Leitfaden schnurgebundene Telefone korrekt beschreiben

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Leitfaden schnurgebundene Telefonapparate korrekt beschreiben

Version 1.0 (01. 07. 2008)

Dieser Ratgeber versteht sich als Leitfaden zur Erstellung aussagekräftiger Angebotsbeschreibungen und wendet sich an die Anbieter älterer (jedoch nicht historischer) schnurgebundener Telefonapparate (zu Schnurlosen empfehle ich meine ebay-Ratgeber „schnurlose Telefone" und „Galgenfrist für analoge Schnurlostelefone).

Analog oder digital ?

Telefonapparate sind stets für die Verwendung an einem bestimmten Anschlußtyp vorgesehen. Neben analogen Apparaten sind inzwischen auch solche für das ISDN weit verbreitet. Hierbei wird zuweilen übersehen, daß es hierfür auf dem deutschen Markt zwei Protokollvarianten gibt. Mit Einführung des ISDN ab 1988 wurde zunächst das „nationale" Protokoll 1TR6 verwendet. Nur für diese Protokollvariante geeignete Geräte sind heute im öffentlichen Netz nicht mehr direkt betreibbar (d. h. sie benötigen einen Protokollkonverter, eine entsprechende Anlage oder einen bilingualen NT „NTBiBA"). Ab dem Jahre 1993 fand der Umstieg auf das aktuell gebräuchliche „Euro"-ISDN-Protokoll E-DSS1 statt. In der Übergangszeit wurden einige wenige „bilinguale" Apparate hergestellt, die beide Protokolle beherrschen und daher immer noch direkt am öffentlichen Netz betreibbar sind. Ein weit verbreiteter Irrtum ist auch, von „Western"-Steckern auf einen digitalen Apparat zu schließen: die Steckerform trifft hierzu keine Aussage !

Arten von Apparaten

Neben dem Anschlußtyp sind Telefonapparate noch in einer weiteren Hinsicht verwendungsspezifisch. So gibt es sie nämlich einerseits für den haushaltsüblichen Standardanschluß. In diesem Fall eignen sie sich immer für den sogenannten Hauptanschluß sowie für Nebenanschlüsse an sogenannten Familientelefonanlagen. Mit einer sogenannten Signaltaste (in den Varianten „Erde" oder „Flash", häufig mit „R" beschriftet) eignen sie sich darüber hinaus auch für klassische, in größeren Geschäftsbetrieben übliche Telefonanlagen, die zur „Amtsholung" sowie zur Rückfrage und zum Makeln eine Signaltastenfunktion voraussetzen. Zweitens – und dies wird leider häufig übersehen – handelt es sich bei manchen Telefonapparaten um sogenannte „Systemtelefone", die ausschließlich an ganz bestimmten Telefonanlagen funktionieren. Sie werden von Unkundigen meist für Komforttelefone gehalten, da sie diesen in ihrer äußeren Gestalt (in der Regel mit Display und zahlreichen Funktionstasten) oft recht ähnlich sind. Sie sind jedoch als Bedienoberflächen der jeweiligen Telefonanlagen gedacht, quasi nur „Fassade" und allein zu nichts nütze, da (vergleichbar wie beim Verhältnis zwischen Computer und Tastatur) die gesamte Intelligenz in der Anlage steckt. Doch auch von dieser Regel gibt es Ausnahmen: einige wenige Systemtelefone für (meist relativ kleine) ISDN-TK-Anlagen sind auch (bei eingeschränktem Leistungsumfang) an S0-Bussen mit „reinem" (d. h. nicht herstellerspezifischem) E-DSS1-Protokoll betreibbar.

Standard- oder Systemapparat ?

Mit ungeschultem Blick ist der Unterschied meist nicht erkennbar. Die beste Erkennungshilfe für Laien dürfte daher sein, sich an Bezeichnungen auf dem Typenschild zu orientieren. Nachstehend habe ich dazu ohne Anspruch auf Vollständigkeit Namen von Anlagen- und Systemapparatefamilien aufgeführt. Steht eine solche Bezeichnung auf dem Apparat, kann daraus in der Regel auf einem Systemapparat geschlossen werden. Agfeo (Bosse) : ST; Alcatel (SEL): Intermat, System 12B 5605 ... 5630, 1034 ... 1074, 4011 ... 4035 / Reflexes; DeTeWe: conline, varix, SD; Elmeg: TK32; Ericsson: Business Phone, Consono, MD110, Dialog 3xxx; Hagenuk: BCS, CCS, HCS, ICS; Matra: Matracom 65xx; Northern Telecom: Meridian; Siemens: Hicom, Hipath, optiset; DBP / Telekom: connex, focus, octopus / octophon; Bosch (Telenorma, Tenovis): Integral, TK, 13, 92, 93; Diverse: CRA (= computergesteuerte Reihenanlage), 8818; Alle Hersteller: 1R4, 2R5, 2R11 (Baustufenbezeichnungen von Reihenanlagen).

Das Typenschild – geheimnisvoll, aber redselig

Nicht von sich auf andere zu schließen, gilt ganz besonders für die Interpretation der Angaben auf Typenschildern. Was Ihnen selbst vielleicht unverständlich oder unscheinbar sein mag, kann fachkundigen „Lesern" – was auf Sammler häufig zutrifft – wertvolle Hinweise geben. Angaben aller hier zu findenden Bezeichnungen – am besten Fotos – können hilfreich sein, den genauen Typ einer Modellreihe zu erkennen oder seltene von häufig produzierten Varianten zu unterscheiden. Solche Angaben auch in die Artikelbezeichnung aufzunehmen, erleichtert also auch Schatzsuchern, ihr Angebot zu entdecken (auch aktuell hierzuland unübliche Stecker sollten erwähnt und idealerweise auch abgebildet werden – einige Sammler suchen speziell danach). Der Hinweis auf eine Zulassung nur für Telefonanlagen besagt übrigens nicht, daß es sich um einen nur an Anlagen funktionierenden Apparat handeln muß. Viele der betroffenen Typen sind mit solchen für den analogen Hauptanschluß identisch und funktionieren dort ohne Probleme.

Vergißmeinnicht – Hinweise auf Besonderheiten

Manche Telefonapparate benötigen für eingebaute Anrufbeantworter, zur Sicherung ihrer Kurzwahlspeicher oder zum Betrieb ihrer Freisprecheinrichtungen Netzteile bzw. Batterien. Ein unterlassener Hinweis hierauf kann dem Käufer Verdruß bereiten.

Copyright by Thies Joachim Hoffmann

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