Kratzbaum oder Wie erziehe ich meine Katze

Aufrufe 37 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war

Wer hat eigentlich die Hypothese aufgestellt, dass man Katzen nicht erziehen kann? Es ist sicher nicht so einfach wie bei Hunden, aber auch die Katze möchte ihrem Herrchen/Frauchen gefallen.

Man könnte es auch so benennen: Der Hund gehorcht, - die Katze hört, nimmt es zur Kenntnis und kommt evtl. später darauf zurück.

Es ist ganz einfach, eine Katze zu erziehen, wenn man grundsätzlich mit ihrem natürlichen Verhalten und nicht gegen dieses natürliche Verhalten arbeitet. ... dazu ist natürlich eine Menge Geduld nötig!

Ein einfaches Beispiel:

Der Kratzbaum

Viele ärgern sich darüber, dass ihre Katze Möbel, Tapeten oder andere Einrichtungsgegenstände zerkratzen. Für die Katzen ist die Krallenpflege und das Hinterlassen ihres Geruches dabei jedoch ein natürliches Bedürfnis. Es gehört ganz einfach zu ihrem natürlichen Verhalten.

Die Katze sucht sich dafür in der Regel einen für sie attraktiven Ort, z. B. eine Sofaecke (weil diese in den Raum heraussteht) oder z. B. einen Fenstersturz. Zu schimpfen bringt hier wenig!

Stellen Sie einfach dort, wo es die Katze sowieso hinzieht den Kratzbaum davor, auch wenn er Ihnen dort im Weg steht! In der Regel geht die Katze dann automatisch an den Kratzbaum. Wenn sie am Kratzbaum erst einmal eine Weile ihren Geruch hinterlassen hat, können Sie beginnen diesen Stückchen für Stückchen zu verschieben, bis sie ihn dort stehen haben, wo es Ihnen gefällt. Die Katze wird in der Regel mitwandern.

Bei sehr hartnäckigen Fällen kann man parallel dazu mit Präsenz arbeiten. Ich habe eine meiner zwei Katzen am Anfang nur unter Beobachtung in den Raum gelassen, wo sie Schaden anrichten wollte. Ein lautes "NEIN", verbunden mit Klatschen und danach SOFORT die Katze geschnappt und die Pfoten ein den Kratzbaum gesetzt  mit den Worten "zeig mir mal den Kratzbaum" oder nur "Kratzbaum" hat hier sehr schnell Erfolg gebracht.

Achtung: Den Kratzbaum möglichst freundlich benennen und auch lediglich die Anwesenheit dort loben. Sie wird von alleine anfangen zu kratzen.

Meine "Zweitkatze" zieht mit der Benutzung des Kratzbaumes auch heute noch meine Aufmerksamkeit auf sich, um mir z. B. anschließend zu zeigen, dass sie etwas zu fressen oder nach draußen möchte.

Katzen sind auch sehr sensibel was Gerüche angeht. Die Kratzbäume, die man fertig kaufen kann, sind oft mit diversen Mitteln imprägniert (gegen Schädlinge oder so? wegen des Transportes?), die die Katze nicht riechen mag. Manchmal hilft es hier den Kratzbaum mit Catnip-Spray einzunebeln, das regt den Spieltrieb der Katze an. Ich habe auch schon einen Kratzbaum, der boykottiert wurde mit Febreze eingesprüht (trocknen lassen, bevor die Katze wieder daran darf!), danach wurde er sofort akzeptiert (und heftig zerlegt!!!). Das muss dann wohl einen Geruch neutralisiert haben, den die Katze nicht mochte.

Meine "Erstkatze" war da besonders sensibel. Als wir aber einen ganz schlichten Kratzbaum selbst gebaut haben (nur eine ca. 1,10 m lange Stange mit Sisalseil umwickelt und senkrecht auf eine mit Teppich bezogene Platte geschraubt), hat sie ihn sofort akzeptiert. Bereits beim Bauen hat sie am fertig gewickelten Teil ihre Krallen gewetzt.

Der nächste Begriff, den die Katzen gelernt haben war die

"WOLLDECKE"

da die Katzen mit meine Erziehungsspielchen ja bereits vertraut waren (NEIN, KLATSCHEN, ZEIGEN, LOBEN), war es wirklich leicht, ihnen beizubringen, dass sie auf dem Sofa nur auf der für sie bereitgelegten Wolldecke zu liegen haben (oder auf der, unter der ich selber liege!).

Wichtig ist: Erst wenn die Katze etwas sicher gelernt hat mit dem nächsten Projekt beginnen und das bereits Gelernte weiterhin üben.

Ein wenig Toleranz ist natürlich auch wichtig. Wenn meine Katze die Wolldecke mit einem zusammengelegten Handtuch oder einer zusammengelegten frisch gebügelten Tischdecke verwechselt, dann schimpfe ich nicht. Ich will die Katze ja nicht verunsichern. Ich entferne das Verwechslungselement einfach ohne viel Worte zu machen und setze die Katze auf ihren Platz.

Und ganz ganz wichtig: MIT DEM NATÜRLICHEN VERHALTEN ABREIBEN, NICHT DAGEGEN!

Wenn zu uns neuer Besuch kommt, ist dieser oft erstaunt, wie meine Katzen "gehorchen", wenn ich sie irgendwo hinsetze und sage "leg dich hin". Der Witz ist aber ganz einfach. Ich kenne meine Katze sehr gut, wir verstehen uns. Durch mein konsequentes Verhalten hat sie gelernt, was ich ihr sagen will. Und durch ausgiebige Beobachtung ihres natürlichen Verhaltens habe ich gelernt, an welcher Stelle ich ihr natürliches Verhalten in die von mir gewünschten Bahnen leiten kann.

Meine Katzen zerstören nichts, legen sich brav auf ihre Wolldeckenplätze und Kratzbäume, miauen Bescheid, wenn sie nach draußen möchten, lassen sich abends brav "ins Bett" (auf ihren Schlafplatz, NICHT mein Bett!) schicken, gehen nicht auf den Wohnzimmer- oder Esszimmertisch oder auf meine Küchenarbeitsflächen. Sie sind die liebsten Katzen der Welt (wenn sie nicht ihre drolligen 5 Minuten haben, hatte ich schon erwähnt: Man sollte tolerant sein, alle Katzen "spinnen" ab und an mal. Sie testen wie Kinder Grenzen aus. Konsequent sein ist da alles!) und lassen sich wirklich alles von mir gefallen, weil sie sicher sind dass ihnen nichts passieren wird. Selbst der Tierarzt war über meine braven Katzen schon erstaunt.

Ich hoffe, die kleine Beschreibung meiner Erziehungsversuche hilft ein wenig bei Ihrer "Problemkatze". Es gibt eigentlich keine Problemkatzen, nur Verständigungsprobleme.

Mit Geduld und Liebe kann man fast alles erreichen!

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden