Standmodell-Figuren selbst bemalen – 10 praktische Tipps

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Standmodell-Figuren selbst bemalen – 10 praktische Tipps

Ein Diorama macht keinen Sinn ohne bemalte Figuren. Modellfiguren machen das Diorama erst zum Gesamtkunstwerk und hauchen diesem Leben ein. Dabei ist die richtige Technik und Vorgehensweise bei der Bemalung immer wieder ein Thema. Gerade die Details – beispielsweise die Hände oder Gesichter der Figuren – sorgen für Schwierigkeiten. Diese Schwierigkeiten nehmen zu, je kleiner die Figur ist – eine Frage des Maßstabs.

Bei größeren Dioramen wird häufig (Ausnahmen bestätigen die Regel) ein Maßstab 1:72 verwendet. So lassen sich große Landschaften darstellen. Obwohl die Figuren damit sehr klein sind, lassen sich doch sehr viele Details darstellen, wie Ihnen dieser Ratgeber noch vermitteln wird. Noch mehr Details sind etwa bei einem Maßstab 1:35 zu sehen. Zwar sind die Figuren dieses Maßstabs um einiges größer, die Bemalung ist deswegen aber nicht gerade einfacher. Eine ruhige Hand ist deswegen eine Grundvoraussetzung.

Dieser Ratgeber möchte Ihnen einige Tipps und Hinweise mit auf den Weg geben, wie Sie Standmodelle selbst bemalen können. Natürlich kann hier nicht auf jeden Figurentyp, auf jedes Material und jede Farbe eingegangen werden. Deswegen versucht der Ratgeber, einigermaßen allgemeingültige Hinweise zu geben. Insgesamt geht es also um 10 praktische Tipps, die sich von den Bemalungsvorbereitungen bis zum letzten Schutzlackieren erstrecken.

1. Vorbereitungen treffen und den richtigen Arbeitsplatz wählen

Die Grundvoraussetzung zur Bemalung von Modellfiguren ist natürlich, dass man diese gut sehen bzw. „unter die Lupe“ nehmen kann. Der Arbeitsplatz sollte also hell ausgeleuchtet sein. Ein schlecht beleuchteter Keller oder eine Garage fallen dadurch aus. Idealerweise sollte man den Arbeitsplatz vor oder neben einem Fenster (Tageslicht) wählen, ohne dass man durch das einfallende Licht geblendet wird. Auch die Unterlage für den Tisch sollte etwas aushalten können – Farbtropfen, umgefallene Wasserbecher und falsch abgelegte Pinsel lassen grüßen.

Weiterhin sollte die Atmosphäre nicht zu steril, sondern eher gemütlich sein. Man muss sich dort wohlfühlen können. Die Möglichkeit, Musik oder Radio zu hören, könnte (je nach Bedarf) dabei helfen. Man beachte in diesem Zusammenhang: Man verbringt lange Zeit an diesem Arbeitsplatz, wobei das Bemalen ein hohes Maß an Konzentration erfordert.

2. Das Zusammenstellen der richtigen Werkzeuge

Gleich ein Tipp vorweg: Sparen Sie nicht an Werkzeugen und an Farben! Gute Ergebnisse erzielt man nur mit guten Utensilien. Das Werkzeug, das einem als Erstes beim Thema „Bemalung“ einfällt, ist natürlich der Pinsel. Hier gibt es jede Menge verschiedene Hersteller. Achten Sie bei den Pinseln besonders darauf, dass sie gut in der Hand liegen und einen sicheren Griff besitzen.

Als Anfänger sollte man unter Umständen zu einem fertigen Pinselset greifen. Diese enthalten üblicherweise Pinsel für Details, Standardpinsel für gröbere Arbeiten und Drybrush-Pinsel zum Trockenbürsten. Fortgeschrittene benutzen oftmals Rotmarderpinsel. Diese besitzen viele Haare und laufen trotzdem sehr spitz zu. Das hat den Vorteil, dass man nicht so oft Farbe aufnehmen muss. Sie eignen sich für Details sehr gut.

Die Profis streiten sich regelmäßig, welcher Hersteller die besseren Farben und Behälter anbietet. Schließlich muss jeder für sich selbst entscheiden, welcher Hersteller und welche Farben die Richtigen sind. Dennoch lässt sich über die Art des Behälters ein eindeutiges Urteil fällen. Im Falle der Farbtöpfchen trocknet die Farbe relativ schnell aus. Ein Teil der Farbe geht somit unnütz verloren, da sich die Deckel schlecht schließen lassen. Anders ist es bei den Fläschchen. Die Farben trocknen nicht aus, da keine Luft mehr eintreten kann.

Weiterhin ist die Wahl des Klebers eine weitere wichtige Frage. Man braucht Plastikkleber für Plastikmodelle, Kraftkleber für Metallmodelle und Holzleim für die Basegestaltung. Der Plastikkleber darf keine Substanzen enthalten, die Plastik auflösen können. Der Kraftkleber sollte sowohl für Metall als auch für Plastik geeignet sein. Holzleim ist in jedem Baumarkt zu finden und ist besonders dann geeignet, wenn die Base mit Sand, Streu oder anderen Materialien gestaltet werden soll.

Für die Grundierung der Figuren sollte man sich Grundierungsspray besorgen. Dieses spart eine Menge Zeit und man kann die Figuren in einem einzigen Durchgang grundieren. Es gibt zwei Grundierungsfarben: Schwarz und Weiß, wobei Schwarz die empfehlenswertere Grundierung ist.

3. Weitere kleine, aber dennoch wichtige Utensilien

Weitere Utensilien, die man zur Bemalung benötigt, sind die Mischpalette, Wasserbecher und Taschentücher. Da die Farben relativ teuer sind, kann man sich auch gleich Farben selbst mischen. Auch zum Schattieren und Akzentuieren müssen Farben gemischt werden. Hier reicht ein einfacher Plastik- oder Porzellanteller vollkommen aus. Zum Verdünnen der Farben oder zum Säubern der Pinsel benötigt man Wasser. Man sollte daher 2 Wassergläser nutzen: einen für normale Farben, einen für Metallfarben. Schließlich benötigt man noch Taschentücher, um überschüssige Farbe abzustreichen oder um den Pinsel zu säubern.

Für die Abtrennung der Gussgrate sollte man weiterhin eine Feile oder ein spezielles Modellskalpell benutzen. Für den Umbau einer bereits bestehenden Konfiguration bzw. eine Neupositionierung kann eine Miniaturfeinsäge hilfreich sein. Achtung: Das Sägeblatt sollte dabei so dünn wie möglich sein.

4. Die Bemalung planen

Man sollte sich, bevor man mit dem Bemalen beginnt, die Figur genau ansehen, und sich überlegen, wie sie bemalt werden sollte. Das schließt ein, dass man sich überlegt, welche Objekte mit welchen Farben versehen werden sollen. Auch ist es sehr wichtig, sich in diesem ersten Schritt zu überlegen, in welcher Reihenfolge man die Partien der Figur bemalt.

5. Die Figur auf das Bemalen vorbereiten

Wenn Sie Ihren Arbeitsplatz zufriedenstellend vorbereitet haben, sollten Sie auch nun die Figuren zur Bemalung vorbereiten. Dabei geht es im Besonderen um das Zusammenbauen und Entgraten der Figuren. Was hat es damit auf sich: Bei der Herstellung der Modelle im Spritzverfahren entstehen sogenannte Gussgrate. Diese Streifen und Erhöhungen sollte man vorsichtig mit einem Skalpell oder einer Minifeile entfernen. Dies ist wichtig, da sie sonst auch hinterher unter den Farbschichten zu sehen sind. Das Entgraten sollte sehr gewissenhaft vorgenommen werden. Nichts ist schlimmer, als eine liebevoll angemalte Figur, die noch Gussgrate aufweist, und dadurch trotzdem schlecht aussieht.

6. Schwarz oder weiss: richtig grundieren

Damit die Farbe besser auf den Figuren haften kann (Modelle vom Maßstab 1:72 einmal ausgenommen), sollte man eine schwarze oder weiße Grundierung verwenden. Diese kann man entweder mit dem Pinsel realisieren oder (zeitsparender) mit einem Spray. Dieser Ratgeber empfiehlt, eine schwarze Grundierung zu verwenden. Darauf decken Farben zwar schlechter, man muss also etwas mehr Farbe verwenden. Das Schwarz der Grundierung kann allerdings bereits auch als Schattierung verwendet werden.

7. Die richtige Bemalungstechnik anwenden

Um Figuren ein dreidimensionales Aussehen zu verleihen, sollte man Vertiefungen immer schattieren. Hierbei gibt es zwei Methoden.

  1. Man nutzt die Grundfarbe als Schattierung. Hierbei bemalt man mit dem dunkelsten Farbton die jeweilige Fläche. Nur an den Rändern zu anderen Flächen lässt man einen Streifen (der schwarzen Grundierung) übrig. Mit dieser dunklen Grundfläche kann man bei gut deckender Farbe zur Akzentuierung übergehen.
  2. Eine zweite Methode ist das Schattieren der Vertiefungen. Hierzu bemalt man alles, bis auf die Ränder, in der Grundfarbe und schattiert dann, indem man in die Grundfarbe kleinen Mengen Schwarz (Chaos Black) mischt und damit die Vertiefungen bemalt. Dabei sollte bei jedem Auftragen der Rand einer Farbschicht erhalten bleiben.

Das Akzentuieren ist von der Technik her gesehen ein umgekehrtes Schattieren. Akzentuiert werden die Erhebungen der Figur. Dafür nimmt man eine hellere Farbe oder mischt die Grundfarbe mit einem Aufheller. Den passenden Aufheller für eine entsprechende Farbe zu finden, hängt dabei davon ab, in welche Richtung der Akzent gehen soll. Für das Akzentuieren von Teilen mit besonders groben Konturen sollte man die Technik des Trockenbürstens anwenden. Hierzu enthält das Pinselset einen sogenannten Drybrush-Pinsel.

8. Wie geht man an Details heran?

Um den Figuren Charakter zu verleihen, sollte man die Details der Figuren besonders betonen. Eine der wichtigsten und schwierigsten Partien dabei ist das Gesicht. Es erfordert höchste Präzision und viel Erfahrung. Auch hier gilt wieder: Schattieren und Akzentuieren. Wie bei allen Flächen beginnt man auch hier mit einer Grundfarbe und arbeitet sich von dort aus weiter. Bei Augen bietet sich eine weiße Grundfläche an. Es müssen weiterhin Nasenrücken, Wangenknochen, Zähne, Augenbrauen, Augenlider und viele weitere Partien bedacht werden. Ein leichteres Detail sind beispielsweise die Hände. Für eine normale Hand benutzt man eine dunkle Grundfarbe und bemalt diese komplett. Bis auf die Fingerzwischenräume und die Übergänge zu den Ärmeln wird die Hand dann nur noch akzentuiert. Übung macht allerdings auch hier den Meister.

9. Eine Base rundet die Figur ab

Das Gestalten einer Base für die Figur ist einfach. Am besten gestaltet man gleich mehrere für einen ganzen Schwung von Figuren. Dazu streicht man etwas Bastelleim über die Oberseite der Base und lässt ihn etwas eintrocknen. Beispiel: Man kann die Base in eine Mischung aus grobem und feinem Sand tauchen. Dann lässt man die Base einige Stunden trocknen und kann sich anschließend an das Bemalen der Steine begeben. Mit Bastelleim lassen sich etwa Gräser und andere Details aufkleben.

10. Zum Schutz der Figur eine Lackierung auftragen

Das Lackieren sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn schließlich kann man damit die in stundenlanger Arbeit realisierte Bemalung mit einem Schlag zunichtemachen. Die richtige Wahl ist ein matter Lack. Jedoch bedarf es schon einiger Übung, den Lack so gleichmäßig und dünn aufzusprühen, ohne dass die Figuren ihre „Leichtigkeit“ und Ausdruckskraft verlieren.

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