Reifenkauf / Reifenbehandlung / Lagern

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Es gibt zwar eine Menge Ratgeber über Reifen, aber wenige beschäftigen sich mit der richtigen Lagerung der Reifen, bzw. Räder wenn sie nicht gebraucht werden. Und die Reifenindustrie schreibt auch nicht viel darüber, denn sie will schließlich verkaufen!

1. Winterreifen

Winterreifen sollten nach der Demontage im Frühjahr gründlich gereinigt werden. Streusalz, Bremsstaub und Straßenschmutz mit einem Hochdruckreiniger, Scheuerbürste und Felgenreiniger zu Leibe rücken. Streusalz, in Verbindung mit Bremsstaub und Luftfeuchtigkeit ergibt ätzende Substanzen, die den Reifen angreifen. Zeit ist genug vorhanden bis zum nächsten Winter!

Danach mit einem kleinem Schraubendreher sämtliche Steinchen und Fremdkörper aus den feinen Rillen entfernen. Das ist wichtig, wenn man den Reifen mal nachträglich Auswuchten lassen möchte. Die Fremdkörper bewirken eine Unwucht, sie sind ja nicht gleichmässig über die Lauffläche verteilt. Zusätzlich bringt es den Vorteil, dass man Nägel, Schrauben etc., die den Reifen beschädigt haben sofort erkennt und nicht zur nächsten Saison einen platten Reifen ans Tageslicht holt.

Man kann sich die Arbeit erleichtern, indem man am Tag des Reifenwechsel vorher einen kurzen Autobahnsprint einlegt. Für eine Ausfahrt und zurück die Maximalgeschwindigkeit des Reifens fahren. Nicht länger. Hierbei werden ca. 70-80 % der aufgenommenen Steinchen herausgeschleudert, man braucht dann nicht so lange in den Rillen pulen.

Den Luftdruck ca. 0,2 bis 0,5 bar über den Betriebsdruck erhöhen, die Reifen nicht auf den Laufflächen das ganze Sommerhalbjahr stehen lassen, um Druckstellen zu vermeiden (führt auch zu Unwucht), am besten einen Felgenbaum oder Wandhalterungen benutzen.

Winterreifen nicht in der Garage lagern, sondern im kühlen, dunkeln Keller, ohne Sonneneinstrahlung!!! Der Keller hat selbst im Hochsommer ca.20 Grad. Die geschlossene Garage wird im Sommer locker bis zu 60 Grad warm, bei langer Sonneneinstrahlung. Für solche hohen Temperaturen sind Winterreifen nicht gebaut. Bei diesen Temperaturen entweicht der Weichmacher (PAK) schneller als geplant und im nächsten Winter rutscht der "harte" Winterreifen trotz 8 mm Profil über den Schnee und greift nicht. Nur weiche Winterreifen greifen auf Schnee und Eis. Ich selber hatte vor über 10 Jahren mal den Fehler gemacht, wegen Platzmangel, die Winterreifen im Heizungskeller zu lagern. Von März bis Oktober. Danach brauchte ich vier neue, das Auto, ein Golf II, war mit den ausgehärteten Reifen schon im nassen unfahrbar, geschweige denn im Schnee!!  Auch lange, schnelle Autobahnfahrten auf trockenem Asphalt, wobei der Reifen sich stark aufheizt bewirken diesen unangenehmen Efekt. Mit Winterreifen sollte man nicht "rasen" sondern "gleiten".

1a. Winterreifenkauf

Beim Kauf von Winterreifen darauf achten, Reifen aus der aktuellen Produktion zu erhalten. Da die Profile gegenüber den 80er Jahren durch Geräuschvorschriften immer feiner werden, taugen Winterreifen nur so lange sie weich sind bzw. neu sind. In den 80er Jahren hatte ich so grobe Winterreifen, dass man sich bei 80 - 100 km/h im Fahrzeug fast anschreien musste, um sich zu verständigen. Aber egal wie alt die Reifen waren, sie funktionierten! Meine aktuellen Winterreifen, Michelin Alpin, in der Größe 195/60R15 auf einem Ford Focus sind jetzt im 4. Wintereinsatz, haben über 25.000 km gelaufen und hatten bei Montage Mitte Oktober 2008 noch zwischen 5,5 und 6 mm Profil. Da sie beim Kauf aber schon ein Jahr alt waren sind sie jetzt so ausgehärtet, dass sie trotz knapp 6 mm Profil im Schnee kaum noch Traktion haben und ich Berg hoch deutliche Probleme habe. Als hier im Bergischen Land Ende November, Anfang Dezember Schnee lag, fühlte sich mein Focus so an, als währen noch Sommerreifen montiert. Am Berg anfahren war fast unmöglich, selbst mit Schwung wurde ich so langsam, dass ich fast nur noch mit Schrittgeschwindigkeit den Berg hochkam, da die Reifen immer wieder durchdrehten und ich Gas zurücknehmen musste. Beim Bremsen ist die Welt noch halbwegs in Ordnung, komischerweise. Ungefähr 3 - 4 Jahre sind heutige Winterreifen so weich, dass man sie im Schnee einsetzen kann, danach hat man nur noch Alibireifen für die Versicherungen. Beim nächsten Reifenkauf werde ich auf aktuelle Reifen achten, ansonsten den Händler wechseln. In aktuellen Reifentests hat man 3 Jahre gelagerte Reifen gegen neue getestet, die "alten" Reifen waren gut 20-30% schlechter als die Neuware!!

Spätestens bei 4 mm sollte man den Winterreifen gegen neue ersetzen. In der Schweiz z.B. wird ein Winterreifen mit weniger als 4 mm als Sommerreifen bewertet! Also bei Urlaubsfahrten im Winter in die Schweiz vorher nachmessen, bevor man die Urlaubskasse für Bußgelder plündern muß. Auch manche skandinavischen Länder schreiben Winterreifen zwischen Oktober und März vor, stellenweise auch Ketten. Vorher genau erkundigen, z.B. beim ADAC.

2. Sommerreifen

Sommerreifen sollten ebenfalls wie Winterreifen, mit Hochdruckreiniger, Felgenreiniger und Scheuerbürste gründlich gereinigt und von Fremdkörpern befreit werden, bevor sie gelagert werden. Die Lagerung kann auch in der Garage erfolgen, auch über den Sommer, wenn sie nicht gebraucht werden. Sie sind für hohe Temperaturen konstruiert. Aber wenn man schon die Winterreifen im Keller lagert, finden auch dort die Sommerreifen ihren Platz.

Jeweils früh genug an die Reifen im Keller denken! Mitte Oktober bis Ende November sind die Reifenhändler meistens überlastet. Genau wie im Frühjahr, wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen alle zum Reifenwechsel auf Sommerreifen zum Reifenhändler fahren lassen. Mitte bis Ende September die Winterreifen kontrollieren, Mitte bis Ende Februar an die Sommerreifen denken.

Zusätzlich sollten alle Reifen im Abstand von 2 Jahren Nachgewuchtet werden. Ein unwuchtiger Reifen verschleisst schneller. Bei jedem Wechsel die Reifen von Vorne nach Hinten und umgekehrt tauschen, die Seite ( Laufrichtung) aber beibehalten.

Am Fahrzeug alle 14 Tage den Luftdruck prüfen, nur allein in Deutschland schätzt man den Mehrverbrauch durch zu wenig Luftdruck jährlich auf ca. 1.000.000.000 Liter. In Worten eine Milliarde!!!

Mit den genannten kleinen Tips lässt sich die Lebensdauer eines Reifen um ca. 30% verlängern. Jeder, der der Meinung ist, dass das zuviel Aufwand für Reifen ist, sollte überlegen, dass seine Sicherheit und die der anderen von funktionierenden Reifen abhängt!! Alle elektronischen Helferleins (ABS, ESP usw.) versagen, wenn die Reifen die auftretenden Kräfte nicht auf die Straße übertragen! Und die wenigsten Autofahrer sind in der Lage, das Fahrzeug sicher zum stehen zu bringen, wenn bei einer Geschwindigkeit über 100 km/h ein Reifen platzt.

Reifen sollten nicht als unnötiges, platzraubendes Übel angesehen werden, sie stellen auch einen gewissen Wert dar. Einen Satz in der oben genannten Größe, damit  ist heutzutage fast jeder Mittelklassewagen ausgestattet, kostet fertig montiert zwischen 350 und 450 €, ohne Felgen!! Die Platzfrage ist natürlich auch nicht unerheblich, wir haben 3 Felgenbäume im Keller, für zwei Autos und zwei Anhänger werden ständig zwölf Räder gelagert! Plus Ersatzträder der Anhänger, denn die nehme ich nur bei Urlaubsfahrten mit.

Insgesamt besitzen wir 16 Sommerreifen für zwei Autos und zwei Anhänger, incl. Ersatzräder, 12 Winterreifen für zwei Autos und zwei Anhänger, 4 Räder in zwei Motorrädern. Macht alles zusammen 32 Räder. So kann jeder nachvollziehen, warum ich den Aufwand betreibe, damit die Reifen lange halten. Dafür habe ich mir eine Druckluftanlage in die Garage gebaut, damit ich nicht "stundenlang" zwischen Tankstelle und Garage pendeln muß, um alle im Betrieb befindlichen Räder auf richtigen Luftdruck zu prüfen. Dazu kommen noch Stützräder der Anhänger, Schubkarre, Sackkarre, Fahrräder, Luftmatratzen und Bälle. So hat sich der Kompressor längst bezahlt gemacht.

Motorradreifen kontrolliere ich nach jeder Fahrt, dort bezahlt man mit der eigenen Gesundheit, wenn die Reifen ihren Dienst versagen!

2a. Sommerreifenkauf

Bei Sommerreifen macht das Alter der Reifen nicht so viel aus, da die Reifen im Sommer durch die Wärme weich werden und sich dadurch mit der Straße verzahnen und gut haften. Hier haben härtere Reifen den Vorteil dass sie länger halten, den Nachteil, dass sie erst warm werden müssen um gut zu haften. Das merkt man aber nur bei extrem forscher Fahrweise.

Ich hoffe, Euch hier ein paar nützliche Tips gegeben zu haben.

Bitte bewertet die Ratgeber bei Ebay, sonst wird sich bald Niemand mehr die Arbeit machen, Ratgeber zu schreiben, in denen Teilenummern, Klemmenbezeichnungen, Gesetzestexte etc. zu finden sind.

Dieser Ratgeber wurde fast 5600 mal gelesen, aber nur 107 mal bewertet, schade, oder?

 

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