MFT schlägt APS-C

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Stiftung Warentest

Bei Systemkameras im unteren bis mittleren Preisbereich kämpfen Spiegelreflex- und klappspiegelfreie Modelle sowie verschiedene Sensorgrößen um die Käufergunst. Traditionell weit verbreitet ist das sogenannte APS-C-Format, das hauptsächlich mit dem kleineren Micro-Four-Thirds-Standard (MFT) konkurriert.


Physikalisch bedingt sind kleine Sensorformate beim Megapixelwahn und im Rauschverhalten gegenüber größeren benachteiligt. Allerdings spielt sich das mittlerweile auf so hohem Niveau ab, dass die Vorteile in der Praxis bei weitem überwiegen. Kleinere Sensoren ermöglichen auch kleinere, leichtere und handlichere Kamerasysteme, die aber in Sachen Qualität inzwischen die größeren APS-C-Systeme überholt haben. Das wurde durch praxisnahe, internationale Gemeinschaftstests unter Federführung der Stiftung Warentest immer wieder gezeigt.


Die MFT-Kamera Panasonic Lumix DMC-GH3A ist mit Note 1,8 als beste Systemkamera Testsieger geworden, direkt gefolgt vom preisgünstigeren Einsteigermodell Lumix DMC-G5 mit Note 2,0.


Die Panasonic Lumix DMC-GX8A ist mit dem Objektiv Lumix G X Vario 12-35 Asph. Power O.I.S. sogar die erste Kamera seit 2004, die ein „sehr gut“ im Qualitätsurteil erreicht, Note 1,5. Das ist deshalb besonders bemerkenswert, weil die Anforderungen für ein sehr gutes Urteil heute deutlich strenger sind als noch im Test 2004. Ausführlich im test-Heft 03/2016.

vergleichender Objektivtest

In Heft 01/2016 sind die Ergebnisse eines vergleichenden Objektivtests für Systemkameras zu lesen. Je drei Exemplare von sieben Herstellern sind im Rennen. Getestet wurden jeweils eine Festbrennweite im leichten Telebereich, ein preisgünstiges und ein teures Standardzoom kurzer Brennweite. Panasonic und Olympus bilden die MFT-Fraktion, während die übrigen Hersteller auf das größere APS-C-Format setzen.


Das erstaunliche Ergebnis lässt sich mit wenigen Sätzen so zusammenfassen:


  1. Panasonic belegt den Spitzenplatz mit der besten Note (1,3) und Lichtstärke mit dem Lumix G 42,5 mm F1,7 Asph. Power O.I.S.
  2. Das hochwertige Standardzoom von Olympus ist das beste Zoom im Test (1,3) und übertrumpft sogar die eigene Festbrennweite (1,6).
  3. Panasonic und Olympus verweisen die APS-C-Konkurrenz klar auf die Plätze. Selbst das namhafte Zeiss Vario-Tessar von Sony konnte die Tester nicht restlos überzeugen.
  4. Die „rote Laterne“ (2,9; Bildqualität 3,1) geht ausgerechnet an das teuerste (1090 Euro) Objektiv im Test.


Mehr Details:


Das preisgünstigste MFT-Objektiv im Test ist das Lumix G Vario 14-42 mm F3,5-5,6 II ASPH. Mega O.I.S. Es erreicht zwar mit der Note 1,7 das ungünstigste Qualitätsurteil aller MFT-Kandidaten, liegt damit jedoch um 0,3 besser als das beste APS-C-Zoomobjektiv, das preisgünstige Nikkor. Besonders peinlich erscheint vor diesem Hintergrund, dass die bereits oben erwähnte „rote Laterne“ für das schlechteste Qualitätsurteil (Note 2,9) aller 21 Kandidaten an das hochwertige Nikkor geht.


Solche eklatanten Ausrutscher findet man man bei der MFT-Fraktion kaum. Nur das preiswerte Panasonic Lumix G Vario 14-42 mm F3,5-5,6 II ASPH. Mega O.I.S. patzt bei Gegenlichreflexen, was zu seinem relativ ungünstigen Qualitätsurteil führt.


Das M.Zuiko Digital ED 12-40 mm 1:2,8 Pro von Olympus beeindruckt mit der Note 1,3 bei den Standardzooms, dicht gefolgt vom Panasonic Lumix G X Vario 12-35 mm F 2,8 Asph. Power O.I.S. mit der Note 1,4. Dafür kostet letzteres einen guten Hunderter weniger, bietet einen Bildstabilisator und ist 79 Gramm leichter. Klarer Vorteil für das Lumix von Panasonic.


Getestet wurden die Lumix-Kandidaten an einer Panasonic DMC-GX8 mit im Gehäuse eingebauter Stabilisierung. Da die meisten Panasonic-Kamerabesitzer jedoch, anders als bei Olympus, auf diesen Luxus verzichten müssen, sind die M.Zuikos für viele DMC-Besitzer ohnehin nicht die erste Wahl.


Bei näherem Vergleich der technischen Daten fällt auf, dass die beiden hochwertigen MFT-Standardzooms mit durchgehend F2,8 in Sachen Lichtstärke der APS-C-Konkurrenz deutlich überlegen sind. Die einzige Ausnahme in diesem Punkt ist im Testfeld das 1040 Euro teure Edelzoom aus Korea. Aber wer in Deutschland auf dieses Kamerasystem gesetzt hat ist sowieso angeschmiert, denn Samsung zieht sich von diesem Markt ab 2016 nach und nach zurück.


Das Niveau der MFT-Objektive ist also sehr hoch und liegt deutlich über dem der APS-C-Konkurrenten im Test. Wem das immer noch nicht reicht, dem bieten sich mit den Panasonic-Leica-Objektiven noch höherwertige Alternativen, die freilich ihren Preis haben.

MFT contra APS-C

MFT ist ein offener Standard mit einem kleineren Sensorformat als APS-C, der vornehmlich von Olympus und Panasonic bedient wird. Objektive und Kameragehäuse sind beliebig kombinierbar.


Genau diese Kompatibilität ist bei anderen Herstellern nicht gegeben. Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Wahrscheinlich ist das der wesentliche Grund für die technische Überlegenheit der MFT-Komponenten trotz physikalischer Nachteile: Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft.


Stiftung Warentest testet für die Allgemeinheit, nicht in erster Linie für Fachleute. „Verständlich und klar“ ist die Devise. Sie lässt mit wissenschaftlichen Methoden in unabhängigen Instituten testen und ist vollständig anzeigenfrei. Alle Testprodukte werden anonym im Handel eingekauft. Nur rund 11 Prozent ihrer Erträge erhält die Stiftung als öffentlichen Zuschuss.


Die vielen Fotoexperten in den Internetforen glauben in der Regel es besser zu wissen und belächeln die Testergebnisse der Stiftung. Ich war bisher jedoch damit immer gut beraten.


Fachmagazine, die einen Großteil ihrer Einnahmen mit Werbung machen, kommen verständlicherweise oft zu anderen Urteilen.

klapspiegelfreien Systemkameras gehört die Zukunft

Die klappspielgfreien MFT-Kameras sind 2105/2016 (noch) ein Nischenprodukt. Der Systemkameramarkt wird immer noch von DSLRs beherrscht, aber ihr Anteil ist rückläufig.


Ein Klappspiegel ist, anders als die Sensorgröße, kein Qualitätskriterium, sondern dank leistungsfähigerer Prozessoren fast immer entbehrlich. Sony hat bewiesen, dass klappspiegelfreie Systemkameras mit Kleinbild-Vollformat-Sensoren qualitativ vergleichbaren DSLRs mindestens ebenbürtig sind. Aber das ist ein anderes Thema.


In Sachen Video haben klappspiegelfreie Systemkameras aller Sensorgrößen klar die Nase vorn gegenüber den etablierten DSLRs. Bei der Festlegung des Micro-Four-Thirds-Standards (MFT, M43, mFT, m4:3, m4/3) wurde besonderes Augenmerk auf die Videofähigkeit gelegt.


Ich finde, wer sich als Durchschittsanwender im Jahr 2016 für das MFT-System entscheidet wird es nicht bereuen.

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