Singer Nähmaschinen: vom mechanischen Betrieb zu moderner Computertechnik

Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Singer Nähmaschinen: vom mechanischen Betrieb zu moderner Computertechnik

Singer Nähmaschinen können auf eine lange Geschichte und eine rasche Entwicklung zurückblicken. Im Jahr 1851 entwickelte Isaac Merritt Singer in Boston, auf Basis eines bereits vorhandenen Nähmaschinentyps von Howe, eine später nach Singer benannte Nähmaschine. Innerhalb von zwei Jahren wurde das Unternehmen zum führenden Nähmaschinenhersteller der USA und firmierte nun unter der Bezeichnung Singer Manufacturing Company. Nachdem die Singer Nähmaschine 1855 auf der Weltausstellung in Paris einen ersten Preis gewonnen hatte, wurde sie in den nächsten Jahren zur weltweit führenden Marke auf dem Nähmaschinenmarkt. Singers Compagnon, Edward Clark, entwickelte zur Steigerung des Absatzes von Singerprodukten einen Ratenkaufplan. Dieses zur damaligen Zeit neue Zahlungsverfahren für den Kauf von Singer Nähmaschinen kann als die Grundlage für die heute allgemein üblichen Ratenzahlungsverkäufe angesehen werden.

Die erste elektrische Nähmaschine

Bereits im Jahr 1889 brachte die Singer Manufacturing Company die erste funktionierende elektrische Nähmaschine auf den Markt, im Jahr 1921 die erste tragbare und 1978 die erste computergesteuerte Nähmaschine. In den Jahren nach 1929 übernahm Singer mehrere Firmen der Elektronik- und Büromaschinenbranche, sodass das im Jahr 1963 in The Singer Company umbenannte Unternehmen heute nicht mehr nur für die Produktion von Nähmaschinen steht. Dennoch wird der Markenname Singer immer mit dem Begriff Nähmaschine verbunden bleiben.

Mechanische Nähmaschinen der ersten Generation

Die mechanischen Nähmaschinen waren standfeste Geräte mit einem Gestell aus Gusseisen. Sie waren mit einem großen Schwungrad ausgerüstet, das über ein Pedal und angeschlossener Pleuelstange angetrieben wurde. Das Pedal wurde mit beiden Füßen auf- und abwärts bewegt, die Pleuelstange setzte diese linearen Bewegungen in die Drehbewegungen des Schwungrades um. Das Schwungrad wiederum war über einen Keilriemen mit dem Antriebsrad der Nähmaschine verbunden. Vor- und Rückwärtsnähen wurde durch die Art der Betätigung des Pedals gesteuert. Das erforderte einige Übung, war aber durchaus erlernbar.

 

Das Funktionsprinzip der Nähmaschine ist bis heute gleich geblieben

Nur der Antrieb und die Bedienung haben sich im Laufe der Jahrhunderte wesentlich verändert und vielfach auch vereinfacht. Das Nähen mit einer Nähmaschine erfolgt mit zwei verschiedenen Fäden. Der Oberfaden wird beim Nähen von einer Garnrolle abgewickelt, der Unterfaden befindet sich unter der Arbeitsplatte in einer Spule und auch er wickelt sich beim Nähen ab. Der Oberfaden wird in die Nähmaschinennadel eingefädelt, er schlingt sich bei jedem vertikalen Eindringen der Nadel um die Spulenkapsel für cb-Greifer und bildet zusammen mit dem Unterfaden in der Mitte des Stoffes eine Schlinge. CB steht für central bobbin und bedeutet Zentralspule. Spulenkapseln wurden lange Zeit als Schiffchen bezeichnet. Das rührt daher, dass Spulenkapseln historischer Nähmaschinen, auch der Singer Nähmaschinen, vielfach eine längliche und vorn zugespitzte Form hatten, die der eines Schiffes ähnelte. Als die ersten Nähmaschine mit runden Spulenkapseln auf den Markt kamen, wurde zwischen Langschiffchen-Maschinen und Rundschiffchen-Maschinen unterschieden. Heute arbeiten alle Haushaltsnähmaschinen mit runden Spulenkapseln.

Nadel und Unterfadenspule

Die speziellen Nähmaschinennadeln werden in den Nähkopf eingesetzt und bewegen sich vertikal durch den Stoff auf und ab. Mit jedem Hub entsteht im Zusammenspiel mit der Unterfadenspule die Schlinge. Die Stichlänge ist an der Maschine wählbar. Der Nähfuß mit der Öffnung für die Nadel drückt den Stoff auf den Nähtisch und der Transporteur unter dem Stoff transportiert diesen jeweils um eine Stichlänge weiter. Diese Arbeitsgänge sind aufeinander abgestimmt, sodass Stich auf Stich eine Maschinennaht entsteht. Die Spulen waren bei den älteren Nähmaschinen aus Metall, heute sind nur noch Spulen aus Kunststoff im Einsatz. Neben den fußbetriebenen Nähmaschinen gab es auch handbetriebene. Sie hatten eine Handkurbel am Antriebsrad mit einer Übersetzung von 1:3, das heißt, eine Umdrehung bewirkte drei Nähstiche. Für umfangreichere Näharbeiten waren diese Maschinen allerdings nicht geeignet, da immer eine Hand für das Kurbeln gebraucht wurde. Zum richtigen Führen des Stoffes beim Nähen werden jedoch beide Hände benötigt.

Mit dem Einsatz von Nähmaschinenmotoren begann ein neues Zeitalter

Mechanische Nähmaschinen haben über viele Jahrzehnte das Nähen von Kleidung und Wäsche wesentlich erleichtert. Der Pedalantrieb ließ beide Hände für die Näharbeiten frei. Die mechanischen Singer Nähmaschinen blieben lange in Betrieb. Noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts arbeiteten die meisten Nähstuben und Haushalte mit mechanischen Nähmaschinen, obwohl es seit 1889 bereits Nähmaschinen gab, die durch einen Motor angetrieben wurden. Der elektrische Antrieb der Singer Nähmaschinen brachte eine weitere Arbeitserleichterung. Das Antriebsrad der Nähmaschine wurde nun direkt von einem Nähmaschinenmotor angetrieben. Schwungrad und das mechanisch betriebene Pedal entfielen. Die Maschinen wurden leichter, weil die ungleichen Bewegungen des Schwungrades nicht mehr durch das Gewicht der Maschine ausgeglichen werden mussten. Ein Pedal wurde dennoch benötigt, um den Elektromotor zu betreiben. Es war durch ein Kabel mit dem Motor verbunden und konnte mit nur einem Fuß betätigt werden. Das Rückwärtsnähen wurde einfach durch das Drehen des Antriebsrades in die entgegengesetzte Richtung erreicht.

Weitere Innovationen aus dem Hause Singer

Ein weiterer Vorteil der elektrischen Nähmaschine war eine integrierte Arbeitslampe. Dadurch konnte an jedem beliebigen Ort mit der Maschine genäht werden und es war nicht mehr notwendig, erst nach einer passenden Lichtquelle zu suchen. Die ersten elektrischen Nähmaschinen waren Schranknähmaschinen, erst viel später wurden diese Nähmaschinen auch transportabel. Singer Schranknähmaschinen waren im Tisch oder Schrank versenkbar, sodass im Gegensatz zu den feststehenden alten Maschinen nach der Arbeit eine glatte Tisch- bzw. Schrankfläche zur Verfügung stand. Diese Singer Maschinen waren jedoch nicht ohne einen dazugehörigen Tisch oder Schrank nutzbar, weil der untere Bereich der Maschine, also die Nähtechnik, frei zugänglich blieb und nicht durch einen festen Boden gesichert war.

Transportable Singernähmaschinen brachten eine weitere Erleichterung, vor allem für Hobby-Schneider.

Auf Basis der elektrischen Nähmaschinen bekam die Idee, eine transportable Nähmaschine zu entwickeln, reale Chancen. Trotzdem hat es eine geraume Zeit gedauert, bis diese Idee umgesetzt werden konnte. Transportable Nähmaschinen kommen ohne einen zugehörigen Unterbau aus. Sie sind autark nutzbar und können auf jeden Tisch oder Schrank gestellt und benutzt werden. Transportable Singer Nähmaschinen befinden sich in einem festen Gehäuse, das die unter der Arbeitsplatte vorhandene Nähtechnik mit einschließt. Nach der Arbeit werden transportable Nähmaschinen in einem zugehörigen Koffer verstaut. Zum Einsetzen der Spulenkapseln können auch tragbare Nähmaschinen in ihrem Gehäuse aufgeklappt werden.
Auf dieser Basis war es auch möglich, Freiarm-Nähmaschinen wie die Singer 8280 zu entwickeln. Die meisten transportablen Nähmaschinen sind Freiarm-Maschinen. Bei einer solchen Singer Nähmaschine kann der linke vordere Teil des Gehäuses, über den in der Regel der Stoff geschoben wird, abgenommen werden. Übrig bleibt ein freier Näharm. Über diese nunmehr schmale und frei stehende Nähfläche können enge rundgeschlossene Stoffteile, wie Hosenbeine oder Ärmel gezogen und gesäumt werden. Diese Näharbeiten sind mit einer eingebauten Maschine nur sehr schwer oder gar nicht ausführbar.

Die Funktionsweise transportabler Singer-Nähmaschinen

Angetrieben werden auch die transportablen Singer-Nähmaschinen über ein elektrisches Fußpedal, das nach Gebrauch einfach zusammen mit der Nähmaschine im Koffer verstaut wird. Transportable Singernähmaschinen waren anfangs mit den gleichen Funktionen ausgestattet, wie die Schrank- und die mechanischen Maschinen. Die Stichlänge konnte eingestellt werden und einige für Näharbeiten oft genutzte Funktionen wie z. B. der Zickzack-Stich und seine jeweilige Breite. Diese Funktionen wurden und werden auch heute noch mechanisch gesteuert. Für den Zickzack-Stich müssen auch der Nähfuß und die Nähplatte gewechselt werden, damit der Schlitz für die sich seitlich bewegende Nadel breit genug ist.
Im Laufe der Entwicklung kamen weitere Funktionen hinzu, sodass Singer Nähmaschinen wie die Singer 2250 mit vielen Funktionen entstanden, die noch in großer Anzahl im Einsatz sind. Die nach und nach umfangreicher werdenden Funktionen müssen jedoch nach wie vor manuell zusammengestellt werden. Stichform, Stichlänge, Stichbreite werden je nach Bedarf über jeweils einen Drehknebel oder Drehknopf separat eingestellt. Danach funktioniert das Nähen automatisch - bis zum nächsten Wechsel der Stichart. Die meisten dieser Nähmaschinen können Knopflöcher nähen und einige sind auch zum Annähen von Knöpfen geeignet. Diese beiden Funktionen sind jedoch etwas mühsam in der Anwendung.

Moderne computergesteuerte Singer-Nähmaschinen

Als Weiterentwicklung der Automatik-Nähmaschinen entstanden Nähmaschinen, die durch einen integrierten Computer gesteuert werden können. Mussten bei den herkömmlichen Nähmaschinen die einzelnen Funktionen über mehrere Auswahlmöglichkeiten zusammengestellt werden, bieten computergesteuerte Nähmaschinen wie die Singer Confidence 7463 umfangreiche Nähprogramme, die nur mit einem Knopfdruck ausgewählt zu werden brauchen. In diesen Programmen sind die Stichform, -länge, -breite, die Fadenstärke und vieles mehr in dem jeweiligen Programm bereits voreingestellt, und zwar in der idealen Stichbreite und Stichlänge. Das sorgt für besonders gute Nähergebnisse. Der Benutzer braucht nur noch das entsprechende Programm zu wählen, den passenden Nähfuß und die Stichplatte einzusetzen und das für das Programm geeignete Nähgarn auszuwählen. Den Rest erledigt die Singer Nähmaschine.

Overlock Maschinen

Eine Besonderheit unter den computergesteuerten Singer-Nähmaschinen sind Overlock Maschinen. Dieser Nähmaschinentyp, der bisher überwiegend industriellen Nähereien vorbehalten blieb, erobert zunehmend auch kleine Nähstuben und private Haushalte. Singer Overlock Nähmaschinen arbeiten mit bis zu vier Fäden gleichzeitig. Dazu befinden sich auf der Maschine vier Garnspulenhalter anstatt nur einer wie bei herkömmlichen Nähmaschinen. Diese Technologie ermöglicht Nähte und Säume, die wie industriell hergestellt aussehen. Eine Overlock kann gleichzeitig heften, Nähte versäubern und die Nahtzugaben beschneiden. Over bedeutet bei diesem Nähmaschinentyp „über die Kante nähen“, der Stich nennt sich auch Überwendlichstich. Dieser Begriff bezeichnet auch ein Hand-Nähverfahren.

Was verbindet die Nähmaschinenmarken Pfaff und Veritas mit Singer?

Bereits frühzeitig nach der Erfindung der Nähmaschine baute die deutsche Firma Pfaff Nähmaschinen, die, wie Singer, auf der Erfindung von Howe basierten. Die Produkte ähnelten sich bis auf Kleinigkeiten. Pfaff soll auch jahrzehntelang Singermaschinen nachgebaut haben. In den 1990er-Jahren gehörten Pfaff und Singer zu einem Unternehmen, dem Singer-Pfaff-Konzern, die Produkte behielten jedoch ihren jeweiligen Markennamen. Auch Pfaff produziert Overlock-Nähmaschinen. Bereits einige Jahre später trennten sich die beiden Unternehmen wegen schlechter Unternehmensergebnisse. Beide Unternehmen produzieren und vermarkten nun wieder getrennt Nähmaschinen der eigenen Marke.

Auch der Markenname Veritas ist mit Singer eng verbunden. Das Nähmaschinenwerk Wittenberge wurde zwischen 1903 und 1904 als deutsches Zweigwerk des amerikanischen Singer-Unternehmens in Betrieb genommen und produzierte bis zum Kriegsende 1945 Singer-Nähmaschinen. Als das Werk nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in Betrieb genommen werden konnte, wurde der Markenname Singer in Veritas umgetauft. An den Produkten änderte das Umbenennen wenig. Veritas-Nähmaschinen zeugten von hoher Qualität und waren gefragt. In den 1980er-Jahren galt Veritas in Wittenberge als das modernste Nähmaschinenwerk der Welt. Im Jahr 1993 wurde die Produktion in Wittenberge endgültig eingestellt. Gegenwärtig sind wieder Veritas Nähmaschinen auf dem Markt, sie kommen jedoch nicht aus Wittenberge, sondern aus Heilbronn.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden