Paypal Käuferschutz oder VER-Käuferschutz?

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Ich möchte mich aus gegebenem Anlass hier mal zum ach-so-hoch-gepriesenen und beworbenen "Käuferschutz" von Paypal äussern.

Die Idee der Zahlung durch Paypal an sich ist prima. Man kauft einen Gegenstand von privat oder einem Händler, nutzt die wirklich sehr schnelle und angenehm zu nutzende Option der sofortigen Zahlung per Paypal und profitiert dadurch im Normalfall durch eine beschleunigte Zusendung der Ware.
Dass Ebay (Mutterfirma von Paypal) alle 'Neulinge' unter den Verkäufern (= Mitglieder unter 50 Bewertungen) quasi dazu 'zwingt' Paypal als Zahlungsmethode zu akzeptieren, soll augenscheinlich der Sicherheit der Käufer dienen (na ja...). Das ist aber ne andere Geschichte über die man sich Gedanken machen kann / sollte und wird hier nun nicht auch noch dargestellt / diskutiert..

Mittlerweile habe ich jedenfalls als Käufer Paypal als Methode der Zahlung schon sehr oft genutzt und bin über die Einfachheit und die Schnelligkeit in der ein Handel dann abläuft eigentlich fast immer angenehm überrascht gewesen.

Warum schreibe ich dann also hier einen Ratgeber zum Käuferschutz?
Weil es ein AAAABER gibt!

In der Regel wird es so sein, dass Käufer und Verkäufer sich bei Problemen mit dem Zustand der Ware kurzschliessen und die Sache so regeln, dass am Ende beide zufrieden sind.
Was aber, wenn man etwas gebrauchtes von privat als 'in gutem Zustand' und 'völlig in Ordnung' gekauft hat, diese Beschreibung dem erhaltenen Artikel aber überhaupt nicht entspricht, man dies beim Verkäufer moniert - und der Verkäufer aber auf der Korrektheit seiner Beschreibung beharrt und nichts regeln will?
- Was, wenn er der Meinung ist, seine Ware sei völlig in Ordnung und sich einer nötigen Problemlösung daher verweigert?

Kein Problem - es gibt doch den Käuferschutz!

Nun - um es gleich vorweg zu nehmen: bei niedrigen Kaufbeträgen - sagen wir mal bis etwa 100,-Euro - taugt der Käuferschutz NICHTS!

Sagen wir bespielsweise, Sie hätten eine gebrauchte Digitalkamera bei Ebay für 80,-Euro gekauft. Beschrieben wurde sie im Auktionstext als "völlig in Ordnung, nur sehr leichte Gebrauchsspuren, wenig genutzt"
Was dann aber bei Ihnen ankommt ist ein Gerät das technisch zwar gut funktioniert, dessen Gehäuse aber auf den ersten Blick schon ziemlich ramponiert aussieht.
Einige Macken und Kerben "schmücken" das Gehäuse des Gerätes, Farbe ist abgeplatzt und das Display ist derart verschrammt, dass man Mühe hat die aufzunehmenden oder aufgenommenen Bilder zu betrachten.

Normale Reaktion: Verkäufer kontaktieren; um Rückabwicklung oder Ausgleichszahlung für die nötige Reparatur bitten.
AAABER (da isses) - der Verkäufer weigert sich den Artikel zurück zu nehmen oder einen Ausgleich für die Beschädigungen zu erstatten.

WAS NUN??

Nun nähern wir uns dem Käuferschutz!

Man meldet also diese Kamera (um bei dem Beispiel zu bleiben - funktioniert aber mit ziemlich allem anderen genau so) als "erheblich von der Beschreibung abweichenden Artikel" an Ebay - und natürlich auch an Paypal um den Käuferschutz in Anspruch nehmen zu können. - Mit dem Verkäufer haben wir schon erfolglos Kontakt aufgenommen und Ebay hat mit dem Käuferschutz primär nichts zu tun - also überspringen wir diese Schritte hier.

Paypal bittet nun im Wechsel (was sich erwiesenermaßen über mehrere Wochen hinzieht) beide Parteien um Stellungnahmen UND (jetzt kommts) um Beweise!
Mit Einschränkungen: Der VER-Käufer muss NICHTS beweisen! Wohingegen der Käufer ALLES beweisen muss!
Der optische Zustand, die Vollständigkeit der Lieferung und die Funktion des empfangenen Gerätes müssen detailliert nachgewiesen werden.

Erschwerdend ist hierbei, dass einfache Fotos (und seien sie auch noch so deutlich und detailgenau) genauso wenig von Paypal anerkannt werden wie z.B. schriftliche Aussagen oder gar eidesstattliche Versicherungen(!) von Augenzeugen.
Paypal verlangt ein GUTACHTEN! Und da ein Gutachten nur jemand ausstellen kann, der a) die Kamera aufs genaueste untersucht hat, der b) von Berufs wegen dazu überhaupt befähigt und anerkannt ist - und c) so ein Gutachten i.d.R. (beim Beispiel günstige Digitalkamera aus dem unteren Preissegment) zwischen 40,- und 70,-Euro kostet (Paypal weist sicherheitshalber schon rechtzeitig darauf hin, dass DER KÄUFER diese Kosten selbst zu tragen hat), würde der Gesamtpreis der Kamera sich damit etwa verdoppeln und nun bei dem angenommenen Kaufpreis von 80,-Euro schon bei etwa 150,-Euro liegen.
Im Falle eines positiven Ausganges wären es also trotzdem immer noch die Kosten für das Gutachten die an dem Käufer 'hängen bleiben' - und das dann für nichts - Kamera zurück geschickt (auf eigene Kosten natürlich) - keinen Gegenwert - keine Erstattung der Gutachterkosten - nur die Genugtuung darüber, den Verkäufer mit dieser 'Masche' nicht durchkommen zu lassen.

Mal ehrlich - wer würde das trotz allem Ärger um einen solchen Handel und mit dem Wissen, in jedem Fall draufzahlen zu müssen, tun?

Ich denke, dass bei höheren Beträgen die Erstellung eines Gutachtens nicht so sehr ins Gewicht fällt und damit am Ende sinnvoll, nützlich und richtig ist.
Bevor man evtl. mehrere Hundert Euro verliert, sollte man den relativ 'kleinen' Betrag für das Gutachten ausgeben, sich damit sein Recht erstreiten - und am Ende zumindest den größten Teil des Kaufpreises zurück haben.

Bei den schon genannten kleineren Beträgen lohnen sich meiner Meinung nach der ganze Aufwand und die Kosten nicht!
Der so genannte 'Käuferschutz' wird somit bei den ‚kleinen‘ Einkäufen zu einer Pharse die - ausser dass man seinen Prinzipien treu bleiben kann - keinerlei Sinn erfüllt.

Ich hoffe, dass mein Beitrag dabei helfen kann, eine Entscheidung darüber zu treffen, ob man den Käuferschutz in Anspruch nehmen möchte oder nicht.
Über eine dementsprechende Einstufung meines Beitrages würde ich mich - neben und trotz allem selbst erlebten Ärger - daher sehr freuen.

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