Original Peter Figuren/ Peter Mecki aus Tirol

Aufrufe 87 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war

Liebe ebay-Mitglieder,

Original Peter Figuren aus Österreich erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Gustav Peter schuf seit Mitte der 1950er Jahren zahlreiche dieser lustigen Igelfiguren. Es gibt fast keinen Beruf, den diese Igelfiguren nicht darstellen: Maler, Bäcker, Koch, Wirt usw.. Allerdings stehen Sammlern nur wenig Informationsquellen zur Verfügung, z.B. bei Fragen nach dem Alter einer Figur oder wie eine Original Peter Figur von Nachahmungen zu unterscheiden ist.

Wie kann ich das Alter einer Peter-Figur bestimmen?

Jede Original Peter-Figur kam mit einer Kennzeichnung in den Verkauf. In den 1950er und 1960er Jahren trugen die Figuren eine runde, goldene Pappscheibe am Arm mit der Aufschrift "Original Peter-Figur", und "Made in Inzing/Tirol". Die Pappscheibe war beidseitig geprägt und mit einer dünnen Kordel befestigt. Später, ungefähr ab 1970, wurde dieser Markenhinweis durch ein rotes Dreieck aus Kunststoff mit der Aufschrift "Original Peter/Made in Austria" ersetzt. Natürlich gingen diese Markenhinweise häufig verloren. Deshalb muss der Sammler bei der Einordnung  auf andere Merkmale zurückgreifen.

Es gibt noch ein leicht erkennbares Merkmal: Auf die Schuhgröße kommt es an! Die ersten Figuren aus den 1950er Jahren hatten kleine, klobige Schuhe aus Gummi oder weichem Kunststoff. Ende der 1950er Jahre und bis Anfang der 1970er Jahre wurde dieses Schuhmodell durch einen ebenfalls kleinen, aber feiner modellierten Schuh aus festem Kunststoff ersetzt. Ein gutes Unterscheidungsmerkmal gegenüber den ersten Modellen ist die Schnürsenkelleiste, die bis fast an die Spitze des Schuhs reicht. In den 1970er Jahren bis zum Ende der Produktion in den 1990er Jahren wurden die Schuhe wiederum vergrößert, vermutlich wegen der besseren Standfähigkeit für die Figuren. Auch diese Schuhe tragen eine Schnürsenkelleiste, allerdings nur im Mittelteil und mit vier Löchern.

Auch Kopfform und das Material, aus dem der Kopf hergestellt wurde, verraten etwas über das Alter der Figur. Die ersten Figuren aus den 1950er Jahren hatten Köpfe aus Gummi, der Mund war mit zwei Zähnen und Zunge modelliert. Das Nachfolgemodell ab Mitte der 1950er Jahre hatte ebenfalls einen Gummikopf, aber der Mund war zu einem freundlichen Lächeln geformt. Diese Kopfform wurde bis ca. 1980 beibehalten. Ab Anfang der 1980er Jahre bis Produktionsende wurde der Kopf aus hartem Kunststoff hergestellt.
Peter-Igelfiguren sind Biegefiguren aus Draht, Oberarme und Beine sind aus länglichen Perlen hergestellt. In den 1950er Jahren waren diese Perlen noch aus Holz gefertigt und wurden bei den Nachfolgemodellen durch zumeist roten Kunststoff ersetzt. Alle Merkmale zusammen genommen erlauben es dem Sammler, eine Figur eher den 1950er oder 1960er Jahren oder einem späteren Produktionszeitraum zuzuordnen.

Eine genaue Einordnung auf bestimmte Jahre dagegen ist nur schwer möglich, weil Kataloge nur unregelmäßig herausgegeben wurden. Schließlich handelte es sich um Souvenirs,  insofern erhielten vermutlich auch nur Einzelhändler einen Katalog. Allerdings gibt es zwei Merkmale, die sich genauer zuordnen lassen: Zum einen die olympischen Winterspiele 1964 in Innsbruck. Hierzu schuf Peter eine Skifahrer-Figur in den Nationalfarben Rot und Weiß, im Gegensatz zu den bisher verwendeten Skiern trugen die Bretter die fünf olympischen Ringe an der Spitze. Diese Skier-Form wurde bis zuletzt beibehalten. Wintersportfiguren (Skiläufer und Ski-Unfall) ohne die olympischen Ringe wäre demnach vor 1964 entstanden.
Zum anderen ist die Prägung "Made in Korea", die einige Igel-Figuren unter der linken Schuhsohle tragen, hilfreich. Dabei handelt es sich nicht, wie viele annehmen, um billige Kopien aus Fernost. Gustav Peter selbst verlegte 1977 einen Teil seiner Produktion von Inzing nach Korea. Diese Produktion wurde aber bereits 1979 wieder eingestellt. Damit lassen sich Figuren aus Korea im Gegensatz zu anderen Figuren zeitlich verhältnismäßig genau einordnen.

Original Peter-Figur oder Nachahmer-Produkt?

Die gute Nachricht zuerst: Zur Zeit der Produktion durch die Firma Gustav Peter sind keine nennenswerten Fälschungen bekannt geworden. Das hätte auch keinen Sinn gehabt. Die Figuren kamen nämlich als Souvenirs in den Handel, und zwar zu einem günstigen Preis. Fälschungen kommen aber immer dann auf den Markt, wenn es sich um teure Produkte handelt und die Gewinnspanne entsprechend hoch ist.  
Heute werden Peter-Igelfiguren nicht mehr produziert, gleichzeitig steigt unter Sammlern die Nachfrage nach den Figuren. Die Figuren gewinnen also an Wert. Das ruft leider Nachahmer auf den Plan, die es dem Sammler erschweren, eine echte Peter-Figur von einem Nachahmer-Produkt zu unterscheiden.

Die Zahl der unterschiedlichen Modelle ist scheinbar unbegrenzt. Im Handel waren regelmäßig genau 75 Modelle, die bis Ende der 1980er Jahre hergestellt wurden, vom Bergsteiger bis hin zum Weihnachtsmann auf einem Rodelschlitten. 75 Modelle, aber eben nicht mehr. Dazu gehörten sehr wohl gewagte Modelle, wie z.B. die fesche Lola an der Laterne. Igelfiguren, die Vertreter der Kirche darstellen, also Nonnen, Bischöfe o.ä., waren selbst Herrn Peter ein zu heißes Eisen. Mit anderen Worten, diese Figuren mögen zwar im Entwurf existiert haben, aber bestimmt nicht in großen Stückzahlen.
Nun kommen wiederholt besonders seltene Modelle von Original-Peterfiguren zur Auktion. Bei genauerem Betrachten stieß ich auf ein interessantes Detail: Die Figuren stammen fast ausschließlich aus Inzing in Österreich. Na klingelt es? Genau, die Firma von Gustav Peter produzierte bis zu Ihrer Schließung in Inzing/Tirol. Die Igelfiguren wurden u.a. auch in Heimarbeit gefertigt, in guten Zeiten beschäftigte Peter bis zu 200 vornehmlich Heimarbeiterinnen. Figurenteile und Zubehör wurden in der kleinen Fabrik gefertigt und anschließend auch in Heimarbeit zusammengesetzt. Nach der Schließung werden wohl nicht alle Heimarbeiterinnen ihren Fundus zurückgegeben oder vernichtet haben. Was läge also näher, als bei guter Gewinnerwartung mit dem Rest wieder in Produktion zu gehen? Tatsache ist, dass ausgerechnet von einem Verkäufer aus Inzing Figuren versteigert werden, deren Echtheit nicht durch Kataloge oder andere Bildquellen, z.B. Bilder von Messeständen, nachgewiesen werden kann. Es lohnt sich also, genauer hin zu schauen.  

Zur Orientierung können Sie sich an der Kopie des Katalogs aus den 1960er Jahren, der regelmäßig bei ebay angeboten wird, bedienen. Aber auch diese Katalogkopie ist unvollständig, z.B. der Sträfling nicht aufgeführt. Den Peter-Sträfling gab es in zwei Variation, einmal mit Krug und Brotlaib (jüngere Variante) und an einem Kunststoff-Fels festgekettet (ältere, seltenere Variante). Gleiches gilt für den Tiroler Schützen.
Darüber hinaus haben auch die Geschützten Werkstätten Salzburg einen Katalog herausgegeben, der Figuren aus der letzten Produktionsphase zeigt. Die Geschützten Werkstätten Salzburg halten heute die Rechte an den Peter Igelfiguren, produzieren aber nicht mehr. In diesem Katalog findet sich übrigens auch eine Darstellung von Peter Igelfiguren mit einem Modellauto der Firma bburago.  

Im regulären Verkaufssortiment der Firma Peter finden sich allerdings keine Anstreicher, Nonnen, Engel, Postboten oder gar einen Teufel (in Österreich als Krampus bezeichnet). Sie erkennen diese Nachahmer-Produkte an den Details, wie z.B. gehäkelte Strümpfe oder Zubehör aus Metall. Gustav Peter hat alle Gegenstände entweder aus Holz, später fast immer aus Kunststoff selbst hergestellt. Einen Blecheimer oder ein Pinsel mit Borsten, wie z.B. beim Anstreicher, gab es nicht im Sortiment.

Schlussendlich aber entscheidet jeder Sammler selbst, ob er Nachahmer-Produkte erwerben möchte und zu welchem Preis.

Herzliche Sammlergrüße

kindereyen

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden