PRIVATSPHÄRE ZU VERSTEIGERN (SPIONAGE PRIVATER DATEN)

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Viele eBay-Mitglieder, die gebrauchte Kameras, Handys oder Laptops verkaufen, vergessen, dass auf diesen Geräten oft private Fotos, Filme, Adressen, Briefe oder Rechnungen gespeichert sind. Ein Testeinkauf hat gezeigt: Werden diese sensiblen Daten nicht richtig gelöscht, kann der Verkäufer leicht ausspioniert werden.

Über einem eBay-Mitglied wissen wir alles. Wir kennen intime Details aus seinem Leben, die er Freunden nicht erzählen würde. Wir wissen nicht nur, wo er wohnt, dass er Jurist ist mit Spezialgebiet Mietrecht und bei wem er worüber Vorträge hält. Sondern auch, dass er regelmäßig joggt, wie er flirtet ("Ich bin eine ehrliche Haut und bevorzuge einen offenen Umgang") und das ihm Pornos gefallen, vor allem solche, in denen zwei Männer mit einer Frau zur Sache gehen. All diese Informationen haben wir bei eBay für 50 Euro ersteigert. Sie wurden geliefert mit einem Laptop. Der Fehler des eBay-Mitglieds: Er hat seine privaten Daten zum Teil gar nicht, zum Teil nur unzureichend beseitigt.

Seit die Digitaltechnik in den Alltag eingezogen ist, gibt es kaum ein elektronisches Gerät, dass nicht irgendetwas speichert. Wer vor 15 Jahren sein Wählscheiben-Telefon oder seine Kleinbild-Kamera auf dem Flohmarkt verkaufte, dachte nicht im Traum daran, dass der neue Besitzer herausfinden könnte, welche Nummern er gewählt oder was er fotografiert hatte. Damals ging das auch nicht - heute schon. Dennoch scheint es, als gingen nicht nur Laien immer noch so sorglos mit ihren Geräten um wie in alten Farbfilm-Zeiten: Der britische Geheimdienst MI 6 blamierte sich im Sommer 2008, als eine seiner Kameras bei eBay auftauchte, inklusive hochbrisanter Informationen über Terrorverdächtige. Ein ähnlicher Lapsus unterlief einer Filmproduktionsfirma, die nicht nur ein Blackberry-Handy bei eBay verkaufte - sondern das Telefonbuch mit Kontakten zu Hollywood-Stars wie Jude Law und Natalie Portman gleich mitlieferte. Prominente Einzelfälle? Wohl eher die Spitze eines riesiges Datenbergs. Eine aktuelle Studie des Datenrettungs-Unternehmens Kessler International kommt zu dem Schluss, dass 40 Prozent der bei eBay USA angebotenen gebrauchten Fertplatten nicht ordentlich gelöscht wurden - und Finanzinformationen, E-Mails oder Fotos enthalten. Ob deutsche eBay-Nutzer geanauso nachlässig sind? Wir ersteigerten bei ebay.de gebrauchte Laptops, Festplatten, Handys, Digitalkameras sowie USB-Sticks und suchten nach Daten. Das Ergebniss ist noch drastischer als das der US-Studie: Von 21 untersuchten Geräten und Speichermedien enthielten 16 noch Dateien - eine Trefferquote von 76 Prozent.

DIE STICHPROBE ist natürlich zu klein, um wirklich repräsentativ für alle deutschen Privatverkäufer zu sein. Doch für reine Zufallstreffer war das Ergebnis auch zu eindeutig. Bei einigen Daten wurde nicht einmal der Versuch unternommen, sie dem eBay-Käufer vorzuenthalten: Beim Laptop lagen noch persönliche Nachrichten in den Entwürfe- und Postausgang-Ordnern des E-Mail-Programms Outlook; die besuchten Internetseiten waren im Windows-Ordner "Temporäre Internetdateien" gespeichert, mit tausenden, überwiedend pornografischen Bildern. Die Speicherkarte eines Handys enthielt knapp 300 Namen und Telefonmummern, auf einem anderen Mobiltelefon fanden wir einige offenbar zu Testzwecken aufgenommene Fotos und Videos. Auf den Speicherkarten zweier Kameras waren ebenfalls ohne großen Aufwand private Bilder zu entdecken. In den meisten Fällen hatten die Besitzer zumindest versucht, ihre Text-, Bild-, Musik-, Video- und sonstigen Dateien zu entfernen - aber ohne Erfolg. Ein simples Datenrettungsprogramm, dass als Freeware kostenlos im Internet zur Verfügung steht und von jedem noch so unkundigen Laien bedient werden kann, brachte zum Vorschein, was die Vorbesitzer eigentlich hatten verschwinden lassen wollen: unzählige Songs auf USB-Sticks, einige Folgen der TV-Serie "Ein Colt für alle Fälle" und viele hundert Bilder, mit denen die Verkäufer preisgeben, wo sie mit wem ihren Urlaub verbringen, wie ihre Wohnungen aussehen, welche Haustiere sie haben, wie sie ihren schwangeren Bauch bemalen. Die Besitzer all dieser Daten sind dem weit verbreiteten Irrtum erlegen, wonach der Papierkorb auf dem Windows-PC oder die "Löschen" -Funktion von Handys und Digitalkameras Daten vernichte. "Wer Daten über ein Betriebssystem löscht oder formatiert, löscht in Wahrheit nur das Verzeichnis dieser Daten". "Das ist, wie wenn Sie aus einem Buch das Inhaltsverzeichnis herausreißen und alle anderen Seiten darin lassen."

VOM ERGEBNIS des Tests ist der Daten-Spezialist nicht überrascht. Ohnehin gingen die Menschen viel zu sorglos mit persönlichen Informationen um, findet er, und verweist auf Facebook und andere Online-Communitys. Dazu komme bei vielen Nutzern von Geräten mit digitaler Datenspeicherung eine große Portion Unwissenheit: "Die Leute glauben, wenn sie keine Daten mehr sehen können, kann das auch sonst keiner." Dabei ist es alles andere als schwierig, Festplatten oder Speicherkarten zuverlässig zu säubern. Das simple Geheimnis liegt darin, dass Daten überschrieben werden müssen, damit sie nicht mehr abgerufen werden können. Diese Arbeit lässt sich bei sehr kleinen Speichern manuell erledigen, für alle anderen Fälle gibt es spezielle Lösch-Programme. Wichtig ist dabei zum einen, dass der Speicherträger nicht defekt ist - denn dann lässt er sich nur noch durch gewaltsame Zerstörung (etwa mit einem großen Elektromagneten) zuverlässig bereinigen. Zum anderen muss man sich bewusst sein, dass nur eine komplette Löschung sinnvoll ist. Das heißt: Wer seinen PC oder Laptop verkaufen will, muss Windows mit entfernen - und das Betriebssystem beilegen oder nach der Löschung neu aufspielen. Das sich der Aufwand lohnt, müsste eigentlich außer Zweifel stehen. Denn nur so lässt sich verhindern, dass Familienfotos in zwielichtigem Umfeld im Internet landen oder böswillige Zeitgenossen an streng vertrauliche Daten wie Passwörter, Firmeninterna oder Krankengeschichte herankommen. Selbst in der Mini-Stichprobe kam derart Vertrauliches zum Vorschein.. Auf einem Laptop, dessen Daten mit einer Freeware wiederhergestelt wurde, waren dutzende geschäftliche Dokumente einer großen deutschen Bank enthalten. Darunter befanden sich Briefe, Beschlüsse und Verträge mit vermutlich vertraulichen Finanzdaten - und eine Verpflichtungserklärung zur Geheimhaltung interner Informationen.

 

WIE LÖSCHE ICH WELCHE DATEN?

 

"Technisch gesehen, geht es nicht ums Löschen, sondern ums überschreiben von Daten. Das Bundesamt empfiehlt sieben Durchgänge, meist reicht aber einmaliges Überschreiben. Dafür benötigen Sie eine Software wie den Ontrack Eraser (ab 499 Euro für kommerziellen Einsatz). Für Privatnutzer genügen auch einfache Gratis-Programme."

COMPUTER UND FESTPLATTEN:

"Wenn Sie einen Laptop oder PC verkaufen wollen, sollten Sie die Software von CD oder einem USB-Stick aus laufen lassen, um alles inklusive Betriebssystem zu löschen. Nur wenn Sie einen externen Datenträger reinigen wollen, können Sie den Vorgang aus dem Betriebssystem starten."

DIGITALKAMERAS:

"Wenn Sie die Speicherkarte mitverkaufen wollen, sollten Sie sie über ein Lesegerät an den Computer anschließen und mit Löschsoftware reinigen. Den internen Speicher können Sie auch über den PC per Software löschen. Wenn Ihr Computer die Kamera nicht erkennt, leeren Sie den Speicher per Löschfunktion der Kamera und füllen ihn dann mit unsinnigen Fotos."

HANDYS:

"Die SIM-Karte sollte man aus Sicherheitsgründen nicht verkaufen. Eine Speicherkarte wird über den PC gelöscht. Für den internen Speicher gibt es keine Software, die mit allen Handys kompatibel ist. Entweder hilft der Hersteller - oder Sie löschen den Speicher über das Handy-Menü und füllen ihn mit Zufalls-Nummern."

Das kostenlose Programm Heidi-Eraser zum Löschen sensibler Daten finden Sie unter heidi.ie.

 

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