein neuer Spielplan sowie fünf Holzkutschen verwendet. Jeder Spieler schickt dabei einen Geistlichen in einer der Kutschen auf den Weg nach Rom und versucht mit geeigneter Taktik, die Kutsche so zu lenken, dass sie zu einem günstigen Zeitpunkt ankommt und man zum Papst vorgelassen wird. Die Standardregeln werden dabei gut ergänzt und es ergeben sich dadurch zahlreiche neue taktische Möglichkeiten. Die zweite im Erweiterungsset enthaltene Variante ist „In Amt und Würden" und liefert neue Amtsplättchen, Übersichtstafeln und Siegpunkte als zusätzliches Material für das Basisspiel.

"Thurn und Taxis Big Box"

Das Basisspiel und die beiden Erweiterungen sind auch als sogenannte "Thurn und Taxis Big Box" in einem Paket günstig erwerbbar. Schade ist jedoch, dass die beiden Erweiterungen „Glanz und Gloria" und „Alle Wege führen nach Rom" miteinander selbst nicht kombinierbar sind. Eine dritte, im Handel nicht verfügbare Erweiterung, gab es im Magazin Spielbox in der Ausgabe 5/2006. Diese kleine exklusive Erweiterung „Der Kurier der Fürstin" besteht aus einer Figur und Adelsbriefen, welche zum Hauptspiel eine zusätzliche Unterstützung durch Amtspersonen ermöglichten.

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