MSX und ZX-Spectrum – exotische Computerklassiker vorgestellt

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MSX und ZX-Spectrum – exotische Computerklassiker vorgestellt

Eine Zeitreise in die 80er Jahre

Im Vergleich zur Neuzeit herrschte in den 80er Jahren im Heimcomputerbereich eine „Artenvielfalt“, die sich nie mehr wiederholen sollte, obwohl die technischen Gegebenheiten dieser Zeit recht eingeschränkt waren. So war die Anzahl der damaligen 8-Bit-Prozessoren (CPU, „Central Processing Unit“) mehr als überschaubar. Taktraten von etwa 4 MHz waren gängig, etliche Modelle wurden allerdings auch mit wesentlich niedrigerem Takt betrieben. Arbeitsspeicher (RAM) war in diesen Jahren sehr teuer und so wurden viele Rechnermodelle mit nur wenigen Kilobyte RAM ausgeliefert. Zwar gab es Speichererweiterungen in Form von Modulen, dieses Zubehör kostete aber oftmals genauso viel wie der Rechner selbst. Diese Speicherknappheit hatte jedoch auch Vorteile. Es wurde einfach innovativer und effizienter programmiert, oftmals auch direkt in der sogenannten „Maschinensprache“ (Assembler), die wesentlich höhere Ausführungsgeschwindigkeiten ermöglicht als die sogenannten „Interpreter-Sprachen“ wie BASIC.

Der Lebenszyklus von Homecomputern

Von 1980 bis 1990 hatten Homecomputer noch einen sogenannten „Lebenszyklus“ von mehreren Jahren. Dies erklärt sich allein schon dadurch, dass die Hersteller die jahrelange Entwicklung und die damit verbundenen Kosten wieder am Markt zurückholen mussten, bevor ein Modell in die Gewinnzone kam. Irgendwann wurden die nötigen Stückzahlen abgesetzt und die Nachfolgeprodukte konnten vermarktet werden. Die Zubehörentwicklung unterlag einer ähnlichen Marktsituation. Es gab nahezu monatliche Innovationen als Konzept, aber deren Umsetzung zur Serienreife benötigte Zeit. Dazu kam das damalige Verbraucherverhalten. Aufgrund der hohen Kaufpreise der meisten Heimcomputer konnten sich wohl die wenigsten Computernutzer in kurzen Zeitabständen einen neuen Rechner leisten. In den 80er Jahren wurde auch speziell für die verfügbare technische Ausstattung programmiert. Wenn beispielsweise nur 16 Kilobyte für eine Adressverwaltung zur Verfügung standen, dann wurde der Programmcode so lange optimiert, bis er effizient lief. Bei den heutigen Systemen ist es umgekehrt, sie unterscheiden sich nur noch in technischen Details der Leistungsfähigkeit wie Taktraten und grafische Darstellungsmöglichkeiten. Die Hardwareindustrie folgt zumeist den Vorgaben der Softwareindustrie und der Lebenszyklus beträgt oft nur noch Monate.

Exotische Modelle: MSX und Sinclair Spectrum

Wenn Sie sich für Computerklassiker interessieren, sind Ihnen sicher Modelle wie Commodore C64, Atari 800XL oder Rechner der Apple-II-Reihe bekannt. Neben diesen seinerzeit marktführenden 8-Bit-Rechnern gab es einige Exoten, die heute das Sammlerherz begeistern können. Dieser Ratgeber bringt Ihnen die Besonderheiten von MSX-Computern und dem Sinclair Spectrum nahe und gibt Ihnen Tipps zur Objektsuche bei eBay. Als erste Orientierung soll ein kurzer Einblick über die Technik der beiden Computerklassiker dienen.

Der Z80 A: das klassische Herz vieler Homecomputer

Einer der wichtigsten Mikroprozessoren der 80er war der Z80 A der Firma Zilog. Der Z80 A wurde zu Beginn mit einer Taktrate von einem Megahertz (MHz) betrieben und verfügte über eine Datenbreite von 8 Bit. Vereinfacht bedeutet dies, dass in einem Arbeitsschritt eine Informationsbreite von 8 Bit (auch als Speicherwort bezeichnet) verarbeitet werden konnte.

Der „wahlfreie Arbeitsspeicher“: RAM (Random Access Memory)

Arbeitsspeicher wurde aufgrund der hohen Baustein-Preise in Kilobytegrößen zu 8, 16, 32 oder 48 Kilobyte verwendet. Alles darüber hinaus war nur in wenigen Modellen verfügbar und sprengte oft den finanzielle Rahmen der Computerfans. Der Begriff „wahlfrei“ ist hierbei etwas irritierend, im Prinzip soll damit ausgedrückt werden, dass dieser Speicher dem Anwender für Schreib- und Lesevorgänge frei zur Verfügung steht (im Gegensatz zum ROM, „Read Only Memory“).

Das festprogrammierte Gedächtnis: ROM

Beim ROM-Speicher handelt es sich um „nur lesbaren“ Speicher mit der gleichen Größenordnung wie der RAM-Speicher. Dieser Speicherbereich wird bei den Computerklassikern unterschiedlich genutzt. Bei einigen Rechnern enthält er nur die nötigsten Startroutinen und Steuerprogramme für den eigentlichen Betrieb, bei anderen auch komplette Programmiersprachen oder Grafikprogramme.

Massenspeicher: Audiokassetten und Kassettenrekorder

Eine einfache und sehr kostengünstige Art der Datenspeicherung wurde mit handelsüblichen Kassettenrekordern, einem Audiokabel und Audiokassetten realisiert.

MSX und Sinclair Spectrum

Bevor näher auf die Besonderheiten von MSX und Sinclair Spectrum eingegangen wird, ist ein grundlegender Unterschied zu erklären. Beim Sinclair Spectrum handelt es sich um eine spezielle Computerbaureihe der englischen Firma Sinclair. Der Begriff „MSX“ dagegen fasst Rechnertypen verschiedener Hersteller in einer standardisierten Bauweise unter einem einheitlichen Betriebssystem zusammen. Beide Rechnervarianten weisen jedoch Gemeinsamkeiten beim verwendeten Prozessormodell und dem Aufbau von RAM und ROM auf.

Der Sinclair Spectrum – günstiges Einsteigermodell mit einigen Besonderheiten

Die englische Firma Sinclair hatte sich zu Beginn der 80er Jahre bereits mit ihrem kostengünstigen Einsteigermodell ZX 81 einen Namen gemacht und war bekannt für eine sehr minimalistische Rechnerkonzeption. So wurde mit wenigen Baugruppen, geringem Arbeitsspeicher, monochromer Videoausgabe und Folientastaturen gearbeitet, um den Rechnerpreis niedrig zu halten. Die Eingabe von mehrseitigen Programmlistings ist mit einer Folientastatur eigentlich unzumutbar. Als clevere Erleichterung konnten neben der freien Eingabe über einzelne Zeichen mit speziellen Tastenkombinationen ganze Befehle auf einmal eingegeben werden. Da die Homecomputer der damaligen Mitbewerber allerdings immer besser ausgestattet wurden, musste Sinclair schließlich umdenken und brachte 1982 mit dem ZX-Spectrum eine wesentlich komfortablere Rechnerversion auf den Markt.

Technische Ausstattung

Der Spectrum war in Speicherausstattungen zu 16 und 48 Kilobyte erhältlich. Als Prozessor diente ihm der Z80 A mit einer Taktfrequenz von 3,5 MHz. Anstelle einer Folientastatur kam eine Gummitastatur zum Einsatz. Der 16 Kilobyte große ROM-Bereich wurde für das Betriebssystem und einen Basic-Interpreter eingesetzt. Der Basic-Interpreter bot eine Besonderheit bei der Listingeingabe, es konnten keine Basic-Befehle mehr von Hand eingegeben werden, sie wurden nur noch mit speziellen Tasten in den Programmcode eingefügt. Bei der Tonausgabe wurde auf den internen Lautsprecher zurückgegriffen, eine Ausgabe über den Fernseherlautsprecher ist nur mit einem Eigenbau-Kabel möglich. Der Spectrum beherrschte im Gegensatz zu seinem Vorgänger die Farbdarstellung und konnte mit einem einfachen Fernsehgerät über den Antennenausgang verbunden werden.

Zubehör

Auch der Betrieb von externen Geräten wie Drucker oder Joysticks war möglich. Hierzu dienten sogenannte ZX-Interfaces, die am Modulport des Spectrum angeschlossen wurden. Als Drucker konnte der von Sinclair hergestellte Metallfoliendrucker („ZX-Printer“) oder jeder Drucker mit einer RS-232 Schnittstelle verwendet werden. Ein weiterer speziell für den Spectrum geeigneter Drucker ist der Seikosha GP50-S. Für die Datenspeicherung konnten handelsübliche Kassettenrekorder verwendet werden. Sinclair brachte für den Spectrum auch ein eigenes Massenspeichersystem heraus, das sogenannte „Microdrive“. Hierbei handelt es sich um ein komplett eigenständiges Endlosbandgerät mit einer Aufnahmekapazität von ca. 85 Kilobyte. Der Softwaremarkt bot neben einigen Spielen auch Anwendungsprogramme und Programmiersprachen wie Assembler und Pascal an. Der Spectrum konnte also auch durchaus für anspruchsvolle Aufgaben eingesetzt werden und war somit kein „Spielerechner“ wie einige seiner Konkurrenten.

Weiterentwicklungen

Bis zum Verkauf der Firma Sinclair an das Unternehmen Amstrad im Jahre 1986 folgte noch zwei Nachfolgemodelle mit den Bezeichnungen Spectrum und Spectrum 128 k. Bei diesen Rechnern wurde das Gehäuse modernisiert, der Arbeitsspeicher vergrößert, das Tonsystem auf Dreikanalbetrieb erweitert und um eine MIDI-Schnittstelle ergänzt.

Das MSX-Konzept

Bei der in 1982 gestarteten MSX-Serie handelte es sich um eine Standardisierung von verwendeter Hardware und Software. Namhafte Hersteller wie Yamaha, Philips und Sony einigten sich auf eine Hardware-Umgebung und die Firma Microsoft lieferte das Betriebssystem. So sollte eine weitgehende Kompatibilität der angebotenen Modelle untereinander erreicht werden. Dies gelang vor allem in Japan und in einigen europäischen Ländern, aber aufgrund des verspäteten Markteintrittes konnte sich das MSX-System nicht wie geplant durchsetzen.

MSX-1

Der MSX-1 verwendete einen Z80 A-Prozessor mit 3,6 MHz Taktung und der RAM-Bereich erstreckte sich von 16 Kbit bis 64 Kbit. Neben einem grundlegenden Hardware-Aufbau rüsteten einige Hersteller ihre MSX-Modelle mit zusätzlichen Komponenten aus, welche der Kompatibilität aber nicht schadeten. So gab es MIDI-Schnittstellen und eine 8-stimmige Synthesizerkomponente von Yamaha (Modell CX5M), Grafiksoftware als ROM (Hitachi H1) und sogar eine integrierte Adressverwaltung (SONY Hitbit). Als Speichermedium gab es keine besonderen Eigenentwicklungen, es wurden zu Beginn Kassettenrekorder („Datasetten“) genutzt und ab Mitte der 80er Jahre kamen externe Diskettenlaufwerke im 5,25“-Format zum Einsatz.

MSX-2

Im Jahr 1986 wurde dann das Nachfolgekonzept MSX-2 veröffentlicht. Ähnlich wie beim Spectrum 128k wurde der Arbeitsspeicher vergrößert. Die Grafikleistung wurde durch einen neuen Grafikprozessor gesteigert. Erstmalig erhielten Modelle dieser Baureihe ein internes Diskettenlaufwerk. Als Speichermedien wurden 3,5“-Disketten mit Kapazitäten von 360 und 720 Kilobyte eingesetzt.

Zubehör

Beide MSX-Varianten bieten für den Anschluss von Zusatzgeräten eine Centronics-Schnittstelle an. Durch diesen Schnittstellen-Standard kann der MSX-User unter anderem aus einer großen Anzahl von Druckern auswählen.

Weiterentwicklungen

Das MSX-System lief einige Zeit länger als die Spectrum-Serie. In Japan wurden Weiterentwicklungen unter dem Namen MSX2 mit zusätzlichen Soundchips und Prozessortaktungen bis hin zu 29 MHz eingesetzt.

Erhältliche Software für beide Rechnertypen

Kaufsoftware wie Spiele und Anwendungsprogramme standen in den 80er Jahren aufgrund des günstigen Speichermediums lange als Kassettensoftware zur Verfügung. ROM-Module wurden auch angeboten, allerdings waren sie aufgrund der teuren Speicherbausteine recht kostspielig. Diskettenlaufwerke waren für viele Anwender zu teuer und hielten erst ab Mitte der 80er Jahre breiteren Einzug in die Anwendergemeinde. Es gab aber einen kostengünstigen Weg zur eigenen Programmsammlung, dieser führte zu den Computer-Fachzeitungen. Für beide Modelle gab es eine Vielzahl von Fachblättern, die neben den Fachartikeln auch komplette Programmlistungen enthielten. Diese sogenannten „Listings“ wurden vom begeisterten Computernutzer in stundenlanger Tipparbeit eingegeben und für die spätere Wiederverwendung auf Kassette abgespeichert. Eine sehr beliebte Fachzeitung mit Listings für MSX und Sinclair Spectrum ist die „Happy Computer“.

Die Qual der Wahl: MSX oder Sinclair Spectrum?

Für den ambitionierten Sammler stellt sich diese Frage eigentlich nicht, da beide Systeme in einer vollständigen Sammlung nicht fehlen dürfen. Finden Sie heraus, welche Version des jeweiligen Systems Ihre Begeisterung wecken kann. Liegt Ihnen mehr an den „spartanischen Erstlingen“ oder bevorzugen Sie die zuletzt erschienenen Varianten mit aller erdenklichen Ausstattung? Bei eBay können Sie mit etwas Geduld beide Varianten finden.

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