OEM-Version Microsoft

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Viele Anbieter verkaufen bei Ebay relativ günstig Software als OEM-Version. Immer wenn die drei Buchstaben "OEM" in der Angebotsbeschreibung auftauchen (und danach sollte man bei sehr günstiger Software suchen) erhält man eben jene OEM-Version.

Dieser Ratgeber soll erläutern, was OEM bedeutet, was es damit auf sich hat und worauf man achten sollte.
 

Was bedeutet OEM?

OEM steht auf Englisch für " Original Equipment Manufacturer". Übersetzt heisst das soviel wie "Hersteller des Originalteils" und man würde so etwas wie einen Zulieferer erwarten. Bei Software ist aber mit einer OEM-Version eine Lizenz gemeint, die nicht für den Endverbraucher, sondern für Wiederverkäufer angeboten wird und zwar erheblich billiger als die Endverbraucher-Lizenz.
Unter Wiederverkäufern können wir hier Anbieter von PC-Systemen verstehen, die PCs aus verschiedenen Komponenten zusammenbauen und im Paket mit Software, eben den OEM-Versionen verkaufen. In erster Linie betrifft das natürlich das Betriebssystem und da geht es üblicherweise um Microsoft Windows. Auf diese Produkte will ich auch vorrangig eingehen.

In der Praxis handelt es sich bei OEM-Versionen um so genannte "Recovery-CDs" (bzw. mittlerweile DVDs), die von Computerherstellern mitgeliefert werden und dann bei ebay weiterverkauft werden.
 

Was heißt CoA?

CoA steht für " Certificate of Authenticity" und bedeutet Echtheitszertifikat. Microsoft versteht darunter kleine Aufkleber mit dem Key für die Software, die auf dem Computer angebracht sind. Das CoA enthält das Microsoft-Logo, den Produkt-Key, einen Barcode und einen Sicherheitsstreifen. Einfach mal an der Unterseite des eigenen Laptops nachschauen.
Normalerweise werden OEM-Versionen der Software (also in der Praxis die Recovery-CD) kombiniert mit einem CoA-Aufkleber geliefert. Die CD/DVD enthält die Software, das CoA ist die Lizenz, also das Nutzungsrecht für die Software.
 

Ist der Verkauf von OEM-Versionen legal?

Der Software-Hersteller bindet die OEM-Lizenz an den Verkauf von Hardware und untersagt den Weiterverkauf bzw. den Verkauf unabhängig von Hardware. Daher kommt die Ansicht, es sei illegal, solche OEM-Versionen zu verkaufen. Der Bundesgerichtshof hat aber bereits 2000 den Weiterverkauf solcher Software erlaubt. Geklagt und verloren hatte Microsoft.
Leider hat der Bundesgerichtshof in einem weiteren Urteil 2011 festgestellt, dass der Verkauf von Recovery-CDs mit Echtheitszertifikaten (CoA), die vorher an anderen Computern angebracht wurden, gegen das Markenrecht verstossen kann. Dies betrifft eben vor allem Microsoft-Produkte, hier ist sicherlich Windows das Wichtigste. Der BGH vertritt die Meinung, dass ein auf eine Recovery-CD aufgeklebtes Echtheitszertifikat beim Endverbraucher die Erwartung wecke, Microsoft hätte dieser Kombination (die natürlich nur vom ebay-Verkäufer vorgenommen wurde) zugestimmt.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Händler bei ebay das Zertifikat nun nicht mehr auf die CD/DVD aufkleben, sondern nur beilegen. Hier wird es vermutlich auch in Zukunft noch den ein oder anderen Rechtsstreit zwischen Software-Herstellern und Händlern geben. Es ist zu befürchten, dass Softwarehersteller in Zukunft verstärkt versuchen, über markenrechtliche Bestimmungen Einfluss zu nehmen.

Für den Käufer bei ebay ist das Risiko meiner Meinung nach gering. Wie gesagt ist der Handel mit gebrauchter Software grundsätzlich legal, daher kann man sicherlich gutgläubig davon ausgehen, rechtmäßig zu handeln. Welche Lizenzzahlungen der Verkäufer an den Softwarehersteller zu entrichten gehabt hätte kann dem Käufer auch herzlich egal sein. Ich habe auch in jüngerer Zeit nicht erlebt, dass sich Microsoft bei den notwendigen Produkt-Aktivierungen querstellt.
 

Ist die OEM-Version ein vollwertiges Betriebssystem?

Ja. Bei anderer Software kann es da Beschränkungen auf bestimmte Hardware geben, aber die Microsoft-OEM-Versionen sind normale Vollversionen und können auch auf PCs anderer Hersteller installiert werden. Frühere OEM-Versionen von Windows waren manchmal an bestimmte Hardware gebunden, aber Windows XP, Vista, 7 und 8 bereiten keine Probleme.
 

Wo ist der Unterschied?

Die OEM-Versionen bringen eher zuviel als zuwenig mit. Oft werden Testversionen, Anfix-Produkte oder herstellerspezifische Programme mitinstalliert. Recovery-CDs für ASUS-Laptops hatten bei mir immer jede Menge ASUS-spezifischen Kram dabei. Unter Umständen muss man nach der Neuinstallation eines Systems mit einer OEM-Version erstmal viel Mist wieder runterwerfen. Insgesamt gute Erfahrungen habe ich mit Recovery-CDs von Dell. Die liessen sich bisher auf jedem System anstandslos installieren und haben ausser Dell-Branding nicht viel Ballast mitgebracht.

Die Aktivierung geht nicht!

Microsoft-Produkte bringen seit einiger Zeit die Unart mit, dass sie aktiviert, also freigeschaltet, werden müssen. Im einfachsten Fall geht das durch die Eingabe des Produkt-Keys per Internet. Normalerweise geht das relativ problemlos, OEM-Versionen haben aber meiner Erfahrung nach eine höhere Fehlerquote, d.h. es kann passieren, dass die Aktivierung über das Internet nicht klappt.
Das heisst nicht, dass die erworbene Software eine Raubkopie ist oder nicht funktioniert. Die Internet-Aktivierung kann in einem der folgenden Fälle nicht funktionieren:
  • Echtheitszertifikat (CoA) passt nicht zur Software-Version (z.B. an HP verkauftes CoA mit einer Dell-Recovery-CD)
  • Mehr als 3 oder 4 Aktivierungen des Produkts (genaue Zahl weiss ich nicht)
  • Weniger als eine bestimmte Zeit (meines Wissens ca. 120 Tage) zwischen zwei Produkt-Aktivierungen
Man muss dann eine kostenfreie Hotline anrufen und die Aktivierung per Telefon durchführen. Das ist etwas fummelig weil man dem Telefoncomputer von Microsoft erstmal den Key über die Telefon-Tastatur zukommen lassen muss und dann einen ziemlich langen Key vorgelesen bekommt, der am PC eingegeben werden muss. Funktioniert aber in aller Regel.

Unter Umständen kann es passieren, dass Windows einen Raubkopie-Verdacht meldet. In seltenen Fällen kann es sein, dass nach einer Hardware-Änderung das Produkt neu aktiviert werden muss. Häufiger wird aber der Fall sein, dass ein Käufer so eine Meldung bei seiner ersten Installation erhält. Microsoft bietet für die OEM-Versionen keinen Support, aber in der Regel sollte man in Erfahrung bringen können, ob der eigene Key bei Microsoft als gestohlen registiert wurde. Hier hilft dann nur, den Verkäufer zu kontaktieren und den Verkauf rückgängig zu machen bzw. Ersatz einzufordern. Hier kann man gerade auch den Verkäufern nur raten, kooperativ zu sein.
 

Fazit

Ich hoffe ich konnte dem einen oder anderen hier etwas weiterhelfen.

Persönlich sage ich: OEM-Versionen lohnen sich! Beim meinem letzten Laptop war Windows 7 Starter Edition mitgeliefert. Dieses Betriebssystem ist derart eingeschränkt, dass man es eigentlich als Frechheit bezeichnen muss, dass sowas ernsthaft als Betriebssystem geliefert wird. Das Upgrade auf die nächste brauchbare Version Windows 7 Home Premium kostet beim Upgrade via Windows Anytime (sozusagen direkt bei Microsoft) fast 80 Euro. Bei Ebay erhält man Windows 7 Home Premium als OEM-Version für ca. 35 Euro. Wie ich dargestellt habe, ist das nicht nur legal, sondern man erhält auch die normale Vollversion.
 
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