Papstautogramme

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Ich habe irgendwann mal aufgehört zu zählen, wie viele "Sammler" sich von einem echten Papst- oder Kardinalsautogramm trennen, das sie "direkt aus dem Vatikan" haben. Denn es scheint so, dass jeder Verkäufer einen Bekannten dort in hohen Positionen (Bischof aufwärts) hat. 90 % der angebotenen Stücke waren schlichtweg Drucke oder dubiose Unterschriften (ich möchte mal vorsichtshalber nicht das Wort "schlechte Fälschung" benutzen. Aber da wird ein Benedikt XVI. mit dem Stempel seines Vorgängers auf der Karte angeboten (wo alle Wappenstempel beim Tode des Papstes zerstörrt werden) oder Benedikt schreibt seinen Namen falsch ("Benedickt"), was ja auch mal vorkommen kann. Oder man hat bei einer "Autogrammstunde" während des Weltjugendtages in Köln ein Autogramm erhalten. Das ist schlichtweg gelogen und somit Betrug, denn das hat es unter keinem Papst gegeben!

Generell halte ich so ziemlich alle Papstautogramme von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. für Drucke oder Fälschungen. Der Papst hat keine Zeit, mal schnell ein paar Autogramme zu schreiben. Und nur wer gute, und ich meine sehr gute Kontakte in den Vatikan oder zu Kardinälen hat, kommt an solch eine Unterschrift ran. Ich kann nur jedem Käufer raten, sich detailliert schildern zu lassen, von wem man dieses Autogramm bekommen hat und bei einem Satz wie ("hat meine Mutter in Lourdes persönlich vom Papst erhalten" oder "ist von einem Kardinal, weiß aber nicht mehr, wie der heißt") mehr als stutzig zu werden. Nur einem Begleitschreiben des Sekretärs des Papstes (und der heißt Gänswein und nicht anders) oder des Nuntius des Papstes in Deutschland oder des Rektors der deutschen Nationalkirche in Rom (den man aber gut kennen muss), in dem explizit darauf hingewiesen wird, dass es ein Original ist, darf man Glauben schenken. Oft wird ein Papier dazu gelegt, in dem steht: "Der Heilige Vater hat sich für Ihre Anfrage bedankt, ......" Damit kann man seine Wohnung tapezieren. Solch ein Anscheiben erhält jeder, der den Papst schriftlich um ein Autogramm bittet, oder zum Geburtstag gratuliert, etc. Und die dort beigefügten Fotos sind keine Originalsignaturen. Vorsicht ist auch geboten, wenn sich eine Signatur auf einem sog. Ablassbrief befindet. Diese Ablassbriefe haben im Kopfteil das Foto des Papstes, dann ein meist gedruckter Text, in den eine Name handschriftlich eingefügt wurde. Der Text bezieht sich auf die Vergebung der Sünden in der Todesstunde. Darunter dann handschriftlich eine kurzer Text mit Jahrezahl und dann kommt eine Unterschrift. Diese ist nur in wenigen Ausnahmen die des Papstes und diese erkennt man dann auch, denn man kann deutlich Pius XI. oder Pius XII. etc. erkennen. In 99 % aller Fälle hat dort ein Bischof signiert, und das ist i.d.R. auch noch ein Druck. Zu guter Letzt noch signierte Fotos, besonders von Johannes Paul II., mit einer Widmung im Rahmen einer Reise. Diese Fotos sind alles Drucke, auch wenn dort steht "Jamaika 4.5.1985".

Vielleicht sollte man auch wissen, dass Benedikt als Papst weder Fotos noch Bücher aus der Zeit vor seiner Wahl zum Papst signiert. Wer also ein Foto des Theologieprofessors Ratzinger mit der Signatur "Benedikt XVI." erhält, darf getrost stutzig werden. Und wer den Kardinal Ratzinger nie persönlich getroffen hat, sollte alle signierten Stücke, besonders seit seiner Zeit in Rom, d.h. ab 1981, sorgfältig prüfen.

Noch ein Wort zu den Kardinalsautogrammen. In den letzten Jahren ist das Verständnis für "Autogrammsammler" bei den Kardinälen stark zurück gegangen. Einige Kardinäle haben begonnen,  Drucke oder Autopen zu verschicken. Dies traf für Kardinal Degenhardt kurz nach seiner Kreierung zum Kardinal zu, aber auch neuere Kurienkardinäle haben auf Dankesschreiben eine gedruckte Signatur. Besonders bei Weihnachtskarten finden sich Drucke.

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