Modellhubschrauber RC Elektro; Hubschrauber; Helikopter

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Hallo und Guten Tag,
ich nehme an, Smilies aus Satzzeichen und Buchstaben kennen Sie ((-:  Meine sind linkshändig, Sie sollten also den Kopf nach rechts neigen, um sie zu erkennen (-;
Dies soll ein Ratgeber für Anfänger sein. Der Markt der Modellhubschrauber mit Elektromotor ist vielgestaltig und unübersichtlich.

Zum ersten können Sie sicher sein, dass Sie für 30 Euro keinen wirklich funktionierenden Hubschrauber bekommen.
(O.K., es gibt jetzt diese Styropor-Modelle, die aber nicht über alle Funktionen verfügen und eher für Kinder geeignet sind, aber um diese Modelle geht es hier nicht.)

Aber auch Preise um die 100 Euro garantieren keine Erfolgserlebnisse. Alle werben sinngemäß mit „Auspacken und Losfliegen“
Oft muss man noch die Hauptrotorblätter anbringen (selbst wenn nicht, spätestens nach einem Schaden an den Rotoren muss man sie auswechseln).
Leider wird dabei folgendes verschwiegen:
Die Befestigung der Rotorblätter an der Rotorwelle erfolgt bei billigen Hubschraubern nur mit einer Schraube ohne irgendwo einzurasten oder einen Gegenhalter zu finden, das heißt:
Das Rotorblatt findet keinen Punkt, um sich in der Waagerechten ausrichten zu lassen. Das ist Absicht. Der Winkel von 90 Grad, in dem die Rotorblätter zu den Stabilisatoren stehen, wird erst beim „Gasgeben” durch die Fliehkraft ausgerichtet.
(Ich habe bis heute noch nicht herausgefunden, ob das bei den teuren Hubis [ab 200 €] anders ist. Die Rotoren bei den „Echten“  kann man manchmal zur Seite klappen,  aber für den Flug werden sie auf jeden Fall starr in der Waagerechten befestigt!)
Wie ist diese Schraube befestigt? Sie muss ja ein wenig Spiel haben; sie darf nicht zu fest und nicht zu locker sein. Da gibt es Qualitätsunterschiede.

Irgendwann wird das Spiel auch so groß, das Sie es sein lassen können ))-;
In der Aufbauanleitung verwenden dann auch die Verkäufer viel Platz für die Austarierung der Stabilisatoren und ging über das Befestigen der Rotoren mit einem Satz hinweg..
Einige Firmen haben nachgebessert und geben (zumindest Conrad bei seinem „Reely”-Koaxial-Modell z. B. ist eine rühmliche Ausnahme) eine ausführliche (!) Bedienungsanleitung mit, in der das Problem erwähnt wird.

Das ist natürlich nicht das Einzige, auf das Sie achten müssen. Da gibt es noch Dinge wie Antriebs-Teile aus Metall oder aus Plastik etc., aber das würde jetzt den Umfang dieses kleinen Hinweises überschreiten.

Was für eine Art von Hubschrauber ist denn für Anfänger zu empfehlen?

Ganz klar ein Heli mit Koaxialrotoren, das heißt, zwei Rotoren übereinander. (Der Heckrotor hat dann keine Funktion außer Dekoration.)

Das ist der entscheidende Punkt: Ein(e) Anfänger(in) kommt mit dem sich dauernd in alle Richtungen bewegenden Teil, insbesondere mit der Justierung des Heckrotors überhaupt nicht zurecht.
So ein Koaxialmodell ist da schon etwas ganz Anderes.
Aber Obacht!
Auch solch ein Modell braucht, so klein es auch eventuell ausfällt, Platz für seine Bewegungen. Von wegen wohnzimmertauglich!
Sie brauchen als Anfänger Platz, Platz und noch einmal Platz, sonst knallt das teure Teil gegen Möbel oder, schlimmer, gegen Sie oder Ihre Mitbewohner, was zu erheblichen Verletzungen führen kann. In der „Reely”-Bedienungsanleitung ist die Rede von „mindestens drei mal drei Meter”.
Dass ich nicht lache!
30 mal 30 wäre realistischer. Und mit 2,50 m Deckenhöhe bekommen Sie als Anfänger nur Stress.
Also gehen Sie am Besten nach draußen, wenn der Heli denn für außen gebaut ist (sonst nur bei absoluter Windstille!). Oder Sie gehen in eine leere Halle (weder Gegenstände noch Menschen, siehe nächsten Satz). Und lassen Sie keine Zuschauer zu; weniger wegen der eventuellen Blamage als wegen der außerordentlichen Verletzungsgefahr. Sie sind dafür verantwortlich.

Und kaufen Sie sich vorher mindestens einen zweiten Lipo-Akku (so heißt die Akkumulator-Batterie, die den Flugmotor antreibt) oder einen dritten, denn nach zehn Minuten ausprobieren ist der Akku leer und Ihr Modell droht abzustürzen
(bekanntlich können Sie auf der Wiese — die übrigens nur ein ganz kurz gemähter Rasen sein darf, denn sonst verhakt sich das Landegestell darin — schlecht nachladen ((((-;
es sei denn Sie haben ein Auto mit dem berühmten Zigarettenanzünder-Anschluss dabei und einen dieser modernen Lipo lader, die in ein paar Minuten mit dem Laden fertig sind.
Auch diesen bekommen Sie nur bei hochpreisigen Hubschraubern! Bei den Billigeren müssen Sie eben ein halbes oder auch ganzes Stündchen pro Ladung warten
(Zitat: „Ladezeit 30 Minuten für 8 Minuten Flugspaß")    )-:
Andererseits haben die Billigen nur Motoren, die mit Kohlebürsten laufen. Diese erhitzen sich schnell und brauchen einige Zeit, um wieder abzukühlen, sonst sind sie hin! Da dürfen Sie dann ein wenig warten, aber das müssen Sie ja ohnehin wegen der langen Ladezeit ((-;  Die Teureren haben natürlich bürstenfreie Motoren (“brushless“).
Bei den Teureren haben Sie auch entweder eine Warnleuchte, die anfängt zu blinken, sobald der Akku schwächelt, oder der Hubi kann im Leerlauf landen.
Die Anderen kommen natürlich auch 'runter…Das freut dann die Ersatzteil-Lieferanten, wenn nicht sowieso wesentliche Teile ganz einfach kaputt gegangen sind, so dass der Händler sich die Hände reibt und Ihnen, falls Sie immer noch nicht geheilt sind, das nächste „Billig“-Modell verkauft.


Der Anfänger oder die Anfängerin tendiert natürlich zu einem kleinen Modell, denn die kosten weniger, scheinen ins Wohnzimmer zu passen (siehe oben) und sind sie nicht schnuckelig? Leider haben sie eine Eigenschaft, die für den Anfänger eher abträglich ist: Sie sind noch instabiler im Flugverhalten als es ein Helikopter sowieso schon ist.
Ja, auch wenn Sie es nicht hören mögen, ein Hubschrauber ist (im Gegensatz zum normalen Flugzeug) grundsätzlich ein instabiles Fluggerät, dessen Ausbrechen in alle Richtungen man ständig aktiv verhindern muss. Mit einem gewöhnlichen Flugzeug mit starren Flügeln haben Sie diese Probleme nicht. Überlegen Sie sich also gut, ob Sie sich das antun wollen!

Je größer der Heli, desto stabiler der Flug!
Je größer der Heli, desto größer die Verletzungen bei einem Unfall!

Ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse daraus!


Ach ja, die Fernbedienung sollte mit frischen Batterien oder Akkus geladen sein (bei Akkus kann ich nur „Eneloop” empfehlen, denn die halten tatsächlich monatelang, wenn man sie nicht betätigt und ziemlich lange, wenn man das Gerät benutzt). Sollten Sie das versäumen, kann es passieren, das Sie die Kontrolle über Ihren Helikopter verlieren und er Ihnen auf Nimmerwiedersehen davonschwebt, wenn nicht Schlimmeres passiert, wie ein Absturz oder anderer Schaden an Sachen oder gar Personen!
Die Fernbedienung sollte über  mindestens vier echte Kanäle für die vier Bewegungsmöglichkeiten verfügen, sonst können sie den Hubi nicht in allen acht Richtungen bewegen:
Pitch, Nicken, Gieren, Rollen und das mal zwei! *. Es gibt da Hersteller, die mit sechs Kanälen werben bei einem Preis unter 50 €.
Gemeint sind aber sechs Richtungen, das heißt, 1 Bewegungsmöglichkeit (= 2 Richtungen [für gewöhnlich das Rollen]) fehlt.

Bei guten Helikoptern wird der Pitch (wie alle anderen Bewegungsfunktionen auch) natürlich über die Blattverstellung geregelt (sie verfügen über einen Empfänger mit sechs echten Kanälen [in der Fernbedienung! – viele werben mit 6-Kanal und meinen nur den Empfänger!!]) und das wird momentan (Mai 2013) nur ab etwa 120 Euro aufwärts verkauft.
Bei — ähem — Billigen geht der Pitch über das Gasgeben bzw. die Rotordrehzahl.
Das kann ganz schön blöd sein. Probieren Sie's aus, dann wissen Sie was ich meine.


Linkshänder sollten eine Fernbedienung mit Gas rechts nehmen oder sie sich entsprechend umbauen (ist bei einigen FBs möglich).

Aber hier noch ein Link zu jemandem, der ganz offensichtlich mehr von der Sache versteht als ich:

helischool.de

Die Leute kann ich nur empfehlen.


Joo, alles nit eso eenfach, wat?
Ne schööne Jrooß us Düsseldorf
Viel Spass wünscht dä Krämer (dae_kraemer)


Noch mal zum Verständnis in Laiensprache die vier Bewegungsmöglichkeiten mit acht Richtungen:
PITCH („Abstand, Höhe“) = hoch / runter
NICKEN (engl. ”nick“)       = nach vorne Neigen/ nach hinten Neigen (Kippen um die Querachse); für Vorwärts/Rückwärts-Flug
GIEREN (engl. ”yaw“)        = links Drehen / rechts Drehen (Drehen um die Vertikalachse); Richtungswechsel zur Seite beim Schweben
ROLLEN (engl. ”roll“)        = links Neigen / rechts Neigen (Kippen um die Längsachse); Richtungswechsel zur Seite beim Fliegen

Un' noch wat:
Eine Möglichkeit, das Fliegen eines Modellhubschraubers zu erlernen, ist ein guter Flugsimulator. „Gut“ schließt natürlich den Simulator von „Kleinstweich“ aus ((-:  (zumindest in älteren Versionen, ob diese Firma je dazulernt, weiß ich nicht).
Da fliegen die Hubschrauber nämlich ohne Weiteres geradeaus, fast wie auf Schienen. Sie bremsen exakt wie ein modernes Fahrrad mit Scheibenbremsen, schweben von selbst wie noch nicht einmal eine Schwebfliege könnte, (welche ja auch ständig alle Bewegungen mit ihren Flügeln rasend schnell ausgleicht) und andere Unwahrscheinlichkeiten.

[Jetzt sagen Sie bloß, Sie wissen nicht, was eine Schwebfliege ist? Das sind diese gelb-schwarz gestreiften Insekten, die manche ängstlichen Naturen mit den ach so „fürchterlichen” Wespen verwechseln, aber über einen (meist schmalen) geraden, ungeteilten Körper verfügen und eben super schweben können. Das können sonst nur noch Libellen, vor denen einige ja auch Angst haben, obwohl sie genau wie die Schwebfliegen keinen Stachel haben, aber das führt hier zu weit (-:
Beide Insekten dienten z.B. dem Hubschrauberpionier Sikorsky als Vorbild.

Wind, ganz zu schweigen von Luftturbulenzen, „Bodeneffekt“ und dergleichen kommen jeden Falls in dem gerade erwähnten Simulator nicht vor (wohl um den Benutzer nicht unnötig zu nerven ((-;

Nehmen Sie stattdessen lieber „X-Plane“ oder „FlightGear“. Letzteres ist sogar gratis und trotzdem gut, weil viele begeisterte Leute daran mitarbeiten.
Möglich ist auch ein Programm für den Mac oder PC, welche(s) unabhängig von einem Flugsimulator-Spiel läuft und mit einer echten Fernbedienung ausgestattet ist, welche der Funkfernbedienung gleicht.  Apps für das iPad und Ähnliche gibt't inzwischen auch.

Da werden Sie am Anfang mit dem instabilen Flugkörper namens Hubschrauber Ihr blaues Wunder erleben. Aber nach hartem, ausdauerndem Training können Sie irgendwann nach dem -zigsten Absturz auf einem Hochhaus oder einer Ölplattform landen. So sparen Sie sich Geld und Ärger und haben eine ganz andere Voraussetzung für das Betreiben Ihres Flugmodells, nämlich Spaß.
Am Schluss kommt wie üblich meine Distanzierung von allen Links und deren Inhalten; für diese bin ich nicht verantwortlich.
 
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