So lernt Ihr Kind durch Tasten, Fühlen und Greifen Formen erkennen

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So lernt Ihr Kind durch Tasten, Fühlen und Greifen Formen erkennen

Vielleicht erinnern Sie sich noch daran, wie Sie als Kind die Welt mit den Händen erkundet haben. Schön fühlte sich beispielsweise die alte Holzbank im Garten oder der Stamm des Lieblingskletterbaumes an – wenn nicht die Finger von klebrigem Baumharz oder andere „Widrigkeiten" bei ihrer Erkundung gestört wurden. Der Tastsinn ist eine der wichtigsten Möglichkeiten der Menschen, die Umgebung zu erkunden und ihre Beschaffenheit zu beurteilen. In der Kindheit lernt man, ihn gezielt einzusetzen und seine Bedeutung zu erkennen.

Da verwundert es nicht, dass sich auch die Spielwarenhersteller dieses Themas angenommen haben. Sie bieten viele unterschiedliche Tastspiele für verschiedene Altersgruppen und mit ganz unterschiedlichen Spielzielen an. Das Tasten erfüllt dabei allerdings immer eine wichtige Aufgabe. Das Angebot, das Sie im Bereich der Tastspiele und Tastspielzeuge entdecken können, ist so groß, dass es ab und an sogar etwas unübersichtlich wirken kann. Daher ist es eine gute Idee, sich vor dem Kauf umfassend über die einzelnen Spielwarenvarianten zu informieren. Darüber hinaus macht es Sinn, einen Blick auf die kindliche Entwicklung zu werfen und zu erkennen, wie der Tastsinn gezielt herausgefordert und gefördert werden kann. Wünschen Sie sich einen solchen Einstieg in das Thema Tastspiele, so können Sie den vorliegenden Einkaufsratgeber gut nutzen. Er wird Ihnen eine praktische Hilfestellung sein und Sie bei der Suche nach dem passenden Tastspiel für Ihr Kind bzw. für das Kind, das Sie beschenken möchten, unterstützen. So können Sie Ihre Kaufentscheidung wesentlich fundierter und gezielter treffen.

Kindliche Entwicklung in Bezug auf das Tasten, Fühlen und Greifen

Spricht man vom Tastsinn, hat man es mit der sogenannten taktilen Wahrnehmung – also mit der Wahrnehmung über die Haut – zu tun. Gerade weil die Haut das größte Sinnesorgan des Menschen ist, ist ein Leben ohne den Tastsinn kaum vorstellbar. Die Haut verbindet uns mit den unterschiedlichsten Umgebungsvariablen und lässt den Menschen längst nicht nur die Dinge wahrnehmen, die er in die Hand nimmt. Auch die Umweltfaktoren wie den Hauch des Windes, die Wärme des Feuers oder die Kälte einer winterlichen Landschaft nimmt der Körper unter anderem durch die Haut wahr.

Gefühle und sozialer Kontakt

Bei Kindern ist die Haut auch als Medium für den Austausch von Gefühlen wichtig und daher für den sozialen Kontakt bedeutsam. So ist es beispielsweise für die kindliche Entwicklung unschätzbar wertvoll, wenn ein Kind regelmäßig gestreichelt, liebkost und in den Arm genommen wird. Fehlt dies, so können schwere psychische Schäden die Folge sein. Die taktile Wahrnehmung – so haben Experten festgestellt – beginnt sogar schon während der Frühphase der Schwangerschaft. Schon auf den zweiten Schwangerschaftsmonat datieren sie den Zeitpunkt, an dem das Kind im Bauch erstmals mit der Haut fühlt.

Der Tastsinn ist damit das Sinnessystem, welches als Erstes während der kindlichen Entwicklung ausgebildet wird. Neben der beschriebenen Berührungswahrnehmung spielt in Bezug auf Tastspiele und Tastspielzeuge vor allem die sogenannte Erkundungswahrnehmung eine wichtige Rolle. Damit bezeichnet man den Einsatz des Tastsinns, um die eigene Lebensumgebung besser zu erfassen. Besonders wichtig ist in den frühen Entwicklungsphasen die Wahrnehmung über die Hände, die Wahrnehmung über die Füße und die Wahrnehmung über den Mund. Vor allem bei den Händen hängt daher auch die Manipulation – also das Gestalten der Umwelt – sehr eng mit der taktilen Wahrnehmung zusammen. Auf diesen Aspekt setzen viele Tastspielzeuge, die schon für Babys oder Kleinstkinder geeignet sind.

Wie Spielzeuge das Tasten, Fühlen und Greifen fördern können

Die Spielzeuge, die für Kinder unterschiedlichen Alters am Markt erhältlich sind, funktionieren vor allem deswegen so gut, weil sie den Spielspaß dem Tastsinn in Verbindung bringen. Dadurch, dass das Spiel interessant ist und durch diverse Mechanismen zum Weiterspielen anregt, wird so auch der gezielte Einsatz des Tastsinns geschult. Das Kind lernt also beispielsweise durch spannende Spiele, die die Feinmotorik fördern, seine Fertigkeiten weiter auszubauen, gezielter zu greifen, Oberflächen zu unterscheiden und vieles mehr.

Darüber hinaus sorgen viele Spiele zur Wahrnehmungsschulung dafür, dass das Kind lernt, sich auf seine eigenen Empfindungen zu konzentrieren. Dazu tragen bei einigen Spielen auch die besonderen Spielregeln bei: Bei dem Klassiker „Blinde Kuh" etwa werden dem Kind, das an der Reihe ist, während des Tastens die Augen verbunden. Dies sorgt zum einen dafür, dass es die Lösung des Rätsels nicht auf andere Art und Weise erkennt. Darüber hinaus erhöht es aber auch die Möglichkeit, sich einzig und allein auf den Tastsinn zu verlassen. Wer schon einmal ausprobiert hat, sich in einem völlig dunklen Raum zu orientieren, weiß, dass die Empfindungen durch diese besondere Umgebung ganz anders wirken. Von einem ähnlichen Effekt weiß man bei Personen, bei denen ein bestimmter Sinn dauerhaft beeinträchtigt ist. Ist ein Mensch beispielsweise blind, sind in der Regel der Tastsinn und der Hörsinn stärker ausgebildet als beim Bevölkerungsdurchschnitt.

Verschiedene Arten von Spielzeugen zum Tasten, Fühlen und Greifen 

Wenn Sie gerne ein Spielzeug zum Tasten, Fühlen und Greifen kaufen möchten, sich aber noch nicht sicher sind, welches Spiel es sein soll, ist eine Orientierung anhand der Spielarten eine gute Idee. Beispiele für ein klassisches Tastspielzeug für die allerjüngsten Kinder sind Greiflinge. Unter diesem Begriff versteht man Babyspielzeuge, die auf die Steigerung der motorischen Fähigkeiten des Kindes abzielen und gleichzeitig den Tastsinn schulen. Es gibt Greiflinge aus ganz unterschiedlichen Materialien wie Holz, Plastik oder diversen Stoffarten. Alle sprechen die Empfindungen des Kindes anders an. Nicht selten werden auch unterschiedliche Materialien und Formen kombiniert, um das Spielen noch spannender zu machen. Ähnlich wie ein Greifling sind auch Rasseln für Babys gedacht. Hier verbindet sich dann gleich noch eine Sinneswahrnehmung mit den anderen, denn durch die Geräusche wird auch der Hörsinn herausgefordert. Viele Babys lieben es, gleichzeitig mit den Händen zu fühlen und dabei zu bemerken, wie sie Geräusche selbst auslösen können. Dies ist ein erstes Beeinflussen der Lebensumgebung und damit ein weiterer Schritt des Babys in Richtung Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit.

Ist das Kind dann etwas älter und hat das Kleinst- oder Kleinkindalter erreicht, werden auch Farben- und Formenspielzeug sehr interessant. Je nach Alter haben auch Kindergartenkinder und Grundschüler noch Spaß mit diesen Spielen. So reicht das Spektrum von den einfachen Legespielen, bei denen bunte Kreise aus Holz auf ein entsprechendes Farbfeld gelegt werden müssen, bis hin zu ersten LÜK-Kästen, die noch für drei- bis fünfjährige Kinder sehr interessant sind.

Auch Steckspiele erfreuen sich nach wie vor einer großen Beliebtheit. Hier gilt es bei den kleinteiligeren Spielvarianten mit kleinsten Teilen, schöne Muster und Bilder zu erzeugen. Der Tastsinn ist dabei besonders wichtig, weil die Kinder sich sehr stark konzentrieren müssen, um mithilfe ihrer Finger die Bauteile genau dort zu platzieren, wo sie hingehören. Nicht selten muss dabei die richtige Stelle für das Steckmodul exakt ertastet werden.

Beliebte Spiele zum Tasten, Fühlen und Greifen für Kinder 

Eine gute Idee beim Kauf von Spielwaren ist es auch, sich an den Klassikern und an den besonders beliebten Spielen und Spielzeugen zu orientieren. Oft werden diese bereits seit vielen Generationen erfolgreich verkauft und die Kinder erfreuen sich in jedem Jahrzehnt aufs Neue über die schönen Beschäftigungsmöglichkeiten.

"Blinde Kuh"

Ein solcher Klassiker ist sicherlich „Blinde Kuh". Das Spielmaterial ist übersichtlich, die Spielidee ist einfach – gerade diese Kombination macht oft den Erfolg der bedeutendsten Spiele aus, sofern die Idee gut ist. Spielziel ist es, blind bestimmte Gegenstände zu ertasten, die man in Form von ausgestanzten Pappkarten in die Hände gelegt bekommt. Darunter sind einfache Figuren wie ein Baum oder eine Schlange, aber auch komplexere Dinge wie eine Glühbirne oder eine Schere. Insgesamt vierzig Formen regen hier den Tastsinn an und fördern gleichzeitig die Fantasie der drei- bis siebenjährigen Kinder. Darüber hinaus wird das Konzentrationsvermögen geschult.

"Planet der Sinne"

Auch „Planet der Sinne" ist ein Spiel für Kinder ab vier Jahren, das den Tastsinn fördert. Doch nicht nur das, denn hier geht es um alle Sinne, und so wird auch gehört, gesehen, gerochen und geschmeckt. Mit Sinnius, dem Sinnesforscher gehen die Kinder auf Reisen und müssen allerlei Aktionen ausführen, die jeweils auf die Verwendung anderer Sinne ausgerichtet sind. Neben der Wahrnehmung soll das Spiel auch förderlich sein für die Gedächtnisfähigkeit, das Reaktionsvermögen, die Feinmotorik und die Sprachentwicklung.

Raupe für das Baby

Die Chicco-Raupe ist dagegen eher etwas für Babys. Sie ist kunterbunt gestaltet und verfügt durch kleine aufgenähte Muster etc. über diverse Oberflächenstrukturen. Dies und der weiche Stoff, aus dem die Raupe besteht, machen sie zu einem Objekt, das Babys gerne immer wieder betasten. Darüber hinaus sorgen die Modelle mit eingebautem Sound dafür, dass auch das Rhythmusgefühl und der Hörsinn des Kindes nicht zu kurz kommen.

Formenspiele

Durch Formenspiele von Fisher Price lernen Kleinkinder Formen kennen, beschäftigen sich spielerisch mit Farben und schulen auch ihren Tastsinn. Die Spiele sind oft so konzipiert, dass Klötze bzw. Gegenstände mit sehr markanten Formen – also zum Beispiel Zylinder, Kugeln und Bälle – durch die passenden Löcher in einen Behälter eingeworfen werden müssen. Geübte Kinder erkunden in der Regel zunächst die Gegenstände und deren Umrisse mit den Händen und tun dann das Gleiche bei den Löchern, die sich in der Box bzw. im Behälter befinden. Passen Loch und Gegenstand zusammen, wird das Einwerfen ausprobiert.

Die Besonderheiten von Montessori- und Waldorf-Spielzeug zur Sinnesförderung

Besondere Spielzeugvarianten sind Montessori- und Waldorf-Spielzeuge. Beide Spielzeuggruppen sind sehr stark auf die Schulung der kindlichen Sinne ausgelegt und nutzen die Sinneserfahrungen, um gezielt die unterschiedlichsten Lerninhalte zu vermitteln. Beim Montessori-Spielzeug gibt es eine eigene Spielzeuggruppe, die sich „Sinnesmaterial" nennt. Im Rahmen der Montessori-Pädagogik steht es den Kindern oft frei, sich für den Einsatz dieses Materials zu entscheiden, wenn es beispielsweise um das Lernen bestimmter Zusammenhänge in der Schule geht. So werden beispielsweise bestimmte Kugeln genutzt, um bei den Kindern den Themenkomplex „Zeit" näher zu beleuchten. Auch die Waldorf-Pädagogik räumt der Sinneswahrnehmung einen hohen Stellenwert ein. Waldorf-Spielzeug ist daher in der Regel nicht nur ästhetisch sehr ansprechend gestaltet, sondern liegt auch gut in der Hand. Bauklötze, ein stapelbarer Regenbogen, Sandsäckchen mit Kirschkernkissen und vieles mehr animieren die Kinder dazu, diese zu ertasten und gerne mit ihnen umzugehen.

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