Plattenspieler/Turntables im Check

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Plattenspieler/Turntables im Check

„Was ist das?“

„Das ist ein Plattenspieler, damit kann man Schallplatten abspielen und Musik hören!“

So oder so ähnlich beginnen Gespräche zwischen Eltern bzw. Großeltern und Kindern, wenn diese das alte verstaubte Abspielgerät für Vinylplatten im Keller oder auf dem Dachboden finden. Die Alten schütteln dann innerlich den Kopf und fragt sich, ob man denn wirklich schon so alt geworden ist. Dass Kinder heute oft nicht mehr wissen, was es mit dem Plattenspieler auf sich hat, wundert einen um so mehr.

Doch eigentlich ist das eine ganz natürliche Sache. Denn schließlich wissen wir heute ja auch nicht mehr, wie das Grammophon zu bedienen ist. Ein Stromkabel samt Stecker sucht man dort oft umsonst. Und was ist das bloß für ein trompetenhafter Trichter auf dem Gerät? Da sollen wohl Töne rauskommen.

Platten und Plattenspieler damals und heute

Was man bisher als längst vergangenen Tonträger von vorgestern wahrgenommen hat, erlebt dieser Tage einen neuen Boom. Laut den Angaben des Bundesverbandes der Musikindustrie sind im Jahr 2012 rund eine Million Schallplatten verkauft worden. Im vorangegangenen Jahr waren es noch 700.000 Exemplare.

Das ist natürlich extrem wenig im Vergleich zu den Zeiten, als die Schallplatte noch Tonträgermedium Nummer 1 gewesen ist. So verkauften sich beispielsweise im Jahr 1984 noch 71,1 Millionen Schallplatten (übrigens im Vergleich zu etwa 3 Millionen CDs) in der BRD.

Verdrängt durch die neuen digitalen Medien CD, DVD und den digitalen Audioformaten wie MP3 und AAC überlebte die Schallplatte jedoch über die Jahre hindurch in gewissen Nischen. Die wohl „größte“ Nische stellte dabei der DJ- bzw. Veranstaltungsbereich dar.

Die Gründe für das neuerliche Interesse am Plattenspieler können vielfältig sein. Vielleicht besitzen Sie noch eine alte Plattensammlung. Vielleicht möchten Sie eine neue Sammlung aufbauen. Vielleicht haben Sie einfach Interesse an einem neuen, alten Medium. Oder Sie sehnen sich nach einem Tonträger „zum Anfassen“.

Sollte das ein oder andere auf Sie zutreffen, dann lesen Sie diesen Ratgeber. Er ist besonders für diejenigen gedacht, die sich mit ersten Grundinformationen zum Schallplattenspieler versorgen wollen. Ausgestattet mit diesem Wissen, fällt der Erwerb eines solchen Gerätes um einiges leichter.

Das Funktionsprinzip einer Schallplatte

Beim Plattenspieler liegt die Schallplatte auf dem Plattenteller auf, der vom Motor in Rotation versetzt wird. Eine Nadel, die sich an einem Tonabnehmer bzw. einem Tonarm des Plattenspielers befindet, wird in die Spurrille der Schallplatte gesetzt.

Diese Spurrille verläuft spiralenförmig auf der Schallplatte von außen nach innen. Sie enthält das Abbild des Schalls in Form sehr kleiner Einprägungen. Diese werden von der Nadel abgetastet und in Schwingungen verwandelt, die ihrerseits wiederum in elektrische Spannung gewandelt werden.

Diese Spannung wird danach entzerrt und elektrisch verstärkt über die Endstufe und angeschlossene Lautsprecher wieder als Schall ausgegeben. Soviel in Kürze zur prinzipiellen Funktionsweise des Plattenspielers.

Wie ist der Plattenspieler aufgebaut und welche Komponenten besitzt er?

Im Folgenden wird Ihnen der Ratgeber einige wesentliche Bauteile eines Plattenspielers vorstellen. Selbstverständlich ergeben sich bei Bauteilen deren Funktionsweisen immer wieder Unterschiede, je nach dem, für welchen Anwendungsbereich der Plattenspieler vorgesehen ist.

Lässt die Platte rotieren: Motor und Antrieb

In grauer Vorzeit wurden die Vorfahren der heutigen Plattenspieler noch per Hand „aufgezogen“. Im Gehäuseinneren arbeitete ein Federwerk, dass man mit einer außen angebrachten Kurbel aufziehen musste.

Heute sind selbstverständlich Elektromotoren für die Antriebskraft zuständig. Dieser sollte leistungsstark sein und Gleichlaufschwankungen minimieren, denn: eine konstante Drehgeschwindigkeit ist oberstes Gebot. Schallplattenspieler werden heute in zwei Antriebsvarianten angeboten.

Auf der einen Seite befinden sich Geräte mit einem sogenannten Direktantrieb. Bei dieser Antriebsart stellt die Achse des Motors auch gleichzeitig die Achse des Plattentellers dar, auf dem die Schallplatte aufliegt. Beim Direktantrieb ergeben sich Vor- und Nachteile.

Einerseits zeichnet der Direktantrieb für sehr geringe Anlaufzeiten der Platte verantwortlich. Es entsteht fast keine Verzögerung. Das ist besonders im DJ-Bereich sehr wichtig. Die Bauweise ist sehr robust, kann sich dadurch aber auch negativ auswirken: Durch die integrierte Bauweise haben Vibrationen leichteres Spiel, die Nadel „hüpfen zu lassen“.

Der Riemenantrieb ist die zweite Antriebsvariante. Hierbei wird die Kraft des Motors nicht direkt auf den Plattenteller übertragen. Sie wird stattdessen mithilfe eines flachen Gummiriemens, der Motorspindel und Plattenteller miteinander verbindet, übersetzt. Motor und Teller sind damit voneinander entkoppelt.

Im DJ-Bereich sind Plattenspieler mit Riemenantrieb so gut wie nicht vertreten, da sie durch ihre höheren Anlaufzeiten Verzögerungen verursachen. Auch für das Scratching eignen sich diese Geräte nicht sehr gut. Der Riemen ist darüber hinaus ein Verschleißteil. Er kann ausleiern oder abrutschen. Durch die Entkopplung von Motor und Teller können jedoch Vibrationen besser abgedämpft werden.

Der Plattenteller sollte ein gewisses Gewicht besitzen

Wie bereits angedeutet, ist die erfolgreiche Wiedergabe einer Schallplatte von einer konstanten Drehgeschwindigkeit des Plattentellers abhängig. An heutigen Geräten kann die Geschwindigkeit – je nach verwendeter Schallplatte – unterschiedlich eingestellt werden. Standard sind in diesem Zusammenhang 33 1/3, 45 und 78 Umdrehungen pro Minute. Um gleichbleibende Geschwindigkeiten zu unterstützen, sollte der Plattenteller etwas schwerer sein.

Der Tonarm sorgt für die richtige Nadelführung

Die Tonarme der Plattenspieler dienen zur Befestigung der Tonabnehmer. Sie sind dafür verantwortlich, dass die Nadel des Tonabnehmers perfekt in der Rille der Schallplatte geführt wird. Die meisten Plattenspieler nutzen dabei Radialtonarme. Diese sind so gelagert, dass sie um einen Punkt herum drehbar sind.

In der Praxis haben sich dabei zwei verschiedene Arten von Tonarmen bewährt. Es gibt gebogene und gerade Bauformen. Die gerade Bauform wird besonders in der Hip-Hop-DJ-Szene bevorzugt. Diese werden springen weniger und sind daher für das Beat-Juggling und Scratching besser geeignet.

Herzstück des Plattenspielers: der Tonabnehmer

Der Tonabnehmer ist am Tonarm des Plattenspielers installiert. Er besteht aus mehreren Komponenten. Seine Aufgabe ist es, die mechanischen Schwingungen, die die Nadel aus der Schallplattenrille aufnimmt, in elektrische Spannung umzuwandeln und weiterzuleiten.

Tonabnehmer bestehen aus vier Komponenten: Nadel, Nadelträger, Wandler und Gehäuse. Es gibt zwei Systeme von Tonabnehmern. Zum einen sind sogenannte Unterdeck- oder Headshell-Systeme handelsüblich. Hierbei wird der Tonabnehmer an die „Headshell“ des Tonarms angeschraubt. Eine anschließende Feinjustierung der Nadel ist bei diesem System notwendig.

Zum anderen sind neben den Unterdecksystemen auch Tonabnehmer zur Direktmontage erhältlich. Diese sind oft mit einem „SME-Bajonettanschluss“ versehen, mit dessen Hilfe der Abnehmer sehr leicht einzusetzen ist. Nachteile: Eine genaue Justierung der Nadel ist hierbei nicht möglich.

Die Nadel stellt den Kontakt zur Platte her

Die Tonnadel, die die Rille der Schallplatte abtastet, gibt es in zwei unterschiedlichen Typen, die verschiedene Eigenschaften besitzen. Sphärisch geschliffene Nadeln sind sehr spitz und liegen daher tiefer in der Spurrille. Sie springen weniger schnell aus der Rille hinaus und sind daher sehr gut zum DJ-Scratching geeignet.

Nadeln mit einer elliptischen Schliffform erzeugen ein Maximum von Tonqualität und tasten Höhen, Mitten und Bässe am besten ab. Das wird erreicht durch eine im Gegensatz zum sphärischen Schliff relativ stumpfe Schliffform.

Nicht jeder Plattenspieler kommt mit derselben Ausstattung daher. Je nach Anwendungsgebiet und Zweck können Plattenspieler mit zusätzlichen Funktionen ausgestattet sein.

Das Anti-Skating-System schützt Nadel und Platte

Das englische „Skating“ bezeichnet in diesem Zusammenhang das Wegrutschen der Nadel auf der Schallplatte nach außen hin. Dies kann auch dann passieren, wenn der Plattenspieler vollkommen waagerecht steht. Skating wird durch die Rotationskräfte hervorgerufen, die vom Plattenteller auf den Tonarm einwirken.

Das Anti-Skating-System besteht zumeist aus einem kleinen Drehregler. Mithilfe des Reglers kann man eine Kraft am Tonarm justieren, die derjenigen der Rotationskraft des Tonarms entgegenwirkt. Anti-Skating-Systeme sind vor allen dingen bei höherpreisigen Plattenspielern vertreten.

Die Platte automatisch starten und stoppen

Besonders bei Plattenspielern für den eigenen Heimbereich sehr beliebt: automatischer Start/Stopp. Beim Anheben des Tonarmes wird dabei der Motor automatisch gestartet. Man kann dann den Tonarm auf die Rille der Schallplatte absenken. Bei manchen Plattenspielern gibt es auch hierfür einen automatischen Mechanismus.

Mit dem Pitch die Geschwindigkeit regeln

Der Pitch-Fader ist besonders in DJ-Bereich ein wesentliches und oft verwendetes Element. Mit seiner Hilfe lässt sich die Geschwindigkeit des Motors stufenlos einstellen. In der Regel lässt sich die Geschwindigkeit dabei zwischen acht und zehn Prozent schneller oder langsamer regeln.

Damit lassen sich Ungenauigkeiten im Zusammenspiel von Platte, Plattenteller und Motor regulieren. Bei DJs ist die Funktion deswegen beliebt, um die Geschwindigkeit zweier Platten für einen Mix aneinander anzugleichen.

Der Ratgeber hat Sie nun mit den nötigsten und grundlegenden Informationen zur Funktionsweise des Plattenspielers versorgt. Ausgestattet mit diesem Wissen können Sie nun weiter forschen. Für den Erwerb eines Plattenspielers – wie bei allen anderen technischen Geräten – ist die Frage, für welchen Zweck Sie Ihren Plattenspieler verwenden wollen.

Soll das Gerät eher in Ihrem Wohnzimmer stehen und Sie mit der Musik Ihrer Plattensammlung versorgen? Oder möchten Sie vielleicht anfangen, als DJ tätig zu werden und Veranstaltungen mit Musik beschallen?

Wenn Sie sich dafür entscheiden, Ihren Plattenspieler auf eBay zu kaufen oder zu ersteigern, können Sie sich an folgende Hinweise halten. Verlangen Sie in jedem Fall eine gute und detaillierte Dokumentation des Plattenspielers. Schauen Sie nach hoch auflösenden Fotos.

Dies gilt auch und besonders, wenn Sie sich für ein gebrauchtes Gerät interessieren. Die Versicherung einer fachmännischen Überprüfung des Gerätes kann ebenfalls hilfreich sein. Wenn Fragen offenbleiben, kontaktieren Sie unbedingt den Verkäufer direkt. So kaufen Sie nicht „die Katze im Sack“, und können davon ausgehen, bald ein adäquates Gerät in den Händen zu halten.

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