Materialvielfalt beim Modellbau – was außer Holz, Kunststoff und Metall noch eingesetzt wird

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Materialvielfalt beim Modellbau – was außer Holz, Kunststoff und Metall noch eingesetzt wird

Der Modellbau ist ein vielfältiges Hobby, das auch den cleveren Einsatz von Materialien erfordert. Nicht immer findet sich genau das, was man sucht, um ein bestimmtes Modell möglichst realistisch darzustellen. Dann heißt es kreativ und erfinderisch sein und eine Lösung zu finden, die außerhalb der ausgetretenen Pfade im Modellbau liegt. So mancher Modellbauer hat sich dabei schon selbst mit seinem Erfindungsreichtum überrascht und ein Material verwendet, an das zuvor noch keiner gedacht hat. Häufig gilt es hier auch, Alltagsgegenstände oder Alltagsmaterialien nutzbringend weiter zu verwenden.

Die Modellbau-Materialien, die allgemein im Modellbau eingesetzt werden, gehen heutzutage weit über die traditionellen Werkstoffe Holz, Metall und Kunststoff hinaus und überraschen mit ihrer Vielfältigkeit. Wir möchten Ihnen in diesem Ratgeber einen Überblick über die unterschiedlichen Materialien geben, die im Modellbau eingesetzt werden können und die Gründe dafür erläutern. Denn an Materialien werden unterschiedlichste Anforderungen gestellt, je nachdem welchem Zweck ein Modell dient, wie haltbar und funktionsfähig es sein soll. Auch der Maßstab kann dabei eine entscheidende Rolle spielen und nicht zuletzt der Preis und die Bearbeitungsfähigkeit des Materials. Je nach Projekt können ganz verschiedene Materialien nützlich und sinnvoll sein.

Modellbau und Hobby-Modellbau – eine Abgrenzung

Häufig verwechselt werden der Modellbau, bei dem es sich um eine ganze Industrie und einen Wirtschaftszweig handelt und der Hobby-Modellbau.
Beim industriellen Modellbau werden wie beim Hobby-Modellbau dreidimensionale Objekte möglichst maßstabsgetreu dargestellt, allerdings handelte es sich dabei nicht immer um Nachbildungen von real existierenden Objekten. Häufig dienen solche Modelle auch als erstes Anschauungsbeispiel für ein Objekt, das noch nicht entstanden ist. Bei der Bauplanung können Architekten so zum Beispiel einen Eindruck gewinnen, wie ein Gebäude aussehen wird. Andererseits wird der Modellbau auch viel dafür eingesetzt, als Vorlage oder als Prototyp für die Erstellung von Negativformen zu dienen. Dies sind zumeist Gussformen für die Produktion industrieller Gussteile. Als Materialien können die unterschiedlichsten Dinge zum Einsatz kommen. Abhängig ist dies vom Zweck des Modells. Ein Negativmodell für Gussformen muss selbstverständlich aus einem stabilen Metall bestehen, während das Modell einer Parkanlage aus Styropor bestehen kann. Auch die Fähigkeit des Materials bemalt und bearbeitet zu werden ist ein Faktor. Generell sollen Materialien aber möglichst preiswert sein und sich einfach verarbeiten lassen.

Der Hobby-Modellbau dagegen beschäftigt sich hauptsächlich mit der Darstellung real existierender größerer Objekte. Das sind vor allem Gegenstände des modernen Alltags oder vergangener Epochen. Obwohl auch Menschen, Tiere und Gebäude dargestellt werden, stehen vor allem Darstellungen von motorisierten Fortbewegungsmitteln im Vordergrund. So werden Modellautos, Modellschiffe, Modellflugzeuge usw. angefertigt. Am bekanntesten sind sicher die Modelleisenbahnen, die im Hobby-Modellbau eine führende Stellung einnehmen. Verwendete Materialien müssen hier nicht unbedingt die preiswertesten sein, denn Hobbymodellbauer sind oft bereit, für ein besonders gutes Material tief in die Tasche zu greifen. Die Materialvielfalt hängt nicht nur mit der Vielfalt der dargestellten Objekte zusammen, sondern auch mit der angestrebten Haltbarkeit und Funktionsfähigkeit der Modelle. Zu guter Letzt ist der Hobby-Modellbau in den meisten Fällen auch wesentlich bestrebter das Modell optisch authentisch und realistisch aussehen zu lassen, wohingegen beim industriellen Modellbau oft eine zwar maßstäblich exakte aber nicht optisch genaue Nachbildung erforderlich ist.

Der Modellbau im historischen Kontext und sich änderndes Material

Der Modellbau ist in etwa so alt, wie die ersten motorisierten Fahrzeuge und Flugzeuge, die von der Menschheit hergestellt wurden. Wobei man hier noch zwischen einfachen Nachbildungen und bereits voll funktionstüchtigen Modellen unterscheidet. Die ersten Modelle waren Eisenbahnen, die nach der Erfindung dieses Fortbewegungsmittels schnell beliebt wurden. Schon Goethe wurde eine Modelleisenbahn für seine Enkelkinder geschenkt, allerdings war diese ein Standmodell, das nicht fahren konnte. Als erster Mensch stellte im Jahr 1870 der Franzose Alphonse Penaud ein flugfähiges Modellflugzeug her. Es wurde mit einer Luftschraube und einem Motor aus Gummi betrieben. Im Jahr 1901, als die Entwicklung der Flugzeuge noch in den Kinderschuhen steckte, gab es dann schon den ersten Modellbauclub zum Thema Flugzeugmodelle. Knapp zehn Jahre später war die Technik des Modellbaus bereits so weit entwickelt, dass Kurse und Seminare dazu abgehalten wurden.

Später wurde der Modellbau in vielen Nationen der Welt sehr beliebt und es entwickelte sich eine Industrie, die spezielle Modelle zum Kauf anbot. Heute existieren viele verschiedenen Unternehmen, die Modelle anbieten und eine Reihe von international anerkannten Standards, die die Maßstäbe betreffen, wurden entwickelt. Im Laufe der Zeit sind auch viele neue Werkstoffe hinzugekommen, die neben den traditionellen Werkstoffen Holz und Metall ihren Platz gefunden haben. So war das 20. Jahrhundert das Jahrhundert des Kunststoffs. Die anfänglich industriell aus Blech hergestellten Modelle wichen schon bald solchen aus Plastik. Durch die neu verfügbaren Materialien sind heute Modelle möglich, die zu Beginn des Modellbauzeitalters noch undenkbar gewesen wären. Oft sind sie entweder günstiger, besser formbar oder leichter.

Originalmaterial, Ersatzmaterial oder vorgefertigte Bauteile

Bei der Auswahl des Materials für den Modellbau im Hobbybereich kann man im Wesentlichen drei Vorgehensweisen unterscheiden.
Der Modellbauer kann bestrebt sein möglichst nur Originalmaterialien zu verwenden, die auch im Original verbaut sind. In vielen Fällen kann dies allerdings schnell scheitern, weil sich beim Verkleinern von Maßstäben nicht immer funktionsfähige Modelle bauen lassen, wenn die Originalmaterialien verwendet werden. Gerade Motoren und Antriebe lassen sich oft nicht eins zu eins umsetzen.
Die zweite Vorgehensweise ergibt sich aus diesem Problem: es werden dabei Ersatzmaterialien verwendet. Dies kommt sehr häufig vor und es haben sich daraus beispielsweise ganze Modellbausparten entwickelt. Der Plastikmodellbau und der Kartonmodellbau gehören zu diesen Kategorien.
Am häufigsten ist jedoch die dritte Variante anzutreffen, bei der auf industriell vorgefertigte Teile von Modellen zurückgegriffen wird. Besonders bei Modelleisenbahnen ist dies heute die am weitesten verbreitete Methode, sich dem Modellbau anzunähern. Oft sind diese Industriemodelle noch nicht ganz fertig, sondern Rohmodell und können noch weiter bearbeitet werden. Die Materialvielfalt ist hier besonders groß. Es finden sich:

Die Nützlichkeit dieser Materialien hängt in allererster Linie davon ab, in welchem Maßstab die Modelle gefertigt sind und welche Art von Modell dargestellt werden soll. Pappe in etwa eignet sich nicht für die Darstellung von Eisenbahnen, während sie dagegen gut für Gebäude und Landschaften verwendet werden kann.

Mehr als Holz, Kunststoff und Metall – der Kartonmodellbau

Eine besondere Kategorie des Modellbaus ist der Kartonmodellbau. Wie der Name bereits besagt, werden hier alle Modelle als Kartonmodelle bzw. Papiermodelle dargestellt. Für Anfänger gibt es hier den Modellbaubogen zum Ausschneiden und anschließenden Zusammenkleben. Die Motivwahl kann hier von historischen Gebäuden wie Burgen, über die ersten Heißluftballons bis hin zu Raketen und Flugzeugen reichen. Der Zusammenbau solcher Modellbauten erfordert Geschick beim Ausschneiden und Kleben, jedoch keine eigene Kreativität. Wer selbst Modelle aus Karton bauen möchte, kann sich mit solchen Fertigbögen jedoch die ersten grundlegenden Kenntnisse zur freien Gestaltung von Kartonmodellen aneignen. Auch für Kinder ist dieser Modellbau als Einstieg gut geeignet. Neben alltäglichem Werkzeug wie Messer, Schere und Kleber können später noch Holz, Metall oder weichere Materialien wie Nylon und Garn hinzukommen, die der detailgetreueren Darstellung dienen.

Nützlicher Werkstoff: Der Modellbau mit Epoxidharz

Neben den formgebenden Materialien benötigt der Modellbau natürlich auch noch Klebstoffe bzw. Materialien, die sich zum Verbinden und formen eignen. Beliebt ist in diesem Bereich u. a. das so genannte Epoxidharz, oft einfach nur „Epoxy" genannt. Käuflich ist es in kleinen Platten, die sich schmelzen lassen und dann verwendet werden können, um größere Flächen sicher miteinander zu verbinden. Je wärmer das Harz wird desto schneller erhärtet es. Beim Modellbau mit Epoxidharz ist zu bedenken, dass es unterschiedliche Sorten gibt, die unterschiedlich schnell erhärten. Müssen große Flächen mit dem Harz bearbeitet und zusammengefügt werden, dann ist etwa das 5 Minuten Epoxy nicht geeignet. Denn beim Aneinanderkleben müssen beide Flächen noch nass sein, damit sie sich auch sicher verbinden. In solchen Fällen ist also Epoxidharz zu empfehlen, welches länger flüssig bleibt und sich nicht so schnell erhärtet. Auch eine Kühlung verhindert ein zu schnelles Erhärten. Im Handel ist auch bereits flüssiger Kleber erhältlich, der Epoxidharz enthält. Dies empfiehlt sich bei kleineren Projekten und für Anfänger.

Modellbau mal anders - Spritzguss mit Resin

Beim Modellbau können erfahrene Modellbauer auch auf die Gusstechnik zurückgreifen, die sonst eigentlich nur vom industriellen Modellbau verwendet wird. Der Werkstoff Resin kann dazu verwendet werden, Spritzgussmodelle von Herstellern zu verwenden, um selbst beliebig viele Modellbauteile aus Resin damit zu gießen. Wer besonders abenteuerlich ist, kann sich auch selbst ein Spritzgussmodell formen und dann zur Vervielfältigung verwenden. Bei Resin handelt es sich um ein Gießharz, das in Gussformen gegossen werden kann, um einen Spritzguss durchzuführen. Die Gussform wird zunächst verschlossen. Dazu nimmt man am besten haushaltsübliche Gummis. Resin hat wie auch andere Harze eine relativ kurze Verarbeitungszeit, deshalb sollte man die Gussform schon vor dem Mischen vorbereitet haben. Das Resin und ein Härter werden im angegeben Mischungsverhältnis (oft 1:1) zusammengegossen und gut verrührt. Vor dem Eingießen sollten Sie Handschuhe anziehen und dann vorsichtig durch den Eingusskanal das flüssige Resin abgießen. Warten Sie nun, bis alles sicher ausgehärtet ist. Ein guter Indikator dafür ist der obere Rand am Eingusskanal.

Beim Entfernen der fertigen Teile aus der Gussform sollten Sie immer mit Vorsicht vorgehen. Denn Resin ist relativ zerbrechlich. Ist die Entfernung bruchfrei gelungen, können Sie sich über ein selbst gegossenes Modell freuen.

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