(Lebens)Beratung im Internet?

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Wenn wir krank sind, gehen wir zum Arzt.
Wenn wir einen Juristen brauchen, gehen wir zum Anwalt.
Wenn wir einen Seelsorger brauchen...

Halt, so einfach ist es nun auch wieder nicht!

Bei Schnupfen oder häufigen Kreislaufproblemen bzw. Kopfschmerzen gehen wir zum Onkel Doktor, klar.
Und regelmäßig - schon wegen des Bonusheft und Vorsorge - besuchen wir den Zahnarzt.
Erst recht natürlich bei Zahnschmerzen.
Die wir aber nie haben, weil wir ja zweimal im Jahr zur Kontrolle gehen...

Doch wie sieht es aus mit unklaren psychosomatischen Symptomen?
Was ist, wenn die Seele leidet?
Wenn uns Fragen quälen oder Probleme bedrücken?

Hier gilt es, einige Grundsatzentscheidungen zu treffen.
Nicht jeder ist religiös, und jede Religion hat da ihre eigenen Angebote.
Der eine geht zum Pfarrer bzw. Priester, der andere zum Rabbi, der dritte meditiert zu Räucherstäbchen...

Doch welcher Weg steht Menschen offen, die nicht religiös gebunden sind?
Die auch weder mit Tarotkarten noch mit Horoskopen ihre Fragen klären wollen?
Die andererseits jedoch nicht in einer so akuten Situation sind, daß sie die Telefonseelsorge anrufen würden?
Die auch nicht den Weg zu einem Psychologen oder Psychotherapeuten wählen wollen?

Auch diesen Menschen kann konstruktive Unterstützung geboten werden.
Mittlerweile sogar im Internet!

Die Philosophische Praxis

Im Jahr 1981 eröffnete Dr. Gerd B. Achenbach die erste Philosophische Praxis der Neuzeit. Der von ihm geprägte Begriff wird im Historischen Wörterbuch der Philosophie beschrieben als “professionell betriebene philosophische Lebensberatung (die) in der Praxis eines Philosophen geschieht.”

Weitere Informationen zur Philosophischen Praxis:
Der in der Antike noch selbstverständliche Gedanke, daß Philosophie auch immer einen Praxisbezug in sich hat, aus dem sich eine spezifische Beratungskompetenz des Philosophen entwickeln läßt, war der akademischen Philosophie in ihrem Elfenbeinturm lange Zeit etwas fremd geworden; es galt geradezu als "verpönt", aus akademischer Sicht.

Dabei war aber doch die Beratung, vor allem auch die Individualberatung in Lebensfragen, in der antiken Philosophie immer eine zentrale Aufgabe. Nicht nur Sokrates ging auf den Markt, um "mit den Leuten" zu philosophieren, nein: Aristoteles war der Erzieher (wir würden heute sagen der "Coach") von Alexander dem Großen, und der römische  Philosoph Seneca fragt rhetorisch in seinem Brief an Lucilius: “Willst Du wissen, was die Philosophie dem Menschengeschlecht verspricht ? Beratung!”


"Sâpere aude  -  Habe den Mut, Philosoph zu sein!"

Durch  Immanuel Kant (1724-1804) wurde diese Aufforderung des römischen Dichters Horaz (65-8 v.Chr.) erst richtig bekannt und berühmt. Bekanntlich beginnt Kant seine kleine Schrift "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? " von 1783 mit den Worten:

    "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten
Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne
Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit,
wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der
Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu
bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
ist also der Wahlspruch der Aufklärung."


Man kann die Worte zunächst durchaus so verstehen, wie Kant es tut. Es ist jedoch weit mehr gemeint, als Kants Deutung zunächst vermuten läßt. Das lateinische Verb "sapere" muß man hier jedoch im Sinne von "sapiens esse" (weise sein) verstehen. Ferner bedeutet "sapiens" - im Unterschied zu "prudens" (klug) - nicht nur "weise" (Adjektiv), sondern auch (als Substantiv) der "Weise" und der "Philosoph".

Dann also muß die Horaz'sche Aufforderung so übersetzt werden, wie es hier beschrieben ist. Das Wort "sapiens" (der Weise, der Verständige) wird also synonym mit dem Wort "philosophus" (der Philosoph) verwendet, auch wenn der Philosoph eigentlich "nur" (im Wortsinne)  ein "Freund der Weisheit" ist, d.h. Einer, der sich tatkräftig um sie bemüht und nach ihr strebt, sie aber dennoch nie erreicht.


Was ist “Philosophische Praxis?”

Mit dieser Frage, „was etwas ist", beginnt bereits jede Philosophische Praxis!

Philosophische Praxis meint dabei zweierlei:
  • zum einen ist eine Philosophische Praxis ein Ort und eine Institution, die ähnlich einer Rechtsanwaltskanzlei oder einer Arztpraxis den Raum, aber vor allem den methodischen Rahmen für das, was sich in ihr ereignen soll, nämlich das Praktizieren von Philosophie, bereitstellt.
  • und zum anderen ist Philosophische Praxis das praktische Anwenden von Gedanken, Vorstellungen und Theorien in der Wirklichkeit des Lebens. Praxis meint ein konkretes Tätigsein, das Ausüben von etwas, als Gegenstück zur bloßen Theorie. Im Mittelpunkt steht dabei der dia-logos, das philosophische Gespräch mit all seinen Schattierungen und Möglichkeiten.

Philosophische Praxis ist keine Psychotherapie, in der die psychische Struktur des "Patienten" Gegenstand einer Therapie ist, sondern Philosophische Praxis ist der Versuch, gemeinsam reflektierend Lebenskunst zu praktizieren. Philosophische Praxis findet auf gleicher Augenhöhe statt; der Philosoph dient hier nur dem Klienten als Vertreter eines speziellen Fachwissens und einer philosophischen Methodik, der Klient ist nicht als "Patient" ein Objekt.

Philosophische Beratung versteht sich somit als Reflexion und Modifikation des Selbst- und Weltbezugs des Klienten.

Damit ist gemeint, daß sich der Philosoph gemeinsam mit seinem Klienten dialogisch mit dessen persönlicher Lebensphilosophie auseinandersetzt. Dabei geht es um das "Wachwerden" für die Art der derzeit implizit vertretenen Philosophie und den Bezug dieser persönlichen Lebensphilosophie zur gegenwärtigen Lebenssituation des Klienten. Im Idealfall folgt diesem (Selbst-)Verstehensprozeß die Entwicklung  alternativer Sichtweisen auf das eigene Leben und damit die Möglichkeit zur Änderung der jeweiligen Lebenssituation, zur Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten.

Hierbei ist wichtig: der gute Berater
  • ist NICHT jemand schon vorher genau zu wissen meint, was für seine Klienten "das Richtige" ist und
  • ist NICHT jemand, der seinen Klienten "Ratschläge" erteilt...
Denn:

Ratschläge sind auch Schläge!



Konkrete Hinweise:

Unter den Stichworten "Achenbach" bzw. "Philosophische Praxis" und "Beratung" finden Sie weiterführende Informationen.
Ebenso ist die folgende Adresse eventuell hilfreich
  • Internationale Gesellschaft für Philosophische Praxis (IGPP)           


Ein guter Berater bietet selbstverständlich ein  K O S T E N L O S E S  Erstgespräch an.
Außerdem sind die Kosten i.d.R. überschaubar und nicht höher als bei Homöopathen oder Akupunkteuren.
Manche Berater bieten sogar Beratung per e-Mail an oder eine spezifische für bestimmte Zielgruppen.

Fragen kostet nichts!



(Fortsetzung folgt)




Weitere Infos von "fraktale_muster" folgen in Kürze
(bitte unterscheiden von den neuen fake-Namen wie "fraktale_monster" oder "fraktale_muster_123"):



Das eBay-Mitglied " fraktale_muster" ist u.a. Mitglied bei:

   

 

   



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