Perfekte Tonaufnahmen mit dem richtigen Mikrofon – ein Leitfaden

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Perfekte Tonaufnahmen mit dem richtigen Mikrofon – ein Leitfaden

Ein Mikrofon wird benötigt, wenn Geräusche übertragen werden sollen. Die Notwendigkeit dafür besteht seit ca. 130 Jahren. Die erste Anwendung für Mikrofone war das Telefon. Die Stimme des Sprechers muss dabei in ein elektrisches Signal umgewandelt werden, welches dann weiterverarbeitet, gespeichert, verstärkt oder übertragen werden kann. Für die technische Umsetzung dieser Aufgabe lieferte, wie so oft, die Natur das Vorbild. Die ersten Mikrofone orientierten sich in ihrem Aufbau eng am menschlichen Ohr. Auch dort wird ein Geräusch in einen Impuls übertragen – einen Nervenimpuls. Das Trommelfell des Ohrs fand sein Pendant in einer Membran, die den Schalldruck der Luft in einer mechanischen Bewegung abbildet. Diese mechanische Bewegung gilt es nun in einen elektrischen Impuls zu übersetzten. Eine Aufgabe, die viele verschiedene technische Lösungen fand. Die Membran haben alle Mikrofone gemeinsam. Die Technik des nun aufgeführten Übertragungsweges ist entscheidend für die Leistungsmerkmale und Einsatzmöglichkeiten eines Mikrofons und bestimmt dessen Zuordnung zu einem bestimmten Mikrofontyp.

Mikrofontypen

Die Aufgabe lautet: Umsetzung der Membranschwingung in elektrischen Strom. Im Laufe der Jahrzehnte wurden sehr unterschiedliche Lösungen dieses Problems gefunden.

Kohlemikrofon

Bis in die 40er Jahre war das Kohlemikrofon nahezu ohne Alternative. Hier wird die Eigenschaft von Kohlegranulat genutzt, um den wechselnden Druck, den die Membran ausübt, auf sehr simple Weise in elektrischen Strom umzusetzen. Man kann sich vorstellen, dass der Frequenzbereich und der Rauschfaktor dieses Mikrofontyps nicht optimal sind. Sehr hohe bzw. sehr niedrige Frequenzen werden schlecht übertragen und das Kohlegranulat erzeugt ein Eigenrauschen, besonders bei Bewegung. Die Vorteile des Kohlemikrofons sind die simple Wirkungsweise und ein hoher Ausgangspegel, der ohne weitere Verstärkung genutzt werden kann. Mittlere Frequenzen, in denen sich die menschliche Stimme bewegt, werden gut übertragen. So war das Kohlemikrofon unangefochtener Standard bei Telefonen und bis in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts auch für Studioaufnahmen. Die Defizite dieser Technik versuchte man durch eine überdeutliche Aussprache mit dem berühmten rollenden „R” zu kompensieren, die typisch für die frühen Tonfilme ist.

Kondensatormikrofon

Verdrängt wurde diese Technik erst durch das Kondensatormikrofon. Hier ist eine elektrisch leitende Membran dicht an einer Metallplatte positioniert und von dieser elektrisch isoliert. Beide Komponenten bilden gemeinsam einen Kondensator, dessen Kapazität von der momentanen Stellung der Membran abhängig ist und sich somit synchron zum Schalldruck verändert. Diese wechselnde Kapazität wird abgegriffen und liefert schließlich das gewünschte Ergebnis: einen elektrischen Strom. Dieser Strom kann, nachdem er verstärkt wurde, mittels Lautsprecher an einem anderen Ort oder zu einer anderen Zeit wieder in das ursprüngliche Schallsignal zurückverwandelt werden. Kondensatormikrofone benötigen eine Stromversorgung, die durch die sogenannte Phantomspeisung realisiert wird. Bis heute sind Kondensatormikrofone der qualitativ hochwertigste Mikrofontyp. An ihrer Technik hat sich seit den 50er Jahren kaum etwas geändert. So sind auch ältere Modelle für den Studiobetrieb begehrt und entsprechend teuer.

Dynamisches Mikrofon

Der heute wohl am weitesten verbreitete Schallwandler ist das dynamische Mikrofon. Es funktioniert wie ein umgekehrter Lautsprecher: Durch die Schwingung der Membran wird eine Spule an einem Magneten entlang bewegt. Diese Bewegung erzeugt mittels Induktion den gewünschten elektrischen Strom, der das Schallsignal der weiteren Verwendung zugänglich macht. Dynamische Mikrofone weisen nicht ganz den hervorragenden Frequenzgang von Kondensatormikrofonen auf, kommen diesem jedoch in ausreichender Weise nahe. Ihre Robustheit und die Unempfindlichkeit gegen hohen Schalldruck machen sie für den Live-Betrieb unverzichtbar. Sie sind besonders geeignet für die Besprechung aus nächster Nähe, was ihnen eine weitere wichtige Eigenschaft verleiht: die Unempfindlichkeit gegen Rückkopplungen auf der Bühne.

Shure SM 58

Seit Jahrzehnten fast unverändert gebaut wird das berühmte Shure SM 58, das seit den Zeiten des Woodstock-Festivals auf allen Bühnen der Welt präsent ist und nach wie vor genutzt wird. Bekannte Personen, die für die Erfindung und Weiterentwicklung verschiedener Mikrofontypen stehen, sind Georg Neumann (Kondensatormikrofon), Sidney Shure (dynamisches Mikrofon) und Fritz Sennheiser (Kondensatormikrofon). Sie alle gründeten Firmen und etablierten weltweit bekannte Marken, die einen guten Klang versprechen.

Mikrofone im Livebetrieb

Auf einer Bühne kann es hektisch zugehen. Die Umbaupausen sind oft von durcheinanderlaufenden Menschen geprägt. Dabei kann ein Mikrofon durchaus einmal herunterfallen oder einem extrem lauten Geräusch ausgesetzt sein. Robustheit und Zuverlässigkeit sind neben der Tonqualität wichtige Kriterien. All diese Anforderungen erfüllt das Gerät von Shure, das SM 58. Dabei können sich dieses Modell auch Anfänger oder Privatpersonen leisten. Auch zu Hause oder für eine Karaoke-Veranstaltung ist dieses Mikrofon also geeignet, wenn Sie auf Qualität setzen möchten. Falls Sie allerdings ein Mikrofon ausschließlich für Aufnahmen benötigen, die in einem geschützten und trockenen Raum stattfinden, dann sind Sie eventuell nicht auf Robustheit angewiesen, sondern können sich ganz auf kompromisslose Qualität konzentrieren. Auch im Bereich der reinen Studiomikrofone gibt es allerdings eine breite Auswahl und ein Preisspektrum zwischen günstig und nahezu unerschwinglich.

Mikrofone für Studioaufnahmen

Mikrofonierung ist eine Wissenschaft. Hier treffen die Philosophien verschiedener Welten aufeinander, jedoch ist auch das Budget ein wichtiger Faktor. Natürlich benötigen Sie gute Mikrofone, um gute Ergebnisse zu erzielen. Oft lässt sich jedoch schon durch das Vermeiden grober Fehler eine entscheidende Verbesserung bewirken. Ein Buch über die Grundlagen der Akustik kann Ihnen hier viele Umwege ersparen. Nützlich kann auch das Fachsimpeln mit einem Praktiker sein, der oft ganz eigene Erfahrungen einbringen kann. Wie schafft man es zum Beispiel, dass ein Konzertflügel auf der Aufnahme so klingt, wie man es erwartet? Wie vermeidet man unangenehme Plopgeräusche, wenn der Sänger ein „P” singt?

Charakteristik

Wichtig für die Auswahl eines Mikrofons ist dessen Charakteristik. Charakteristik bedeutet in diesem Fall die Beschreibung des Raumes, in dem das Mikrofon am empfindlichsten ist. Je nach Typ kann dieser Raum eine Kugel um das Mikrofon herum sein. Viele Mikrofone müssen jedoch von vorn angesprochen werden, da die Rückseite schallunempfindlich ist. Hier spricht man von einer Nierencharakteristik, da der Raum, in dem das Mikrofon am besten arbeitet, nierenförmig ist. Neben den genannten gibt es andere Charakteristiken, zum Beispiel eine „Acht” oder eine „Keule”. Einige Mikrofone können zwischen verschiedenen Charakteristiken umschalten.

Soundmixer

Die nötige Stromversorgung kommt dabei vom Soundmixer. Bereits im unteren und mittleren Preissegment sind Mixer erhältlich, die mit den nötigen XLR-Buchsen und Phantomspeisung ausgerüstet sind. XLR ist ein Industriestandard für ein Buchsen/Stecker-System, welches die analoge Signalübertragung in der Tontechnik dominiert. Durch symmetrische Belegung der Kontakte können Störeinflüsse minimiert werden. Zudem hat der Stecker einen Blockierungsmechanismus, der ein ungewolltes Herausreißen verhindert.

Schalldruck

Für einige Anwendungen empfehlen sich Grenzflächenmikrofone, die mit einer Platte ausgestattet sind, die den Schalleindruck an einer Seite des Mikrofons unterdrückt. Dieser Mikrofontyp sollte konsequenterweise auch an einer ebenen Fläche positioniert werden. Für Instrumente mit besonders hohem Schalldruck, wie z. B. die Basedrum, werden auch im Studio dynamische Mikrofone verwendet.

Zubehör für Studiomikrofone

Eine flexible, stabile und erschütterungsfreie Positionierung der Mikrofone ist besonders im Studio wichtig. Galgen-Mikrofonständer mit einer passenden Klemme sind unverzichtbarer Bestandteil des Zubehörs. Für die Abnahme von Basedrums und für andere, besonders niedrige Mikrofonpositionen sind spezielle Mikrofonständer erhältlich. Der sensibelste Punkt ist die Halterung des Gesangsmikrofons. Um jede Erschütterung und die damit verbundenen Störgeräusche zu vermeiden, sind Gesangsmikrofone in einer sogenannten Spinne gelagert. In einem Ring sind dort Gummifäden gespannt, die die eigentliche Mikrofonhalterung tragen. Komplettiert wird die Ausstattung durch einen Pop-Schutz: Ein feines, auf einen Ring gespanntes Gewebe wird vor dem Gesangsmikrofon angebracht. Es absorbiert dabei den niederfrequenten Schalldruck, der besonders bei der Artikulation des Vokals „P” entsteht. Alle anderen Frequenzen können den Pop-Schutz ungehindert passieren.

Preis und Leistung von Mikrofonen

Allgemein gilt die Faustregel: je höher der Preis, umso geringer werden die hörbaren Qualitätsunterschiede zwischen etwa gleich teuren Geräten. Im höchsten Preissegment dürfte dabei hauptsächlich Markentreue eine Rolle spielen, und die Auswahl des Mikrofons wird nahezu zu einer Glaubensfrage. Den Unterschied zwischen einem Gerät für 50 Euro und den teureren für 500 bis 1.000 Euro kann allerdings jeder hören. Sparen Sie also nicht an der falschen Stelle, wenn Sie Freude am Ergebnis Ihrer Aufnahmen haben möchten. Bedenken Sie, dass ein Mikrofon bei sachgemäßer Benutzung kaum kaputtgehen oder in der Leistung nachlassen wird. Der Preisverfall bei Mikrofonen ist sehr gering, da die Technik ausgereift ist und Mikrofone teilweise über Jahrzehnte baugleich hergestellt werden.

Mikrofone mit USB-Anschluss

Eine Neuerung im Amateur- und semiprofessionellen Bereich sind Mikrofone mit USB-Anschluss. Dieser ermöglicht das direkte Ansteuern eines digitalen Mischpults oder den direkten Anschluss an einen Computer. Achten Sie bei der Auswahl darauf, dass der eingebaute Analog-Digitalwandler mindestens so gut ist, wie das eigentliche Mikrofon.

Fazit

Es ist abhängig vom Stil und dem Grad der angestrebten Perfektion, wie viel Aufwand Sie bei Studio- oder Homerecording-Produktionen treiben. Für manche mag es mehr um den Inhalt des Aufgenommenen gehen als um die Soundqualität. Ein Trend der letzten Jahre setzt auf Authentizität statt auf Perfektion in der Aufnahme. Doch auch bei sogenannten Lo-fi-Produktionen ist ein gutes Mikrofon immer einem Billigprodukt vorzuziehen. Schließlich werden damit auch die – oftmals gewünschten – Nebengeräusche, wie das Kratzen oder Rutschen auf Gitarrensaiten, besser und lebensechter übernommen. Denken Sie bei Ihren Aufnahmen an die alte Weisheit: Der Ton macht die Musik. Und die Voraussetzung für einen guten Ton ist ein gutes Mikrofon.

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