Nakamichi Vintage Tapedecks

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Es ist ja schon interessant wie verrückt man auf, zum Teil über 25 Jahre, alte Tapedecks sein kann. Gerade die Nakamichis waren zu Ihrer Glanzzeit kaum zu schlagen (und sind auch heute klanglich  jeden bei 15 Khz abriegelnden MP3-Player haushoch überlegen), ist da also mehr dran als pure Nostalgie?

Nun, eindeutig ja, die CC hat ihre Langzeitstabilität bewiesen, wenn ich heute was von vor 20 Jahren hören will - kein Problem. Was von der modernen - irgendwann mit digitalen Rechten verplombten - Digitaltechnik technisch noch zu beweisen ist, bzw. nach dem Exitus einiger selbstgebrannter CD´s nach einigen Jahren für mich  schon wiederlegt ist. Als Archivmedium taugt die Cassette bewiesenermaßen.
Nur unter gewissen Bedingungen sind jedoch Spitzenleistungen möglich und die werden und wurden oftmals schmählich ignoriert (Köpfe und Bandführung nicht gereinigt, nie entmagnetisiert, etc.). Klar, daß dann eine Cassette mumpfig klingt und man ein Klangplus in MP3 & Co. sieht..
Bei einem perfekten Setup liegt man jedoch mit einem DreikopfNak verdammt nahe an der CD und auch die kleinen Zweikopfgeräte gehören zu den besten ihrer Gattung.
Das Geheimnis sind die, nur bei Nakamichi verbauten, Köpfe welche vom Schliff und der Qualität her wirklich einmalig sind, zumal diese bei den Dreikopfgeräten wirkliche Einzelköpfe sind, so daß es möglich ist die Kopfspalte wirklich paralell zueinander einzustellen. Kein anderer Hersteller hat sich daran herangetraut! Daher auch die phantastische Hochtonwiedergabe.
Die Digitaltechnik mag ja im Alltagsgebrauch überaus bequem sein, aber laufend wechselnde Formatwechsel, Medienalterung etc. sind nicht so ganz mein Ding. Natürlich altert auch die Magnetbandtechnik, aber dann setzt es halt einen Dropout aber keinen Totalverlust. Und - Qualitätsbänder vorausgesetzt - kann ich nach über 20 Jahren sagen, daß sich der Verlust in ziemlichen Grenzen hält - richtige Lagerung vorausgesetzt. Sogar Neuaufnahmen auf derartig alten Bändern bringen eine erstaunliche Qualität zu Wege (mittlerweile bunkere ich die alte TDK SA Baureihe aus den frühen 80ern, weil die Gehäuse besser sind und das Bandmaterial seitens der magnetischen Eigenschaften mit der Entzerrung dar alten Naks am besten harmoniert [Stichwort IEC-Konformität] - 20 Khz sind locker machbar). Nach Flops wie MD und DCC sollte man doch ins Grübeln kommen.
Wer jetzt fragt, warum selbst aufnehmen, dem kann ich nur antworten: WDR-ROCKPALST-LIVEKONZERTE!
Wenn das mitunter nicht archivwürdig ist, was dann?

Seit 1986 besitze ich als Erstbesitzer ein RX-202 E sowie ab 1990 einen Dragon, die bis dato ordentlich gepflegt aber auch reichlich benutzt wurden (mitunter 4 Stunden am Tag). Neben den üblichen Idlerproblemen (irgendwann rutscht das Reibrad nur noch durch und die Wickeldorne spulen das Band nicht mehr vor und zurück -> entweder Verhärtung oder bei reichlich genutzten Decks Abrieb) waren beim RX-202 die Köpfe verschlissen. Das war´s. eigentlich schon, bis ein selbst verursachter Kurzschluß einen thermischen Widerstand meuchelte. - Wie hoffentlich bekannt ist, hat das was heute Nakamichi heißt außer den Namen rein gar nicht mit dem früheren Nakamichi zu tun, ergo Ersatzteile sind absolute Mangelware. - Also bei ebay das billigste Modell der BX-Baureihe zum Schleuderpreis von irgendwas um die 7 EURO zum Schlachten gebunkert. Dummerweise war das Gerät in einen 1A Zustand und zum Schlachten zu schade, also den Idler gewechselt und auf ´s neue. Nun gut, mittlerweile ist es eine halbe Sammlung geworden (BX-100, BX-125, BX-150, BX-300, BX-2, CR-2, CR-3, 480, 580 und auch noch ein LX-3) und irgendwann endlich auch eine Platine mit dem benötigten Bauteil :-)

Fazit: Das notwendige Wissen und Können vorausgesetzt, bekommt man die Kisten immer ans laufen, nur die Latte hängt unterschiedlich hoch. Die BX-Modelle sind einfach, logisch und servicefreundlich aufgebaut, so daß ein praktisch immer notwendiger Idlertausch in einer Viertelstunde erledigt ist. Dieses

(Sankyolaufwerk aus einem BX-300)

kann generell von allen Decks mit dem Sankyolaufwerk sagen (Ausnahme RX-202). Bei den Decks mit  dem Nakamichistandardlaufwerk sieht die Sache gänzlich anders aus, da hier das ganze Laufwerk zerlegt

(Nakamichilaufwerk aus einem 480)

werden muß. Angesichts der Komplexität der Konstruktion eine Aufgabe für Uhrmacher. Nebenhin verharzen bei diesen Laufwerken die Wellen der Anrduckrollenträger recht gern (Andruckrollen gleiten nicht mehr in Richtung Capstan -> kein Bandzug), sodaß auch hier Arbeit ansteht um überhaupt ein funktionierendes Laufwerk zu erhalten.
Weiterhin ist zu bedenken, daß diese Laufwerke praktisch überall justierbar sind und folglich von übereifrigen Vorbesitzern auch dejustiert werden können. Eine Einstellung auf die Werkswerte ist bei einigen Parametern nur mit sündhaft teuren und ebenso raren Spezialwerkzeug möglich.
Ein gänzlich anderes Problem ist die Elektronik, sie funktioniert zumeist, jedoch ist ein neues Einmessen unumgänglich, da im Laufe der Jahre die Bauteilalterung zugeschlagen hat. Zweckmäßigerweise sollten auch vorsorglich die Elkos des Netzteils getauscht werden, da diese gelegentlich schlichtweg überaltert sind und an Kapazität verloren haben. So hat man in Zukunft Ruhe vor Überraschungen und eine stabile Siebung hat ja auch was für sich. 
Mit etwas Glück sind die übrigen Kondensatoren noch so fit, daß ein Einmessen auf die Werksspezifikation möglich ist, ansonsten hilft hier auch nur Tausch. Und nur so ist der sagenumwobenene Spitzenklang möglich! Auch bei den ´kleineren´ Modellen.
Ein nicht korrekt eingemessenes Deck bringt einfach nicht die mögliche Leistung, und dies ist nicht nur ein Alterungsproblem, sondern ein generelles, weil die Zusammensetzung des Bandmateriales sich, selbst wenn man bei einer Marke bleibt, über die Zeit ständig geändert hat.
Von daher ist es nur vernünftig sich lieber einmal mit einer größeren Charge einzudecken, das Deck darauf einzumessen und dann auch wirklich Ruhe zu haben. Ich habe kürzlich einmal einen kurzen Test unternommen. Dolby-Bezugspegel (400 Hz) auf Band 1 eingemessen (Aufnahme 0 dB Wiedergabe 0 dB) dann ein Band 2 eines anderen Herstellers genommen und siehe da, bei der Wiedergabe waren plötzlich nur noch -6 dB vorhanden und weils so schön war, Band 3 war dann gleicher Hersteller, gleiche Type nur ein paar Jahre jünger und nun -2,5 dB bei der Wiedergabe.
Dann wundert es nicht, warum die ganze Wiedergabeentzerrung unter Dolby krumm und schief ist: Eine ruinierte Aufnahme ist nicht mehr zu kurieren.  

Naks bei Ebay: Die Preise die für einige Kultmodelle wie z.B. dem Dragon, den RXen und den ZXL-Modellen  aufgerufen und bezahlt werden halte ich für komplett überzogen, es sei denn, sie sind nachweislich mit Austausch der Verschleißteile generalüberholt worden. Das finanzielle Risiko ist bei einem Schadensfall schlichtweg zu hoch. Allein ein Idlerwechsel ist dort schon richtig stundenintensiv, wenn dann noch irgendein Bauteil ausfällt, für das es keinen Ersatz mehr gibt ist Hängen im Schacht. Dann ist es schon besser - wenn man in HighEndige Gefilde will sich ein BX-300 anzutun. Wiedergabemäßig TOP und preislich OK. Der Hit schlechthin ist ein CR-4, da dort der Idler dürch ein Zahnrad ersetzt wurde und die neuen Dolbyschaltkreise noch ein paar Db Rauschabstand bringen und Bias UND Level von außen einstellbar sind. Bei den kleinen BXen entweder ein Bastlerteil billigst kaufen und selbst wiederherrichten (Setzt KnowHow und Werkzeug voraus -> kostet auch Geld) oder lieber ein überholtes Deck kaufen. Alles dazwischen ist Lotteriespiel.
Und noch was: Wenn ein Nak mit Sankyolaufwerk nicht spult ist es NIE der Riemen, denn die Wickeldorne werden über einen separaten Motor über besagten Ider / oder bei den angesprochenen CR-Geräten via Zahnrad angetrieben! Der Satz "müßte mal der Riemen gewechselt werden" ist bei diesen Symptom schlichtweg daneben. Im günstigsten - und wahrscheinlichsten - Fall ist es der Idler, es kann jedoch auch der Wickelmotor selbst sein (auch schon vorgekommen) oder die Spannungsversorgung knickt ein. Und dann hilft kein "basteln" sondern Schaltplan lesen  und uns systematisches Messen.
Ein CR1-4 welches nicht spult hat folglich einen schwereren Defekt, da dort kein Idler ist der durchrutschen kann! In aller Regel ist dort der Kollektor des Wickelmotors verschmutzt.
Reagiert das Deck nicht auf Tastenbefehle gilt gleiches für den Steuermotor (gilt auch für die BX-Serie).

Lahme Treibriemen (Ausnahme Zählwerksantriebe) oder auch fertige Andruckrollen sind mir bisher bei den Sankyos seltenst untergekommen, im Gegenteil. Ich bin hier wirklich erstaunt wie gut diese Bauteile durch die Jahre gekommen sind.

Kauftips:

BX-2, weil robust, Dolby C und elektronisches Zählwerk, preislich total unterbewertet
BX-125, weil oft günstigst zu bekommen, da in rauhen Mengen vorhanden, Dolby C, robust, aufgeräumtes Design (Neben dem Idlerproblem sind zwei weitere Defekte recht häufig: Riemen für das mechanische Zählwerk ausgeleiert, Ausgangspegelpoti auf einem Kanal defekt. Beides also Kleinigkeiten, der Riemen ist ein Standardteil und das Poti, wenn man nicht oft mit Kopfhören arbeitet, ist simpel zu brücken, was im Interesse des reinen Klanges ohnehin nicht so dumm ist, da einerseits Übertragungswiderstände vermieden werden und andererseits es mit  Stereolinearität dieses Bauteils ohnehin nicht recht weit her ist -> Klangtuning.)  
BX-150 Ausstattung wie BX-2 jedoch für meinem Geschmack besseres Design, vergleichsweise selten
BX-300 Dreikopfmaschine, direktangetriebener Doppelcapstan, Biasfeineinstellung, herrvorragender Klang, sonst wie BX-150
CR-3 Dreikopfmaschine, leider kein direktangetriebener Capstan, neue Dolby IC´s,  Zahnradantrieb, z.T. etwas teuer (BX-300 bessere Wahl)
CR-4 wie CR-3 jedoch Direktantrieb des Capstans eigentlich das Gerät mit dem besten Preis/Leistungsverhältnis wenn es etwas mehr sein darf und Bias & Level von außen justierbar!.
CR-7 wirkliches HighEnd, jedoch nur in den letzten Baureihen mit Zahnradantrieb und mit reichlich vielen übereinander verbauten Platinen, teuer!

So dazwischen:

Alle Geräte mit Nakamichistandardlaufwerk (also Vor-BX-Ära) 48X, 58X, 6XX, LX-Baureihe, weil um Längen zickiger in der Wartung. Klanglich zwar herrvorragend aber z.T. wie das LX-3 zu teuer. Mechanik des öfteren total verharzt. Oft "nur" Dolby B. 
Wer sich an der Plastikfront nicht stößt (Haptik ist nicht so dolle), dem sei - wenn´s dann ein Standardlaufwerk sein muß - das LX-5 empfohlen: Dreikopf, Doppelcapstan und in der Rauschunterdrückung mit Dolby C ausgestattet. Kurz: Ein RX-505 ohne Wendemechanismus aber klanglich auf dessen Niveau. Im Prinzip die letzte Evolutionsstufe der Standardlaufwerke.
Alternativ dazu die Dolby-C-Maschinen 481z, 482z, 581z und 582z alles auch Dreikopfgeräte, allerdings werden diese sehr selten angeboten.
Die Kultmaschinen ZX-7, ZX-9, 700ZXL, 700ZXE, 1000 ZXL, RX-505 und Dragon sind Sammlerstücke mit ebensolchen Kursen. Dabei wird blind geboten und Mondpreise bezahlt. Ihre überragende Leistung ist jedoch nur bei regelmäßiger Pflege und Wartung möglich. Schon bei etwas vernachlässigten Geräten ist kein Unterschied zur Klasse BX-300 aufwärts zu hören. Sie sind halt wie Rennwagen: Höchstleistung nur bei höchsten Aufwand im Unterhalt, eben echtes HighEnd!

Bloß nicht (außer spottbillig):

CR-5 was dieses Deck soll weiß ich nicht! Um längen teurer als das CR-4, weniger Einmessfunktionen, elender Platinenverhau, Laufwerk mit Idler (!), sollte wohl die Lücke zum CR-7 schließen, liegt aber eher  unter dem CR-4.  Warum mehr zahlen für weniger Leistung???

Cassette Deck 1 letztes Aufbäumen von Nakamichi im neuen Gewand. Nur, daß das Top of the line Gerät das Sparlaufwerk des verblichenen CR-3 beherbergt und nicht das standesgemäße Direktangetriebene. Mit dieser Baureihe hat es Nakamichi geschafft auch in zeitgenössischen Testberichten sich aus der Referenzklasse zu verkrümeln. Azimuthfeinjustage hin und her - hier bleibt der Daumen unten. 

Sonderfall RX (Wendetapes):

Schön sind sie ja und auch praktisch, aber zwei Dinge geraten zur Vorsicht.
Mystisch verklärt bewegen sich diese Maschinen auf einem Preisgebiet, welches jenseits von Gut und Böse ist. Das RX-202 ist letztlich ein BX-150 mit Wendefunktion, nicht mehr. Das RX-303 ist ein LX-3 und das RX-505 ein LX-5 nicht mehr und nicht weniger. Akkustisch tut sich da rein gar nichts.
Dafür handelt man sich neben der o.g. Probleme noch eine größere Verbautheit ein. Bei meinen geschätzten BXen ist der Idler wie folgt getauscht: Kassettendeckel abnehmen, zwei Schrauben lösen, Abdeckungsblech herausziehen, Sicherungsscheibe von der Idlerwelle hebeln, Idler ersetzen und dann das Ganze zurück - Kleinkarm, bei dem noch  nicht mal das Gehäuse geöffnet werden muß.
Beim RX-202 muß mal eben das ganze Laufwerk ausgebaut werden, nun liegen die Schrauben reichlich verwinkelt und sind auch noch butterweich. Wenn nun ein findiger Vorbesitzer die rundgedreht hat - frohes Fest!
Nebenher, ab und an werden Geräte ohne Plexiabdeckung unters Volk gebracht. Nun ja, mir ist keine Reproabdeckung bekannt und ohne die wirkt die Kiste irgendwie peinlich. Was auch gerne mal verschwiegen wird, ist das die Haltenasen der Abdeckung recht labil sind und gerne brechen. Dann wird diese kurzerhand angeklebt (2 von 4 in meinem Bestand). Prinzipiell kein Beinbruch, denn dann müssen, zur regelmäßig notwendigen Reinigung, halt zwei Kreuzschlitzschrauben gelöst werden um an die Köpfe und die Bandführung zu kommen, nur sollte dies auch gesagt werden. Denn für ein Sammlerstück gilt eben 100% original. Obschon mir persönlich dieser Mangel lieber wäre als ein zerschrammtes Deck.
Wobei natürlich die Frage ist was man mit der Maschine will, denn Archivieren - womit wir wieder beim Thema wären - geht natürlich auch auf einem verschrammten Arbeitspferd und für ambulante Aufnahmen würde ich nun wirklich kein Gerät aus dem Fundus nehmen, dessen Gehäuse makellos ist.

Der Trend geht einwandfrei zum Zweitdeck *g* (es dürfen gerne auch ein paar mehr sein). 

 

Und wer noch mehr über Cassettenrecorder wissen will, der sollte sich den Fachausfsatz 'Der Cassettenrecorder' von Dr. Wolfgang Näser ergooglen, ist immer noch lesenswert.

  

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