Röhrenprojektion gegen digitale Projektion?

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Hallo liebe Ebaygemeinde,

 

immer wieder werden vollmundig Röhrenprojektoren für das Heimkino angeboten, wo viele Laien nicht mehr entscheiden können, ob sie auf die "alte Technik" oder doch lieber auf die digitale Technik setzen sollen.

Grundlegend muß man wissen, das beide Techniken vor und Nachteile aufweisen. Geht man beim Vergleich beider Techniken davon aus, daß es sich jeweils um hochwertige Projektoren handelt (Röhre z.B. ab 8"), sind folgende Anmerkungen zu machen:

Der Platzbedarf eines Röhrenprojektors ist gegenüber den meisten Digitalos deutlich größer, worüber man sich klar sein muß. Die Einstellungen sind ebenfalls bei der Röhre umfangreicher, da immerhin 3 einzelne Objektive ausgerichtet und auf Übereinstimmung (Konvergenz, Stigmata, Schärfe etc.) gebracht werden müssen, was für Laien nicht unbedingt einfach zu händeln ist. Auch bei den hochwertigsten Röhrenprojektoren ist ab und an eine Korrektur notwendig, wobei z.B. die elektronischen Konvergenzeinstellungen unempfindlicher sind, als die analogen Potis einiger alter Röhrenprojektoren. Das relativ hohe Gewicht  eines Röhrenbeamers spricht fast ausschließlich für eine stationäre Nutzung, d.h. einen Röhrenprojektor kann man schlecht in die Gegend herumschleppen, um schnell mal, z.B. bei Freunden und Bekannten Kinofeeling aufkommen zu lassen.

Die Helligkeit einer Röhre liegt i.d.R. auch bei 9 Zöllern deutlich unter denen was Digitalos projezieren können, so daß bei der Röhrenprojektion ein dunkler Raum unbedingt Pflicht ist!  Hierbei ist jedoch dringend anzumerken, daß bei jeglicher guten Projektion der Raum eh abgedunkelt sein sollte, um den Kontrastumfang voll ausschöpfen zu können, denn die Leinwand kann nur soviel "Schwarz" zeigen, wie es das Umgebungslicht zu läßt. Da jedoch nicht alle einen dunklen Raum für die Projektion zur Verfügung haben, ist zumindest dort ein lichtstarker Beamer anzuraten.

Vor wenigen Jahren hatte die Röhrenprojektion genau bei dem Thema "Kontrast" deutlich die Nase vorn, womit auch heute noch gern geworben wird. An dieser Stelle muß aber gesagt werden, daß die Digitalos in diesem Bereich erheblich aufgeholt haben. Die Kontrastumfänge vieler Digitalos ist heute besser als der Projektionsraum es zu läßt. Um z.B. einen Kontrast von 15.000:1 ausschöpfen und umsetzen zu können, müßte der Raum komplett in ein nicht reflektierendes Schwarz eingekleidet sein, aber wer hat schon solch einen Raum zur Verfügung? Kontrastumfänge von 3.000:1 sind daher in den meisten Fällen als völlig ausreichend anzusehen. Lassen sie sich also nicht von der Werbung verrückt machen, denn es nützt auch nichts, wenn utopische Kontrastwerte nur bei einer untauglichen Bildeinstellung zu erzielen sind. Oftmals sind die angebenen Kontrastwerte bei optimaler Einstellung des Bildes nicht realisierbar, was man in div. Fachzeitschriften nachlesen kann, ein gutes Werbemittel ist es dagegen allemal!

Bei dem Thema Farbtreue ist festzustellen, daß genau an diesem Punkt die Meinungen deutlich auseinander gehen, ähnlich wie die Debatte zwischen den Venylplatten-Liebhabern und den CD-Anhängern (analog gegen digital).

Da wir bereits beide Techniken über lange Zeit ausprobieren konnten ( z.B. Sony, Marquee, Sharp, Marantz etc.) entsteht nach unserer Meinung hier eine klare Pattsituation, sofern es sich bei dem Vergleich um die neueren und höherwertigen Digitalos handelt. Die Digitaltechnik hat zwar in diesem Punkt nicht die Nase vorn, aber sie ist derzeit auf einem relativ ähnlich hohem Niveau angekommen. Das spricht eigentlich für die Röhre, wenn man dabei überlegt, daß überwiegend gebrauchte Geräte auf dem Markt angeboten werden, die z.T. 10 Jahre alt sind und immerhin mit der neuen Technik in diesem Punkt noch mithalten können! 

Die native Auflösung eines digitalen Projektors sollte so hoch sein, daß wenigstens 1280x720 (echte und nicht hochgerechnete) Pixel zur Verfügung stehen und somit annähernd HDTV-Qualität projeziert werden kann. Die sogenannten Full-HD Digitalos besitzen bereits eine native Auflösung von 1920 x 1080 Pixel und kommen somit ohne "hochrechnen" aus.  Bei einer 9" Röhre muß man sich i.d.R. über die native Auflösung keine Gedanken machen, da diese überwiegend die volle HDTV-Auflösung von 1920 x 1080 Pixel (bei der Röhre Zeilenabtastung) darstellen kann und demzufolge hier nicht künstlich "hochgerechnet" werden muß.

Bei den Kosten sollte man hingegen wissen, das bei Digitalos nach ca. 2.000Std. (je nach Modell und Nutzung) eine neue Lampe fällig wird, die mit ca. 300 - 500,-€  zu Buche schlagen kann, die Röhrenhaltbarkeit liegt dagegen bei ca. 10.000 - 20.000Std. Auch bei den laufenden Kosten, was zumindest den Stromverbrauch angeht, hat die Röhre i.d.R. die Nase vorn, da eine Digitalo-Lampe mal locker 300Watt und mehr schlucken kann. Dieser Kostenvergleich bezieht sich jedoch ausschließlich auf die Tatsache, daß an dem Röhrenprojektor nichts kaputt geht, da ansonsten erhebliche Kosten auf einem zukommen können, die evtl. auch mal einen "Totalschaden" im Vergleich zum Anschaffungswert auslösen. Viele Ersatzteile müssen eh gebraucht erworben werden, da viele Hersteller ihre Lieferung bzw. die Herstellung von Ersatzteilen eingestellt haben. In welchem Zustand sich die gebrauchten Ersatzteile dann befinden, steht auf einem ganz anderen Blatt geschrieben, zu dem hier nicht weiter Stellung genommen wird. Auch sogenannte Updates wird es bei den meisten Herstellern von Röhrenprojektoren nicht mehr geben, da die Software i.d.R. nicht mehr gepflegt wird. Das erklärt auch warum die Digitalprojektion in der Lage ist und war, die Röhrenprojektion mittlerweile ein-bzw. zu überholen.

Zum Thema "Einbrennen von Standbildern" ist zu sagen, daß dieses Phänomen nur bei der Röhrenprojektion auftreten kann, da hierbei die Phosphorschichten (ähnlich wie bei Plasmafernseher) in den Röhren beeinträchtigt werden, was den Digitalos fremd ist. 

Bei der Geräuschentwicklung und der Schärfenabbildung haben die Digitalos i.d.R. die Nase vorn, d.h. wenn Sie den Projektor im selben Raum benutzen möchten wo Sie auch Kino sehen, werden Sie einen modernen Digitalo akustisch kaum noch wahrnehmen, da die Geräusche des Lüfters bei vielen Herstellern schon deutlich unter 30dB liegen. Ein Röhrenprojektor hat dagegen i.d.R. mehrere große Lüfter verbaut, die überwiegend deutlich hörbarer sind, sofern der Projektor nicht nachträglich "Geräusch optimiert" wurde. Aber hier ist Vorsicht angesagt, denn ob die Luftzufuhr noch denen der Herstellervorgaben entspricht, ist in vielen Fällen fraglich, bzw. schwer nachzuweisen und ein gebrauchtes Hochspannungsnetzteil kann - je nach Hersteller - mal locker Kosten von 1000,-€ und mehr verursachen! Das Bild eines digitalen Projektors ist i.d.R. knackscharf und zeigt nicht die Weichzeichnung einer Röhre, was insbesondere an dem Einstellkreuz zum Scharfstellen oder beim projezieren von Schriften gut zu erkennen ist.

Fazit:

Röhrenprojektion ja, wenn der Kaufpreis stimmt (keine utopischen Preise mit dem Hinweis damaliger Neupreise), die Räumlichkeiten entspechend vorhanden sind, technischer Sachverstand oder wenigstens Hilfe zur Verfügung stehen, eine Festinstallation ansteht, keine lang anhaltenen Standbilder projeziert werden sollen (Einbrenngefahr), die meist analogen Anschlüsse (selten HDMI, DVI ) ausreichen, ein etwas weicheres Bild gewünscht wird, auf Updates verzichtet werden kann oder es unbedingt ein Analoggerät sein soll. Für die Kinoprojektion ist dann in jedem Fall einem kinooptimierten Röhrenprojektor gegenüber einem Daten-Röhrenprojektor der Vorzug zu geben, da dieser vom Hersteller besser auf Schwarzwerte und Bewegungen (Kinomodus) abgestimmt und optimiert wurde. 

Alle anderen Kino-Interessenten sollten sich nach einem guten Digitalo umsehen (gutes reales Kontrastverhältnis ab 1000:1, HDTV tauglich, mind.1280x720Pixel, gute Linsen/Optiken, überschaubares Preis-Leistungsverhältnis). Es bringt machmal mehr ein Vorgängermodell zu erwerben, als ein aktuelles Gerät, da der Preisverfall derzeit immens ist (siehe auch anderen Ratgeber "Marantz Projektor").

Wenn Sie sich einen Projektor, egal ob Röhre oder Digital zulegen möchten, dann sollten Sie in jedem Fall Ihre besten DVD´s für einen Vorführtermin mitbringen, um möglichst eine reale Vergleichsmöglichkeit zu haben. Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf vorgeführtes HDTV-Material, denn die meisten DVD Sammlungen und Filme laufen über Pal und somit nur niedrig auflösend. Ein Projektor sollte aber auch Ihre alten DVD´s, noch gut darstellen können. Sogenannte Full-HD Digitalprojektoren, deren Auflösung echte 1920x1080 Pixel erreichen, müssen bei einer Pal-Auflösung erheblich hochrechnen um das Bild zu füllen. Fällt diese Rechnerleistung nur mittelmäßig aus, ist das Ergebnis auch auf der Leinwand zu sehen, womit eine hohe Pixelzahl grundsätzlich nicht immer die beste Lösung sein muß!

 

Dieser Ratgeber beruht auf persönliche Erfahrungen und besitzt keinen Rechtsanspruch! 

MFG.

Euer zockibaby

 

 

 

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