Simson Schwalbe - Tips für den Kauf

Aufrufe 75 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
 

Schwalbe - für wen?

Leute, die ein formschönes, flottes und preiswertes Moped suchen, sind mit einer Schwalbe bestens beraten. Das Blechkleid mit seinen Ursprüngen in den 1950er Jahren hat Kultfaktor. Anschaffungs- und Unterhaltskosten sind gering. DDR-Mopeds erhielten zur Wende eine unbefristete Ausnahmegenehmigung und dürfen trotz 60 km/h Spitze mit dem normalen Autoführerschein gefahren werden. Mit einer Schwalbe schwimmt man also gut im Stadtverkehr mit und muss sich nicht wie ein Verkehrshindernis fühlen, wie es bei den modernen 45 km/h - Rollern der Fall ist.

Die Schwalbe ist auch das richtige Fahrzeug für Schrauberfreunde und Konsumkritiker: Man merkt ihr an, dass sie nicht als Wegwerfprodukt konzipiert wurde - sie ist robust und kann weitgehend selbst gepflegt und repariert werden. Ersatzteile sind dank zahlreicher Nachfertigungen und eines von MZA neu etablierten Händlernetzes genügend vorhanden und preiswert. Wer den Pflegeplan (siehe Betriebsanleitung) einigermaßen einhält, wird mit seiner Schwalbe aber nie großen Ärger haben!
Wer nicht nur in der Stadt, sondern auch mal auf schlechten Dorfstraßen und unbefestigten Wegen unterwegs ist, kommt in den Genuss des Schwingenfahrwerks und der großen 16 Zollräder der Schwalbe. Längere Strecken lassen sich ebenfalls bewältigen - wer jedoch ständig Landstraßen fährt, sollte sich nach etwas größerem umschauen. Den Schwalbenachfolger SR50 gab es auch mit 70 ccm als SR80 und 75 km/h Spitze. Wenns noch mehr sein soll, empfielt sich ein IWL Roller Troll oder Berlin - oder aber die klassische Vespa mit 80, 125 oder 250 ccm. Für diese kultigen Alternativen ist dann natürlich Führerscheinklasse A1 bzw. A und etwas mehr Geld erforderlich.

Wer sehr sportlich fahren möchte, sollte wegen des niedrigeren Schwerpunktes lieber zur Simson S50/51 greifen. Auch kleinen Personen (unter 1,60 m) wäre das S50/51 zu empfehlen, da man auf der Schwalbe eine relativ hohe Sitzposition hat.
Zu DDR-Zeiten wurde die Schwalbe von der Jugend verschmäht, sie verkörperte in ihrer Altbackenheit den DDR-Mief. Nach der Wende jedoch entdeckte sie der "Wessi" als Kultmoped. Auch im Osten hat sie inzwischen wieder viele Liebhaber und Fans gefunden. Für die Dorfjugend dagegen gilt Schwalbefahren nach wie vor als uncool, was anderes als ne S51 kommt dort nicht in Frage ^^
 

Was ist eine Schwalbe?

Die Simson Schwalbe ist ein Kleinroller, der zu DDR - Zeiten in Suhl (Thüringen) im "VEB Geräte- und Jagdwaffenwerk Ernst Thälmann Suhl" hergestellt wurde. Da die meisten Fahrzeuge im Inland blieben, kann man sich bildhaft vorstellen, wie 1 Million gebaute Schwalben den kleinen 17 - Millionen - Einwohnerstaat DDR bevölkerten. Da das Grundkonzept der Schwalbe auf die späten 1950er Jahre zurückgeht, wirkt sie heute wie aus einer anderen Zeit und hat entsprechend Kultfaktor. Man könnte sie als die Vespa des Ostens bezeichnen. Mit ihrem Beinschild bietet sie besten Schmutz- und Regenschutz, fährt sich jedoch sportlicher als ein Roller. Der Charakter der Schwalbe ist daher nicht ganz so feminin wie der einer Vespa, sondern eher robust und vielseitig.
 

Welche Vorteile bietet die Schwalbe?

- robust und universell einsetzbar (im Vergleich zu Vespa und modernen Stadtrollern)
- formschönes, kultiges Äußeres. Statt klobiger Plasteteile ein graziles Blechkleid
- reichhaltige elektrische Ausstattung (--> Sicherheit!)
- Höchstgeschwindigkeit: >60km/h (moderne Kleinroller gesetzesbedingt nur 45-50 km/h)
- reparaturfreundlich für jeden Interessierten
- preiswert (Anschaffungspreis, Unterhalt, Ersatzteile)
- bei regelmäßiger Pflege sehr zuverlässig und langlebig

Welche Nachteile?

- die Bremsen genügen heutigen Ansprüchen nicht mehr so ganz
- Tacho und Tachobeleuchtung sind relativ störanfällig
- der hohe Schwerpunkt stört bei scharfer Kurvenfahrt. Rasante Fahrer sollten daher lieber zum S 51 greifen 
- braucht Kraftstoff-Ölgemisch, das haben nur noch wenige Tankstellen (muss man also selber mischen)
- Für dichten Stadtverkehr ist das Automatikgetriebe moderner Roller besser geeignet
- wird schon seit über 30 Jahren nicht mehr gebaut
 

Welche Ausführung der Schwalbe ist die Beste?


Für den Alltag eignet sich am besten das Modell KR 51/2 L (L = Luxus). Es wurde 1980 - 1986 gebaut und in den Farben rot und billardgrün verkauft.
+ Durchzugsstarker Motor mit 4 Gängen, viel Kraft auch bei mittleren Drehzahlen
+ 35 Watt Scheinwerferlicht
+ hydraulisch gedämpfte Federbeine
+ Elektronische Zündung (--> Zuverlässigkeit!)
+ bessere Hinterradbremse als bei älteren Schwalben

Wer besonders Wert auf den 60er Jahre - Style legt, sollte sich nach einem Modell bis Baujahr 1973 umsehen.
+ kultige Optik (weiße Zierteile, spitze Auspufftüte, alter Rückspiegel usw.)
+ kerniger Klang und uriges Fahrgefühl
+ sehr langlebiger Motor, durch Gebläse vor Überhitzungen geschützt
- starke Vibrationen in Lenker/Trittbrett/Sitzbank bei hohen Drehzahlen
- Kein optimaler Kraftanschluss beim Schalten der einzelnen Gänge (vor allem bis Februar 1968)
- höherer Verbrauch (3 l/100km), bis Baujahr ca. 1975 ist Gemisch 1:33 erforderlich (belastet Geldbeutel und Umwelt)


Geheimtipp: Modell KR 51/1 S mit Halbautomatik. Optimal für dichten Stadtverkehr!

 

Welche weiteren Schwalbemodelle gab es?

Die Schwalbe wurde 1964 bis 1986 in 3 Generationen gebaut.
1964-1968: KR 51
1968-1980: KR 51/1 mit verbessertem Motor
1980-1986: KR 51/2 mit neu entwickeltem Motor ohne Gebläse und wahlweise 4 Gängen
Dabei gab es stets einen Grundtyp und darüberhinaus einige Sondermodelle. Der Grundtyp besaß 3 Gänge und reibungsgedämpfte Federbeine, die Lichtleistung betrug 15 Watt (ab 1980: 25 Watt). 1964 gab es nur Handschaltung. Ab 65 wahlweise Fußschaltung, die sich auch bald durchsetzte. Typische Farbe war ein kräftiges blau. Daneben gab es anfangs auch kräftiges orange und graugrün (tundragrau). Ab ca. 1984 wurde der Grundtyp saharabraun (ocker) lackiert. 
Das erste Sondermodell kam 1968: Die Schwalbe KR 51/1 S mit Halbautomatik. Hier kuppelt der Motor automatisch, geschaltet wird jedoch ganz normal mit Fußschaltwippe. Die Technik ist ebenso zuverlässig wie das manuelle Getriebe. Sie bedarf etwas Gewöhnung und man beschleunigt etwas langsamer. Für dichten Stadtverkehr ist die Halbautomatik aber eine Wohltat. Das Modell besaß außerdem 25Watt statt 15 Watt Scheinwerferlicht, eine längere Sitzbank, den Schriftzug "SchwalbeS" und hydraulisch gedämpfte Federbeine mit verchromten Hülsen. Sie wurde bis 77 olivgrün und 78 bis 80 rot lackiert. Mit 44 000 gebauten Einheiten zählt die Schwalbe S zu den selteneren Modellen.
1974 kam noch ein Sondermodell hinzu, die KR 51/1 K. Sie hatte eine verlängerte Sitzbank und hydraulisch gedämpfte Federbeine. Bis 77 in der Farbe weiß, 78-80 in der Farbe saharabraun (ockerbraun) gebaut. Insgesamt 185 000 mal.
Ab 1980 gab es dann neue Sondermodelle: Die KR 51/2 E verfügte über 4 Gänge und hydraulische Federbeine. Sie wurde 80-84 in saharabraun und 84-86 in dunklem biberbraun produziert. Das Spitzenmodell KR 51/2 L besaß darüber hinaus eine verschleißfreie elektronische Zündanlage und 35 Watt Scheinwerferlicht. 80-81 in kirschrot, 82-86 in billardgrün gebaut.
 

Tuning/Vebesserungstips

Für Alltagsbetrieb empfielt sich die Umrüstung auf 12V-Elektrik mit VAPE-Zündung (Bausatz: 200 €). Damit bringt man die Schwalbe elektrisch auf den aktuellen Stand. Der Umbau lohnt sich vor allem bei Schwalben, die noch Unterbrecherzündung haben. Der Motor der /2 - Schwalben eignet sich für Tuningzwecke. Vor allem bei S51, aber auch bei der Schwalbe KR51/2 werden daher häufig leistungsgesteigerte Fahrzeuge angeboten. Vor allem eine Hubraumvergrößerung auf 60 ccm ist populär geworden und bietet sich z.B. bei einer Motorüberholung an. Technisch ist das eher unbedenklich, schließlich wurden diese Motoren auch ab Werk teilweise mit 70 ccm gebaut (Simson S70, SR80). Auch wenn diese Veränderung bei Verkehrskontrollen praktisch nicht nachweisbar ist, sollte man sich im Klaren sein, dass das illegal ist. Gern wird auch eine größere Hauptdüse in den Vergaser geschraubt. Das bisschen mehr Power steht hier jedoch in keinem Verhältnis zum höheren Spritverbrauch. Dringend abzuraten ist von Extrem - Tuning mit 4-Kanal - Zylinder, Rennauspuff usw, womit über 10 PS aus dem Motor zu holen sind. Für so viel Leistung ist die Technik nicht ausgelegt und geht sehr schnell kaputt. Wenn nicht durch Motorschaden, endet die Fahrt spätestens bei der nächsten Verkehrskontrolle. Die große Zeit solcher Basteleien ist mittlerweile zum Glück weitestgehend vorbei, es wird wieder mehr auf original Fahrzeuge wert gelegt. 

 

Was ist beim Kauf zu beachten?

1. Motor sollte weder beim Beschleunigen noch beim Gas wegnehmen irgendwelche Rassel- oder Klickergeräusche machen. Manche Geräusche werden erst bei beanspruchtem Motor deutlich. Sofern möglich, also nicht nur ne Runde im Hof drehen sondern mal richtig ausfahren.

2. Sich nach den Wellendichtringen der Kurbelwelle erkundigen. Sie können nur durch eine Totalzerlegung des Motors gewechselt werden (Werkstatt: ca. 200 €), sollten daher beim Kauf in Ordnung sein. Undichte Ringe erkennt man an nach Benzin riechendem Getriebeöl und weißem Auspuffrauch. Man kann zwar so fahren, aber die volle Leistung erreicht man dann nicht mehr und das Getriebeöl muss häufiger gewechselt werden.

3. Geradeauslauf ok? Schlingern? Schwalben haben durch kleine Unfälle nicht selten eine verzogene Schwinge oder unrunde Laufräder. Das mindert die Fahrstabilität. Bei Lenkerpendeln könnte auch einfach das Lenkerlager locker sein. Ansonsten sind Reparaturen am Fahrwerk meist aufwendig und teuer, sollte daher beim Kauf in Ordnung sein. Außerdem den Rahmen auf eventuelle Risse prüfen.

Sind diese drei Punkte ok, ist das schon mal nicht schlecht. Alle anderen Defekte oder Störungen lassen sich mit geringem Aufwand reparieren und brauchen deshalb kein grundsätzliches Hindernis zu sein. Ein paar typische Fälle:

4. Rost im Tank bereitet oft Sorgen, mal mit ner Lampe reinleuchten. Sollte er rostig sein, muss man Benzinhahn und Vergaser regelmäßig säubern, sonst verstopft die Spritzufuhr. Achtung: Tanks werden als Neuteil aus Billigproduktion verkauft, diese haben sehr schlechte Schweißnähte die mitunter aufreißen! Originale Neuteile aus der DDR gibts nicht mehr - das beste ist es daher, einen rostigen Tank gründlich zu entrosten und wiederzuverwenden. Dazu gibt es diverse Anleitungen im Internet.

5. Stottern, Leistungsmangel, instabiler Leerlauf und schlechtes Startverhalten hängen fast immer mit Fehlern in Zündung, Benzinzufuhr oder Auspuffanlage zusammen, die sich mit wenig Aufwand reparieren lassen.

6. Oft sind noch die alten DDR-Reifen drauf. Solang sie noch Profil haben, kann man sie weiter benutzen. Kleine Risse sind nicht bedenklich. Allerdings ist der Gummi oft ausgehärtet und die Bodenhaftung nicht mehr so gut, dessen sollte man sich bewusst sein. Für neue Bereifung empfielt sich das Profil K36 von "Heidenau".

7. Elektrik: Licht, Brems- und Rücklicht sowie die Tachobeleuchtung sollten funktionieren. Bei Einbau einer Batterie werden außerdem Blinker, Parkleuchte, Hupe und Leerlaufkontrollleuchte mit Strom versorgt.

8. Papiere: Schön ist's natürlich, wenn man die alten Originalpapiere ausgehändigt bekommt. Sollten diese fehlen, ist das aber nicht schlimm. Eine Allg. Betriebserlaubnis kann für ca. 25 € in Flensburg neu beatragt werden. Wichtig beim Kauf ist vor allem ein Kaufvertrag. 

9. Kilometerstand beachten. Es gibt noch einige Schwalben mit weniger als 15 000 km auf der Uhr. Das kommt wohl daher, dass Mopeds früher manchmal nur als Zweitfahrzeug genutzt wurden. Mitunter war oder ist die Tachowelle defekt, sodass der Kilometerstand nicht stimmt. Am Gesamtzustand des Fahrzeugs lässt sich meist erahnen, ob der Km-Stand realistisch ist oder nicht (z.b. an abgegriffenen Lenkergriffen). Geringe Kilometerlaufleistung ist beim Kauf ein Pluspunkt. Sollte die Schwalbe über 20 000 km gelaufen sein, sollte man sich erkundigen ob bereits eine Motorüberholung stattgefunden hat. Ansonsten muss man damit rechnen, dass diese bald nötig wird. Es stellen sich allmählich Nebengeräusche ein, und spätestens nach 40 000 km muss der Motor regeneriert werden (ca. 250 € in der Werkstatt). 

10. Originalzustand ist immer ein Kaufargument. Mit Fahrzeugen, an denen schon viel gebastelt wurde, hat man oftmals Ärger. Sollte eine Schwalbe restauriert worden sein, sollte man aufpassen, sich nicht vom frisch glänzenden Lack zu täuschen. Nicht immer wurde auch unterm Blech gute Arbeit gemacht. Zum Teil nicht einmal wegen Schludrigkeit des Besitzers, sondern durchaus auch wegen minderwertiger Qualität verbauter Ersatzteile. Daher ist es immer am besten, ein gepflegtes, unrestauriertes Fahrzeug zu kaufen oder ein professionell Vollrestauriertes. Im Übrigen haben unverbastelte Schwalben ein hohes Wertsteigerungspotential!

11. Die Schwalbe möglichst vor dem Kauf besichtigen! Auf Fotos sieht manches besser aus als es in Wahrheit ist.

 

Wie teuer ist eine Schwalbe?

Kaufpreis

Nach der Wende gab es angebotene Schwalben wie Sand am Meer, der Tauschwert lag nicht selten bei nem Kasten Bier. Inzwischen ist die Nachfrage längst wieder größer als das Angebot. Der Preis wird nach wie vor von Leuten bestimmt, die die Schwalbe als Gebrauchsgegestand nutzen wollen. Deshalb geht vor allem der Preis für die  jüngeren /2 - Schwalben nach oben, sie sind für Alltagsbetrieb besonders geeignet.

Höchstpreise erzielen komplett neu aufgebaute Schwalben, die auf 12V/VAPE umgerüstet wurden. Dafür sind 1500 - 2000 € hinzublättern, was im Vergleich zu einer neuen Vespa immer noch preiswert ist. Schwalben, die sich in einem Top Erhaltungszustand mit nur minimalen Gebrauchsspuren befinden, kosten 1000-1500 €. Dabei gibt es noch immer ab und zu unrestaurierte Exemplare, die nur sehr wenig gefahren wurden und daher top erhalten sind.  Eine gute Schwalbe mit kleineren Spuren der Jahre kostet 600 - 1000 euro. Hat die Schwalbe schon deutliche Gebrauchsspuren, ist aber technisch noch fit, werden etwa 400 - 700 euro fällig. Weniger schöne Schwalben, bei denen Reparaturen anstehen, kosten 250 - 500 euro. Für marode Ersatzteilspender werden 150 - 300 € gezahlt, da allein der Rahmen mit der 60 km/h - Zulassung einiges wert ist. Die /2-Schwalben erreichen Preise am oberen Rand, vergleichbare /1-Schwalben kosten meist deutlich weniger.

Unterhalt

Der Spritverbrauch von 2,7 bis 3,1 l/100 km hält die Kosten überschaubar wie auch die geringen Ersatzteilpreise.  TÜV und amtliches Kennzeichen/Steuern braucht die Schwalbe nicht. Das Versicherungskennzeichen kostet 50-70 € für 1 Jahr. Günstig ist z.B. die HUK, vor allem für Personen ab 23 Jahren. Für Sammler empfielt sich das Oldtimerkennzeichen der Allianz, das kostet nur 25 €/Jahr. Ebenfalls wenig bekannt ist die Option eines roten Kennzeichens, das auf Anfrage auch an Privatpersonen ausgehändigt werden kann. Für Probefahrten darf dieses Kennzeichen an beliebig vielen Fahrzeugen verwendet werden, es kostet 70 €. Um solche Sonderkennzeichen zu bekommen, muss man sich jedoch selbst über die Konditionen informieren, da die Versicherungen diese nur ungern herausgeben. Ist alles mit etwas Glück und Zeitaufwand verbunden.
 

Tips zur Pflege und Handhabung

Für störungsfreien Fahrspaß

Nach dem Kauf sollte man provisorisch folgende Teile erneuern: Zündkerze, Kerzenstecker, Dichtung im Benzinhahn und das Getriebeöl. Ein wichtiges Verschleißteil ist auch der Unterbrecher. Ersatz-Unterbrecher haben leider meist eine schlechte Qualität. Sofern sich die Zündung noch einstellen lässt, sollte der alte Unterbrecher so lange wie möglich beibehalten werden. Für Zündungseinstellung und Unterbrecherwechsel braucht man etwas Erfahrung. Für den Anfänger empfielt es sich daher, diese Arbeiten in einer Werkstatt machen zu lassen (ca. 25 € ). Wer eine L-Schwalbe hat, spart sich diesen letzten Punkt, da sie keinen Unterbrecher hat! 

Sollte man mal überraschend liegen bleiben,

am besten erst mal ein paar Minuten warten. Nicht selten lässt sich die Schwalbe dann wieder starten und man kommt erst mal weiter. Springt sie nicht wieder an, zieht man den Benzinschlauch vom Benzinhahn ab und schaut, ob da Sprit rausläuft. Falls nicht, ist der Hahn verstopft, Benzin alle oder das Entlüftungsloch im Tankdeckel zugesetzt. Alles drei sind häufige Störungsursachen! Fließt das Benzin am Hahn gut heraus, prüft man, ob der Auspuffkrümmer fest am Motor sitzt. Ist er locker, erkennt man das auch oft an schwarzen Spritzern am vorderen Kotflügel unten. Ansonsten hilft oftmals eine neue Zündkerze, die man stets dabei haben sollte. Damit kommt man meistens erst mal weiter. Dass man wirklich hilflos liegen bleibt, kommt mit der Schwalbe nur selten vor (gebrochene Schaltfeder z.B.).

Regelmäßig gepflegt werden sollten unbedingt

....der Gasgriff. Er braucht immer mal frisches Fett, damit er funktioniert. Auch die Bowdenzüge sollte man regelmäßig Ölen und auf Schäden prüfen. Sie sollten alle leichtgängig sein. Der Getriebeölstand muss ab und zu kontrolliert werden. Gelegentlich sollte man den Dämpfer im Auspuff herausnehmen und von Ablagerungen befreien. Ein zugesetzter Auspuff führt zu instabilem Leerlauf und verringerter Leistung. Bei der Zündkerze sollte man von zeit zu Zeit den Elektrodenabstand mit einer Fühlleere prüfen. Er muss 0,4 mm betragen, ansonsten verschlechtert sich vor allem das Startverhalten! Den Benzinhahn sollte man regelmäßig säubern, vor allem wenn der Tank rostig ist. Achtung: Oft wird das Kücken zu fest angezogen, sodass die Dichtscheibe kaputt geht. Der Hahn sollte sich leichtgängig auf- und zudrehen lassen! Zusätzliche Filter in der Benzinleitung haben sich nicht bewährt, die stören mitunter die Zufuhr in den Vergaser. In größeren Abständen immer mal den Luftfilter reinigen und die Unterbrecherkontakte einstellen bzw. Unterbrecher austauschen. Der Vergaser wird viel zu oft unnötiger weise aufgeschraubt. Dort gibt es nichts, was regelmäßig gepflegt werden müsste. Man läuft nur Gefahr, etwas an der feinen Mechanik zu beschädigen, viele Vergaserstörungen ergeben sich durch unsachgemäße Herumschrauberei an demselben - Folge ist oftmals falscher Schwimmerstand oder ein undichter Schwimmer. Dreck in der Benzinleitung verstopft vor allem den Benzinhahn. Dessen Säuberung wird oft vernachlässigft, weil er umständlich erreichbar unter dem Heckpanzer verborgen ist. Die Batterie bedarf der üblichen Batteriepflege (Ausbauen bei längerer Standzeit, destilliertes Wasser nachfüllen). Viele weitere Pflege- und Reparaturtips findet man dem großen Schwalbe-Buch, das sehr empfehlenswert ist:

Schnelle Hilfe findet man auch im "Schwalbennest" (Forum für die Schwalbe, einfach googeln)

sowie im ddrmoped forum

Zur Fahrweise noch ein Tip

Grundsätzlich sollte die Schwalbe auch ohne Choke anspringen. Dazu Gas aufdrehen und ankicken. Wenn das nicht klappt, Gas zudrehen, Choke ziehen und OHNE GASGEBEN 1-2 mal ankicken. Dann Choke schließen und wieder mit Gas antreten. Spätestens jetzt sollte sie laufen. Der Benzinhahn sollte geschlossen werden, wenn die Schwalbe abgestellt wird. Denn unter ungünstigen Umständen kann sonst Benzin auslaufen oder der Motor "ersaufen".

Die Schwalbe ist ein Zweitakter. Das heißt, man kann mit ihr nicht fahren wie mit nem Golf Diesel. Bevor man Gas gibt, sollte man sich überlegen, wieviel Kraft man braucht. Dümpelt man bei 30 km/h im größten Gang dahin, steht nur wenig Kraft zur Verfügung. Also sollte man nur vorsichtig Gas geben. Braucht man mehr Kraft, bloß nicht sofort Vollgas geben, sondern erstmal zurückschalten und dann mit höherer Drehzahl den Gasgriff aufdrehen. Denn zuviel Gas in tiefen Drehzahlen schadet dem Motor stark. Ansonsten gilt natürlich, dass man mit möglichst niedrigen Drehzahlen fahren sollte. Das spart Sprit, Lärm und tut dem Motor auch gut, solang man ihn nicht mit plötzlichem Vollgas quält. 
Eine gesunde Schwalbe erreicht ihre 60 km/h locker, meist sogar etwas mehr. Das heißt aber nicht, dass man ständig so schnell fahren muss. Oberhalb von 55 km/h steigen Verbauch und Motorverschleiß erheblich an. Wer nur sehr kurze Strecken oder immer in der Stadt fährt, sollte ab und zu eine Vollgasfahrt auf der Landstraße einlegen, da der Motor in der Stadt seine Betriebstemperatur oft nicht erreicht und sich mit viel Ruß und Ölkohle zusetzt. Das mindert die Leistung.

Fürs Kraftstoff-Ölgemisch sollte man das Öl in Werkstätten oder online kaufen, notfalls gibts das auch an jeder Tankstelle, allerdings zu deutlich höheren Preisen. Mineralisches Öl ist am billigsten, das verträgt der Motor problemlos. Empfehlenswerter ist jedoch teilsynthetisches, noch besser vollsynthetisches Öl. Es verbrennt rückstandsärmer, was den Motorlauf positiv beeinflusst, den Auspuff freihält und die Abgasfahne verringert. Man dient damit also sowohl seinem Motor als auch der Umwelt. Gemisch 1:50 (Schwalben vor 1976: 1:33) ist völlig ausreichend. Mehr Öl sollte man nur bei einem neuen oder überholten Motor verwenden, der noch eingefahren werden muss. 

Der Kippständer ist ein bisschen labil konstruiert und verbiegt sich mit der Zeit. Daher die Schwalbe möglichst sanft aufbocken und nicht auf die Schwalbe setzen, wenn sie aufgbockt ist!
 

 

Papiere und Verkehrskontrolle

Gerät man in eine Verkehrskontrolle, ist neben der Fahrerlaubnis Klasse M auch der Versicherungsschein vorzuzeigen, den man stets mitführen sollte. Laut Gesetz ist es außerdem vorgeschrieben, eine allgemeine Betriebserlaubnis mitzuführen. Aber nur wenige Polizisten legen darauf wert. Als Allgemeine Betriebserlaubnis wird auch der alte grüne DDR-Schein bzw. Registrierschein für Kleinkrafträder anerkannt, selbst wenn der eingetragene Besitzer völlig veraltet ist. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich aber in Flensburg eine aktuelle Allg. Betriebserlaubnis für seine Schwalbe ausstellen lassen (kostet etwa 25 €). Viel wichtiger ist es jedoch, auf eine gültige Versicherung zu achten. Schon eine kleine Probefahrt auf der Straße ohne Versicherung kann zu einem schweren Verhängnis werden und wird mit bis zu mehreren Jahren Freiheitsstrafe bestraft. Kein Witz! Dagegen ist eine fehlende allg. Betriebserlaubnis Peanut. 
Ebenfalls ernst sollte man ausreichende Profiltiefe im Reifen nehmen. Und natürlich: Finger weg vom Alkohol! Weniger streng wird das Fehlen oder Tragen eines unangemessenen Helmes geahndet. Dass Polizisten anzweifeln, dass die Schwalbe mit Führerschein Klasse M gefahren werden darf, kommt nur selten vor. Falls doch, sollte man sich auf jeden Fall zur Wehr setzen und sich keinen Scheiß erzählen lassen. Auch die Polizei irrt manchmal. Auf vielen Versicherungsscheinen wird diese Ausnahmegenehmigung sogar zitiert, einfach dem zweifelnden Polizisten vor die Nase halten. 
 

 

Zubehör für die Schwalbe

Zuerst einmal der Helm:

Passend zur Schwalbe ist natürlich eine zeitgenössische DDR-Halbschale (Bild). Sie ist nicht ECE-gerecht, aber das Gesetz lässt einigen Interpretationsspielraum, da nicht ausdrücklich gesagt wird, dass nur ECE-gerechte Helme als Helme gelten. Ob ein Helm als Helm anerkannt wird oder nicht, kann der Polizist im Einzelfall selbst entscheiden.Insofern unterliegt man als Halbschalenfahrer einer gewisssen Willkür. Aber das Risiko ist gering, selbst wenn ein Polizist die Halbschale nicht anerkennt, wird nur ein kleines Verwarnungsentgeld wegen Fahren ohne Helm fällig. Da gibts also schlimmeres... Weitere Infos zu diesem vieldiskutierten Thema finden sich im Netz.

ECE - gerechte Jethelme bieten freilich mehr Sicherheit, doch sie sind arg voluminös. Es gibt auch schmalere, formschöne Jethelme nach ECE-Norm, sie sind jedoch erst ab 200 € aufwärts zu bekommen. Integralhelme schränken die Sicht ein, sind oft unangenehm schwer und wirken auf einer Schwalbe deplaziert.

Bekleidung

Dank des Wetterschutzes und der Schaltwippe, kann man selbst im Anzug und gutem Schuhwerk mit der Schwalbe fahren. Abgesehen von Handschuhen braucht man keine spezielle Kleidung zum Schwalbefahren.

Zubehör

Der serienmäßige Gepäckträger ist überaus praktisch. Ideal für Aktentaschen, aber auch alles mögliche andere geeignet. Manche Schwalben wurden zu DDR-Zeiten mit Anhänger gefahren und besitzen entsprechende Kupplung und Elektrikanschluss.. Einen originalen Anhänger bekommt man für etwa 100 €. Sehr praktisch. Des weiteren gab es in der DDR Kindersitze mit Fußrasten für die Schwalbe. Für Fahrten an kalten Tagen empfiehlt sich die Kniedecke. Sie hält die Beine und Knie warm und schützt vor Nässe. Allerdings schränkt sie auch die Bewegungsfreiheit ein, vor allem bei großen Personen.

 

Vorläufer und Nachfolger der Schwalbe

Vorläufer KR 50


Der Vorgänger der Schwalbe heißt schlicht KR 50 und war der erste Kleinroller der DDR. Er ist der Schwalbe sehr ähnlich, hat aber nur 1 Sitzplatz, 2 Gänge und schafft 50 km/h (1958 - 1964 gebaut).
 

Nachfolger SR 50/80



Im Frühling 1986 begann die Serienfertigung des SR 50. Ein völlig neukonzipierter Roller, der die Schwalbe ziemlich alt aussehen ließ. Dass die Konstruktion sehr fortschrittlich war, zeigt sich daran, dass der Roller auch nach der Wende fast unverändert noch bis 2001 weitergebaut wurde. Er fährt sich wesentlich komfortabler als die Schwalbe, sieht aber eher unauffällig aus und ist daher weniger bekannt und kein Kultfahrzeug. Dabei ist der SR 50 für den Alltag eigentlich empfehlenswerter als die Schwalbe. Ihn gab es sogar mit Elektrostarter, 12 Volt - Elektrik und als SR 80 mit 75 km/h Höchstgeschwindigkeit. Ab 1992 musste die Höchstgeschwindigkeit aber auf die in der BRD zulässigen 50 km/h gedrosselt werden, womit ein Pluspunkt der Simsonmopeds verlorenging.



Nicht unerwähnt bleiben  soll das Duo. Das ist zwar nicht von Simson, besteht aber zu beträchtlichen Teilen aus Baugruppen der Schwalbe, was man ihm auch ansieht. Größter Unterschied: Das Duo hat 3 Räder. Insgesamt sieht es sehr skurril aus. Es fungierte zu DDR - Zeiten als Krankenfahrstuhl und war nicht käuflich zu erwerben, es wurde vom Arzt verschrieben. Es lässt sich komplett per Hand bedienen. Der Behinderte musste Werkstattaufenthalte nicht selbst bezahlen und erhielt nach einigen Jahren ein neues Duo. Hier schimmert etwas vom Sozialstaat DDR durch. Allerdings war das Duo in seiner primitiven Konstruktion für Behinderte eher eine Zumutung, zumal es keine Weiterentwicklungen gab. Nichtsdestotrotz sitzt man im Duo ausgesprochen bequem und chillich. Und welcher Gehbehinderte ist heutzutage mit einem 50 km/h-schnellen Rollstuhl unterwegs? Ausgemusterte Duos gerieten meist in die Hände bastelnder Jungendlicher. Fahrspaß ist damit garantiert. Auch hier griff zur Wende eine Ausnahmeregelung, sodass auch das Duo weiterhin als Moped gilt und zum Fahren lediglich ein Versicherungskennzeichen nötig ist!


Der Vollständigkeit halber muss natürlich noch erwähnt werden, dass die Schwalbe nur den Kleinrollerbedarf abdeckte. Den Hauptteil der Produktion bei Simson machten verschiedene Moped- und Mokickmodelle aus. So gehört die Schwalbe zu einer ganzen Vogelserie (Spatz, Star, Sperber, Habicht). Diese Modelle wurden aber schon Mitte der 70er von einer neuen Mokick - Generation abgelöst, den S50/51. Das waren die typischen DDR-Mokicks, die auf jedem Schulhof herumstanden und noch heute zahlreich gefahren werden. Vieles hier gesagte trifft natürlich auch auf all diese Mokick-Modelle von Simson zu!
Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden