Nach Schlaganfall wieder Auto fahren?

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Nach Schlaganfall wieder Auto fahren?
31.08.2006   Die Deutschen werden immer älter und immer mobiler. Damit steigt nicht nur der Anteil der Senioren unter den Autofahrern stetig. Vielmehr stellt sich auch immer öfter die Frage: Trotz Krankheit ans Steuer? Dieses Thema kann allerdings ebenso junge Leute treffen, wenn sie beispielsweise an Diabetes leiden oder sich einer längeren Schmerztherapie unterziehen müssen.


Heute besitzen schon mehr als zwei Drittel der über 65-Jährigen einen Führerschein, und dieser Anteil nimmt angesichts der Bevölkerungsentwicklung noch zu. Steigt mit zunehmend älteren Fahrern parallel die Zahl der Unfälle? "Das Problem sind Krankheiten und körperliche Einschränkungen, nicht das Alter an sich. Das betrifft jüngere Erkrankte genauso", sagt die Medizinerin Hannelore Hoffmann-Born von TÜV-SÜD in München. Allerdings sind ältere Menschen häufiger krank, müssen öfter regelmäßig Medikamente nehmen, haben vielfach auch Mehrfacherkrankungen. Hoffmann-Born: "Tatsache ist, dass Krankheiten und Medikamente die Koordination und Konzentration am Steuer erheblich beeinträchtigen können." Eine Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen habe gezeigt, dass Personen mit mehr als einer Krankheit ein 2,6 Mal so großes Risiko für einen Autounfall haben wie Gesunde.

Da stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Fahrtüchtigkeit. "Es ist nicht einfach, sich mit solchen Fragen auseinander zu setzen. Und auch die Ärzte scheuen häufig vor einem offenen Wort zurück", weiß Hoffmann-Born. Dennoch müsse die Frage geklärt werden. Nicht zuletzt verpflichte der Gesetzgeber jeden Verkehrsteilnehmer, seine Fahrtauglichkeit gewissenhaft zu überprüfen.

Vielen Ärzten falle es schwer, sich ein Bild von der Fahrtauglichkeit ihres Patienten zu machen, sagt die TÜV-Medizinerin. Denn einerseits sei für die verkehrsmedizinische Bewertung von Erkrankungen Spezialwissen vonnöten. Andererseits bestehe nicht selten Uneinigkeit zwischen Arzt und Patient in Sachen Fahrtauglichkeit. "Ärzte kommen hier häufig in schwierige Situationen. Sie kennen einen Patienten vielleicht seit 30 Jahren, sind fast mit ihm befreundet und sollen ihm plötzlich sagen, dass er nicht mehr voll fahrtauglich ist", schildert Hoffmann-Born ein wohl alltägliches Dilemma. Allerdings stünden Ärzte in der Aufklärungspflicht. Verletzten sie diese, hafteten sie im Extremfall gegenüber ihren Patienten und gegenüber weiteren Unfallbeteiligten.

"Wer sich unsicher ist, ob er sein Auto noch sicher im Straßenverkehr bewegen kann, sollte sich auf jeden Fall freiwillig von fachlicher Seite beraten lassen, völlig unabhängig vom Alter", rät die TÜV-SÜD-Expertin. Ein positives Ergebnis bei einem Fitness-Check verschaffe wieder Sicherheit und ein beruhigendes Gefühl. Und im Falle eines Falles werde der Versicherungsschutz nicht riskiert.

Ergänzend zum Fitness-Check würden - natürlich ebenfalls auf freiwilliger Basis - spezielle Fahrsicherheitstrainings mit besonderen psychologischen Sicherheitselementen angeboten. Sie könnten verbunden sein mit einer Begutachtung des Krankheitsbildes sowie der individuellen Leistungsfähigkeit des Probanden. Fallweise könne eine "Probefahrt" in die Untersuchung einbezogen werden. Der Teilnehmer erhalte eine klare, schriftliche Auskunft über seine Situation und Empfehlungen zur weiteren Verkehrsteilnahme. Auf besonderen Wunsch werde auch ein ausführlicher Bericht an den behandelnden Arzt erstellt. "Ob sich der Kunde an die Empfehlungen hält, bleibt letztlich ihm selbst überlassen", unterstreicht Hoffmann-Born: "Das Ergebnis unserer Untersuchungen unterliegt der Schweigepflicht."

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