Mutter-Kind-Kuren - sinnvoll?

Aufrufe 24 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Seit dem ich die Internetseite für kurreife Eltern ins Leben gerufen habe und seit dem ich ehrenamtlich für eine private Kurvermittlung arbeite, ist mir klar geworden, wie viel auf dem Sektor der Mutter-Kind-Kuren eigentlich schief läuft. Schön dass ich heute morgen die Sparte mit den Tipps & Tricks zur Mutter-Kind-Kur entedeckt habe.

Passt das zu mir?

Der Weg zur Kur ist lang und beschwerlich und eigentlich ist der erste Schritt schon fast der größte Schritt - nämlich die Überlegung ob eine Kur für sich oder die Familie tatsächlich notwendig ist. Und ob man sich so was "leisten" darf. Im Allgemeinen herrscht ja oft die Aussage, dass Mütter die mit ihren Kindern in Kur fahren, einen Urlaub verbringen. Das ist aber weit gefehlt. Daher ist die prozentuelle Zahl der Mütter, die im Prinzip wirklich einen Urlaub bräuchten statt einer Kur und trotzdem eine Kur beantragen, verschwindend gering.

Oft spielen familiäre Aspekte eine wichtige Rolle und es werden sich schon vor der Kurbeantragung viele Fragen gestellt.

- Bin ich wirklich kurreif oder packe ich es noch?
- Was wird meine Familie sagen?
- Wird das vielleicht sogar Konsequenzen haben, da man mir nicht mehr zutraut meine Kinder alleine zu versorgen
- Soll ich nicht lieber doch fachliche Hilfe vor Ort in Anspruch nehmen?

Dies sind nur einige Möglichkeiten der Überlegungen die vor einer Kurbeantragung stehen. Sollte dann aber der Entschluss gefallen sein, dass es einer Mami, einem Papi oder einer Familie mental oder körperlich so schlecht geht, dass eine Kur notwendig ist, beginnt meist eine Odysee.

Wie und wo beantrage ich eine Kur?

Es gibt 50 ways to lose your lover, aber nur wenige Wege zu einer vernünfigten Kur zu bekommen.

Der erste Weg wird recht oft gewählt und war auch mein erster (bescheidener) Versuch ein Kurhaus zu finden. Ich bin im Internet herum gesurft und letztendlich auf einem Haus gelandet, dass ich von den Indikationen und den Bildern toll fand. Auf der Seite konnte ich mir einen Zeitraum für die Kur reservieren und die Anträge ausdrücken. Die Anträge müssen dann jeweils zum Hausarzt und zum Kinderarzt. Dieser Aspekt ist bei allen Wegen der Beantragung gleich.

Nachdem ich dann recht voreilig reserviert hatte und die Anträge ausgedruckt hatte (auf denen dann übrigens der reservierte Wunschtermin sowie die Kureinrichtung schon drauf standen) zweifelte ich, ob ich wirklich etwas passendes für meine Indikationen gewählt hatte. Zu dem Zeitpunkt wußte ich auch noch nicht ob meine Kinder als Patienten- oder Begleitkinder mitfahren, was auch ein wichtiger Aspekt ist. Also hab ich die Reservierung zur Zeite gelegt und bin den üblichen Weg gegangen.

Like usual:

Die meisten betroffenen Eltern wenden sich an ihre Krankenkassen. Ein Anruf genügt und die Anträge werden zugeschickt. Dazu gehört bei den Unterlagen der Krankenkassen auch ein Selbstauskunftsbogen. Die Unterlagen müssen wieder an die behandelnden Ärzte weitergereicht werden, nachdem sie ausgefüllt sind, schickt man sie zurück zur Krankenkasse. Nach geraumer Zeit (meist zwischen 1-3 Wochen) erhält man von den Krankenkassen entweder eine Zusage oder eine Ablehnung. Die weitere Vorhergehensweise bei einer Ablehnung werde ich gleich noch erläutern.

Gehört man zu den glücklichen Personen die eine Zusage erhalten, wird von der Krankenkasse sowohl Termin als auch Klinik vorgeschlagen. Ich persönlich war mit meiner Klinik schon im Vorfeld unzufrieden und bat um Unterbringung in einer anderen und kleineren Einrichtung, von der ich gerade in Punkto Babyunterbringung sehr viel Gutes gehört hatte. Dies war meiner Krankenkasse jedoch leider zu teuer und auch eine private Zuzahlung der Differenz zu der für mich selektierten Klinik war nicht möglich. Es kam wie es kommen musste - meine Kur war ein mittleres Disaster.

Best way to go:

Der für mich beste Weg eine Kur zu beantragen, ist sich an eine Kurberatung zu weden. Hierbei gibt es aber auch Unterschiede, wie die caritativen Einrichtung der Caritas, Arbeiterwohlfahrt usw. und die privaten Kureinrichtungen. Beides hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Die caritativen Beratungsstellen vermitteln ausschließlich eigene Häuser, wobei die Auswahlmöglichkeiten natürlich begrenzt sind. Außerdem wird im Falle einer Ablehnung beim Widerspruch in vielen Fällen nur lapidar mit einem Formular statt mit tatkräftiger Unterstützung geholfen, wobei mir hier gerade das Müttergenesungswerk wirklich unangenehm in Erinnerung geblieben ist.

Dann gibt es private Kurvermittlungen. Auch diese Kurvermittlungen haben nur bestimmte Häuser im Angebot. Ein Vorteil bei Kurberatungsstellen ist, dass man dort besonderen Wert auf die Wünsche der Mütter und die Indikationen legt. Es wird eine passende Wunschklinik reserviert und sollte die Mutter mit dieser reservierten Klinik einverstanden sein, werden die Anträge mit Aufdruck der Kurberatung bei den Ärzten abgegeben und mit der vorselektierten Klinik. Allerdings reservieren einige Kurberatungen hauptsächlich in Häusern, bei denen sie die meiste Provision erhalten.

Was nun?

Nach Abgabe der Unterlagen bei der Beratungsstelle (dorthin schickt man die Unterlagen zurück) oder bei der Krankenkasse, beginnt meist eine sehr unangnehme Wartezeit. Wird die Kur bewilligt? Oder kommt es zur Ablehnung?

Leider hat sich in den letzten Jahren bewahrheitet, dass das Budget für Mutter-Kind-Kuren stetig sinkt und die Kuren zu 85% abgelehnt werden. Viele Mütter resignieren jetzt und sagen sich, dass es ja die ganze Zeit so ging und nun auch so weitergehen wird. Die Krankenkassen verweisen dann fast ausschließlich auf Hilfe vor Ort, was sich aber oft gar nicht mit der Kinderbetreuung vereinbaren lässt.

Sollte man nun einen Widerspruch einlegen, helfen in dem Fall natürlich weder die Klinik noch die Krankenkassen, sondern man soltle sich Rat in Foren suchen oder wenn bei einer Beratungsstelle die Kur beantragt wurde, dort Kontakt aufnehmen.

Nach Einreichung des Widerspruchs werden die Mütter samt Kindern oft zum MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkasse) bestellt. Dieser entscheidet dann in erster Instanz ob die Frau kurreif ist, sprich ob ausreichende Indikationen vorliegen. Bewilligt der MDK nun in der Widerspruchsphase die Kur, hat die Krankenkasse dann aber noch das letzte Wort. Wird das eventuelle vorreservierte Haus genehmigt? Oder ist im Budget der Krankenkasse nur eine andere Klinik möglich?

Wer einen Bescheid der Krankenkassen mit dem OK in den Händen hält, sollte sich möglichst schnell für eine Klinik entscheiden. Mit Kindergarten- oder Kleinkindern würde ich einen Termin außerhalb der Ferien empfehlen, da es dort wesentlich ruhiger zugeht, als in den Ferien, wo dann Eltern mit ihren schulpflichtigen Kindern die Kureinrichtungen aufsuchen.

Was ist nun noch zu tun:

Mit der hart erkämpften Bewilligung ist es noch nicht getan, denn nun steht man vor den Überlegungen:

- was muss ich packen?
- fahre ich mit dem Auto oder der Bahn?
- in welcher Höhe übernimmt die Krankenkasse Reisekosten?
- wenn ich Patientenkinder habe, können diese schon alleine zur ihren Anwendungen gehen oder müssen sie gebracht werden?
- wie viele Zimmer werden mir reserviert?

Hier mal ein Beispiel wie eine Kofferliste aussehen könnte:

• der Jahreszeiten entsprechend Kleidung ; (Sommer warme Kleidung für kalte Tage und im Winter
luftige Kleidung für warme Tage
• Kopfbedeckung, Sonnenhut,
• Wanderschuhe, falls Sie die Berge besteigen wollen
• Bade- bzw. Strandtücher
• Badeschuhe/Bademäntel
• Badeanzüge/-hose
• bündiges Höschen für Kleinkinder zum Schwimmen
• Turnschuhe für die Sporthalle
• festes, bequemes Schuhwerk/Turnschuhe für draußen
• Jogginganzüge
• Regenmantel/-schirm, wetterfeste Kleidung
• Gummistiefel
• ärztliche Befundberichte (falls vorhanden)
• Krankenversichertenkarte, Impfpässe
• Medikamente, die ständig genommen werden müssen (bei Krankheiten während der Kurzeit,
bekommt man ausreichend Medikamente von der Kurklinik)
• Nackenkissen
• Fieberthermometer
• Pari-Boy/Inhalationsmedikamente
• Buggy/Kinderwagen
• Schwimmflügel für Kleinkinder
• Rucksack für Ausflüge mit der Kindergruppe
• Fön
• Radio, Wecker, CD Player

• Schulmaterialien für Deutsch und Mathe
• Lieblingsspielzeug
• Foto- und Videoausrüstung , das Batterieladegerät , Ersatzbatterien und Filme
• Bücher, Romane, Zeitschriften
• Sonnenschutzmittel, besonders für Kinder erhöhter Faktor
• Sonnenbrandsalbe oder -creme
• Sonnenbrille, Ersatzbrille, Lesebrille
• Reiseapotheke
• Lieblingsspielzeug von Ihrem Kind nicht vergessen.
• Für die Fahrt im Auto oder Zug an weiteres Spielzeug denken.
Malunterlagen, Kugelschreiber, Bleistift nicht vergessen!
• Reiseführer,
• Stadtplan, Straßenkarten
• Adressbuch nicht vergessen, sonst können Sie keine Urlaubskarten verschicken!
• Nähzeug,
• Taschenlampe,
• Versicherung im Krankheitsfall
• Anschrift auf dem Koffer versehen
• Handy
• Babyphone
• Nachtlicht
• Korkenzieher/Flaschenöffner
• Sandspielzeug (Eimer, Schaufel, Gießkanne) oder ihr kauft es vor Ort und schenkt es vor der
Abreise aus Platzmangel den Kindergruppen

Fazit:

Eine Kur ist schon vor dem Kurantritt, eine aufregende Sache. Man sollte sich gründlich über die Kurklinink informieren und seine Wünsche sowohl der Krankenkasse oder der Beratungsstelle als auch der Kurklinik klar sagen, damit die Kur ein Erfolg statt ein Reinfall wird.

Vor kurzem sickerte durch, dass ein Herr vom MDK einer Mutter eine Kur nicht bewilligt hat, da diese zu intelligent für eine Kur ist und Kuren ja etwas für Mütter sind, die nicht so schlau sind. Ich wußte gar nicht ob ich als dumme Person empört bin, weil ich schon eine Kur hatte oder ob die sich einfach in meiner IQ-Einstufung vertan hatten (-: . Was mich sehr ärgert ist, dass die Krankenkassen im Vorfeld die Kuren oft ablehnen, weil sie davon ausgehen, dass die Mütter es dann auf sich beruhen lassen, wenn eine Ablehnung kommt.

Daher hier mein Aufruf sich zu wehren und um die Kur zu kämpfen, so gehts nicht mit den Krankenkassen und nun soll selbst ab 2007 die Beratung durch private Vermittlungsstellen untersagt werden, weil das Budget der ausgewählten Kliniken den Krankenkassen auch nicht mehr passt. Wenn der Trend so weiter geht, werden jedenfalls viele weitere Kliniken schließen müssen, da einfach keine Bewilligungen mehr erfolgen.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden